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Berlin baut „sein“ Stadtschloss für 595 Mio Euro – wir zahlen dafür!

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am

Von Claudio Kummerfeld

Ich muss es loswerden. Berlin baut „sein“ Stadtschloss für 595 Mio Euro, und wir alle zahlen dafür. Und das regt mich maßlos auf! Als der Wiederaufbau 2003 endgültig genehmigt wurde, war das Thema kurz in der Presse, seitdem fast nichts mehr. Unglaublich, dass sich der Berliner Senat bis 2019 auf Kosten aller Steuerzahler in Deutschland ein Schloss bauen lässt. Und niemand regt sich darüber auf.

Berlin Stadtschloss um 1900
Das Stadtschloss in Berlin um 1900. Das neue Schloss wird leicht abgewandelt gebaut. Foto: Wikipedia / gemeinfrei

Endlich wieder ein Schloss für Berlin

Was war eigentlich die Grundidee bei all dem? Man wollte das alte Berliner Stadtschloss, das im Krieg zerstört wurde, wieder auferstehen lassen als großes historisches Kulturgut in der Mitte Berlins, als „Erinnerung an Vergangenes bla bla“. Auf der offiziellen Internetseite der Stadt Berlin heißt es zur Historie des Schlosses:

„Das Stadtschloss war über ein halbes Jahrtausend Residenz der brandenburgischen Markgrafen und Kurfürsten, der preussischen Könige und deutschen Kaiser. Aus einer mittelalterlichen Burganlage ließ Kurfürst Joachim II. ab 1538 durch Caspar Theyß ein Renaissanceschloss bauen. Kurfürst Friedrich III. beauftragte 1698 Andreas Schlüter mit einem Erneuerungsbau. Als unter seiner Regie 1706 der Münzturm einstürzte, übernahm Johann Friedrich Eosander von Göthe die Arbeiten. Er erweiterte bis 1713 das Stadtschloss auf das Doppelte. Unter König Friedrich Wilhelm I. wurde das Barockschloss 1716 vollendet. Von 1845 bis 1853 kam noch die Kapelle im Westflügel, später eine Terrasse mit Landungsplatz an der Spree hinzu. Nach Fertigstellung hatte das Schloss eine Größe von 192 Metern Länge, 116 Metern Breite und 25 Metern Höhe. Es hatte zwei größere und zwei kleine Innenhöfe, den Großen und Kleinen Schlosshof, den Eishof und den Kapellenhof. Insgesamt gab es 1210 Räume. Erstmals beschädigt wurde das Schloss bei der Novemberrevolution 1918. Nach Abdankung des Kaisers wurde 1921 das Kunstgewerbemuseum im Stadtschloss beheimatet. 1944 trafen das Gebäude mehrere Bomben, am 3. März 1945 brannte es fast vollständig aus.“

Ein privater Verein wurde gegründet und warb jahrelang für den Wiederaufbau genau dort, wo der „Palast der Republik“ der DDR einst stand. Aber wo andere Städte (z.B. Hamburg) ihre Millionengräber selbst bezahlen, kam man auf die Idee doch die Bundesregierung zahlen zu lassen. Ein Schloss für Berlin musste wieder her. Warum es kein schallendes Gelächter im Bundestag oder im Bundeskanzleramt gab? Keine Ahnung. Großen Widerstand gab es nicht – komisch, wo es doch sonst, wenn es um Gelder aus dem Bundeshaushalt geht, jede Menge Streit gibt. Sogar die Grünen, die doch eigentlich gegen adeligen Pomp und eine derartige Geldverschwendung sein sollten, stimmten 2003 im Bundestag dem Bau zu. Unglaublich. (nur die LINKE stimmte dagegen)

Wofür das Berliner Stadtschloss genutzt werden soll

Jetzt kommt´s… die „Stiftung Preussischer Kulturbesitz“ zieht mit einer vorhandenen Kunstsammlung lediglich von einem bereits vorhandenen Museum in Berlin in das Stadtschloss um. Applaus! Auch die Stadt Berlin (immerhin schießt man ja ein paar Groschen zur Gesamtfinanzierung dazu) erhält einen Teil der Ausstellungsfläche. „Spiegel Online“ hat vor kurzem einen interessanten Artikel veröffentlicht, in dem u.a. auch auf das Berliner Stadtschloss Bezug genommen wird. Dort heißt es Zitat:

„Seit vielen Jahren war geplant, dass die Berliner Zentral- und Landesbibliothek die Berliner Fläche bestücken sollte. Die Bibliothekare konzipierten wacker eine Ausstellung namens „Welt der Sprachen“. Diese Pläne, so entschied jetzt der Regierende Müller (Bürgermeister / Anmerk. d.Red.) zur allgemeinen Überraschung, werden eingestampft. Stattdessen will Müller, der im Zweitamt Kultursenator ist, im Humboldt-Forum „erlebbar machen, was Berlin zur Weltstadt werden ließ.“   Weiter heißt es:   „Bewohner von wirklichen Weltstädten haben es nicht nötig, ihre Heimat als Weltstädte zu rühmen. Weder in New York noch in Paris oder London gibt es an einem prominenten Ort eine Ausstellung, in der auf der Großartigkeit der Stadt herumgeritten würde.“

Da muss man den Kollegen von Spiegel Online völlig Recht geben. Würde man sagen wir brauchen ein Museum, wo wir die Nazi-Greuel zeigen wollen, weil es dafür noch keinen Ort gibt, hätte man darüber reden können. Aber selbst dann hätte man kein Schloss bauen müssen!

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Simulation: Blick in das Foyer
© Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum / Franco Stella

Ostfassade
Simulation: Außenansicht
© Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum / Franco Stella

Kosten

Ursprünglich waren 552 Millionen Euro Baukosten veranschlagt, dann wurden es 595 Millionen. Der private „Förderverein Berliner Schloss e.V.“ war von Anfang an in die Finanzierung mit eingebunden – seine zugesagten 80 Millionen Euro (Bestandteil der 595 Millionen Euro Gesamtkosten) sind, so muss man es sagen, Utopie. Laut „Berliner Zeitung“ sind bis jetzt noch nicht einmal 30 Millionen Euro an Spenden eingesammelt worden. Das Schloss ist aber voll im Bau. Wer wird die Differenz von 50 Millionen am Ende wohl bezahlen müssen? Raten Sie mal…. ja Sie liegen richtig! 32 Millionen Euro der Gesamtfinanzierung zahlt dazu noch das Land Berlin. Den Rest zahlt der Bundeshaushalt. De facto kann mal also sagen: Das Museum wird fast komplett (ca. 90%) vom Bundeshaushalt, also von uns allen, bezahlt. Aber wollten wir das? Brauchen wir das? Nein!

Und so wird es in Berlin ab 2019 (mal sehen, ob der Termin eingehalten wird) noch ein Museum geben, wo man davon ausgehen kann, wie bei solchen Projekten üblich, dass die Gelder, die man durch Eintrittskarten und Souvenirs einnimmt, nicht mal die Betriebskosten decken werden. Vermutlich wird die Stadt Berlin dann fortlaufend Betriebskostenzuschüsse aus dem Bundeshaushalt haben wollen, so vermuten wir jetzt mal – nach dem Motto „ihr habt ja schon den Bau bezahlt, dann könnt ihr doch auch den laufenden Betrieb bezahlen“.

So erschafft man Wutbürger

Warum wundern sich Politiker über „Wutbürger“, wenn man ihnen sowas vor die Nase setzt, ohne Not? Dafür gehen unsere Steuergelder drauf? Eigentlich müsste jeder deutsche Steuerzahler lebenslang den Eintritt umsonst bekommen, da er das Gebäude ja eh bezahlt hat. 2019 soll alles endgültig fertig sein – wir meinen: vier Jahre sind noch genug Zeit für jede Menge Kostenexplosionen. Abschließend sollte man sich fragen: Wie konnte es überhaupt dazu kommen? Warum haben damals im Bundestag (fast) alle mitgemacht? Gab es noch irgendwo 500 Millionen Euro im Bundeshaushalt, die sinnlos herumlagen? Man hätte dafür auch zusätzliche Stellen bei Polizei, Steuerfahndung, Schulen oder Kindergärten finanzieren können. Aber anscheinend gab es in Berlin noch nicht genug Museen.





Quellen:
Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum
Förderverein Berliner Schloss e.V.
Stiftung Preussischer Kulturbesitz e.V. (CC NC-BY-SA)
Spiegel Online

4 Kommentare

4 Comments

  1. Lars

    5. April 2015 17:08 at 17:08

    Wenn man sich konsequent nach Ihrer Devise richten würde, dann dürften wir bald alle nur noch in Plattenbauten wohnen, denn die sind am billigsten. Jedenfalls sollte die öffentliche Hand keine Parks oder Gärten oder sonst irgendwelche schönen Dinge mehr bezahlen. In dem Land möchte ich dann aber nicht leben müssen.
    Ich wohne nicht in Berlin, mag Berlin nicht sonderlich, aber freue mich trotzdem, dass unsere Hauptstadt wenigstens einen winzigen Teil ihrer früher so schönen Mitte zurückbekommt.

    Und wenn man weiß, dass von den 30 Milliarden ein großer Teil erst im letzten Jahr gespendet wurde und das Spendenvolumen von Jahr zu Jahr wächst, dann ist es absolut nicht gerechtfertigt, von angeblich fehlenden 50 Mio. Euro zu sprechen. Selbst im schlimmsten denkbaren Fall, dass sich das Spendenvolumen jetzt nicht mehr weiter erhöht, sondern auf einmal wieder sinkt (das ist noch nie so gewesen bei Rekonstruktionen – wenn man sieht, wie gebaut wird, spenden immer mehr Leute), dann würden ja trotzdem noch mehr als 0 Euro zusammenkommen…

  2. Andreas

    5. April 2015 19:01 at 19:01

    Guten Tag,

    nun Sie machen mit Ihrem Bericht wieder einmal Stimmung gegen das Stadtschloss. Die erste Großbaustelle in der BRD die im Zeit- und Kostenplan liegt.

    Und wenn man das zukünftige Humboldtforum mit dem Potsdamer Stadtschloss vergleicht, dann können Sie davon ausgehen das auch das zukünftige „Stadtschloss“ ein Besuchermagnet werden wird. Es wurde lange genug darüber diskutiert, mit Ihrem Artikel locken Sie niemanden mehr hinter dem Ofen vor, und schlechte Stimmung sollten Sie woanders verbreiten.

  3. James

    7. April 2015 05:06 at 05:06

    You need to chill out. A cultural building would be constructed there whatever the situation. Taxpayers are only paying for the shell and modern interior – which they would need to do anyway whatever was built there. The baroque exterior is being funded by public donations. It’s going to be icon for Berlin and a huge tourist magnet, not only because of its position, not only because it’s so monumental. but because of its imposing beauty. As an Australian I can’t wait to see it – it’s a genuinely thrilling project, and I hope in forthcoming years further donations can fund reconstruction of some of the interiors. Why some Germans get their knickers in a knot about reconstructions and scream „Disneyland‘ is bewildering. The Russians – who have lost and reconstructed so much – never give it a second thought. The idea that a classical building must never be built because architectural style has supposedly „moved on“ is a ridiculous artificial contsruct in itself. Pure ideology.

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Aktuell: Ursula von der Leyen mit hauchdünner Mehrheit neue EU-Kommissionspräsidentin

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Vor wenigen Augenblicken wurde das Abstimmungsergebnis im EU-Parlament verkündet. Ursula von der Leyen wird neue EU-Kommissionspräsidentin. Sie erhielt 383 JA-Stimmen, gerade mal 9 Stimmen mehr als benötigt. Es gab 327 NEIN-Stimmen, 23 Enthaltungen und 1 ungültige Stimmen. Die Aussagen der Parlamentarier in den letzten Stunden haben es klar gemacht. Vor allem Konservative und Liberale haben Ursula von der Leyen die Mehrheit gesichert, zusammen mit Teilen der Sozialdemokraten.

Ursula von der Leyen
Ursula von der Leyen. Foto: Dirk Vorderstraße CC BY 3.0

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Martin Sonneborn im EU-Parlament über „kenntnisfreie“ von der Leyen und die „verurteilte“ Christine Lagarde

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Es muß ja ein Fest sein für einen Satiriker wie Martin Sonneborn, die Dinge auf politischer Ebene der EU aus der ersten Reihe beobachten zu können. Bekanntlich gelang Sonneborn mit „Die PARTEI“ (deren Bundesvorsitzender er ist) der Wiedereinzug ins EU-Parlament – und das mit deutlich mehr Stimmen als im Jahr 2014 bei der letzten Europawahl.

Und das nutzte Sonneborn heute in einer Philippika über von der Leyen. So auch gegen die designierte EZB-Chefin Christine Lagarde und einige andere neue designierte Verantwortungsträger der EU

Martin Sonneborn mit ungewöhnlichem Outfit
Sonneborn in Stauffenberg-Verkleidung mit Parteikollege Nico Wehnemann auf der Frankfurter Buchmesse 2018
Von Ptolusque – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=73580794

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Automatisierung: „Job-Kahlschlag konnte immer kompensiert werden“ – auch dieses Mal?

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Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Tochter der Bundesagentur für Arbeit, hat heute in einer Studie darauf hingewiesen, dass die seit den 70er-Jahren stattgefundene Automatisierung von der deutschen Volkswirtschaft gut verkraftet worden sei. Es seien in anderen Bereichen ausreichend neue Arbeitsplätze geschaffen worden, um die Arbeitslosen aus den wegbrechenden Industrien aufzufangen. Auf längere Sicht betrachtet entstanden etwa in dem Maß, wie Arbeitsplätze abgebaut wurden, auch neue, so das IAB. Technischer Fortschritt habe in Deutschland bislang nicht zu weniger Arbeit geführt, sondern zu einer Umschichtung von Arbeitsplätzen und Arbeitskräften. Aber die Automatisierung kennt doch eine Verlierer-Gruppe. Und siehe da, welche ist das? Zitat IAB:

Für Hochqualifizierte seien sogar mehr Arbeitsplätze hinzugekommen als verschwunden, so die IAB-Forscher. Für Geringqualifizierte sind den Forschern zufolge dagegen weniger Stellen entstanden als abgebaut wurden. Die technologische Entwicklung war also verbunden mit einer qualitativen Veränderung des Bedarfs an Arbeitskräften: Die Nachfrage nach hochqualifizierten Arbeitskräften ist gestiegen, die Nachfrage nach Geringqualifizierten hat abgenommen. Die zunehmend besser ausgebildeten Arbeitskräfte konnten vom Arbeitsmarkt aufgenommen werden. Gleichzeitig wuchs ab den 70er Jahren lange Zeit die Arbeitslosigkeit bei den Geringqualifizierten.

Bezogen auf die aktuelle Digitalisierungsdebatte („Wirtschaft 4.0“) erwarten die Forscher, dass auch dieses Mal das Beschäftigungsniveau in Deutschland unterm Strich nicht sinken werde. Man prognostiziere allerdings große Umbrüche. Durch die Digitalisierung würden rund 1,5 Millionen Stellen wegfallen, jedoch in ähnlichem Umfang auch neue entstehen. Dass neu entstehende Arbeitsplätze oft ein anderes Anforderungsniveau aufweisen als die weggefallenen Arbeitsplätze, sei mit ein Grund, dass es immer ein bestimmtes Maß an Mismatch-Arbeitslosigkeit gebe. Qualifizierung sowie professionelle Beratung und Vermittlung seien deshalb von zentraler Bedeutung, damit die Beschäftigten mit den Herausforderungen der Digitalisierung schritthalten könnten, so das IAB.

Tja, wird also alles so „rosig“ weitergehen wie bisher? Die Frage aller Fragen, die niemand im Vorhinein beantworten kann, lautet: Ist die nun beginnende Welle von Automatisierung und Digitalisierung überhaupt zu vergleichen mit dem Strukturwandel in den 70ern und 80ern? Oder werden die Kahlschläge in Unternehmen und ganzen Branchen viel schlimmer als jemals zuvor sein? Schaut man zum Beispiel auf Banken und vor allem Versicherungen, dann werden dort ganze Abteilungen platt gemacht und durch Algorithmen ersetzt, oder ins billigere Ausland verlagert. Können wirklich so viele neue Jobs für App-Entwickler, Software-Ingenieure und E-Auto-Konstrukteure entstehen, wie in „alten“ Industrien wegfallen? Da müssten auch wir raten.

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