Beginnt die neue Finanzkrise in Portugal?

Weitgehend unbemerkt brodelt es derzeit an den Märkten Portugals: der portugiesische Leitindex stürzt ab, die Banco Espirito Santo steht offenkundig auf der Kippe und die Rendite (=Risikoprämien) für portugiesische Staatsanleihen ziehen stark nach oben. Da braut sich also etwas zusammen, dass das (Sommer-)Märchen „alles ist wieder gut“ an den Finanzmärkten bald beenden könnte.

Zunächst der portugiesische Leitindex, der innerhalb eines Monats um gut 1000 Punkte (über 13%) eingebrochen ist:

portugal0907

Die Korrektur, die gestern mit voller Wucht auch den Dax erfasst hat, läuft in Portugal also schon länger. Und die Ursache ist die Schieflage des Bankenkonsortiums Banco Espirito Santo, nachdem vor einigen Wochen die portugiesische Zentralbank „Unregelmäßigkeiten“ in der Bilanz festgestellt hatte. Bereits gestern war der Kurs von Banco Espirito Santo um 10% eingebrochen, hute setzt sich der Fall weiter fort:

Espirito Santo0907

Stark unter Druck ist auch die Aktie der Portugal Telekom mit einem Minus von 7,5%. Das Unternehmen hatte 1,2 Milliarden Euro in eine Anleihe des Mutterkonzerns der Banco Espirito Santo investiert – am 15.Juli wird die Anleihe zur Auszahlung fällig, und am Markt in Lissabon geht die Sorge um, dass die Summe nicht mehr ausgezahlt werden kann.

Fast noch bedrohlicher aber ist der Anstieg der Renditen für portugiesische Staatsanleihen. Zuvor waren die Renditen konstant gefallen, doch in den letzten 30 Tagen sind die Risikoprämien für die maßgebliche 10-jährige Anleihe Portugals um über 50 Basispunkte (0,5%) auf aktuell nun 3,829% nach oben geschnellt – Tendenz weiter steigend. Das ist am Anleihemarkt geradezu ein Erdrutsch! Und bedeutet: das ausländische Kapital flieht aus Portugal. Und das wiederum könnte der erste Dominostein sein, der den schönen Schein zerstört, der die von Liquidität besoffenen Finanzmärkte so lange geblendet hat..


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