CFDs, Forex und Binäre Optionen in Frankreich: Die knifflige Sache mit der Werbung

FMW-Redaktion

Erst gestern gaben wir einen aktuellen Überblick über die fortschreitende Regulierung für CFDs in Europa, aber auch für die als Hebel- und Hochrisikoprodukte eingestuften Binäre Optionen und den Devisenhandel. Nur in Großbritannien trifft die Neuerung der Aufsichtsbehörden die Broker wirklich hart durch die Einschränkung des maximalen Hebels. Deutschland erwartet lediglich eine Garantie von den Brokern, dass die Kunden keine Minussalden mit Nachschusspflicht zu fürchten haben. Frankreich ist da ein interessanterer Fall. Man konzentriert sich nun anscheinend auf die Verlockung der Anleger, nämlich die Art und Weise der Werbung.

Die Aufsichtsbehörde AMF hat nun in einer Veröffentlichung Stellung bezogen. Werbung jeglicher Art für hochriskante Produkte soll verboten werden. Explizit nennt man CFDs, Forex und Binäre Optionen. Man führt auf, dass die Kunden großer Broker von 90% Verlustquote berichtet hätten. In den letzten vier Jahren hätten 175 Millionen Euro Verlust nur 13 Millionen Euro Gewinn bei den Kunden gegenüber gestanden. Die Werbung im Internet vor allem durch unseriöse und unregulierte Anbieter verspreche aber oft einfache Gewinne mit wenig oder gar keinem Risiko, so fassen wir die Aussagen der AMF sinngemäß zusammen.

Daher spricht man in seiner aktuellsten Direktive namens „Sapin II“ nicht nur Broker, sondern auch die gesamte französische Werbeindustrie an, insbesondere Agenturen und Porteilbetreiber, die für Werbung auf Internetseiten zuständig sind. Hier werde man das Verbot solcher Werbung von nun an rigoros kontrollieren und durchsetzen. Aber die Frage ist: Was genau ist die Werbung für risikoreiche Produkte? Der britische Branchenprimus IG Markets (IG Group) veröffentlichte erst gestern ein Schreiben, in dem man erwähnte, dass man für seine CFD-Produkte keine wikrlichen Probleme in Frankreich sehe.

Denn wenn man Minussalden in den Konten ausschließe, und bei Verlustbegrenzungsorders (Stop Loss) die Order selbst auch als Ausführungskurs garantiere (garantiere Stop-Ausführung), sei das kein Problem. Es wirkt also so, als hätte sich IG von der AMF eine Detailerläuterung geben lassen, dass diese beiden Bedingungen erfüllt sein müssen, damit das eigene CFD-Produkt nicht als übermäßig riskant erachtet wird.
Also scheint die „Werbung für riskant Hebelprodukte“ so auszulegen sein, dass eine garantierte Stop-Ausführung und der Schutz vor Minussalden genug Absicherung gegen Risiko ist.

Zumindest scheint dies genug Risikovorsorge zu sein, dass man weiterhin in Frankreich für CFDs und Co Werbung machen kann. So wie man den gesamten veröffentlichten Text der AMF interpretieren kann, bedeutet „Sapin II“ wohl auch: Die Behörden werden sich genau anschauen, in welcher Art und Weise Broker und deren Werbeagenturen Werbebanner auf Internetseiten platzieren. Zu reißerisch, zu sehr auf den schnellen einfachen Gewinn ausgerichtet, und es könnte selbst für IG Markets Probleme geben. Deswegen erwähnt die AMF in ihrer Veröffentlichung auch ausdrücklich, dass die Werbeindustrie und die Internetportal-Betreiber ebenso von ihr ins Auge genommen werden wie die Broker als letztendliche Werbekunden. Ein kurzer Auszug aus dem AMF-Schreiben:

„The regulator has used all available means to limit retail investors’ access to these highly speculative tools and, in particular, suggested that a legislative measure grant the legal capacity to ban advertising for these products. This measure for regulating advertisements for highly speculative and risky contracts is now enshrined in the Sapin II law.“

Der französischen Aufsicht scheint auch bewusst zu sein, dass ein plumpes Verbot von CFDs und Co kaum etwas nützen würde. Die französischen Zocker würden einfach ihre Konten bei Brokern auf Zypern, in London oder sonst wo eröffnen. Aber wenn man wie es hier angedacht ist, sämtliche französischen Internetportale von all zu aggressiver und euphorischer CFD-Werbung befreit, dann ist das schon ein Dämpfer für die Industrie. Fazit: Falls IG mit seiner Auslegung der AMF-Direktive richtig liegt, müssen sich die CFD-Broker gerade ein Frankreich zukünftig viel Mühe geben.

Sie müssen ihre Werbung dann halt so gestalten, dass keine allzu große Gewinneuphorie beim Konsumenten entsteht, und dass man den Kunden garantierte Verlustbegrenzungen offeriert, die auch in der Praxis eingehalten werden. Gesamt-Fazit für die EU: Die diversen Anforderungen verschiedener Regulierer bringen den meisten Kunden handfeste Vorteile. Da wäre es doch im nächsten Schritt wünschenswert, wenn sich die Aufsichtsbehörden jetzt mal dem deutlich bedeutenderen Markt für Zertifikate widmen. Aber der wird ja von Banken betrieben und nicht von Brokern. Und wie wir alle wissen: Banken sind der „finanzielle Sockel“ eines jeden Staatsgefüges, und die wissen was sie tun. Die werden schon ein Auge darauf haben, dass die Trader mit von Banken ausgegebenen Zertifikaten nicht übermäßig viel Geld verlieren…..


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