Das Anleihekaufprogramm der EZB zuletzt mit deutlichem Rückgang: Sagen die Daten mehr als alle Gerüchte?

FMW-Redaktion

Seit März 2015 hat die EZB über ihr Anleihekaufprogramm (Public sector purchase programme / PSPP) bis Ende letzter Woche für sagenhafte 1,46 Billionen Euro Staatsanleihen und Anleihen halbstaatlicher Institutionen wie Förderbanken aufgekauft. Es soll noch bis über 2 Billionen Euro ansteigen. Ab April sinkt das monatliche Kaufvolumen zumindest gemäß der selbst gestellten Zielvorgabe der EZB von 80 auf 60 Milliarden Euro pro Monat, also grob 15 Milliarden Euro pro Woche.

Das wöchentliche Ankaufvolumen schwankte in der Vergangenheit schon mal kräftig, zum Beispiel durch weniger liquide Zeiten am Anleihemarkt bedingt durch Urlaubsphasen in der Eurozone. Die EZB selbst erklärt auch offiziell, dass es solche Schwankungen geben kann. Aber zuletzt sah es nicht nach Urlaub oder Illiquidität aus. In der vorletzten Woche kaufte die EZB Anleihen über dieses PSPP-Programm (es laufen ja noch andere Programme) im Umfang von 14,4 Milliarden Euro. Letzte Woche, also noch im März, waren es nur noch 7,8 Milliarden Euro.

Dieses PSPP soll noch bis mindestens Ende des Jahres laufen. Aber man weiß ja, dass diese Aussicht auf ein Ende nicht viel wert ist. Bundesbank-Chef Jens Weidmann hat schon diverse Mal ein Ende herbeigesehnt, gefordert, darauf gedrungen. Bislang vergebens. Jüngst sagte er der „Zeit“, dass sich der Zeitpunkt nähere, wo der Fuß nicht mehr durchgedrückt auf dem Gaspedal bleibe, sondern man ihn leicht anheben könne. Wenn es in einem Jahr keine Anleihekäufe mehr gebe, würde er das begrüßen. Das wäre also März/April 2018.

Also geht Weidmann davon aus, dass es womöglich eine Verlängerung ins Jahr 2018 gibt? Dann ab Januar womöglich statt 60 nur 40 oder 20 Milliarden Euro pro Monat? Das wäre so eine Art softer Ausstieg aus den Anleihekäufen. Ein schneller ruckartiger Cut würde am Markt den mit Abstand größten Kaufwilligen verschwinden lassen, was zu Turbulenzen führen dürfte. Aber zurück zu den jüngsten Käufen von nur 7,8 Milliarden Euro letzte Woche. Entweder ist das nur eine statistische Anomalie, oder ein Zeichen für weniger Käufe als selbst offiziell angekündigt?

Das wäre ein softer Ausstieg deutlich früher als gedacht. Daher lohnt es sich im April diese wöchentlichen Veröffentlichungen der EZB genauer zu verfolgen. Bleibt man relativ weit unter 15 Milliarden Euro pro Woche, deutet das auf einen schnelleren Ausstieg aus dem Gelddrucken hin, was den Euro stärken dürfte. Nachdem es von der EZB vor Kurzem noch Signale gab, dass die aktuelle Politik (Gelddrucken + Negativzinsen) sich drehen könnte, kamen danach mehrmals Absagen. Nein, nein, so schnell gehe es dann doch nicht, um es mal sinngemäß zusammenzufassen. Also, schauen wir doch bitte nächste Woche erneut auf das wöchentliche Ankaufen der Anleihen. Beim zweiten Teil der EZB-Politik, den Negativzinsen, wird sich so schnell wirklich nichts ändern!


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