Der „sichere Hafen Europas“ Deutschland überholt UK bei Immobilien

FMW-Redaktion

Wo investiert man als Asiate oder Amerikaner, wenn man ein schickes Stadthaus in Europa kaufen möchte? Oder wo errichtet man seine Europazentrale als asiatische Bank? Bisher natürlich in London! Für Büroimmobilien galt das selbe. Die Stadt war das Schwergewicht als Standort für internationale Immobilieninvestitionen in Europa, auch wenn man sicherlich geteilter Meinung sein kann, ob das im Stadtbild Londons wirklich zu erkennen ist. Wie die Unternehmensberatung PriceWaterhouseCoopers (PwC) aktuell vermeldet, ergibt eine eigene Studie namens Emerging Trends in Real Estate – The Global Outlook for 2017, dass Deutschland im letzten Jahr beim Handel mit Immobilien an Großbritannien vorbeigezogen ist.


Die Frankfurter Banken-Skyline. Hier wird jetzt schon viel zusätzlicher Büroraum Londoner Banken nachgefragt. Foto: Christian Wolf/Wikipedia (CC BY-SA 3.0 de)

Zitat PwC:

Deutschland wird zum „sicheren Hafen“ Europas. Der PwC-Analyse zufolge ist Deutschland im vergangenen Jahr mit einem Handelsvolumen im Immobilienmarkt von 60,2 Mrd. Euro an Großbritannien vorbeigezogen (59,9 Mrd. Euro). Diese neue Rangordnung dürfte auch 2017 Bestand haben. Denn Investoren setzen sich nach dem Brexit-Votum stärker denn je mit der Frage auseinander, wie sich die Europäische Union künftig entwickeln wird. Investitionen in Deutschland werden dabei dank der volkswirtschaftlichen Stärke des Landes als besonders zukunftssicher eingeschätzt.

„Im Immobilienmarkt sind derzeit sichere Anlagemöglichkeiten gefragt. Da noch lange nicht klar ist, wie sich der Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union konkret gestaltet, steht Deutschland dank seiner wirtschaftlichen und politischen Stabilität bei Investoren besonders hoch im Kurs.“
Susanne Eickermann-Riepe, Real Estate Leader bei PwC Deutschland.

Zur globalen Entwicklung sagt PwC folgendes:

Uneins sind sich die Branchen-Insider laut dem PwC-Report in der Frage, wo Kapitalüberschüsse am besten eingesetzt werden sollten. Die Region Asien-Pazifik wies mit einem Anteil von 31 Prozent an grenzüberschreitenden Kapitalflüssen einen neuen Höchstwert im aktuellen Zyklus auf. PwC zufolge könnte sich dies angesichts der wachsenden Attraktivität der Emerging Markets fortsetzen. Auch für die USA prognostizieren die Experten starke Investitionen aus dem Ausland. Den europäischen Markt hingegen betrachten Investoren aus anderen Regionen der Welt nur mit Vorsicht. Viele sehen nur in einzelnen Asset-Klassen und Städten wie Berlin oder London noch gute Investment-Möglichkeiten.

Gerade bei großen Gewerbeobjekten mit vielen zu vermietenden Quadratmetern braucht der Immobilieninvestor große Mieter mit vielen Mitarbeitern. Dies wird in London oftmals gewährleistet durch Banken und sonstige Finanzunternehmen. Die wollen und müssen nun aber reihenweise dank des Brexit Teile ihrer Belegschaft nach Dublin, Frankfurt und Co verlagern. Wie genau sich der Immobilienmarkt entwickelt, weiß niemand. Aber diese großen Mieter von Büroflächen werden jeweils anteilig in London fehlen, weil sie zwar alle dort bleiben, aber anteilig Mitarbeiter in die EU verlagern.

Ein Experte der Deutschen Asset & Wealth Management sagte aktuell gegenüber dem Handelsblatt, dass er Zweifel habe, dass der Abwärtstrend Großbritanniens bei Immobilien nachhaltig sei. Er erinnerte daran, dass die Preise in UK während der Finanzkrise zwar am schnellsten abstürzten, sich dann aber auch wieder als erste erholten. Dazu meinen wir: Das mag sein, aber mit dem Brexit gibt es einen auf harten Fakten basierenden Zwang für die Finanzindustrie Teile ihrer Belegschaft in die EU zu verlagern. Das ist ein harter Faktor, der viel Büroraum in London frei werden lassen dürfte. Und dies ist kein Trend, der wieder nach ein paar Jahren verschwindet. Der Brexit bleibt, die Belegschaft fehlt deswegen auch dauerhaft. Somit ist es unserer Meinung nach mehr als fraglich, ob der britische Immobilienmarkt den Brexit wirklich so leicht wegstecken wird wie einen drastischen Konjunkturzyklus, von dem man sich wieder erholen kann. Denn der Brexit ist ja ein Dauerzustand!


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