Deutsche Erzeugerpreise satt im Plus: Zwei Möglichkeiten gibt es, wohin die steigenden Preise weiterfließen

FMW-Redaktion

Die Inflation ist im März etwas rückläufig gewesen, und alle Welt glaubt nun, dass sie erst einmal eingeschlafen ist. Da haben wir seit einigen Wochen so unsere Zweifel, da die Indikatoren, die der letztlichen Inflation (Verbraucherpreise) vorlaufen, zumindest in Deutschland zuletzt immer wieder kräftig im Plus liegen. Erst letzte Woche berichteten wir über die Großhandelspreise, die für März auf Jahresbasis mit 4,7% zulegen konnten. Heute nun kommen für März andere vorlaufende Indikatoren rein, die ebenfalls als Frühindikator für die letztlichen Verbraucherpreise angesehen werden können.

Die Erzeugerpreise der Industrie müssen letztlich über mehrere Zwischenstationen an die Endverbraucher durchgereicht werden – zumindest gemäß normalen ökonomischen Theorien. Die Erzeugerpreise für März liegen in Deutschland auf Jahresbasis mit 3,1% im Plus. Selbst ohne den gesamten Energiesektor (+4,5%) liegen die sonstigen gewerblichen Erzeugerpreise immer noch fett im Plus bei 2,6%. Zwei Varianten sind jetzt möglich, wenn man sich die letztlich entscheidende Inflation betrachtet, auf die die EZB schaut.

Entweder schlagen die hohen Preise dieser Vorlaufindikatoren (Großhandel +4,7% / Erzeugerpreise +3,1%) mit „Verzögerungszünder“ auf die Endkundenpreise durch in vielleicht 2, 3 oder 4 Monaten? Wer weiß das schon so genau? Oder zweitens gibt es da immer noch die theoretische Möglichkeit, dass der Kampf um die Endverbraucher in allen Konsumbereichen inzwischen so groß ist, dass die Verkäufer diese steigenden Preise nicht an ihre Endkunden weitergeben. Das ist wie gesagt theoretisch wie auch praktisch möglich. Dann müssten entweder die Margen bei Großhändlern und Einzelhändlern sinken, oder sie müssten zum Beispiel durch Arbeitsplatzabbau oder Effizienzgewinne Kosteneinsparungen erzielen, um die höheren Preise aufzufangen.

Welche Sichtweise ist nun zutreffend?

Weitere Details vom Statistischen Bundesamt zu diesen heutigen Daten im Originalwortlaut:


Vorleistungsgüter (Güter, die im Produktionsprozess verbraucht, verarbeitet oder umgewandelt werden) waren im März 2017 um 3,9 % teurer als im März 2016. Gegenüber dem Vormonat Februar stiegen diese Preise um 0,6 %. Metalle insgesamt kosteten 12,3 % mehr als im März 2016 (+ 0,6 % gegenüber Februar 2017). Dabei war Walzstahl um 19,4 % teurer als im Vorjahr, Betonstahl sogar um 29,8 %. Chemische Grundstoffe kosteten 7,1 % mehr als im Vorjahresmonat. Dagegen war Mehl 3,5 % billiger als im März 2016 (+ 0,4 % gegenüber Februar 2017). Düngemittel und Stickstoffverbindungen verbilligten sich um 4,2 % (+ 0,6 % gegenüber Februar 2017).

Die Preise für Verbrauchsgüter waren im März 2017 um 2,7 % höher als im März 2016 und 0,2 % höher als im Vormonat Februar. Nahrungsmittel kosteten im Jahresvergleich 4,0 % mehr, gegenüber dem Vormonat Februar stiegen die Preise hier geringfügig um 0,1 %. Einen besonders starken Preisanstieg gegenüber dem Vorjahresmonat wies weiterhin Butter mit einem Plus von 52,8 % auf, jedoch sanken die Preise gegenüber Februar um 5,6 %. Zucker kostete 11,6 % mehr als im Vorjahresmonat. Fleisch ohne Geflügel war um 9,5 % teurer als im März 2016, Kaffee um 5,2 %. Dagegen kostete Geflügel 3,0 % weniger als vor einem Jahr.

Investitionsgüter waren im März 2017 um 1,0 % teurer als im März 2016 (+ 0,1 % gegenüber Februar 2017), Gebrauchsgüter um 1,2 % (+ 0,2 % gegenüber Februar 2017).


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