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ARD & Co: Wer nicht sparen muss, wird immer gieriger…

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Von Claudio Kummerfeld

Wer nicht sparen muss, wird immer gieriger. So könnte das Motto von ARD & Co lauten. Am Montag gab es die groß angekündigte „Aussprache“ zwischen Machern der ARD und den Gebührenzahlern, die endlich erfahren sollten, wo ihr Geld abbleibt usw. Gestern berichteten wir über Fakten und Zitate ausführlich. Als eine Art Nachruf auf diesen Versuch einer „Transparenzoffensive“ blicken wir heute noch mal jenseits der Fakten auf das „Große Ganze“.

Gier auch bei ARD
Foto: Avarice (2012), by Jesus Solana / Wikipedia (CC BY 2.0)

Wie viele andere Menschen auch vermisste ich Montag Abend vor allem eins – einen detaillierten Einblick, oder einen Plan, oder ein sogenanntes Konzept, dass dem Gebührenzahler aufzeigt, dass die ARD tatsächlich jeden Cent drei Mal umdrehen muss. Oder wenn das nicht der Fall ist, erwartet man in Zeiten allgemeinen Sparens bei Staat und Wirtschaft konkrete Vorschläge oder Pläne der ARD-Macher, wo sie Kosten einsparen wollen, und so vielleicht dem Bürger zu einer Entlastung verhelfen.

Aber genau das Gegenteil war der Fall. Das zurechtgelegte Grundkonzept der Sendung lautete wohl „wir jammern alle im Chor, dass wir so wenig Geld zur Verfügung haben“. 6,1 Milliarden Euro erhält NUR die ARD jetzt schon pro Jahr aus den Rundfunkgebühren. Dazu will man sich noch den Reservetopf von 1,16 Milliarden Euro komplett einverleiben, der seitens der Politik eher als Rückerstattungstopf für die Gebührenzahler gedacht war. Und dazu will man den Rundfunkbeitrag (ehemals GEZ, aber ist ja das selbe) noch um insg. 99 Mio Euro pro Jahr erhöhen.

Mehrfach betonten ARD-Chef Lutz Marmor und WDR-Chef Tom Buhrow am Montag fast schon weinerlich, flehend, aber auch drohend, dass sie „am Ende“ seien und nicht mehr weiter wüssten. Man spare, spare spare, aber mit den jetzigen 6,1 Milliarden könne man das gegenwärtige Programm so nicht aufrechterhalten. Lutz Marmor hatte mit einer Äußerung recht: Jeder Zuschauer, der eine bestimmte Vorliebe hat, für Sport, Volksmusik oder sonst was, hätte gerne für seine Lieblingssendung noch mehr Sendezeit + Inhalte, aber jeden Zuschauer, und auch jeden Mitarbeiter im Haus kann er nicht glücklich machen. Aber bei so einem gigantischen Gesamtbudget kann er sich auch auf Schwerpunkte konzentrieren.

Muss die ARD wirklich Daily Soaps produzieren? Gibt es davon nicht schon genug Schrott bei RTL & SAT1? Sind sie Kernbestandteil des sogenannten „Öffentlichen Informationsauftrags“? Diese Frage könnte man auch für viele andere Formate stellen. Ich bin sicher die große Masse der Menschen könnte mit einem deutlich geringeren Rundfunkbeitrag von z.B. 3, 4 oder 5 Euro pro Monat gut leben, wenn sich ARD & ZDF auf Informationssendungen, politische Talkshows und Investigativ-Dokus konzentrieren und dieses Gebiet sogar noch ausbauen würde.

Was im Rückblick auf diesen „ARDcheck“ auffällt, ist der Mangel an Selbstreflexion vor allem bei ARD-Chef Lutz Marmor. Natürlich will jeder, der ein Budget verwaltet (egal worum es geht), dieses Budget verteidigen oder am liebsten ausbauen. Nur hier geht es um Geld, dass gezwungenermaßen aus jedem einzelnen Bürger herausgepresst wird, ob er nun Markus Lanz (gut, läuft im ZDF) und Co gucken will oder nicht. Die völlige Selbstverständlichkeit, dass eine Sendergruppe mit 6,1 Milliarden Euro pro Jahr nicht haushalten kann, ist einfach unfassbar. Umstrukturierungen? Konzentration auf Kernkompetenzen, wie es so schon neudeutsch heißt? Nichts von all dem war zu hören. Alles soll bleiben wie es ist.

Egal wo man heutzutage hinschaut – VW muss sich neu erfinden, der ADAC muss sich neu erfinden, die deutschen Stromkonzerne müssen sich neu erfinden. Aber die Öffentlich Rechtlichen Rundfunkanstalten nicht? Warum nicht? Weil kein Druck da ist! Die Politik schert sich nicht um das Thema, weil die GEZ-Gebühr ja „schon immer da war“. Viele Bürger zahlen auch brav und grummeln leise vor sich hin. Und die Macher selbst wissen, dass sie sich auf dem gesetzlich verordneten Zwang zum Gebührenzahlen verlassen bzw. ausruhen können. Das ist vergleichbar mit einer staatlich subventionierten Industrie, die völlig unrentabel arbeitet und auf dem Weltmarkt völlig chancenlos wäre, weil sie sich nie anstrengen oder einem Wettbewerb stellen musste. Genau deshalb finden Produktionen von ARD & ZDF im Ausland auch kaum oder gar keine Abnehmer.

Der Auftritt von Lutz Marmor im ARDcheck wirkte nicht wie die große „Transparenzoffensive der ARD“, sondern eher wie der eines Kindergärtners, der die lästigen Fragen der kleinen Kinder abarbeiten muss, bis er endlich Feierabend machen kann. Einen großen Wurf hätte er z.B. machen können, wenn er ein großes Umstrukturierungsprogramm präsentiert hätte, das beinhaltet hätte Unwichtiges aus dem Programm zu schmeißen (Daily Soaps etc) und dafür den wichtigen Programmteilen mehr Geld zu geben – und dann am Ende hätte er noch verkünden können“ja liebe Zuschauer, mit diesem neuen Konzept kommen wir sogar mit deutlich weniger Geld aus. Bitte liebe Bundesländer, senkt die Rundfunkgebühr von 17,50 auf 13,50…“

Aber wie vorher schon beschrieben. Nichts in dieser Richtung war zu hören – nur ständig die Worte „wir sind am Ende“ und „wir sparen schon wo wir nur können“ und „das Geld bei uns ist knapp“. Selbstreflexion, der aktive Wille sinnlose Kosten einsparen zu wollen, fehlte komplett. Allein schon die theoretische Möglichkeit, dass es Einsparpotenziale bei der ARD geben könnte, wurde nicht mal erwähnt. Im Gegenteil ging es nur darum dem Zuschauer klar zu machen, dass man noch mehr Geld braucht. Wer nicht sparen muss, wird immer gieriger!


4 Kommentare

4 Comments

  1. joah

    21. Oktober 2015 18:32 at 18:32

    „Und die Macher selbst wissen, dass sie sich auf dem gesetzlich verordneten Zwang zum Gebührenzahlen verlassen bzw. ausruhen können. „
    Die inszenieren nur den Zwang über sittenwidrige Umwege im Recht und hoffen, das man ungebildet in Sachen Recht sowie mental sehr schwach ist. Der Rest ist Vertrags- und Handelsrecht: Angebote kann man ablehnen, dann muss mal sie auch nicht zahlen.

    Anscheinend kann man es nicht oft genug wiederholen, bis sich eine Redaktion mal traut, das auch offen zu (be)schreiben.

  2. bigben

    21. Oktober 2015 20:19 at 20:19

    und wieder gilt einmal:

    propaganda kostet eben geld, sehr viel geld …

  3. Fti

    22. Oktober 2015 18:14 at 18:14

    Ich würde sogar weniger zahlen, wenn da auf deren Programmen nur Testbild oder Black Screen wäre. Habe eh nur die Privaten an und lausche CDs ohne nerviges Gebrabbel !Sollen die ihr teures Programm doch verschlüsseln.

  4. volkuhl

    23. Oktober 2015 18:09 at 18:09

    „Viele Bürger zahlen auch brav und grummeln leise vor sich hin.“
    Jahresbericht „Beitragsservice“ 2014:
    21.100.000 Mahnverfahren, 890.912 Vollstreckungsersuchen.
    Lt. statisischem Bundesamt gibt es in D 40.439.000 Haushalte.
    Also leisten rein rechnerisch mehr als 50% Widerstand durch Zahlungsboykott! Und es werden beständig mehr, die dieses mafiöse Abzocksystem nicht akzeptieren.
    Einfach. Für Alle. Einfach nicht zahlen.

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Aktuell: Ursula von der Leyen mit hauchdünner Mehrheit neue EU-Kommissionspräsidentin

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Vor wenigen Augenblicken wurde das Abstimmungsergebnis im EU-Parlament verkündet. Ursula von der Leyen wird neue EU-Kommissionspräsidentin. Sie erhielt 383 JA-Stimmen, gerade mal 9 Stimmen mehr als benötigt. Es gab 327 NEIN-Stimmen, 23 Enthaltungen und 1 ungültige Stimmen. Die Aussagen der Parlamentarier in den letzten Stunden haben es klar gemacht. Vor allem Konservative und Liberale haben Ursula von der Leyen die Mehrheit gesichert, zusammen mit Teilen der Sozialdemokraten.

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Martin Sonneborn im EU-Parlament über „kenntnisfreie“ von der Leyen und die „verurteilte“ Christine Lagarde

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Es muß ja ein Fest sein für einen Satiriker wie Martin Sonneborn, die Dinge auf politischer Ebene der EU aus der ersten Reihe beobachten zu können. Bekanntlich gelang Sonneborn mit „Die PARTEI“ (deren Bundesvorsitzender er ist) der Wiedereinzug ins EU-Parlament – und das mit deutlich mehr Stimmen als im Jahr 2014 bei der letzten Europawahl.

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Von Ptolusque – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=73580794

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Automatisierung: „Job-Kahlschlag konnte immer kompensiert werden“ – auch dieses Mal?

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Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Tochter der Bundesagentur für Arbeit, hat heute in einer Studie darauf hingewiesen, dass die seit den 70er-Jahren stattgefundene Automatisierung von der deutschen Volkswirtschaft gut verkraftet worden sei. Es seien in anderen Bereichen ausreichend neue Arbeitsplätze geschaffen worden, um die Arbeitslosen aus den wegbrechenden Industrien aufzufangen. Auf längere Sicht betrachtet entstanden etwa in dem Maß, wie Arbeitsplätze abgebaut wurden, auch neue, so das IAB. Technischer Fortschritt habe in Deutschland bislang nicht zu weniger Arbeit geführt, sondern zu einer Umschichtung von Arbeitsplätzen und Arbeitskräften. Aber die Automatisierung kennt doch eine Verlierer-Gruppe. Und siehe da, welche ist das? Zitat IAB:

Für Hochqualifizierte seien sogar mehr Arbeitsplätze hinzugekommen als verschwunden, so die IAB-Forscher. Für Geringqualifizierte sind den Forschern zufolge dagegen weniger Stellen entstanden als abgebaut wurden. Die technologische Entwicklung war also verbunden mit einer qualitativen Veränderung des Bedarfs an Arbeitskräften: Die Nachfrage nach hochqualifizierten Arbeitskräften ist gestiegen, die Nachfrage nach Geringqualifizierten hat abgenommen. Die zunehmend besser ausgebildeten Arbeitskräfte konnten vom Arbeitsmarkt aufgenommen werden. Gleichzeitig wuchs ab den 70er Jahren lange Zeit die Arbeitslosigkeit bei den Geringqualifizierten.

Bezogen auf die aktuelle Digitalisierungsdebatte („Wirtschaft 4.0“) erwarten die Forscher, dass auch dieses Mal das Beschäftigungsniveau in Deutschland unterm Strich nicht sinken werde. Man prognostiziere allerdings große Umbrüche. Durch die Digitalisierung würden rund 1,5 Millionen Stellen wegfallen, jedoch in ähnlichem Umfang auch neue entstehen. Dass neu entstehende Arbeitsplätze oft ein anderes Anforderungsniveau aufweisen als die weggefallenen Arbeitsplätze, sei mit ein Grund, dass es immer ein bestimmtes Maß an Mismatch-Arbeitslosigkeit gebe. Qualifizierung sowie professionelle Beratung und Vermittlung seien deshalb von zentraler Bedeutung, damit die Beschäftigten mit den Herausforderungen der Digitalisierung schritthalten könnten, so das IAB.

Tja, wird also alles so „rosig“ weitergehen wie bisher? Die Frage aller Fragen, die niemand im Vorhinein beantworten kann, lautet: Ist die nun beginnende Welle von Automatisierung und Digitalisierung überhaupt zu vergleichen mit dem Strukturwandel in den 70ern und 80ern? Oder werden die Kahlschläge in Unternehmen und ganzen Branchen viel schlimmer als jemals zuvor sein? Schaut man zum Beispiel auf Banken und vor allem Versicherungen, dann werden dort ganze Abteilungen platt gemacht und durch Algorithmen ersetzt, oder ins billigere Ausland verlagert. Können wirklich so viele neue Jobs für App-Entwickler, Software-Ingenieure und E-Auto-Konstrukteure entstehen, wie in „alten“ Industrien wegfallen? Da müssten auch wir raten.

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