China: Echte Zahlen, echte Probleme – ein Blick hinter die offizielle BIP-Kulisse

FMW-Redaktion

Wächst China wirklich um 6,9%, wie es die offizielle Propaganda-Maschine behauptet – und ungeschickterweise dann noch die Zahlen verteidigt und sagt, dass die Zahlen ganz sicher echt seien? Während China mit dem Deflator trickst und damit das BIP nach oben manipuliert, sind die Amnerikaner hier geschickter: man manipuliert etwa über „seasonal adjustments“ die Zahlen zum Arbeitsmarkt und schweigt sich ansonsten aus. Ein Problem ist dabei nur, dass die auf den Arbeitsmarkt fokussierte Fed den manipulierten Zahlen tatsächlich glaubt und daher die Zinsen anheben will – das ist schon ein Treppenwitz der Wirtschaftsgeschichte!

Zurück zu China. Folgende, heute Nacht veröffentlichte Zahlen der National Development and Reform Commission (NDRC) werfen ein Schlaglicht darauf, was ökonomisch in China wirklich passiert: so fielen etwa das über die Eisenbahn transportierte Container-Volumen in 2015 um 11,9% auf nun nur noch 3,36 Milliarden Tonnen. Noch gravierender jedoch der Rückgang der See-Transporte: sie fielen im ersten Quartal 2015 um 9,4% zum Vorjahresmonat, im zweiten Quartal um 10,8%, im dritten Quartal um 13,9% und im vierten Quartal um 13,4%.

Und nun möchte man die Frage stellen, ob eine Wirtschaft wirklich um die 7% wächst, wenn gleichzeitig der gesamte Transportsektor, der ein hervorragender Indikator für ökonomische Aktivität ist, wegbricht. Sehr unwahrscheinlich – selbst wenn man in Rechnung stellt, dass sich Chinas Wirtschaft mehr in Richtung Konsum verschiebt, denn auch Konsumgüter müssen transportiert werden.

Chinas Führung hat erkannt, dass die Wirtschaft des Landes im Ungleichgewicht ist – man will daher, so hat zuletzt Premier Li Keqiang formuliert, Überkapazitäten in einigen Branchen, vor allem Stahl und Kohle, abbauen. Nun hat heute Nacht der Chef des „China Metallurgical Industry Planning and Research Institute, Li Xinchuang, vor Gefahren für die „soziale Stabilität“ des Landes gewarnt. Beim Abbau dieser Überkapazitäten nur in den Breichen Kohle und Stahl würden, so Xinchuang, ca. 400.000 Arbeitsplätze direkt wegfallen. Und das dürfte erste der Anfang sein – denn mit dem Wegfall dieser Jobs werden auch andere Arbeisplätze verschwinden, etwa bei Zulieferern. Und so würden alleine durch den Abbau von Überkapazitäten in den Branchen Stahl und Kohle gut eine Millionen Arbeitsplätze wegfallen.

Und das sorgt zunehmend für Unruhe – vor allem bei den Wanderarbeitern. Sie bekommen häufig ihre Löhne nicht mehr ausbezahlt – die Folge ist ein sprunghafter Anstieg von Streiks im Reich der Mitte:

Nun überlegt Peking fieberhaft, wie man die Menschen andernorts beschäftigen kann – die Planungen dazu laufen auf Hochtouren. Lösungen aber sind nicht in Sicht, der Abschwung Chinas jedenfalls ist viel größer, als es die offiziellen BIP-Zahlen auch nur vermuten lassen…


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