Arbeitslosigkeit in Deutschland ist reine Ansichtssache

Von Claudio Kummerfeld

Wenn man in Deutschland repräsentativ 1000 Bürger befragen würde, wie sie das Wort Arbeitslosigkeit definieren, würden wohl alle 1000 übereinstimmend antworten: Das Wort bedeutet, dass die betreffende Person keine Arbeit hat. So sehen wir das auch. Aber in Deutschland ist das Wort „Arbeitslosigkeit“ wohl reine Ansichtssache. Denn die Bundesagentur für Arbeit, die ja der Verwalter des ganzen Themenkomplexes ist, müsste das Thema zu aller erst sehr genau nehmen. Eine aktuelle Aussage des Leiters der Hamburger Arbeitsagentur Sönke Fock im Hamburger Abendblatt offenbart aktuell, wie die deutsche Bundesregierung mit dem Thema letztlich eine große Täuschung betreibt. Wie wir schon öfters beschrieben haben, liegt die tatsächliche Arbeitslosenquote ein Deutschland konstant 30% höher als offiziell angegeben. Es bedarf nur einer Anpassung in der Definition, was denn überhaupt das Wort Arbeitslosigkeit bedeutet.

Sönke Fock hat es da gestern nochmal für alle Leser klipp und klar auf den Punkt gebracht. Da sagte er zu dem Thema nämlich, dass in der Zahl der Arbeitslosen nur derjenige erfasst sei, wer für den Arbeitsmarkt unmittelbar zur Verfügung stehe. Daran gebe es nichts zu rütteln, so Fock. Das ist eine wichtige Kernaussage. Also nochmal: Beim Wort „Arbeitslosigkeit“ denkt jeder normale Mensch, dass in der Zahl zu diesem Wort alle Menschen erfasst sind, die arbeitslos sind. Aber nein, die Bundesagentur für Arbeit sieht das ganz anders. Arbeitslos oder besser gesagt in der veröffentlichten Zahl der Arbeitslosen erfasst ist nur derjenige, von dem die Arbeitsagentur meint diese Person könne man hier und jetzt unmittelbar in einen Job vermitteln.

Was ist das nur für eine Heuchler-Nummer, möchten wir da fragen? Fakt ist: Auf der Webseite der Bundesagentur für Arbeit kann man offiziell nachlesen: Personen älter als 58 Jahre, die länger als ein Jahr arbeitslos sind, werden aus der Zahl der Arbeitslosen gestrichen, weil sie schwer vermittelbar sind. Also kann ein 59jähriger Langzeitarbeitsloser nicht mehr unmittelbar in den Arbeitsmarkt vermittelt werden? Zack, raus aus der Statistik. Dass er trotzdem arbeitslos ist, zählt für die Statistik nicht! Arbeitslose, die am Stichtag der monatlichen Arbeitslosenzählung (15. des Monats) gerade offiziell beim Amt krank gemeldet sind, zählen nicht als unmittelbar vermittelbar, und werden daher ebenfalls aus der Statistik gestrichen – kein Witz! Zack, raus aus der Statistik.

Arbeitslose, die gerade in einer Weiterbildungsmaßnahme (Papierflieger basteln, den Wald fegen) untergebracht sind, stehen eben aufgrund dieser Maßnahme dem Arbeitsmarkt nicht unmittelbar zur Verfügung, und fallen ebenfalls aus der Statistik. Zack, raus. Flüchtlinge, die jetzt vom BAMF sozusagen „umgebucht“ werden hin zur Bundesagentur für Arbeit, wird man jetzt aller Voraussicht nach erst mal monatelang in Sprachkursen, Integrationskursen, Fortbildungsseminaren und sonstigen Maßnahmen unterbringen. Das bedeutet? Richtig, zack, raus aus der Statistik, denn sie stehen dem Arbeitsmarkt während dieser Maßnahme nicht unmittelbar zur Verfügung. So könnte man mit anderen Beispiel noch einige Zeit weitermachen, welche Arbeitslosen aus der Statistik entfernt werden.

So kann man die Zahl der Arbeitslosen richtig kräftig absenken, schon fast nach Belieben. Und so gibt es jede Menge Menschen ohne Arbeit, die Abends in der Tagesschau bei der monatlichen Verkündung der Arbeitslosenquote gar nicht mitgezählt werden. Denn Tagesschau, Spiegel und Co übernehmen die offizielle Statistik leider ohne sie zu hinterfragen – obwohl man doch im monatlichen Arbeitsmarktbericht der Bundesagentur für Arbeit alles im Detail nachlesen kann, wenn man es denn will. Somit ist die Welt in Ordnung, Deutschland hat offiziell fast Vollbeschäftigung. Und wir Kleingläubigen beim FMW dachten immer arbeitslos sei man, wenn man keine Arbeit hat. Aber jetzt haben wir es nochmal im Originalzitat von der Arbeitsagentur gehört. Arbeitslos ist man für die offizielle Statistik nur dann, wenn die Arbeitsagentur der Meinung ist, man sei unmittelbar in eine Arbeit vermittelbar. Da ist unendlich viel Interpretationsspielraum um die Arbeitslosenquote schön weit abzusenken. Herzlichen Glückwunsch!


Kommentare

Arbeitslosigkeit in Deutschland ist reine Ansichtssache — 10 Kommentare

  1. Ach das darf man nicht so eng sehen.Man möchte uns das Leben nur einfacher gestalten und uns alle Sorgen nehmen das etwas im Kuschelhaus BRD nicht stimmen könnte.Ich finde so lässt sich das Geld auch viel einfacher ausgeben.Ich zahle ja auch gerne die Rundfunkgebühren und möchte dann auch nichts negatives von unseren Qualitätsmedien hören.Laut einer „repräsentativen“ Umfrage die Woche haben ja die ARD und ZDF sehr gut angeschnitten.Also immer weiter so…..
    Gruß

  2. Lebensqualität ist keine Ansichtsache. Diese gibt es auch vür Vermögende in Deutschland nur materiell. Die Wirklichkeit ist keine verfälschte Statistik.

  3. Es ist wirklich Augenwischerei, diejenigen, die sich gerade in einer Maßnahme befinden, nicht als dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehend zu deklarieren. Ich war 2 x in einer Maßnahme und habe mich beide Male nebenbei um einen Job bemüht, weil ich de facto arbeitslos war. Ich habe auch beide Male eine Arbeit gefunden, u. zw. aufgrund eigener Bemühungen, nicht aufgrund von Empfehlungen des Arbeitsamtes, wo ich auch als arbeitssuchend gemeldet war. Die hatten mich wohl als in einer Maßnahme geparkt vermerkt, mir jedenfalls nichts vermittelt. Wer Fortbildungen o. Ä. besucht, steht selbstverständlich dem Markt zur Verfügung und schmeißt den ganzen Fortbildungsmist sofort hin, um eine Stelle anzunehmen, wenn sie adäquat ist, natürlich. Aber solche Stellungen stehen ja gar nicht für alle Suchenden zur Verfügung. Darum gibt es diese ganzen Maßnahmen.

  4. mir sagte mal ein ex politiker, die menschen wollen belogen werden. hat er zufällig mal die wahrheit gesagt? hm…
    meine antwort, wenn eine regierung aus angeblich gewählten politikern (für mich inzwischen ein haarsträube begriff ) die statistiken für die stererzahlenden bürger (souveräne) wissentlich, vorsätzlich und arglistig fäscht , was ist diese regierung mit ihren politmischpoken wert?!
    alles ne frage der gewöhnung….
    lügen haben kurze beine…aha. nun die regierung läuft ja bekanntlich auf stelzen. auch ne frage der gewöhnung. die einen dürfen, die anderen nicht. solange das verhältnis 45 zu 55 % ist, also sozial schlechter zu sozial besser gestellten, darf die lüge in ungeahnte regionen vorstoßen. macht sie bereits. aber genau dieses verhältnis wird mit argusaugen überwacht !
    prosit neujahr. hoch lebe täuschland und seine länger hier lebenden…vollzahler und hafter 😉

    • „also sozial schlechter zu sozial besser gestellten“
      Sozial? eher materiell.
      oft genutzter Begriff ohne näher darüber nachzudenken.
      Sozialhilfe, sozialbedürftig… Damit wird der Materielle Nachteil (warum auch immer) zu Lasten und Schuld des Bedürftigen gelegt. Neoliberales Gedankengut nach dem Motto „Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied“
      Noch so ein Sprachvehikel „Sanktionen“ der Arge
      Kommt von Sanctus / der heilige Geist damit erhebt sich die Agentur in unerreichbare Höhen gottgleich wenn sie strafend wirkt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.