Banken-Debakel in der Ukraine: So schlimm sieht es wirklich aus

FMW-Redaktion

Bereits am Montag berichteten wir über die 100%ige Verstaatlichung der wichtigsten Bank der Ukraine, der „PrivatBank“, die 1/3 aller Bankeinlagen des Landes verwaltet. Wie schlimm steht es denn nun wirklich um diese Bank? Nun, eines muss man der Ukraine zu Gute halten. Deutlich mehr als andernorts auch im Westen ist die ukrainische Notenbank um Offenheit bemüht, und veröffentlicht viele Details zu solchen Vorgängen. Erst einmal etwas ganz Aktuelles: Die Notenbank hat nach der Verstaatlichung aktuell beschlossen 15 Milliarden ukrainische Hryvnia (545 Millionen Euro) an frischem Geld in die PrivatBank zu pumpen mit einem Zinssatz von 16%. Und das düfte nur die erste Hilfsbuchung sein. Hierbei gehe es darum die Liquidität der Bank zu gewährleisten, um einen problemlosen Service in Filialen und an Geldautomaten zu gewährleisten.

Im Klartext: Ohne diese Cash-Infusion würde kein Geld mehr aus den Automaten kommen. Die Bank war also vorm Wochenende de facto schon am Ende, und ist ab sofort ein künstlich durch den Staat am Leben gehaltenes Vehikel. Einfach pleite gehen lassen, so heißt ja auch bei uns die Forderung in solchen Fällen. Aber letztlich ist so eine Bank nichts anderes als der Aufbewahrungsort für die Ersparnisse von Millionen von Bürgern, und die Abwicklungsstelle für alle alltäglichen Zahlungen. Lässt man die böse Bank pleite gehen, beraubt man Millionen Menschen ihrer Ersparnisse, und bringt das Wirtschaftsleben in der Ukraine wohl zum Erliegen.

Die Dramatik bringt die Notenbank-Chefin Gonatraeva in einer aktuellen Rede zum Ausdruck. So sagte sie, dass zum 1. November 2015 bis zu 97% der ausgegebenen Kredite der PrivatBank anscheinend sogenannte „Related Party Loans“ waren. Das bedeutet, dass 97% der Kredite offenbar an Unternehmen oder Privatpersonen vergeben wurden, die mit der Bank oder dem Bankeigentümer in einer gewissen Verbindung stehen. So hatten wir bereits Montag berichtet, dass laut ukrainischen Medien anscheinend viele Kredite an Unternehmen vergeben wurden, die dem Bankeigentümer gehörten. Diese Krediten sollten angeblich niemals zurückgezahlt werden.

Sowas kann man, wenn man will, auch als offensive Plünderung einer Bank ansehen. Zum 1. April 2016 soll die Bank offiziell Kapitallücken von 113 Milliarden Hryvnias gehabt haben, die durch unüberlegte Kreditvergaben verursacht wurden, so die Notenbank. Bankvorstand wie auch Bankeigentümer hatten angekündigt einen Plan zur Rekapitalisierung der Bank vorzulegen, was aber nie geschah. Da die PrivatBank die systemrelevante Bank in der Ukraine schlechthin gewesen sei, habe man der Bank mehr Spielraum gelassen, und ihr zum Beispiel mehr Zeit für die Rekapitalisierung zu gegeben. Im Laufe der Monate sei es zwischen Notenbank und PrivatBank zu 30 Meetings zu diesem Thema gekommen, ohne wirkliche Resultate.

Bis 1. Dezember 2016 sei dann die Kapitallücke der Bank auf 148 Milliarden Hryvnias (5,4 Milliarden Euro) angewachsen. Dann jetzt die Verstaatlichung, weil es nicht mehr anders gegangen sei. Transaktionen sollen normal weiterlaufen, der Zugriff auf Sparkonten, Girokonten sowie das Abheben an Geldautomaten soll normal weiter funktionieren. Einen klaren Hinweis hat die Notenbank-Chefin noch für den nun Ex-Eigentümer der Bank, den Milliardär Igor Kolomoiskij. Sie wolle klar zum Ausdruck bringen, dass alle Gelder, die von Privatpersonen und Unternehmen gehalten werden, und nicht in Beziehung zu den ehemaligen Eigentümern der Bank stehen, voll und ganz vom Staat gestützt werden. Eine klare Ansage: Lieber Kolomoiskij, die Gelder von Dir und Deinen Firmen garantieren wir nicht. Wenn er denn überhaupt noch Gelder bei dieser Bank liegen hatte – aber das müssen wohl erst umfassende Prüfungen zeigen.

Die Notenbank hat auch nochmal deutlich gemacht, worum es bei dieser Verstaatlichung ging. Hätte sie nicht gehandelt, wäre das in Deutschland vielleicht so gewesen, als wären sämtliche Sparkassen zusammen mit der Postbank pleite gegangen. So sei die Rettung der Bank der einzige Weg gewesen das ukrainische Finanzsystem zu retten. Man hätte damit 20 Millionen Ukrainern (insgesamt 45 Millionen Einwohner) weiterhin ermöglicht Zugriff auf ihre Einlagen zu haben. Darin enthalten seien 3,2 Millionen Rentner, 500.000 Studenten und 1,6 Millionen sozial Benachteiligte.



Quelle: National Bank of Ukraine


Kommentare

Banken-Debakel in der Ukraine: So schlimm sieht es wirklich aus — 6 Kommentare

  1. “ Lässt man die böse Bank pleite gehen, beraubt man Millionen Menschen ihrer Ersparnisse…“
    Stimmt das wirklich? Wie man die Kundeneinlagen behandelt, ist doch alleine eine Frage des Insolvenzrechts, der Einlagensicherungssysteme und nicht zuletzt der praktischen Handhabung im Fall des Falles (z.B. Staatsgarantie).

  2. Die Ukraine weißt immer mehr Gemeinsamkeiten mit dem „vor Putin Russland“ auf. Damals regierten in Russland Verbrecher und Oligarchen die sich die Wirtschaft zu eigen machten und unter sich aufteilten. Die Oligarchen eigneten sich geschickt in die Kolchosen und riesigen Staatsbetriebe an, gründeten Banken, Fernsehsender und jeder hatte seine eigene kleine paramilitärische Einheit die das Recht auch mit Gewalt durchsetzte. Genauso sieht es heute in der Ukraine aus. Und wenn in der Ukraine nicht bald ein starker Mann wie Putin kommt der aufräumt, sieht es schlecht aus.

  3. Das gleiche Spiel wie Oligarch Kolomoiskij jetzt mit der Bank betreibt, betrieb damals auch der Oligarch Chodorkowski in Russland. Der wurde nur damals von Putin in den Knast geworfen… Wie auch immer, das Geschäftsmodell solcher Russischen und Ukrainischen Privatbanken ist schon genial. Nach dem Zusammenbruch der SU gründeten geschickte Geschäftsleute Privatbanken mit dem Hauptzweck eigene Übernahmen zu finanzieren (Aufkauf großer Staatsbetriebe). Als Nebengeschäft und Absicherung betreibt man noch das Privatkundengeschäft mit Millionen von Kleinsparern. Dann leiht man sich von der eigenen Bank Geld und kauft damit alle Arten von Vermögensgegenständen auf. Dann zahlt man die Kredite einfach nicht zurück und überlässt die Schulden einfach der Allgemeinheit und erpresst den Staat knallhart. Als Druckmittel hat man ja die Millionen an Kleinsparern. Man stellt den Staat vor die Wahl entweder die Bank pleite gehen zu lassen und somit alle Kleinsparer zu enteignen oder die Bank zu übernehmen und die Eilagen der Kunden zu sichern. Da natürlich kein Staat einen Aufstand der Sparer riskieren will kommt es dann wie es kommen muss… In Russland beendete damals Putin die Party und diese Art von Großbetrug und ließ die Betrüger verhaften und wegsperren, zumindest einige…

  4. Das muss doch jedem sofort übel aufstoßen:
    „Die Notenbank hat nach der Verstaatlichung aktuell beschlossen 15 Milliarden ukrainische Hryvnia (545 Millionen Euro) an frischem Geld in die PrivatBank zu pumpen Mit EINEM ZINNSATZ VON 16%“
    Wie??? Notenbanken können doch Geld drucken – warum also 16% Zinsen? Wer bekommt den Erlös? Bestimmt die Kleinsparer oder?
    Verstaatlichung heißt natürlich auch: Alle Versager und Banditen im Management rauswerfen und durch anständige Leute ersetzen!
    träum…

  5. Schon komisch, was da in der Ukraine abläuft. Die neue Regierung scheint nicht gerade fähig zu sein. Aber der einzige Böse ist ja Putin. Nur hat er zumindest mal ein Zeichen gegen solche Betrügereien gesetzt.

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