Banken-Skandal in Österreich: 20.000 Kunden wird mit Kontokündigung gedroht

FMW-Redaktion

Man kann es als regelrechten Banken-Skandal bezeichnen, was sich da aktuell in Österreich abspielt. Die viertgrößte Bank des Landes BAWAG, entstanden aus der Fusion der Bank für Arbeit und Wirtschaft und Österreichische Postsparkasse AG, hat laut Kurier per Brief an 20.000 Bestandskunden gedroht ihnen das Konto im Januar zu kündigen, wenn sie nicht auf ein teureres Kontomodell ausweichen. Mag dieser Droh-Ton zurückzuführen sein auf einen hausinternen Ertragsdruck, da die Bank den US-Fondsgesellschaften Cerberus und Golden Tree gehört? Denn dort wird man sich wohl ausschließlich für die Rendite interessieren.

Und gerade in Zeiten von Negativzinsen durch die EZB muss man jetzt, so wirkt es zumindest, den Druck auch per Drohbrief anziehen. Das merkte man bei der BAWAG vorher bereits an den Filialschließungen und Entlassungen von Mitarbeitern. Die Bank bezeichnet diese Ankündigung von Kontokündigungen als „Sortimentsbereinigung“. Der Kunde kann jetzt auf ein teureres Kontomodell umsteigen, oder erhält im Januar 2017 die Kontokündigung. In Österreich ist die Empörung groß. Zeitrungsreaktionen und Verbraucherschützer erhalten zahlreiche Anrufe von empörten Kunden.

Beim neuen Kontomodell für 4,90 Euro pro Monat hat man die Ehre eine Bargeldabhebung pro Monat umsonst tätigen zu dürfen. Jede weitere Abhebung kostet 0,39 Euro. Interessant: Erst vor vier Monaten verkündete Österreichs Finanzminister Schelling stolz: Er sei sicher, dass keine Bank in Österreich plane für Geldautomaten-Abhebungen eine Gebühr zu verlangen. Da hat die BAWAG ihn nun eines besseren belehrt. Auch gibt es Berichte, dass die BAWAG Kunden für die Nicht-Durchführung von Überweisungen, die an Automaten eingegeben werden, stolze 6,50 Euro abknöpft. Nicht schlecht. Eine offizielle Pressemitteilung der Bank dazu gab es nicht.

Fast schon traurig oder eher eine Tragik-Komödie: Zeitgleich mit dieser Massenbrief-Aktion gegen ihre eigenen Kunden verkündete die Bank gestern ihre Zahlen für die ersten neun Monate 2016. Sie spricht in der Headline von einem „starken Nettogewinn von 380 Millionen Euro“. Für die viertgrößte Bank Österreichs ist das mal eine richtige Hausnummer. Von sowas kann die Deutsche Bank nur träumen. Am EZB-Hungertuch, wie wir es zunächst vermuteten, scheint man bei der BAWAG also doch nicht zu nagen. Es ist also keine lebensnotwendige Maßnahme, die man hier durchführt, sondern eine weitere Maßnahme um den Bankgewinn zu steigern.

Das ist auch das gute Recht der Bank, womit die Kunden natürlich automatisch aufgefordert sind sich über einen Bankwechsel Gedanken zu machen. Wie seit wenigen Tagen bekannt ist, planen die US-Eigentümer der BAWAG wohl einen Verkauf der Bank an chinesische Investoren. Bei den Negativzinsen der EZB, dazu derzeit so tollen Gewinnen der BAWAG, da kann man schon auf die Idee kommen, dass man jetzt noch schnell den letzten Cent rausquetscht. Noch schnell die Bank aufhübschen und so profitabel machen wie irgend möglich, damit man einen möglichst hohen Verkaufspreis erzielen kann.

Naja, und wenn dann unter dem neuen Eigentümer im Januar die Kunden weglaufen, ist das ja nicht mehr das Problem von Cerberus und Golden Tree, oder? Aber nein, ignorieren Sie die vorigen Zeilen, die jetzige Gebührenerhöhung per Drohbrief hat mit dem möglichen Eigentümerwechsel sicherlich nichts zu tun.


Kommentare

Banken-Skandal in Österreich: 20.000 Kunden wird mit Kontokündigung gedroht — 6 Kommentare

  1. Das Volk muss auf die Strasse und auf Barauszahlung der Gehälter pochen.
    Es darf doch nicht sein, dass die Banken zu Lohnvernichtungsapparaturen werden.
    Vielleicht eine europäische Einheitsbank für Otto Normales einführen.
    Frechheit was sich da das Österreichische Bankinstitut leistet. 🙁

  2. Zufällig gestern wurde mir aus Oberfranken Ähnliches berichtet.
    Allerdings viel eleganter im Stil.

    Dem Kunden wird nicht gedroht. Und er muss auch nicht die Kontoart wechseln. Er wird gebeten, die neuen Kontobedingungen anzuerkennen, die neuerdings Gebühren vorsehen.
    Und nur falls der Kunde sich weigern sollte, die neuen Bedingungen zu akzeptieren – indem er widerspricht – sieht die Bank sich gezwungen, das Konto zu kündigen.

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