Deutsche Bundesanleihen: Die Rendite lebt

FMW-Redaktion

Heute hat Deutschland mal wieder eine 10jährige Bundesanleihe emittiert, der mit Abstand wichtigste Schuldtitel in Deutschland – ein weltweit sehr stark beachteter Gradmesser. Nach Negativrenditen letztes Jahr stieg die Rendite zuletzt wieder ins Plus auf +0,21%. Heute nun die nächste Emission, und siehe da: Die Rendite steigt erneut auf jetzt 0,36%. Die „Finanzagentur Deutschland“, die für das Bundesfinanzministerium die Schulden aufnimmt, wollte heute 5 Milliarden Euro platzieren. Die Nachfrage lag aber bei einem Volumen von 7,1 Milliarden Euro.

Man leistet es sich seitens der Finanzagentur von den eigentlich gewünschten 5 Milliarden Euro letztlich nur 4,01 Milliarden Euro einzunehmen. Dabei gab es seitens der Investoren (in der Regel Banken, Fonds und Pensionskassen) Limit-Gebote von 1,57 Milliarden, und unlimitierte Gebote für 5,56 Milliarden Euro. Man hätte also für 5,56 Milliarden selbst den Emissionskurs problemlos festlegen können. Der durchschnittliche Emissionskurs lag bei 98,91% (Anleihekurse notieren immer in %).

Der Zinskupon liegt bei 0,25%. Dadurch, dass man als Erstkäufer nur 98,91% auf das Nominalvolumen zahlt, und am Laufzeitende aber 100% zurückerhält, liegt die Rendite nicht beim Zinssatz von 0,25%, sondern letztlich bei 0,36% pro Jahr. Noch mehr als bei der vorigen Emission zeigt sich die langsam anrollende Zinswende auch in Europa. Auch wenn die EZB die Zinsen noch nicht erhöht hat, steigt sogar die Rendite für die deutsche 10jährige jetzt Schritt für Schritt weiter. Die Rendite lebt!

Nach jahrelang fallenden Renditen müssen Regierungen in Europa jetzt wieder anfangen Zinsen zu zahlen, und die Finanzierung der Neuverschuldung wird somit teurer. Denn was bedeutet es für Italien, Frankreich und Co, wenn sogar Deutschland nach und nach steigende Renditen vorzuweisen hat bei seiner Benchmark-Anleihe? Auch in diesen Ländern mit schlechterer Bonität werden die Renditen weiter anziehen.


Der Kurs der Bundesanleihen seit Ende 2013. Die Kurse stiegen stetig weiter, was die prozentuale Rendite bis vor Kurzem sogar ins Minus trieb. Denn je mehr man für die Anleihe zahlt, desto geringer ist die Rendite, weil sie auf das eingesetzte Kapital berechnet wird.


Kommentare

Deutsche Bundesanleihen: Die Rendite lebt — 1 Kommentar

  1. Frage mich bloß, wen die Finanzagentur da subventioniert?

    Am freien Markt hätte sie die Anleihen zu einem höheren Kurs losschlagen können. Dort ist die Rendite während des ganzen Tages niemals über die 0,30 gestiegen

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