Die 20 neuesten Artikel auf einen Blick

Dollar-Wetten auf 6-Monats-Tief, Öl noch extremer, Gold abgebaut – und Silber der Liebling

FMW-Redaktion

Lange war das „Der-Dollar-wird-steigen“-Boot so voll, dass es zu kentern drohte. Aber nun gehen immer mehr von Bord, wenn man sich die neuesten CFTC-Daten ansieht: demnach sind die Dollar-bullischen Wetten auf den tiefsten Stand seit sechs Monaten gefallen! Auslöser für die Verringerung des Dollar-Camps waren vor allem die Rohstoffwährungen kanadischer, australischer Dollar und neuseeländischer Dollar (trotz der Aussagen der neuseeländischen Notenbank, dass man die Währung für zu stark halte..), aber auch die weiter zurück gefahrenen Wetten auf einen weiter fallenden Yen zum US-Dollar (mithin also der Abbau von Dollar-Yen Long-Positionen). Abgebaut wurden auch weiter Shortpositionen im Cable (Pfund-Dollar) und vor allem Long-Positionen im Dollar gegen den mexikanischen Peso.

Nicht profitieren von der geminderten Neigung zu Dollar-Käuffen konnte der Euro, der sogar wieder leicht stärker geshortet wurde zum US-Dollar, wohl aus Furcht vor politischen Turbulenzen vor den Wahlen in Holland und Frankreich. Vielmehr scheinen derzeit zwei Motive ausschlaggebend, dass die Euphorie über den Dollar verpufft, und beide haben mit der neue US-Regierung zu tun: man geht einerseits davon aus, dass die Trump-Administration einen schwächeren Dollar will, um das Wachstum anzukurbeln und gleichzeitig die Fed doch nicht so schnell die Zinsen anhebt wie sie zuletzt postuliert hat.

Und man geht zweitens davon aus, dass Trump sein Infrastruktur-Programm durchziehen kann und dafür Rohstoffe benötigt werden – daher kauft man verstärkt den australischen und den kanadischen Dollar, letzteren auch deshalb, weil das Treffen zwischen Trump und Trudeau letzte Woche „glimpflich“ verlaufen war (keine Androhung von Imporsteuern für kanadische Waren ecc.). Die Wetten auf einen steigennden kanadischen Dollar zum US-Dollar liegen nun auf dem höchsten Stand seit vier Jahren!

Im Rohstoffsektor setzt sich die immense bullische Positionierung für WTI-Öl weiter fort nach einem kleinen Rücksetzer in der Vorwoche. So wurden weitere 13.000 Long-Kontrakte auf nun 433.000 eröffnet, während 18.000 Short-Kontrakte abgebaut worden sind (auf nun 42.600 Kontrakte) – damit beträgt das Long-Short-Verhältnis mehr als 10:1!

Wieder rückläufig war dagegen die Long-Positionierung im Gold, nachdem diese in der Vorwoche deutlich angestiegen war. Nun aber der Abbau von knapp 9000 Long-Kontrakten auf 138.000 Kontrakte, während jedoch auch kanpp 1000 Short-Kontrakte auf nun 70.000 abgebaut wurden, womit das Verhältnis Long-Short knapp unter 2:1 liegt.

Anders dagegen beim Silber, das inwzischen schon Extremwerte erreicht nach dem weiteren Aufbau von knapp 6000 Long-Kontrakten auf nun 82.000, während die Short-Kontrakte leicht rückläufig waren auf nun 11.800 Kontrakte – womit also mehr als siebenmal so viele Kontrakte auf der Long-Seite stehen als auf der Short-Seite.

Insgesamt ist die Positionierung für Rohstoffe damit so bullisch wie seit Mai 2014 nicht mehr. Man könnte also fast sagen, dass die Wetten auf steigende Rohstoffe (vor allem Öl) die Wette auf einen steigenden Dollar abgelöst hat!

Fondsmanager: Das größte Risiko für die Märkte ist .. Trump!

FMW-Redaktion

Die Bank of America Merrill Lynch veröffentlicht bekanntlich regelmäßig eine Umfrage unter Fondsmanagern und fragt dabei nach der Einschätzung der Anlage-Profis, worin sie die größten Risiken für die Märkte sehen (befragt werden zwischen 200 und 250 Manager von Fonds, die nur auf steigende Kurse setzen können, oder eben Cash halten). Und während lange die Sorge um den Bestand der Eurozone bei diesen Fondsmanagern lange dominierte, scheint das nun in den Hintergrund getreten zu sein. Denn nun (Stand 14.Februar) ist es die Sorge um die protektionstische Politik der Trump-Administration, die die größte Befürchtung dieser Investoren ist: 34% der Befragten sehen darin das Nummer 1 Risiko für die Aktienmärkte. Dahiner folgt die Sorge um höhere Zinsen (in den USA) mit 28%, 18% wiederum fürchten ein nicht näher definiertes „Finanz-event“, also eine Art schwarzer Schwan. An vierter Stelle folgt dann die Sorge um schwächere Zahlen („earnings“) von US-Unternehmen.

Die Sorge vor Trumps Protektionismus ist also schnell an die erste Stelle getreten, während man auf der anderen Seite wiederum die Trump-Administration eben auch als größten Hoffnungsträger definiert wegen der geplanten Steuersenkungen, von denen etwa Goldman Sachs erwartet, dass sie frühestens 2018 kommen werden – also noch recht lange hin bis dahin. Aber davon scheint sich die Trump-Rally nicht stoppen zu lassen – ähnlich wie 1986, als die Märkte ebenfalls haussierten in Erwartung einer Steuersenkung durch die Reagan-Regierung, die dann erst 1987 kam (im Oktober 1987 dann der kurze Crash an der Wall Street, gefolgt von einem massiven Anstieg).

Befragt werden die Fondsmanager auch nach „Restrisiken“ („tail risks“), womit Preisbewegungen am Markt gemeint sind, die mehr als drei Standardabweichungen über dem Normalwert liegen, statistisch also nicht gerade häufig auftreten (Aber: der letzte Woche veröffentliche Philly Fed Index mit dem besten Wert seit 33 Jahren hatte übrigens eine Standartabweichung von 10!). Und hier sehen die Fondsmanager das größte Risiko in den anstehenden Wahlen in der Eurozone (37%), gefolgt von Handelskriegen (32%) und einem Crash am Anleihemarkt (13%).


Foto: Gage Skidmore/Wikipedia (CC BY-SA 2.0)

Da auch die Angst vor Handelskriegen eng verbunden sind mit der Trump-Admnistration, kann man also sagen: das größte Risiko sehen die Fondsmanager in Trump. Und nun werden auch die Dickfische der Hedgefond-Branche nervöser – so etwa der größte Hedgefond der Welt, Bridgewater Associates. In einem Brief an seine Kunden warnte Bridgewater vor allem vor der Importsteuer, die die Trump-Regierung vermutlich einführen wird – wenn das geschehe, werde es eine globale Depression geben:

“If the border adjustment mechanism is implemented as proposed we think it will cause a global depression and a major equity market decline. It is still unclear whether it will happen but at the very least we expect that U.S. trade policy will put downward pressure on global growth.”

Und darüber hinaus zeigt sich Bridgewater-Chef Ray Dalio, der den Trump-Sieg zunächst enthusiastisch begrüßt hatte aös positiv für die Wirtschaft der USA, über den zunehemden Nationalismus und Militarismus besorgt:

„Nationalism, protectionism and militarism increase global tensions and the risks of conflict.For these reasons, while we remain open-minded, we are increasingly concerned about the emerging policies of the Trump administration.“

Fast noch besorgniserregender erscheint jedoch der Tweet von Donald Trump vom Wochenende, in dem er die New York Times und die Fernsehender NBC News, ABC, CBS und CNN als „Feinde des Volkes“ titulierte:

Derartige Aussagen eines Staatschef gab es zuletzt in bolschwistischen oder eben faschistischen Systemen. Die logische Folge dieser Aussage ist das Verbot dieser „volksfeindlichen“ Medien sowie die Inhaftierung der für diese Medien Verantwortlichen. Das Risiko der Abschaffung der Pressefreiheit mit damit einhergehender Errichtung eines totalitären Herrschaftssystems in den USA aber taucht bei den befragten Fondsmanagern bislang nocht nicht auf..

TdT: GBP/JPY, schnelle Schwünge locken zum Trade

Das Britische Pfund hat gegen den Yen aus Japan (GBP/JPY) bislang in diesem Jahr noch nicht wirklich was gekonnt. Die Notierung ging im steten Hin und Her nach unten. Dabei hatte es noch im vergangenen Jahr sehr gut ausgesehen in einer gleichmäßigen Bewegung nach oben. Doch das Wechselspiel zeigt jüngst schnelle Bewegungen und die laden für einen Trade ein.

Weitere Indizien für eine weiter kräftig steigende Inflation

FMW-Redaktion

Erneut unsere klare Erkenntnis: Alles in Sachen Inflation deutet auf einen viel schnelleren Anstieg hin, als wir alle es noch im Oktober oder November letzten Jahres erahnen konnten. Importpreise, Großhandelspreise, alles kräftig im Ansteigen. Heute nun die neuesten Daten zu den Erzeugerpreisen, die genau so wie die anderen beiden vorher genannten Preise „Vorläufer“ zu den Verbraucherpreisen sind (Inflation), die erst ganz am Ende der Preiskette kommen!

Die Erzeugerpreise der Industrie in Deutschland stiegen im Januar um 2,4% im Vergleich zum Januar 2016. Das ist der kräftigste Anstieg seit März 2012! Nur Mineralölerzeugnisse legen um satte 19,7% zu. Aber ohne dieses Segment legen die sonstigen Erzeugerpreise auch kräftig zu um 1,8%. Die Komponenten „Vorleistungsgüter“ und „Verbrauchsgüter“ liegen schon über 2% im Jahresvergleich (rot eingerahmt in 2. Grafik). Erneut wie auch bei den anderen Daten lautet die logische Schlussfolgerung: Die nachlaufenden Verbraucherpreise dürften vermutlich auch im laufenden Monat Februar weiter steigen.

Das Statistische Bundesamt im Detail:

Vorleistungsgüter (Güter, die im Produktionsprozess verbraucht, verarbeitet oder umgewandelt werden) waren im Januar 2017 um 2,4 % teurer als im Januar 2016. Gegenüber dem Vormonat Dezember 2016 stiegen diese Preise um 0,9 %. Metalle insgesamt kosteten 10,2 % mehr als im Januar 2016 (+ 2,6 % gegenüber Dezember 2016). Dabei war Walzstahl um 13,9 % teurer als im Vorjahr (+ 4,2 % gegenüber Dezember 2016), Betonstahl sogar um 21,9 %. Chemische Grundstoffe waren erstmals seit März 2013 wieder teurer als im Vorjahresmonat (+ 1,6 %). Dagegen kosteten Futtermittel für Nutztiere 4,0 % weniger als im Januar 2016, Getreidemehl verbilligte sich um 5,5 %.

Die Preise für Verbrauchsgüter waren im Januar 2017 um 2,2 % höher als im Januar 2016 und stiegen gegenüber Dezember 2016 um 0,3 %. Nahrungsmittel kosteten im Jahresvergleich 3,3 % mehr (+ 0,4 % gegenüber Dezember 2016). Einen besonders starken Preisanstieg gegenüber dem Vorjahresmonat wies wieder Butter mit einem Plus von 41,8 % auf (+ 0,7 % gegenüber Dezember 2016). Zucker kostete 11,6 % mehr als im Vorjahresmonat (+ 2,0 % gegenüber Dezember 2016). Fleisch ohne Geflügel war um 7,6 % teurer als im Januar 2016, Milch um 7,3 %. Dagegen kostete Geflügel 3,1 % weniger als vor einem Jahr, die Preise für Teigwaren lagen um 1,7 % unter denen von Januar 2016.
Investitionsgüter waren im Januar 2017 um 0,9 % teurer als im Januar 2016, Gebrauchsgüter um 1,0 % (beide + 0,4 % gegenüber Dezember 2016).




Grafik + Daten: Destatis

Dax: Auf zu neuen Höhen?

FMW-Redaktion

Nachdem die Wall Street im späten Handel am Freitag noch einmal zulegen konnte, startet der Dax heute stark. Auffallend war, dass gegen 07Uhr deutscher Zeit plötzlich die US-Futures in zwei Schüben stark nach oben gezogen worden sind – wie von Geisterhand. Eben diesem Hochziehen der US-Futures verdankt der X-Dax seinen starken Start, vor 07Uhr wurde der Dax noch unter der 11800er-Marke indiziert. Hier der Nasdaq100 (auf CFD-Basis, jedoch getaxt nach dem Nasdaq-Future):

Dabei waren die Vorgaben aus Asien so furchtbar stark eigentlich nicht, Japan mehr oder weniger unverändert, China jedoch stärker, nachdem die Notenbank wieder stark Geld in die Märkte pumpt:

Shanghai Composite +1,16%
CSI300 +1,46%
ChiNext +0,64%
Nikkei +0,07%

Der X-Dax mit dem besagten Aufwärtsgap und dem Anstieg knapp über die 11850er-Marke – einem Bereich, der Ende Januar wichtig gewesen war:

Schafft der Dax heute ein neues Jahreshoch? Schon im frühen Handel ist auffällig, dass der Index recht große Sprünge macht, Folge wohl der geringeren Liquidität angesichts der Abwesenheit der Amerikaner. An Tagen wie diesen sind die Volumina doch deutlich geringer im Dax, sodass die Bewegungen irgendwie zufälliger erscheinen, weniger kalkulierbar.

So könnte es durchaus sein, dass interessierte und nicht gerade kleine Player versuchen werden, den Dax über den Future nach oben zu ziehen, im Wissen, dass beim Jahreshoch knapp unter der 11900er-Marke Stopps liegen von Shorties, die man dann abräumen könnte. Unterstützung jetzt bei der unteren Kante des heutigen Aufwärts-Gaps im Bereich der 11800er-Marke, dann die 11780er-Zone und 11750. Wenn der Dax den Sprung über das bisherige X-Dax-Hoch knapp unter der 11860 schafft, wird er mit guter Wahrscheinlichkeit das Jahreshoch bei 11896 Punkten testen, vielleicht überwinden. Bei Überwinden des Jahreshochs kommt dann die runde 12.000er-Marke in den Blick.

Wahrscheinlich wird sich das Muster von US-Feuertagen wiederholen: action bis etwa 11Uhr, dann legen sich alle wieder hin. Oder ist es diesmal anders? Unwahrscheinlich. Vielleicht sollte man einfach mal vorschlagen, den Handel beim Dax an US-Feiertagen ganz einzustellen – oder eben auf 11Uhr zu begrenzen, da danach meist sowieso nichts mehr passiert..

Starker Start in die neue Handelswoche

Gastanalyse von Milan Cutkovic, Marktanalyst AxiTrader

Der Deutsche Aktienindex gewinnt so langsam an Momentum. Zu Beginn der Handelswoche erwarten wir den DAX rund 60 Punkte höher bei 11,820 Punkten. Die Anleger schauen nun auf die 11,893-Marke. Sollte der DAX diese Hürde überwinden, stünde einem Test des 12,000-Widerstandes nichts im Wege. Neben den politischen Ereignissen werden diese Woche auch die neuesten Bilanzdaten in den Fokus der Händler geraten. Mit Bayer, BASF, Fresenius, Fresenius Medical Care, Henkel und ProSieben werden gleich sechs DAX-Unternehmen ihre Zahlen präsentieren. An Volatilität sollte es daher nicht mangeln.

DAX – H4-Chart – 20.02.2017

US-Präsident Donald Trump wird am 28. Februar vor dem US-Kongress sprechen. Der Markt erwartet, dass er dann auch die mit Spannung erwarteten Details zu seiner Steuerreform und seinem Wirtschaftsplan liefern wird. Die Hoffnung der Anleger werden die US-Aktienmärkte kurzfristig unterstützen, und neue Rekordhöhen in den US-Indizes scheinen wahrscheinlich.

Die US-Notenbank wird am Mittwoch ihr Sitzungsprotokoll veröffentlichen. Zu Überraschungen wird es aber kaum kommen, da der Standpunkt der Federal Reserve durch die Vorsitzende Yellen und zahlreichen FOMC-Mitgliedern in den letzten zwei Wochen klargemacht wurde. Der Dollar könnte daher weiterhin unter Druck geraten, während dies für die Aktienmärkte ein positiver Ausgang wäre.

Der Euro steht aufgrund der Sorgen um die kommenden Wahlen in Frankreich weiterhin unter Druck. Den Umfragen nach wird der Wahlkampf für Marine Le Pen und ihre Front Nationale Partei wahrscheinlich in der zweiten Runde enden. Die Anleger zeigen sich nach den zahlreichen politischen Überraschungen im letzten Jahr jedoch vorsichtiger. Die Gemeinschaftswährung nähert sich nun wieder der 1,06 USD-Marke. Fällt der Kurs darunter, scheint ein erneuter Test der 1,0520 Unterstützung wahrscheinlich.






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Videoausblick: Charakter-Test

Von Markus Fugmann

Der Dax steht heute vor einem Charakter-Test: ohne die Mitwirkung der US-Indizes, die heute Washingtons´s Birthday feiern, wird der Dax zeigen müssem, wie es um seine innere Verfassung bestellt ist. Seit Februar hinkt der deutsche Leiitndex den US-Märkten hinterher, im Januar war das noch anders gewesen, als der Dax sein bisheriges Jahreshoch erreicht hatte. Aber nun scheint klarer geworden zu sein, dass Trumps Protektionsmus vielleicht den US-Unternehmen, nicht aber den deutschen Exportunternehmen nützt, im Gegenteil. Der Dax dürfte nach der Rally im späten Freitags-Handel bei den US-Indizes höher starten, wichtig wäre, dass der Index den Bereich 11810 nachhaltig überwindet und so die drohende Schulter-Kopf-Schulter-Formation abwendet..

Marktgeflüster: Das Momentum des Trump-Trades ist weg!

Von Markus Fugmann

Mangels Markt-bewegender Ereignisse geht es heute ruhiger zu als noch in den Vortagen: Der Dax zunächst mit Schwäche und dem Bruch der 11720er-Unterstützung, doch konnte der Index den nächsten Unterstützungsbereich knapp unter der 11700er-Marke noch einmal verteidigen. An den US-Märkten verliert der Trump-Trade sein Momentum, der Dow Jones und der S&P500 mit leichten Verlusten, US-Banken heute leicht schwächer. Der Dollar kann sich heute etwas erholen, aber auffallend ist die Yen-Stärke, normalerweise ein Anzeichen für Risiko-Aversion. Gestützt werden die Märkte von dem Übernahmeversuch des amerikanischen Ketchup-Herstellers Kraft, der mit Unilever zusammen gehen will. Am Montag wird der Dax auf sich alleine gestellt sein, die Amerikaner feiern Washington´s Birthday..

Griechenland-Rettung mit IWF: Einigung wie bei Angela Merkel üblich?

FMW-Redaktion

Was ist meistens bei Angela Merkel das übliche Vorgehen bei Verhandlungen und Entscheidungen? Bloß nie klar Position beziehen, nie dagegen und nie dafür sein, jedem immer irgendwas abgeben, irgendwie jedem das Gefühl geben, dass man was abbekommt. Das kann oft von Vorteil sein, manchmal aber auch von Nachteil. Denn in Sachen Finanzkrise wird mit so einer Vorgehensweise eine Krise lediglich immer weiter in die Länge gezogen, und damit nur noch verschlimmert. Aktuell tut sich mal wieder was in der Griechenland-Rettung.


Alles in Ordnung in Deutschland, Angela Merkel? Foto: Armin Linnartz/Wikipedia (CC BY-SA 3.0 de)

Wolfgang Schäuble machte zuletzt immer wieder deutlich: Der IWF muss endlich mit an Bord kommen bei der 86 Milliarden Euro-Rettung Griechenlands (es ist ja eher eine große Umschuldung als Rettung). Der IWF aber beharrte bis zuletzt darauf, dass die Euro-Partner ihrem Familienmitglied Griechenland erst einmal einen dicken fetten Schuldenerlass gewähren müssen, damit die gesamte Schuldenlast für Griechenland endlich tragfähig wird. Das wurde aber gerade von Deutschland stets abgelehnt, denn gerade im deutschen Bundestag taten Schäuble und Merkel bei den Abstimmungen in Sachen Griechenland-Rettung ja stets so, als würde man sein Geld eines Tages wirklich zurückerhalten.

Deswegen muss dieser Mythos aufrecht erhalten werden. Zurück zum IWF. Der muss an Bord, egal wie, komme was da wolle. Man will nicht nur das IWF-Geld, sondern auch seine strenge Finanzaufsicht für Athen mit ins Boot holen. Der IWF aber will (offiziell zumindest) nur Geld verleihen an Schuldner, die ihre Schulden auch zurückzahlen können. Was also nun tun? Wie immer: Die Angela Merkel-Taktik scheint jetzt Anwendung zu finden. Weder JA noch NEIN, sondern ein Kompromiss muss her. Bisher ging man allgemein davon aus, dass der IWF von den 86 Milliarden Euro um die 16 Milliarden Euro übernehmen würde.

Wie Spiegel Online aktuell erfahren haben will, ist der IWF wohl bereit mit an Bord zu kommen, aber nur mit 5 Milliarden Euro. Angela Merkel wird nächste Woche Mittwoch EU-Kommissionspräsident Jucker und IWF-Chefin Lagarde getrennt treffen. Hat SPON recht? Und könnte es da schon zu offiziellen Verkündungen durch Lagarde kommen? Wie könnte die Festlegung auf 5 statt 16 Milliarden Euro abgelaufen sein? Wolfgang will unbedingt, dass der IWF dabei is, der IWF hat aber keine Lust 16 Milliarden Euro auszugeben. Also hat Angela wie immer versucht einen Kompromiss zwischen JA und NEIN zu finden, und heraus kam eine Summe von 5 Milliarden Euro, als kleiner Kompromiss, der dem IWF nicht ganz so wehtut?

Schäuble und Merkel ist es extrem wichtig, dass der IWF überhaupt teilnimmt, wohl egal welche Summe nun genau dabei rumkommt. Denn dies war eines der großen Versprechen der beiden gegenüber den Parteimitgliedern von CDU und CSU. Leute Leute, keine Angst, ihr könnt dem 86 Milliarden Euro-Rettungsprogramm für Griechenland ruhig zustimmen – denn wir holen den IWF für dieses Paket noch mit an Bord – versprochen – und die Jungs und Mädels vom IWF, die werden schon genau darauf achten, dass in Athen alles glatt läuft. Basiert dieser 5 Milliarden-Kompromiss auf einem Merkel-Vorschlag? Denkbar ist es, aber offiziell verhandeln ja hier der IWF mit der Eurogruppe als Ganzes.

„Trump-inspirierter Trade“ vor Rückschlag

FMW-Redaktion

Der „Trump-inspirierte“ Trade steht vor einem Rückschlag im 1.Quartal 2017 – das sagt Paul Ciana, chief technical strategist and director of research bei Bank of America Merrill Lynch. Ciana bezieht sich dabei vor allem auf den US-Anleihemarkt, und erwartet für das erste Quartal einen Rückgang der Anleiherenditen – sowie des Dollar-Index.

Ciana sieht dabei Schulter-Kopf-Schulter-Formationen (SKS) in 15 verschiedenen Charts, unter anderem im Dollar-Index. Sie alle bildeten derzeit die rechte Schulter der SKS aus – daher dürften kurzfristig sowohl die Anleiherenditen sinken, als auch der Dollar, wenn diese Formation sich bestätigt. Das alles wäre komplett gegen die Konsenserwartung, die von steigenden Anleiherenditen und steigendem Dollar ausgeht.

Wenn jedoch, wie Ciana vermutet, die Anleiherenditen fallen (also die Anleihekurse steigen), der Dollar ebenso, dann würde das nach der Logik der Märkte seit der Trump-Rally bedeuten: die Aktienmärkte erleiden einen Rückschlag.

Ciana spricht dabei über das erste Quartal – für 2017 insgesamt (also nach dem ersten Quartal) sieht er dann jedoch deutlich steigende Renditen (also fallende Anleihekurse).

Das überaus interessante Interview mit Paul Ciana sehen Sie hier..

Hanjin-Liquidierung: Größte Schifffahrtspleite aller Zeiten, und merkwürdige Kursanstiege der Konkurrenz

FMW-Redaktion

Die größte Reederei Südkoreas (große Exportnation) und siebtgrößte Reederei der Welt Hanjin wird nun endgültig liquidiert, also abgewickelt. Der Laden wird dicht gemacht, und alles was noch da ist, wird in Cash umgewandelt um die Gläubiger zu bedienen. Das ist der letzte Akt, nachdem das Unternehmen am 31. August 2016 Insolvenz angemeldet hatte. Seitdem bestand die Hoffnung, dass man sich im Rahmen des Insolvenzverfahrens „restrukturieren“ könne. Also Mitarbeiter teilweise entlassen, Kosten senken, Schulden strecken usw. Wichtig ist aber heute, dass ein südkoreanisches Gericht nun zum letztendlichen Schluss gekommen ist, dass die sofortige Liquidation der Firma den Gläubigern mehr Geld einbringt, als wenn man den Laden noch länger am Leben halten würde. Also war der Rest tot mehr wert als lebendig. So ist es eben.

In den letzten Jahren konnte die Branche solch ein Deaster stets vermeiden, weil große Player kleine Player in ihre Flotte ingegrierten. Die Hamburger Reederei Hapag Lloyd beispielsweise ist trotz ständiger Gewinnsorgen in den letzten Jahren auch immer weiter gewachsen durch Zukäufe (Kanada) und Fusionen (Südamerika und Naher Osten). So wurden bei Hapag beispielsweise Chilenen und Araber zu bedeutenden Anteilseignern des Konzern (alte Aktien tauschen gegen neue Aktien des Gesamtkonzerns). Durch die ständigen Fusionen und Käufe konnte die Krise der Branche in der Außendarstellung überdeckt werden. Dass Hanjin nach der Pleite im August jetzt endgültig dicht gemacht wird, zeigt wie kaputt die Branche 10 Jahre nach der Finanzkrise immer noch ist.

Richtig ernsthaft hat sich bei den großen Reedereien (Moeller-Maersk zu aller erst) wohl niemand Gedanken gemacht, dass es mal angebracht wäre eine Zeit lang keine neuen Schiffe zu bestellen. Genau so hatten auch koreanische Großwerften lange Zeit ihre Werftkapazitäten nicht angepasst, und sind jetzt zu dramatischem Schrumpfen gezwungen. Hanjin hatte zuletzt beim Insolvenzantrag eine Schuldenlast von 5,37 Milliarden Dollar genannt. Das Verscherbeln der Schiffe bringt nur ein klein wenig Cash in die Kasse. In Finanzkreisen munkelt man, das vor allem die großen Pötte (ca 150 Mio Euro Neubauwert) für um die 30 Millionen Euro zu Cash gemacht werden.

Hanjin´s Schiffe gelten sind modern und groß, also voll auf der Höhe der Zeit. Daher verschwinden die Kapazitäten dieser Schiffe durch die Liquidierung von Hanjin nicht vom Markt, sondern fahren in Kürze nur unter der Flagge der Konkurrenz weiter über die Weltmeere. Mehr als interessant ist die Reaktion der Aktienkurse von Hanjin´s Konkurrenten. Wir schauen hier mal exemplarisch auf Moeller-Maersk und Hapag-Lloyd (Nummer 1 und 5 in der Branche). Nach dem Insolvenzantrag von Hanjin am 31. August 2016 stiegen die Kurse der beiden Konkurrenten an den folgenden Tagen ein klein wenig an, um dann wieder an Kraft zu verlieren. Die Euphorie über das de facto Ausscheiden eines großen Konkurrenten auf der „Hauptroute“ zwischen Asien und Europa hielt also nur kurz an.

Dann ab dem 8. November, wo Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt wurde, ging es ähnlich wie mit dem Gesamtmarkt auch bei diesen beiden Aktien kräftig bergauf. Sieht man diese Aktien nur als normalen Teil des gesamten Aktienmarktes, ist diese Bewegung nachvollziehbar. Aber man bedenke: Donald Trump hat dem globalen Freihandel und Welthandel den Krieg erklärt! Und er hat kurz nach seiner Amtsübernahme sofort das Asien-Freihandelsabkommen TPP gekündigt. Noch desaströser könnte es eigentlich nicht sein für die Aktien von Reedereien, die nur vom globalen freien Warenverkehr leben. Deswegen ist es doch recht verwunderlich, dass die Aktien der beiden einfach so mit gestiegen sind. Aber so ist es nun mal. Die Börse hat immer recht, oder der Aktienkurs lügt nicht… oder wie war das Sprichwort nochmal ?


Die Aktie der weltweit größten Container-Reederei Moeller-Maersk seit Anfang August 2016.


Die Aktie der weltweiten Nummer 5 der Container-Reedereien Hapag-Lloyd seit Anfang August 2016.

Außenhandel war 2016 ein Überschussgeschäft für die EU im Wert von 199,9 Milliarden Euro

FMW-Redaktion

Die EU exportiert Waren und Dienstleistungen, und erzielt damit Überschüsse. Geld fließt im Gegenzug von Übersee in die EU. Erst vorgestern hatten wir die aktuellsten Daten zum Außenhandelsüberschuss bei den Waren angesprochen. Heute widmen wir uns der gesamten Betrachtung, also Waren, Dienstleistungen und Einkommen. Verrechnet man alles miteinander, hat die Gesamt-EU im Dezember einen Überschuss in Höhe von 17,8 Milliarden Euro erzielt, nach +11,4 Milliarden Euro im Dezember 2015. Im Gesamtjahr 2016 war der gesamte Handel mit dem Rest der Welt für die EU ein „Überschussgeschäft“ im Gesamtwert von 199,9 Milliarden Euro. Dieser Überschuss ist ein gut nachvollziehbarer Grund dafür, warum es Regionen wie Europa besser geht als anderen Regionen der Welt. Sie bezahlen Waren und Dienstleistungen, die sie aus Europa beziehen. Letztlich erhalten sie das Geld dafür in Form von Krediten aus Europa…

Eurostat im Zitat:

Die EU28 verzeichnete im Dezember 2016 einen saisonbereinigten Leistungsbilanzüberschuss von 17,8 Mrd. Euro, gegenüber einem Überschuss von 16,2 Mrd. Euro im November 2016 und einem Überschuss von 11,4 Mrd. Euro im Dezember 2015, laut Schätzungen von Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union. Im Dezember 2016 erhöhte sich der Überschuss der Warenbilanz (auf Grundlage saisonbereinigter Daten) im Vergleich zu November 2016 (+12,9 Mrd. gegenüber +10,4 Mrd.), während sich der Überschuss der Dienstleistungsbilanz verringerte (+11,2 Mrd. gegenüber +12,1 Mrd.). Der Überschuss der Primäreinkommensbilanz ging zurück (+0,0 Mrd. gegenüber +0,4 Mrd.), ebenso wie das Defizit der Sekundäreinkommensbilanz (-6,3 Mrd. gegenüber -6,6 Mrd.). Die über 12 Monate kumulierte Leistungsbilanz verzeichnete für den Zeitraum bis Ende Dezember 2016 einen Überschuss von 199,9 Mrd. Euro, verglichen mit 144,1 Mrd. im Zwölfmonatszeitraum bis Ende Dezember 2015. Der Überschuss der Warenbilanz erhöhte sich im selben Zeitraum (+148,5 Mrd. gegenüber +110,9 Mrd.) und das Defizit der Primäreinkommensbilanz verringerte sich (-10,0 Mrd. gegenüber -33,2 Mrd.). Der Überschuss der Dienstleistungsbilanz ging zurück (+139,9 Mrd. gegenüber +142,9 Mrd.) und das Defizit der Sekundäreinkommensbilanz nahm leicht zu (-78,5 Mrd. gegenüber -76,0 Mrd.).

Was erkennt man in der folgenden Länderaufteilung? Deutschland glänzt mit satten monatlichen Überschüssen über 20 Milliarden Euro, während Italien und Frankreich jeweils unter 5 Milliarden bleiben.

Grafiken + Daten: Eurostat

Ende des Brexit-Wunders? Briten kaufen weniger – weil die Preise steigen

FMW-Redaktion

Nach dem Brexit-Votum im Juni 2016 hatten viele Experten mit einem Einbruch der Wirtschaft in UK gerechnet – doch es kam anders: die Zahlen sahen gut aus, und die Brexit-Befürworter feierten diese Zahlen als Bestätigung dafür, dass der Brexit auch ökonomisch die richtige Entscheidung gewesen sei. Ob dies wirklich so ist, wird erst die Zukunft zeigen – vor allem dann, wenn UK wirklich die EU verlassen hat und klar ist, wie die Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien wirtschaftlich aussehen werden.


Ein Wahrzeichen Londons: Die „Gurke“
Foto: Aurelien Guichard
https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

Eines aber zeichnet sich in den letzten beiden Monaten ab: die Briten fahren ihren Konsum zurück. So waren die Einzelhandelsumsätze in UK im Dezember um -2,1% zum Vormonat gefallen, und auch die heute für den Januar veröffentlichten Daten überraschten negativ: statt einem erwarteten Anstieg von +0,9% fielen die Umsätze um -0,3% – und das trotz deutlich steigender Benzinpreise, die den Umsatz naturgemäß erhöhen müssten. Auffallend ist vor allem, dass die Online-Umsätze zum Vormonat um -7,2% gefallen sind.

Das Office Of National Statistics, das die Daten erhebt, sieht den seit dem Jahr 2013 bestehenden Aufwärtstrend der Einzelhandelsumsätze nun als gebrochen an – die Briten würden wegen steigender Preise (vor allem Benzin, aber auch Nahrungsmittel) weniger konsumieren:

„In the three months to January, retail sales saw the first signs of a fall in the underlying trend since December 2013. We have seen falls in month-on-month seasonally adjusted retail sales, both in conventional stores and online, and the evidence suggests that increased prices in fuel and food are significant factors in this slowdown.“

Das britische Pfund reagierte auf die schwachen Daten „not amused“:


(Pfund-Dollar, 1-Minuten-Chart)

Und die Aussichten für die Zukunft? Eher düster – die Preise dürften weiter steigen, schneller jedenfalls als die Einkommen der Briten. So hat nun nach Apple (Preisanhebung von 20% letztes Jahr) und anderen Unternehmen Microsoft die Preise für seine Produkte (Software und Laptops) in UK deutlich angehoben, wie ein Sprecher des Unternehmens am Mittwoch bestätigte. Ein Beispiel: das Laptop „Microsoft Surface“ wurde im Februar für 1300 Pfund verkauft, der Preis fiel dann Ende 2016 auf 1000 Pfund. Nun aber, nach der Preiserhöhung, kostet das Gerät 1450 Pfund – eine Steigerung von 12% zum dem Preis, als das Gerät neu auf den Markt gekommen war.

Aber sicher wird alles doch wieder besser – wie wir diesem Tweet entnehmen können:

Kurz und knapp: Was ins Auge sticht..

FMW-Redaktion

Hier ein paar Meldungen, die uns heute ins Auge gestochen sind..

1. Eurozone nicht sehr sexy für ausländische Investoren – sie ziehen in großem Umfang Gelder ab aus Staatsanleihen und anderen europäischen Asstes:

2. Und der irische Notenbankchef (und damit EZB-Mitglied) Lane findet, man sollte durchaus auch über Zinssenkungen sprechen können:

3. Mit einer schnellen Einigung der Gläubiger mit Griechenland wird es wohl nichts werden:

4. Inzwischen werden immer mehr EU-Austritts-Kandidaten gehandelt:

5. Und der Handelsbilanzüberschuss der Eurozone auf Rekordhoch – sehr zur Freude Donald Trumps sicherlich:

6. Trumps Regierung läuft, so hat er gestern in der Pressekonferenz verkündet, wie eine gut geschmierte Maschine. Ungefähr so:

7. Tony Blair hat heute einen spektakulären Medienauftritt gehabt, bei dem er die Briten überzeugen wollte, doch in der EU zu bleiben. In der britischen Presse hagelt es dafür Kritik:

8. Hanjin, siebtgrößte Container-Reederei der Welt, ist jetzt offiziell bankrott:

9. In Frankreich sieht es danach aus, dass sich die linken Präsidentschafts-Kandidaten zusammen schließen:

10. Und in China erreicht die Kreditvergabe ein neues Allzeithoch – wie beruhigend!

11. Zitat des Tages: Australiens Premier Turnbull über Trumps Medienschelte:

„A very great politician, Winston Churchill, once said that politicians complaining about the newspapers is like a sailor complaining about the sea.”

Dax: Was war das denn? Sieht nach kleinem Verfall aus..

FMW-Redaktion

Soeben eine erstaunliche Kerze im Dax nach oben – was ist da los? Keine neuen Nachrichten, die das begründen könnten. Aber halt, heute ist doch kleiner Verfall!

Oder liegt es an diesem Tweet von Donald Trump, in dem er soeben ein für allemal die Medien überführt hat, Fake News zu produzieren?

Verblüffende Parallelen zur Finanzkrise: Schulden der US-Konsumenten erreichen Rekordniveaus

FMW-Redaktion

Der Mechanismus kommt einem bekannt vor. Bis die Blase platzt, wird sie solange aufgepumpt, bis nichts mehr reinpasst in den Luftballon. Nach dem Platzen der Blase 2007/2008 gab es durch Bankenpleiten, Konsumentenpleiten, Zwangsversteigerungen etc. einen gewissen Grad an Entschuldung. Seitdem geht es wieder kräftig bergauf, und der Schuldenstand der US-Verbraucher wächst wieder dramatisch an. Die folgende Grafik zeigt die jeweils zum Jahresendstand vorhandene Verschuldung der Verbraucher mit ihren Studentendarlehen sowie Autodarlehen. Beide sind von 2012 bis 2016 kontinuierlich gestiegen. Studentendarlehen stiegen von 1,05 auf 1,4 Billionen Dollar. Autokredite stiegen von 809 Milliarden auf 1,11 Billionen Dollar Ende 2016.


Grafik: US Federal Reserve (in rotem Kästchen von 2012-2016 die Jahresendzahlen)

Laut FT sind zuletzt mehr als 1 Million US-Autokreditnehmer mit ihren Raten mindestens 2 Monate in Verzug. Die Ausfallrate erreicht den höchsten Wert seit dem Ende der Finanzkrise 2009. Das ist vor allem deshalb verwunderlich, weil die USA wie auch Europa seit Jahren in einem Niedrigzins- oder Nullzinsumfeld leben, und die Arbeitslosigkeit in den USA de facto einer Vollbeschäftigung gewichen ist (wenn man den offiziellen Zahlen glauben würde..). Da haben wir wieder das Thema: Was nützt Vollbeschäftigung, wenn die Löhne so gering sind, dass man davon nicht leben kann? Da nützen auch Kredite zu 0% Zinsen nichts. Verschuldung ist Verschuldung. Und wenn die sich Jahr um Jahr auftürmt, ist auch ein Nullzins nutzlos. Die Schuldenlast kann irgendwann von einem viel zu niedrigen Gehalt nicht mehr gezahlt werden, und die Blase platzt erneut.


Grafik: Federal Reserve Bank of New York

Die obige Grafik zeigt die Gesamtverschuldung der US-Verbraucher, die zuletzt auf 12,58 Billionen Dollar angewachsen ist. Wie man gut erkennt, ging es nach 2008 in ein kleines Tal, welches man nun durchschritten hat, und zu alten Höchstständen aufschließt. Der überwiegende Teil der Schulden (in orange) besteht aus Hauskrediten. Treibende Kraft sind aber die Studentendarlehen (rot). Es ist kaum anzunehmen, dass Donald Trump den Besuch von Universitäten künftig gratis anbieten wird… in 2016 wuchs die Gesamtverschuldung der US-Verbraucher um 460 Milliarden Dollar. Geld, das volkswirtschaftlich gesehen aus dem Ausland angesaugt werden muss, da die USA im Außenhandel mit dem Rest der Welt ein Defizit erwirtschaften.

Donald Trump will mit seinem „phantastischen wundervollen großartigen“ neuen Finanzminister Mnuchin die Kreditvergabe der Banken drastisch erleichtern, damit sie noch mehr Kredite ausgeben können (tendenziell gut für die Wirtschaft). Da wird der US-Konsument und Gewerbetreibende sich nicht zwei Mal bitten lassen. Schon bald also steigt man in der US-Gesamtverschuldung von Hoch zu Hoch.

Die Stimmen der Mahner werden lauter: BlackRock und Roubini

FMW-Redaktion

Die Wall Street ist sich sicher: Donald Trump wird wirklich der große Wurf gelingen in Sachen Steuersenkungen und Infrastrukturprogramm – also kann es mit den Kursen nur nach oben gehen. Das meint auch Donald Trump selbst, der gestern erneut die derzeitige Rally an der Wall Street als sein Verdienst deklarierte:

Was wird aber Trump sagen, wenn die Aktienmärkte fallen? Auch sein Verdienst?

Aber je näher der Zeitpunkt rückt, an dem Trump seine „phänomenalen“ Steuerpläne präsentieren muss, umso nervöser dürften die Märkte werden. Die von Trump so hoch gelegte Latte ist im Grunde nur unter-springbar.

Aber selbst wenn der große Wurf gelingen würde – die Hoffnungen der Wall Street, vor allem aber der durchschnittlichen Amerikaner, der Main Street, dürften nach Einschätzung von Nouriel Roubini weit übertrieben sein. Roubin gilt als „Orakel der Finanzkrise, weil er bereits 2004 vor dem Crash des amerikanischen Immobilienmarktes gewarnt hatte und eine schwere Rezession kommen sah. Nun sagt Roubini: die Trump-Rally hat keinen Anhalt an der Realität, die Steuersenkungen kommen nur den Superreichen zugute, und Jobs würden auch keine geschaffen:

„It is little wonder that corporations and investors have been happy. This traditional Republican embrace of trickle-down supply-side economics will mostly favor corporations and wealthy individuals, while doing almost nothing to create jobs or raise blue-collar workers’ incomes. According to the nonpartisan Tax Policy Center, almost half of the benefits from Trump’s proposed tax cuts would go to the top 1% of income earners.“

Roubini prophezeit: Trumps Politik wird die Inflation anheizen, das wiederum wird die Anleiherenditen stark steigen lassen, der Dollar wird stärker, was wiederum viele Jobs in den USA kosten wird. Und vor allem steigen durch den Anstieg der Renditen die Kreditkosten für Amerikaner – die Folge wird sein, dass Kreditausfälle sich häufen (was derzeit schon der Fall ist, siehe dazu einen separaten Artikel später).

Erstaunlich findet Roubini vor allem, dass sich innerhalb der amerikanischen Wirtschaft nur wenig Widerstand gegen die massiven Eingriffe Trumps regt (nur Amerikaner einstellen, nur amerikanische Waren kaufen, das gilt auch für Firmen). Diese Politik erinnere stark an die Wirtschaftspolitik der Nationalsozialisten und der Faschisten in Italien – hätte Obama so agiert, hätte man ihn als Kommunisten bezeichnet, so Roubini:

„The Nobel laureate economist Edmund S. Phelps has described Trump’s direct interference in the corporate sector as reminiscent of corporatist Nazi Germany and Fascist Italy. Indeed, if former President Barack Obama had treated the corporate sector in the way that Trump has, he would have been smeared as a communist; but for some reason when Trump does it, corporate America puts its tail between its legs“.


Nouriel Roubini
Foto: Nouriel_Roubini_-_World_Economic_Forum_Annual_Meeting_2012.jpg: World Economic Forum

Vor diesem Hintergurnd ist es umso erstaunliucher, dass die Vertrauensseligkeit der Investoren auf einem Allzeithoch liegt – gemessen am sogenannten „complacency index“, der die Marktkapitalisierung von Unternehmen und ihr Ebitda in Relation zur Volatilität (gemessen am VIX) setzt. Blickt man in die Vergangenheit, so folgten solch extremen Werten bei der Vertrauensseligkeit stets Abstürze der Märkte (so hatte der Index im Jahr 2000 ein Hoch erreicht und dann 2007).

Nervös wird nun auch der Dickfisch der Finanzbranche schlechthin, BlackRock. Man sieht vor allem politische Risiken durch die Wahlen in Europa, die durch die Aktien-Märkte überhaupt noch nicht eingepreist seien – und empfiehlt Gold als Absicherung.

Aber diesmal, ja diesmal, ist es bestimmt ganz anders. Es kann ja mit Trump nur besser werden als derzeit..

Tesla – beispielhaft für die Überbewertung der Wall Street! Ende des Hypes voraus?

FMW-Redaktion

Die Aktien von Tesla stehen beispielhaft für die Trump-Rally: seit Anfang Dezember legten Tesla-Aktien um 54% zu, und das trotz schwacher Zahlen im letzten Quartal. In den letzten Tagen aber zeigt die Aktie erstmals wieder Schwäche:

Am 22.Februar wird Tesla die Zahlen aus dem 4.Quartal 2016 vorlegen, und damit könnte dann das „Wunder“ enden. Tesla-Chef Elon Musk hat eine ganz große Stärke: er erzählt den Märkten wunderschöne Geschichten, etwa, dass Tesla nun nicht mehr nur eine Autofirma sei, sondern vor allem eine Energiefirma (seit dem Erwerb von Solarcity).


Elon Musk, Visionär, vor allem aber begnadeter Verkäufer
Foto: Steve Jurvetson/Wikipedia (CC BY 2.0)

Aber diese Erzählung, sagt Peter Garnry, hat einen kleinen Haken: sie stimmt einfach nicht, Tesla sei nach wie vor fast zu 100% eine Autofirma, und dafür schlicht viel zu hoch bewertet. Die Absatzzahlen von Tesla sind schwach, die Hoffnungen auf den großen Mega-Seller Tesla 3 sind übertrieben, sagt Garnry, weil die Firma in der Vergangenheit stets Schwierigkeiten hatte, die angestrebte Zahl der Fahrzeuge auch auszuliefern. Er will daher Tesla shorten, jedoch mit Optionen – hier erklärt er, warum:

EZB verdient Geld mit Gelddrucken – Deutschland verdient daran 382 Millionen Euro

FMW-Redaktion

So geht das in einer funktionierenden freien Marktwirtschaft. Eine Notenbank druckt rein virtuell einfach so Geld. Damit kauft sie die Schulden ihrer eigenen Mitgliedsstaaten. Die zahlen ihrer eigenen Notenbank dafür Zinsen. Diese Zinsen schüttet die Notenbank als Gewinn wieder an die nationalen Notenbanken aus, die diesen Gewinn dem jeweiligen Staatshaushalt zuführen. Freie Marktwirtschaft in Reinkultur!?


EZB-Chef Mario Draghi. Foto: EZB

Die EZB hat ihre Zahlen für das Gesamtjahr 2016 vorgestellt. Man erzielte nach 1,08 Milliarden Euro in 2015 nun für 2016 einen Gewinn von 1,19 Milliarden Euro. Nach eigenen Angaben führt die EZB diese Steigerung darauf zurück, dass man gut verdient hat am eigenen Anleihekaufprogramm. Seit März 2015 hat man inzwischen für weit über 1 Billion Euro Staatsanleihen von Euro-Mitgliedsstaaten gekauft, also den Ländern, die hinter der EZB als Eigentümer stehen. Bei so einem gigantischen Berg aufgekaufter Papiere führen selbst minimalste Zinsen zu so einem netten Gewinn. Der Nettozinsertrag nur aus diesem Bereich lag bei 1,04 Milliarden Euro nach 0,89 Milliarden Euro in 2015. Also kann man sagen, dass fast der gesamte Gewinn der EZB durch dieses „Kreislaufgeschäft“ zwischen Staaten und Notenbank produziert wurde.

Da die Bundesbank ein Anrecht auf 27% des Gewinns des EZB hat, und da die EZB bekanntgegeben hat den gesamten Gewinn an die nationalen Notenbanken auszuschütten, die stellvertretend die EZB-Anteile für ihre Staaten halten, erhält Deutschland für das 2016-Geschäftsjahr der EZB also einen Gewinn in höhe von 382 Millionen Euro ausgeschüttet! Durch das gigantische Aufkaufen der Anleihen und das vorige virtuelle Drucken von neuem Geld wuchs die EZB-Bilanz bis Ende 2016 gegenüber 2015 um 32% auf 3,66 Billionen Euro (vorher 2,78 Billionen Euro). Weiter schreibt die EZB dazu, hier im Wortlaut:

Die Bestände des Eurosystems an zu geldpolitischen Zwecken gehaltenen Wertpapieren erhöhten sich aufgrund der im Rahmen des APP erworbenen Wertpapiere um 851 Mrd € auf 1 654 Mrd € (2015: 803 Mrd €). Die Bestände der im Rahmen des APP erworbenen Wertpapiere beliefen sich am 31. Dezember 2016 auf 1 532 Mrd € (2015: 650 Mrd €). Die Bestände an im Rahmen des SMP gehaltenen Wertpapieren sanken aufgrund von Tilgungen um 21 Mrd €.

Hier auszugsweise weitere Einnahmen und Ausgaben der EZB:

Die Abschreibungen beliefen sich auf 148 Mio € (2015: 64 Mio €). Der Anstieg der Abschreibungen im Jahr 2016 war vor allem auf die höheren Marktrenditen der im US-Dollar-Portfolio gehaltenen Wertpapiere sowie ihren insgesamt gesunkenen Marktwert zurückzuführen. Basierend auf den Ergebnissen der Werthaltigkeitstests waren bei den für geldpolitische Zwecke gehaltenen Wertpapierportfolios keine Verluste festzustellen.

Die Gebühren, die den beaufsichtigten Unternehmen auferlegt wurden, beliefen sich auf 382 Mio € (2015: 277 Mio €). Diese Gebühren sollen die Ausgaben der EZB im Zusammenhang mit ihrer Aufsichtstätigkeit abdecken. Diese Ausgaben nahmen im Jahr 2016 zu. Grund hierfür waren der Anstieg der Mitarbeiterzahl der EZB-Bankenaufsicht, der Umzug in neue Bürogebäude und die Bereitstellung der Statistik- und IT-Infrastruktur.

Die Personalaufwendungen sowie die sonstigen Verwaltungsaufwendungen stiegen aufgrund der höheren Ausgaben im Zusammenhang mit den Aufsichtsaufgaben der EZB auf 467 Mio € (2015: 441 Mio €) bzw. 487 Mio € (2015: 423 Mio €).