Neuer Anlauf in Schottland? Raus aus UK, rein in die EU? Pfund zeigt Reaktion

FMW-Redaktion

In 2014 gab es das große schottische Unabhängigkeitsreferendum. 55,3% der Schotten entschieden sich ein Teil von Großbritannien bleiben zu wollen. Damit war die Sache eigentlich endgültig gegessen, denn die schottische Regierungspartei, die unbedingt aus UK austreten wollte, erklärte diese Wahl vorher zu einer Wahl, die nur einmal in einer Generation vorkomme. Alles entscheidend, sozusagen.

Aber seitdem nun endgültig klar ist, dass Theresa May Großbritannien sogar von sich aus in einem „harten Brexit“ aus der EU führen wird, stehen die Zeichen endgültig wieder auf „zweiter Anlauf“. Denn die Schotten sind mit großer Mehrheit EU-freundlich eingestellt, und wollen in der EU verbleiben. Dass Großbritannien hart aus der EU ausscheidet, und man auch nicht mehr Teil des EU-Binnenmarktes sein wird, ist ein Schock für die Schotten.

Laut der regierenden Scottish National Party habe May´s radikale Abkehr von der EU die Lage geändert. Es sei Zeit für ein neues Referendum in Schottland um aus UK auszutreten. Theresay May wird sich diese Woche in Schottland aufhalten und bei der „Scottish Conservative Conference“ reden. Am Mittwoch soll laut The Times ein privates Gespräch mit der schottischen Regierungschefin Nicola Sturgeon stattfinden, bei dem ein erneutes schottisches Unabhängigkeitsreferendum ins Gespräch gebracht werden soll. Dabei soll es wohl darum gehen, dass Schottland kurz nach der britischen EU-Austrittserklärung im März ein erneutes Referendum für Schottland ankündigt.

Das Referendum in Schottland soll aber, wie die Times vermutet, erst nach einem letztlich vollzogenen EU-Austritt UK´s stattfinden, also vielleicht erst in zwei Jahren. Obwohl die Schotten mit 55,3% vor 3 Jahren für einen Verbleib im Königreich stimmten, ist die Stimmung nach diversen Beobachtungen und Umfragen in Schottland seit 2014 deutlich weiter Richtung Unabhängigkeit gekippt. Es ist schon paradox, dass eine erneute weitere Zersplitterung Europas letztlich pro-europäisch wäre, weil Schottland für sich genommen ja Teil der EU bleiben will. Also erst raus aus UK, danach als eigenständige Nation wieder rein in die EU? Das wäre nach langer Zeit mal wieder etwas Positives für die EU.

Seitdem der Interbanken-Devisenmarkt gestern Abend den Handel wieder aufgenommen hat, ist das britische Pfund gegen den US-Dollar von 1,2460 bis heute früh auf 1,2390 abgerutscht, um sich dann wieder etwas zu stabilisieren. Der Schock war also spürbar, aber begrenzt. Mittwoch sind wir alle schlauer, was in den Gesprächen herauskommt.


Das Pfund gegen den US-Dollar seit Freitag.


Kommentare

Neuer Anlauf in Schottland? Raus aus UK, rein in die EU? Pfund zeigt Reaktion — 11 Kommentare

  1. @Gixxer
    Das ist doch leicht zu verstehen.
    Auf der Krim liegt der russische Bevölkerungsanteil bei knapp 70%, der ukrainische nur bei gut 15%.

    Also konnte das doch keine gerechte Wahl werden, weil von v o r n h e r e i n klar war, dass die Minderheit verlieren wird.
    Damit eine Minderheiten-Diskriminierung verhindert werde – darum geht es doch heute überall auf der Welt – hat der Westen sofort angekündigt, diese Wahl nicht zu akzeptieren.

    Und jetzt sind da auch noch die von Herrn Fugmann erwähnten Soldaten
    Die die Russen haben alle nur deshalb pro Russland gestimmt haben, weil ihre beim Militär dienenden Landsleute mit der Kalaschnikow hinter ihnen in der Wahlkabine standen und sie gezwungen haben auch wirklich für ihr geliebtes Vaterland zu stimmen.

    Oder verhielt sich das noch etwas anders? Eventuell soo?
    Mag sein, die Russen haben sich auf der Krim einfach richtig zu Hause gefühlt mit den russischen Soldaten um sie herum. Viele Söhne und andere Verwandte von ihnen sind ja selbst bei der Armee.
    Und obendrein haben sie sich mit den russischen Soldaten relativ sicher fühlen können. Kurz vorher mussten sie nämlich noch erleben, wie rund 30 ihrer Landsleute elendig verbrannten, weil Ukrainer sie in einem Gewerkschafterhaus eingesperrt hatten und dieses anzündeten. Spätestens da hatten sie wohl erkannt, dass sie von den Ukrainern gar nicht richtig geliebt werden.

    Vielleicht hatten sich zudem auch viele Nichtrussen aus Sicherheitsgründen f ü r Russland entschieden, weil sie kriegerische Auseinandersetzungen fürchteten, wenn ukrainische Soldaten noch weiter zur Krim vordringen sollten und womöglich den Russen den Flottenstützpunkt streitig machen wollten. Genau dort befanden sich ja die meisten russischen Soldaten, von denen immer die Rede ist. Um den Stützpunkt zu schützen.
    Möglicherweise stimmten aber auch viele Nichtrussen für Russland, weil sie hofften, es ginge ihnen bei einer Zugehörigkeit zu Russland wirtschaftlich besser als im Staatenbund mit der bankrotten Ukraine.

    Sehen Sie Gixxer, man kann es drehen wie man will.
    Es ging zwar auch auf der Krim um das freie Selbstbestimmungsrecht eines Volkes – aber es ist trotzdem überhaupt nicht vergleichbar mit Schottland.
    Und mit dem Brexit-Votum in GB ist es schon gleich dreimal nicht vergleichbar. Denn da hat ja „nur“
    eine k n a p p e Mehrheit für den Ausstieg gestimmt und nicht wie auf der Krim allein schon 70% wegen des russischen Bevölkerungsanteils. Plus der x% von anderen Einwohnern.

    • @Gerd.
      Ich bin durchaus bei Ihnen. Die Russen machen sicher nicht alles richtig und verstoßen auch hie und da mal gegen das Völkerrecht. Die Amis oder der Westen aber auch.
      Ich wollte mit meinen Kommentaren den Finger nur mal in die Wunden legen.

      Noch eine Kleinigkeit. Bei einem Bevölkerungsanteil von 70% Russen muss was nicht stimmen, wenn sich die Mehrheit für Russland entscheidet. Wenn allerdings bei einer Wahl in Bayern in manchen Ortschaften 90% CSU wählen, ist selbstverständlich alles in Ordnung.
      Vielleicht ist es in beiden Fällen aber genau das gleiche, nämlich, dass es wirklich der Wille des Volkes war.

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