„Der Euro wird so oder so scheitern“

7 Fragen von Markus Fugmann an Marc Friedrich und Matthias Weik, die Autoren von „der Crash ist die Lösung“, zu den gestrigen Maßnahmen der EZB:

1. Herr Friedrich, Herr Weik, die EZB hat mit der Einführung negativer Einlagezinsen ein historisches Experiment gestartet. Kommt das für Sie überraschend?

Nein, überhaupt nicht. Wir hatten dies in unserem neuen Buch vorhergesagt. Damit lagen wir leider genauso richtig wie mit der Senkung des Garantiezins bei den Lebensversicherungen letzte Woche.
Die Einführung negativer Einlagezinsen sowie die Senkung des Leitzins auf ein historisches Tief unterstreicht lediglich die völlig desperate Lage der Notenbanken und sollte uns allen zeigen, dass die wirtschaftliche Lage in der Eurozone verheerender denn je ist und alle bisherigen Maßnahmen zu nichts geführt haben.

2. Die Konsensmeinung geht davon aus, dass Mario Draghi 2012 mit seinem „Wir werden alles tun, um den Euro zu retten“ ein Wendepunkt der Krise war. Sehen Sie das auch so?

Absolut nicht! Dadurch wurde seit 2012 nur teuer Zeit erkauft aber wenn alles gut wäre, hätten wir diesen drastischen Schritt der EZB gestern nicht erlebt. Betrachtet man die wirtschaftliche Situation in Südeuropa ist dort seit 2012 alles schlechter geworden (höhere Arbeitslosigkeit, höhere Staatsverschuldung und eine Industrieproduktion im Sinkflug). Trotz verheerender volkswirtschaftlicher Eckdaten, Rekordverschuldung und historisch hoher Arbeitslosenzahlen können sich die Krisenländer wie Italien, Spanien… so günstig wie nie zuvor verschulden. Das ist ökonomischer Wahnsinn und führt alle Maßnahmen ad absurdum! Dies ist nur möglich weil wir uns nun in einer Haftungsunion befinden und alle Market Player wissen, daß im Notfall die EZB respektive Deutschland haftet. Das die Rettungspolitik der Troika gescheitert ist zeigt auch folgender Fakt: Griechenland hat wieder eine höhere Staatsverschuldung wie vor dem Schuldenschnitt.

3. Wie beurteilen Sie die Erfolgsaussichten der neuen Maßnahmen der EZB? Vorrangiges Ziel der EZB ist ja, die Kreditvergabe in der Eurozone anzukurbeln – wird das gelingen können?

Die Erfolgsaussichten der neuen Maßnahmen der EZB beurteilen wir als utopisch und sie geht gegen Null. Ferner können wir uns nicht vorstellen, dass die EZB die Kreditvergabe ankurbeln kann. Die Banken werden entweder die Kosten der Anlagekosten an die Unternehmen und Kunden in irgendeiner Art und Weise auf die Nase drücken oder das Geld einfach nicht mehr bei der EZB parken sondern z.B. in Staatsanleihen der Euroländer anlegen, die durch die EZB garantiert sind. Ein todsicheres Geschäft ohne Ausfallsrisiko. Das Perpetuum Mobile der Finanzbranche.

4. Die EZB hat gestern die große Bazooka ausgepackt und sogar mehr beschlossen, als die Märkte erwartet hatten. Viele sehen darin ein Zeichen, wie schlecht es stehen muß um die Wirtschaft in der Eurozone. Sind Sie ähnlich pessimistisch?

Wir sind keine Pessimisten sondern Realisten und die absolut fatale Situation in vielen Ländern Europas ist nun einmal nicht von der Hand zu weisen und der destruktive Siegeszug des Euros frisst sich weiter durch die Länder und lässt die Menschen verarmen. Jedem sollte klar sein, dass dies gestern ein historischer Tag war. Er unterstreicht dass die Krise keinesfalls gelöst ist sondern nur immer wieder mit unverantwortlichen Maßnahmen in die Zukunft verschoben wird, wo sie weiter an Kraft gewinnt und noch im Endeffekt noch mehr Kollateralschäden anrichten werden, wenn sie losbricht.

5. Wer wird von den EZB-Maßnahmen profitieren? In einem Artikel von Kilian Kimmel auf www.finanzmarktwelt.de argumentiert Kilian Kimmel (http://finanzmarktwelt.de/uns-die-ezb-sagen-will-2600/) , dass die Maßnahmen der EZB vor allem zur Rettung der Bankbilanzen dient. Stimmen Sie dem zu?

Herr Draghi dient nicht den Menschen sondern vor allem seinen ehemaligen Kollegen. Alle Maßnahmen seit seinem Amtsantritt hatten immer die oberste Priorität der Finanzbranche zu helfen. Die Banken haben sich seitdem mit immer mehr billigem Geld vollgesaugt und sind dadurch noch größer, noch mächtiger und vor allem noch systemrelevanter geworden. Damit haben sie lediglich ihr Erpressungspotential bei der nächsten Krise gegenüber den Staaten und Bürgern erhöht. Und diese Karte werden sie liebend gern spielen.

6. Was wird die logische Folge der erneuten Geldflutung sein?

Die Aktienmärkte werden weiter explodieren, die Immobilienpreise in vielen deutschen Großstädten, aber auch in London, Zürich, New York … werden weiter steigen und der kleine Sparer wird weiter enteignet. Summa sumarum – der kleine Mann bezahlt die Zeche und die Finanzbranche gewinnt. Wir alle werden Stück für Stück durch die finanzielle Repression und Niedrigzinsphase enteignet, um ein marodes Finanzsystem am Leben zu erhalten.

7. Wenn die EZB scheitert und ihre Ziele nicht erreicht – was passiert dann? Wird der Euro auseinanderbrechen?

Der Euro wird so oder scheitern, da die EZB mit ihrer Maßnahme – sollte sie tatsächlich funktionieren – den Euro keinesfalls langfristig retten kann, sondern bestenfalls die Lebenszeit des Euros und das Leiden der Volkswirtschaften und der Menschen verlängern wird. Wir werden vor dem finalen Kollaps aber weitere extreme und verzweifelten Maßnahmen von den Notenbanken und der Politik sehen, um das nachweislich gescheiterte politisch motivierte Währungsexperiment künstlich am Leben zu erhalten.


Kommentare

„Der Euro wird so oder so scheitern“ — 13 Kommentare

  1. Die beiden haben recht! Die tragweite dieser Entscheidung ist den meisten gar nicht klar! Und Drafhi droht er ist noch nicht fertig. Danke für das Interview

  2. Die Wahrheit zu sagen ist inzwischen nicht mehr das Problem aber die Ohnmacht der Entscheider. Das System ist so gestrickt, dass selbst die Machthaber keine Entscheidungsfreiheit haben.

  3. 400.000.000.000,00 € fertig, durch 280 marode Banken, alles verteilt und weg iset. Credit Suisse kann dann ihre 2 Mrd. US$ Strafe zahlen sowie BNP Paris ihre 10 Mrd. US$. Dann kommt noch die Deutsche Bank dran und den Andern geht es auch noch an den Kragen. Die Amis haben ihre Bilanzen ein wenig geschönt und können wieder Krieg spielen, das wars. Das Geld war schon weg bevor Draghi an die Öffentlichkeit ging. Jetzt sind die Banken aber immer noch Marode, und was nun? Kollaps auf breiter Front, die Börsen brechen ein und Euro fällt in den Keller, im August wird dann die D-Mark 2 vorgestellt! Pfingstmontag wird Crash-Tag! Das muss nämlich schnell gehen bevor es jemand merkt……

  4. Was passiert nachdem der Euro nicht mehr existiert?

    Sind wir alle gewillt den Politverbrechern nochmal zu glauben oder ist es besser keine Regierung als eine Regierung.

    Unter Anarchi verstehen manche vielleicht es müssen Lokale Warlords das sagen haben und daraus entsteht dann wieder eine Regierung durch den Cleversten Verbrecher.

    Global gesehen ist jede Regierung in der Welt ein Resultat(Ergebnis) durch Kriminelle und jede Regierung durchdrungen von Kriminalität im Auftrag der Konzerne.

    Der beste Beweis das Regierungen in aller Welt kriminell sind, ist der Abwurf von Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki 1945

    The best proof the governments are criminal all over the world, is the dropping of atom bombs on Hiroshima and Nagasaki 1945.

    Damit es mir schlecht geht brauche ich keine Regierung und auch keinen Warlord,mir geht es auch ohne Regierung schlecht. Allerdings die Wahrscheinlichkeit das es mir ohne Regierung besser geht steht glaube ich um einiges höher als mit Regierung.

  5. Erfreulich erfrischender Klartext, den diese beiden Ökonomen da sprechen. Solche Leute bräuchten wir in der Regierung und nicht eine Kanzlerin, die eine gescheiterte Währung für alternativlos hält. Solange Deutschland weiter fleißig haftet, kann die Schuldenparty der Südstaaten munter weitergehen. Leider wird auch der wirtschaftliche Absturz in diesen Staaten weitergehen. Es ist nämlich keineswegs die Bevölkerung, die profitiert, sondern nur die Finanzbranche. Wir werden am Ende mit der Entwertung unseres Geldes, unseres Ersparten, unserer Lebensleistung, dafür bezahlen. Am Ende steht dann die Währungsreform und der große Reset, bei dem die Masse der Menschen alles verliert. Der kleine Mann zahlt wie immer die Zeche.

  6. Das sind genau die Ansichten der AfD , für die sie von den Alt-Parteien verteufelt wird !
    Wir könnten also kluge Politiker bekommen , wir brauchen sie nur zu wählen!!!
    Aber der schlafende Michel lässt sich von den ausgedienten Polit-Kaspern immer wieder einlullen!

  7. Ja, keine guten Aussichten für das bestehende Geld-System.
    Aber solange wir Normalos uns nicht in einen Krieg treiben lassen und die Nahrungsmittel-Versorgung für die Städter sichergestellt werden kann, kein besonderes Problem – es sei denn, man sieht seine Ersparnisse als seinen Lebenssinn.
    Von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt läuft eine schlimme Entwicklung:
    die industrielle Landwirtschaft
    (falsche Bodenbearbeitung, Monokultur, Pestizide, falsche Düngung, kein Nähstoff-Kreislauf)
    zerstört langsam die Böden, siehe
    http://www.sswm.info/sites/default/files/toolbox/UNEP%20et%20al%201997%20soil%20degradation.png
    und liefert nur minderwertige Nahrungsmittel, siehe
    http://www.chemievorlesung.uni-kiel.de/1992_umweltbelastung/dueng2.htm
    http://storytel.republika.pl/AktVitamine.html
    Bio-Landwirtschaft ist für die Ackerböden sicher besser als die industrielle Landwirtschaft.
    Aber auch der Bio-Landwirt verkauft seine Erzeugnisse in für ihn unerreichbare Weiten, er kann also keinen Nährstoff-Kreislauf auf seinem Boden herstellen, siehe
    http://members.aon.at/goedheinz/GOD_Deutsch/Zukunft/2069FaqD/2069FaqD_LeSt.html#2069-Stadt
    (bitte bis zur Grafik scrollen )
    Um sinnvoll düngen zu können, müsste jeder Landwirt wissen, was er mit seinen Erzeugnissen dem Boden entnommen hat. Das wäre ein Aufwand, den kein Landwirt erbringen kann und somit verlieren auch die Böden der Bio-Landwirte schleichend an Qualität – und die Bio-Produkte damit ebenso.
    EnergiePflanzen-Anbau in seiner heutigen Form ist das schlimmste, was mensch dem Boden antun kann.
    Wir haben da ein schleichendes Problem – unter mehreren anderen,
    http://members.aon.at/goedheinz/GOD_Deutsch/Zusammenarbeit/ProblemListe.html#Anfang
    Die Zeit ist langsam reif,
    ein neues intelligenteres Wirtschaftssysten zu erfinden,
    DenkAnsätze dazu gibt es bereits, eine Sammlung ist auf
    http://members.aon.at/goedheinz/GOD_Deutsch/Zusammenarbeit/IQOAsD.html
    Damit aus diesen Ideen etwas werden kann,
    müsste allerdings die breite Bevölkerung mitdenken und mitarbeiten und dazu müsste die Bevölkerung in der Breite informiert werden.

  8. Weg mit diesem kranken Euro, besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende, den uns dieses Politikergesindel (Weigel,Kohl, Juhnker und co.) aufgezwungen hat!!! Man sollte diese Nieten, Schönschwätzer und Leuteverdummer zur Verantwortung ziehen!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.