Die 20 neuesten Artikel auf einen Blick

Marktgeflüster (Video): Die Rolle rückwärts der EZB

Von Markus Fugmann

Manche hatten es schon vermutet – und so kam es denn auch! Die EZB meint laut Insiderberichten, dass man Mario Draghi „überinterpretiert“ habe – darauf hin fiel der Euro wieder unter die Marke von 1,13, die Anleihemärkte, die gestern noch einen herben Abverkauf erlebten, mit einer impulsiven Rally. Aber lange hielt das nicht an, der Euro schoss dann wieder nach oben, die Anleihemärkte wieder unter Druck. Das bedeutet, dass den Märkten der Glaube an das Dementi fehlt, zumal dann Bank of England-Chef Carney auf der EZB-Konferenz in Sintra faktisch eine Zinsanhebung ankündigte. Und die Märkte gehen davon aus, dass die Notenbanken sich abstimmen, wir derzeit also das Ende der ultralaxen Geldpolitik erleben, Dementi hin oder her..

2,1 Millionen Steuerzahler erwirtschaften 43% der Einkommensteuer, Bundeshaushalt für 2018 mit Lücke

FMW-Redaktion

Der heute vom Bundeskabinett verabschiedete neue Bundeshaushalt weist erstaunlicherweise eine Lücke auf, obwohl doch große Überschüsse für die nächsten Jahre erwartet werden. Für die Jahre 2019-2021 werde sich insgesamt ein finanzieller Spielraum von 14,8 Milliarden Euro ergeben, so die Bundesregierung. Wichtig ist: Die Kosten steigen und steigen und steigen. Im laufenden Jahr lagen die Ausgaben des Bundes bei 329,1 Milliarden Euro. Von 337,5 Milliarden Euro in 2018 sollen sie bis 2021 auf 356,8 Milliarden Euro klettern.


Wolfgang Schäuble hat momentan eher Luxusprobleme. Foto: EPP / Wikipedia (CC BY 2.0)

Verteidigung, Inneres, Sozialkosten, Asylkosten uvm. Die Kosten gehen rauf. Damit die schwarze Null gesichert werden kann, muss die nächste Bundesregierung für 2018 aber eine Lücke von 3,4 Milliarden Euro schließen. Also muss wohl kurzfristig irgendwo gespart werden? Rein theoretisch kann die nächste Bundesregierung die nächsten Jahre aus dem Vollen schöpfen, und viele Etats anheben. Oder man kann (wie CDU/CSU es wollen) Steuern senken.

Aber bei Wolfgang Schäuble steht ja die schwarze Null. Das heißt: Wenn er aller Voraussicht nach auch noch 2018 Finanzminister ist, muss man ganz kurzfristig erstmal irgendwas kürzen. Die großen Milliarden-Rücklagen in Höhe von 18,7 Milliarden Euro, die man für Mehrkosten durch die Flüchtlingsaufnahme angelegt hatte, werden in den nächsten Jahren genau für diese Mehrkosten entnommen. Bis 2019 werden es gut 17 Milliarden Euro sein.

Wie die geplante aktuell bevorstehende Etatlücke von 3,4 Milliarden Euro geschlossen werden soll, das will man „aus Respekt“ vor den kurz bevorstehenden Bundestagswahlen der Nachfolgeregierung überlassen. Selbst wenn man alle Risiken ausblendet wie eine neue Wirtschaftskrise, einen normalen konjunkturellen Abschwung, sinkende Steuereinnahmen – wenn man alle Risiken ausblendet, und davon ausgeht, dass die Einnahmen erst einmal so weiter sprudeln, so ist doch eines bedenklich. Wie wir es vorhin schon schrieben, steigen die Ausgaben immer weiter an, auf breiter Front! Was schon fast niemand mehr wahrnimmt: Bei 337,5 Milliarden Euro Bundesausgaben im Jahr 2018 ist darin ein Zuschuss an die Rentenkasse von 94 Milliarden Euro enthalten!

Alleine das zeigt, wie defizitär unser Rentensystem schon heute ist. Ohne Steuerzuschüsse nicht überlebensfähig! Auch ist kaum vorstellbar, dass die Kosten in Bereichen wie Soziales, Verteidigung und Inneres sinken werden. Sie werden die nächsten Jahre auch weiter steigen. Jetzt interessiert das fast niemanden. Das Thema wird erst wieder aktuell, wenn in der nächsten Krise die Einnahmeseite einbricht, und große Defizite auftreten. Ach ja, die steigenden Zinsen bei Staatsschulden haben wir ja ganz vergessen, wenn die EZB denn mal eines Tages die Zinswende einleitet. Auszugsweise heute die Bundesregierung zum Etat:

Die Bundesregierung hat zusätzliche Aufgaben gemeistert, ohne neue Schulden aufnehmen zu müssen. Und sie hat Schluss gemacht mit der Schuldenspirale. „Wir haben keine neuen Schulden gemacht und die richtigen Schwerpunkte in Zukunftsinvestitionen, Bildung und Sicherheit gesetzt“, erklärte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble vor der Presse in Berlin. Dieser Kurs werde fortgesetzt. Wie in den drei Jahren zuvor kämen auch der Bundeshaushalt 2018 und die Finanzplanung des Bundes bis 2021 ohne neue Schulden aus.

Länder und Kommunen entlastet

Die gesamtstaatliche Schuldenstandsquote wird voraussichtlich im Jahr 2020 wieder unter die Maastricht-Obergrenze von 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes sinken. Die Bundesregierung unterstellt hierfür ein weiterhin moderates Wirtschaftswachstum.

Ein Haushaltsausgleich ohne Neuverschuldung steht nicht im Widerspruch zu einer gestaltenden und zukunftsorientierten Politik. Die Bundesregierung hat gezielt Impulse gesetzt – zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft sowie für mehr Wachstum und mehr Beschäftigung. Gleichzeitig hat der Bund die Länder und Kommunen in Milliardenhöhe entlastet.

50 Prozent der Ausgaben für Soziales

Der Haushaltsentwurf 2018 sieht Ausgaben in Höhe von 337,5 Milliarden Euro vor. Damit steigt er gegenüber 2017 um 2,6 Prozent. Der Entwurf spiegelt die zahlreichen haushaltswirksamen Maßnahmen dieser Legislaturperiode wider. Hierzu gehören vor allem die sozialpolitischen Maßnahmen wie die Erhöhung des Wohngeldes, das Elterngeld-Plus mit Partnerschaftsbonus, das Rentenpaket und die Ost-West-Rentenangleichung.

Bundesminister Schäuble wies ausdrücklich darauf hin, dass „der Anteil an den Sozialausgaben über 50 Prozent des Bundeshaushalts ausmache“. Allein der Rentenzuschuss betrage 94 Milliarden Euro. Aus Respekt vor den Wahlen im September und einem dann veränderten Mehrheitsverhältnis setze der Entwurf nur begrenzt neue Akzente.

Investitionsausgaben steigen weiter

Schäuble erinnerte an die Zusage der Regierung, die durch die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank entstandenen Haushaltsspielräume für Investitionen zu nutzen. „Wir haben Wort gehalten.“ Die Investitionsausgaben steigen von 36,1 auf 36,4 Milliarden Euro, davon allein 14,2 Milliarden für Verkehrsinvestitionen.

Förderungsschwerpunkte sind außerdem

die Elektromobilität,
der Breitbandausbau,
die Mikroelektronik,
Maßnahmen zur Energieeffizienzsteigerungen von Gebäuden und
der Soziale Wohnungsbau.

Steuern

Heute veröffentlichte Daten zeigen die Zahl der Einkommensmillionäre, die in Deutschland in den letzten Jahren kräftig gestiegen ist. Und man erkennt auch, dass Besserverdiener (das beginnt ab 52.882 Euro pro Jahr Einkommen) mit ihrem Spitzensteuersatz von 42% immens stark zum gesamten Steueraufkommen beitragen. Hier die Meldung im Wortlaut:

Im Jahr 2013 hatten 17 400 der in Deutschland erfassten Lohn- und Einkommensteuerpflichtigen Einkünfte von mindestens einer Million Euro, knapp 2 800 Steuerpflichtige mehr als noch 2010. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, betrug das Durchschnittseinkommen dieser Gruppe 2,7 Millionen Euro. Das sind Ergebnisse der Lohn- und Einkommensteuerstatistik 2013, die auf Grund der langen Fristen zur Steuerveranlagung erst etwa dreieinhalb Jahre nach Ende des Veranlagungsjahres verfügbar ist.

In Deutschland wird ein progressiver Steuersatz angewendet, das heißt, der Steuersatz steigt mit zunehmendem Einkommen an. Dadurch werden die Steuerpflichtigen unterschiedlich stark belastet. 2013 wurden Einkommen ab 250 731 Euro (beziehungsweise 501 462 Euro bei gemeinsam veranlagten Personen) mit 45 % besteuert. Auf die 79 200 Steuerpflichtigen, bei denen dieser sogenannte Reichensteuersatz zum Tragen kam, entfielen 5,7 % der gesamten Einkünfte und 11,5 % der Steuersumme.

Den Spitzensteuersatz von 42 %, der 2013 ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 52 882 Euro (beziehungsweise 105 764 Euro) erhoben wurde, zahlten 2,1 Millionen Steuerpflichtige. Ihr Anteil am Gesamtbetrag der Einkünfte machte 24,9 % aus, der an der Lohn- und Einkommensteuer 43,0 %.

Lag das Einkommen unter dem Freibetrag von 8 131 Euro (beziehungsweise 16 262 Euro) wurde keine Steuer fällig. Im Jahr 2013 betraf das 9,6 Millionen Steuerpflichtige mit einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von knapp 7 000 Euro. Ihr Anteil am Gesamtbetrag der Einkünfte betrug lediglich 4,8 %.

Insgesamt erzielten die 39,8 Millionen Steuerpflichtigen (zusammen veranlagte Personen werden als ein Steuerpflichtiger gezählt) im Jahr 2013 Einkünfte in Höhe von 1,4 Billionen Euro, das waren 170 Milliarden Euro mehr als 2010. Die von den Arbeitgebern einbehaltene Lohnsteuer summiert sich zusammen mit der von den Finanzbehörden festgesetzten Einkommensteuer auf 246 Milliarden Euro. Gegenüber 2010 bedeutet dies eine Steigerung um 40 Milliarden Euro.

Quelle: Bundesregierung / Statistisches Bundesamt

Aktuell: Öl-Lagerbestände mit +0,1 Mio Barrels (jetzt 509,2 Mio)

FMW-Redaktion

Die wöchentlich vermeldeten Öl-Lagerbestände in den USA (Rohöl) wurden soeben mit 509,2 Mio Barrels veröffentlicht. Dies ist ein Plus von 0,1 Mio Barrels, wobei die Erwartungen bei -2,5 Mio lagen.

Die Benzinbestände wurden mit 241,0 Mio Barrels gemeldet, was im Vergleich zur Vorwoche ein Minus von 0,9 Mio Barrels, wobei der Erwartungen bei -0,5 Mio lagen.

Die gestern Abend um 22:35 Uhr veröffentlichten API-Lagerbestände wurden mit +0,85 Mio Barrels beim Rohöl gemeldet bei Erwartungen von -2 Mio. Die Benzinbestände stiegen laut API um 1,35 Mio Barrels, Destillate stiegen um 0,68 Mio.

Der Ölpreis (WTI) reagiert in den ersten Augenblicken nach Verkündung mit einem schnellen Rauf und Runter von 1 Dollar. Jetzt liegt man 5 Minuten nach Veröffentlichung bei 44,26 Dollar, wo man vorher auch war. Es sieht wie ein kleiner Kampf der ALGOS (Computerprogramme aus), die sich noch nicht für eine Richtung entscheiden können.


Die Öl-Lagerbestände seit Oktober 2015.

Aktuell: US-Anstehende Hausverkäufe schwach, Preise zu stark gestiegen

FMW-Redaktion

Die Anstehenden Hausverkäufe in den USA (pending home sales) sind mit -0,8% schwächer ausgefallen als erwartet (Prognose war +0,8%; Vormonat war -1,3%). Also wieder eher schwache Daten aus den USA, schache harte Daten genauer gesagt..

Die NAR, die die Daten veröffentlicht, meint, dass die zu schnellen Preisanstiege die potentiellen Käufer an der Seitenlinie lasse..

Aktuell: Headlines von Mario Draghi in Sintra

FMW-Redaktion

Eigentlich sollte es um 15.30Uhr losgehen – aber nun wurde der Webcast von dem ECB Forum on Central Banking in Sintra (Portugal) kurzfristig auf 15.40Uhr verschoben. Draghi dort mit einem Panel mit Bank of Japan-Chef Kuroda, Bank of England-Chef Carney und Poloz von der Bank of Canada..

Hat Draghi gestern das alles nicht so gemeint, wurden seine Aussagen „überinterpretiert“?

Sobald es etwas zu berichten gibt, tun wir das! Dranbleiben!

Es geht los – es geht um „investment and growth in advanced economies“, also ist es nicht sicher, aber hier relvante Aussagen zur Geldpolitik kommen..wir warten ab..

– Carney: es ist nötig, Stimulus zurück zu fahren, wenn die Wirtschaft sich erholt – das britische Pfund springt darauf hin nach oben, über die 1,29 zum US-Dollar. Vermutlich haben die Märkte auch Carney „überinterpretiert“ (kleiner Scherz am Rande..)

– also jetzt auch Carney im hawkishen Lager – es wäre naiv anzunehmen, dass die Herrschaften Notenbanker sich nicht alle abgestimmt hätten!

– die Renditen britischer Staatsanleihen schießen nach den Kommentaren Carneys durch die Decke und erreichen den höchsten Stand seit dem Brexit-Votum (Juni 2016)

– Draghi spricht, aber über eher akademisch Interessierte, nicht über aktuelle Geldpolitik..

Hinweis: das sieht derzeit nicht so aus, als wenn Draghi heute Relevantes sagen würde, daher brechen wir das an dieser Stelle ab. Sollte sich das ändern, sind wir wieder dabei!

Rüdiger Born (VIDEO): Chancen am Devisenmarkt

Von Rüdiger Born

Vorhin gab es einige Bewegung am Devisenmarkt, und gleich ab 15:30 Uhr gibt es weitere Notenbanker-Aussagen. Die aktuelle Situation im Euro möchte ich daher kurz ansprechen. Der vorhin veröffentlichte „Trade des Tages“ könnte auch sehr interessant sein…

Goldman erhöht Jahresprognose für S&P 500, Ölpreis unbeeindruckt von API-Daten

FMW-Redaktion

Goldman Sachs hat aktuell seine Prognose für den globalen Leitindex S&P 500 erhöht. Und das, wo doch gerade erst wichtige Notenbanker die hohen Bewertungen von Aktien kritisiert haben. Aber was soll´s. Goldman erhöht die Prognose für das Jahresende 2017 von bisher 2300 auf jetzt 2400 Punkte. Aktuell notiert der S&P 500 aber schon bei 2.425. Also geht man einerseits davon aus, dass der Index in den nächsten sechs Monaten leicht schwächeln wird.

Andererseits trägt man aber dem kräftigen Anstieg in der ersten Jahreshälfte Rechnung (Ende Dezember 2016 noch bei 2.242 Punkten), und musste die bisherigen Prognosen anheben. Die Erwartung für die gesamten Gewinne pro Aktie im S&P 500 erhöht man für 2017 von bisher 123 Dollar auf jetzt 129 Dollar, für 2018 steigt die Erwartung von 129 Dollar auf jetzt 139 Dollar. Also geht man folgerichtig davon aus, dass die Unternehmen gewinnträchtiger sein werden als bislang gedacht.

Diese Annahme resultiere aus starken Unternehmensgewinnen im 1. Quartal des Jahres, sowie höheren Wachstumsraten des Finanzsektors und der Informationstechnologie. Die Umsätze der S&P 500-Unternehmen sollen in 2017 um 5% wachsen. In den letzten Monaten, wo der Markt so gut gestiegen war, hatte Goldman seine Prognose nicht angehoben. Diese Anpassung nach oben nimmt man jetzt erst vor, wo der Markt aktuell schon höher liegt als die neue Prognose…

Ölpreis

Gestern Abend wurden wie jede Woche üblich kurz vor den offiziellen Daten die privat erhobenen API-Lagerbestände für Öl in den USA veröffentlicht. Zuletzt waren die API-Daten eher unzuverlässig, aber nach wie vor gelten sie als wichtiger Indikator, was nächsten Tag offiziell verkündet wird. Für gestern wurde eigentlich ein Rückgang bei den Rohöl-Lagern von mehr als 2 Millionen Barrels erwartet. Heraus kam ein Plus von 851.000 Barrels. Die Benzinbestände, die unverändert erwartet wurden, lagen bei +1,35 Millionen Barrels.

Da hätte der Markt eigentlich kräftig einbrechen müssen gestern Abend. Aber wie wir gestern schon vermuteten, könnten wir eventuell am Beginn einer Shortsqueeze stehen. Der Ölpreis könnte schlicht und einfach überverkauft sein. Könnte, nicht muss! So fiel der Ölpreis gestern Abend nur ganz kurz von 44,15 auf 43,52 Dollar (WTI-Öl). Danach erholte er sich aber wieder, und hat nach den API-Daten quasi gar nicht verloren.

Jetzt warten wir mit Spannung auf die offiziellen Lagerdaten um 16:30 Uhr. Wir berichten sofort nach Veröffentlichung über die Daten.


Der WTI-Ölpreis seit 18. Juni.

TdT: AUD/JPY, Schwung steht unmittelbar bevor

Währungen sind ein Thema für sich, denken viele Marktakteure und natürlich liegen sie damit nicht gänzlich falsch. Doch auch der Australische Dollar im Vergleich zum Japanischen Yen (AUD/JPY) verhält sich immer wieder nach den typischen Marktbewegungen, die sich fürs eigene Trading nutzen lassen. So möglicherweise auch jetzt, denn die letzten 10 Situationen dieser Art führten alle ins Plus.

Aktuell: EZB will angeblich alles so nicht gemeint haben!

FMW-Redaktion

Es kommt, wie es kommen mußte und einige schon vermutet hatten: die EZB will alles nicht so gemeint haben! Also Draghi hat doch alles ganz anders gemeint! Manchmal sind die Dinge doch vorhersehbar! Humor ist, wenn man immer noch an die Seriösität der Notenbanken glaubt!

Also geht die Party jetzt rückwärts: gestern Anleihen abervkauft, Euro nach oben – jetzt das Gegenteil, Euro-Dollar fällt zwischenzeitlich unter 1,13::

Da war dem Mario doch der Euro ein bissl zu hoch gestiegen, offenkundig..

Der Bund-Future (September-Kontrakt) geht scharf nach oben nach dem gestrigen Einbruch:

Und der Dax freut sich auch..

Angeblicher Erfolg der EZB-Politik: Wie Statistiken die Wahrnehmung beinflussen können

FMW-Redaktion

Je nachdem welche EZB-Statistiken man sich anschaut, erkennt man einen tollen Erfolg der aktuellen EZB-Geldpolitik – oder eben auch nicht. Noch interessanter wird es, wenn man sich zwei Charts zum exakt selben Thema anschaut, die aber völlig unterschiedlich aussehen. Hierzu betrachten wir zunächst unseren Artikel von vorgestern, wo wir unter anderem die langfristige Entwicklung der Kreditvergabe in der Eurozone betrachteten. Der folgende Chart zeigt den Verlauf seit 2004. Links sieht man mittig die 0 Prozent-Marke, darüber +10% und -10%. Wie man sieht, bewegt sich die Wachstumsrate seit 2010 stets nur knapp über 0%. Mal 1%, mal 2%, oder auch mal ein paar Prozente im Minus. Zuletzt lag das Wachstum bei +2,41%. Aber im großen Bild sieht man, dass das Wachstum nicht nach oben explodiert ist, trotz der Billionen-Geldspritze der EZB und der Negativzinsen für Banken.


Dieser Chart der EZB zeigt die Steigerungsraten der Kredite an Unternehmen in der Eurozone außerhalb des Finanzsektors seit 2004.

Heute nun hat die EZB frische Daten veröffentlicht zum Kreditwachstum in der Eurozone, also dem selben Thema wie wir es vorgestern besprochen hatten. Man bestätigt darin die Wachstumsrate von 2,4%. Zitat:

The annual growth rate of adjusted loans to households increased to 2.6% in May, from 2.4% in April. The annual growth rate of adjusted loans to non-financial corporations stood at 2.4% in May, unchanged from the previous month.

Dazu wird die unten gezeigte Grafik veröffentlicht. Man sieht beim Kreditwachstum einen tollen steilen Anstieg. Wer diese Kurve betrachtet, sieht einen tollen Erfolg der EZB-Geldpolitik. Die Banken haben demnach sprunghaft mehr Kredite vergeben. Wer aber genauer hinschaut, sieht den Zeitraum von 2013 bis heute. Die obige erste Grafik ging zurück bis 2004, und bot somit einen viel längeren Vergleichszeitraum. Zudem ist diese Grafik hier unten angelegt in einer Spanne von -4% bis +4%. So verengt wirkt die positive Entwicklung natürlich richtig gut.

Und daher meinen wir auch: Es ist eben Ansichtssache. Je nach Betrachtungszeitraum ist es ein toller Erfolg, oder eben eine trübe Seitwärtsphase. Plus 2,4% beim Kreditwachstum auf Jahresbasis mag ganz nett sein unter normalen Umständen, aber bei der gigangtischen Gelddruckerei wirkt diese Steigerung doch ziemlich enttäuschend. Was lernen wir daraus? Ob die EZB dieses vorhandene Kreditwachstum zu Argumentationszwecken heranzieht, weiß man nicht. Sie könnte es theoretisch für beide Varianten nutzen. Einerseits könnte sie sagen das Wachstum ist zu schwach, was für eine Verlängerung der Geldpolitik spräche. Oder man könnte sagen +2,4% ist so ein starkes Wachstum, dass dies noch ein Argument mehr dafür ist, langsam die Zinswende einleiten zu müssen.

Quelle: EZB

Nach Brutalo-Flash Crash bei Kryptowährung Ethereum: Trader mit Verlusten werden entschädigt, Gewinne bleiben

FMW-Redaktion

Schon mal was von „Ethereum“ gehört? Nach den Bitcoins ist dies die zweitgrößte Digitalwährung oder auch Kryptowährung. Obwohl Notenbanker in der Regel der Meinung sind, dass sie keine richtigen Währungen sind im Sinne eines „Wertaufbewahrungsmittels“, liegt dies wohl stark im Auge des Betrachters. Denn wenn es Orte, Institutionen und Menschen gibt, die solche Online-Währungen als Zahlungsmittel akzeptieren, kann man wohl zumindest von einer Art Währung sprechen?

Bei Ethereum gab es letzte Woche einen dramatischen Zusammenbruch des Preises. Ein Flash Crash sorgte für einen Absturz im Kurs von 319 Dollar auf 0,10 Dollar auf der US-Plattform „GDAX“, die aber nichts mit dem Dax oder der Deutschen Börse zu tun hat. Aber erst einmal von Anfang an. Was ist denn GDAX genau?

Das Kürzel steht für „Global Digital Asset Exchange“. Nach eigenen Angaben ist man die führende „Börse“ für Digitalwährungen, wo man Tradern einen sicheren und einfachen Weg anbiete digitale Werte online ständig gegen Bitcoins und Ethereum zu handeln, die gegen Dollar, Euro und Pfund gehandelt werden. Nach eigener Aussage ist man eine voll regulierte US-Börse.

Erstaunlich ist das Statement von GDAX zum Flash Crash in der Kryptowährung Ethereum von letzter Woche. Dazu schreibt man nämlich, dass man de facto die Verluste durch den Flash Crash von Kunden, die über GDAX gehandelt hatten, ersetzen wird. Die Kunden, die durch den Flash Crash schön günstig einsteigen konnten, und somit sensationelle Gewinne machten, dürfen ihre Gewinne behalten. Zitat:

We will establish a process to credit customer accounts which experienced a margin call or stop loss order executed on the GDAX ETH-USD order book as a direct result of the rapid price movement at 12.30pm PT on June 21, 2017. This process will allow affected customers to restore the value of their ETH-USD account to the equivalent value of their ETH-USD account at the moment prior to the rapid price movement. To clarify:

For customers who had buy orders filled — we are honoring all executed orders and no trades will be reversed.

For affected customers who had margin calls or stop loss orders executed — we are crediting you using company funds.

Und warum das? Rechtlich dazu verpflichtet ist man wohl nicht. Aber es geht wohl um eine vertrauensbildende Maßnahme gegenüber den Kunden. Zitat:

We view this as an opportunity to demonstrate our long-term commitment to our customers and belief in the future of this industry. We will follow up directly with affected customers about this process next week.

Aus den Statements von GDAX kann man auch schlussfolgern, dass der Flash Crash ausgelöst wurde durch eine Lawine von Verlustbegrenzungs-Orders (Stop Loss). Unsere Meinung dazu ist: Wenn ein Wert, eine Währung oder was auch immer durch eine Lawine von 319 Dollar blitzartig fast auf 0 fällt, dann zeigt das, wie anfällig und unsicher solche Kryptowährungen immer noch sind.

Wie viel Geld GDAX in diese Erstattungszahlung pumpen wird? Das wurde an keiner Stelle erwähnt. Als Außenstehender ist das fast unmöglich zu prüfen. Wie viele Kunden waren zu dem Zeipunkt long in Ethereum, und wie viele von denen hatten Stop Loss-Orders, die ausgelöst wurden? Es könnte sich um eine verdammt große Summe handeln. An einer normalen Börse wäre es üblich einen irregulären Trade komplett rückabzuwickeln. Dann würden die Kunden mit Verlusten ihre schlechten Trades korrigiert bekommen, die Gewinner würden aber ebenso ihre Gewinne verlieren.

Dass die Gewinner in diesem Fall einfach ihre Gewinne behalten können, bringt schon ein gewisses Geschmäckle mit sich…


Foto: Ethereum Foundation – https://camo.githubusercontent.com/1b3d0063d6a8bcd56ca07b0ea2ef0f71b17a0fa8/687474703a2f2f737667706f726e2e636f6d2f6c6f676f732f657468657265756d2e737667, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52278619

Für Google brechen harte Zeiten an! Strafe der EU nur der Anfang..

FMW-Redaktion

Wenn ein Unternehmen wie Google (bzw. Alphabet) eine Strafe von 2,4 Milliarden Euro aufgebrummt bekommt wie gestern durch die EU, ist das normalerweise für ein so finanzstarkes Unternehmen kein Problem – man zahlt das gewissermaßen aus der Portokasse. Das Problem aber ist: das alles ist nur der Anfang, es wird absehbar viel teurer für den amerikanischen Konzern.

Denn was gestern durch die EU zur Sprache kam, waren nur die Preisvergleiche in der Suchmaschine:

„Google hat seine marktbeherrschende Stellung als Suchmaschinenbetreiber missbraucht, indem es einem anderen Google-Produkt – seinem Preisvergleichsdienst – einen unrechtmäßigen Vorteil verschafft hat.“

Google macht innerhalb mit der EU ca. 30% (ca. 30 Milliarden Dollar) seines weltweiten Umsatzes laut einer Analyse der Credit Suisse, davon entfallen ca. 70% auf Umsätze mit der Suchmaschine, ca. 30% auf die ads – also Werbung auf anderen Webseiten, die durch einen Google Algorithmus generiert werden. Wir alle kennen das: man recherchiert im Netz nach einer Urlaubsreise nach Spanien, und am nächsten Tag erscheinen plötzlich Werbeanzeigen für Spanien-Reisen, wenn man irgendeine Webseite besucht.

Nun muß Google also, das hat die EU verbindlich gemacht, ihre Politik bei den Preisvergleichen ändern – das bedeutet in Zukunft für das Unternehmen wohl einen Einkommensverlust von 1,5% seiner gesamten Umsätze in einem Quartal.

Auch das wäre zu verschmerzen. Aber die Europäische Kommission hat gestern auch klargemacht, dass all das wohl nur der Anfang ist:

„The Commission has already come to the preliminary conclusion that Google has abused a dominant position in two other cases, which are still being investigated.“

Was die Kommission damit meint sagt sie dann auch ganz klar:

1) the Android operating system, where the Commission is concerned that Google has stifled choice and innovation in a range of mobile apps and services by pursuing an overall strategy on mobile devices to protect and expand its dominant position in general internet search; and
2) AdSense, where the Commission is concerned that Google has reduced choice by preventing third-party websites from sourcing search ads from Google’s competitors.

Wenn die EU-Kommission nun zur Auffassung gelangt – und das ist wahrscheinlich, sonst hätte man das nicht so explizit erwähnt – dass auch in diesen beiden Bereichen Verstöße vorliegen, bedeutet das weitere Strafen, bedeute das, dass Google seine Praktiken auch hier ändern muß und weniger Einnahmen erzielt.

Getroffen würden hier zwei neuralgische Bereiche für Google: der Bereich Mobil inklusive Google Play einerseits (Google weist bisher nicht die Einnahmen separat auf, die man über Android erzielt), und der Bereich Adsense andererseits, der für ca. 17% der Umsätze bei Google sorgt.

Alles deutet also darauf hin, dass das nur der Anfang war, dass es also in den nächsten Jahren weiter geht mit Strafen etc. Man denke nur an den Fall Microsoft in der 2000er-Jahren.

Und: wenn die EU-Kommission zur Auffassung gelangt (und das auch belegt), dass Google Konkurrenz systematisch benachteiligt, könnte das auch für andere Regulierungsbehörden der Welt ein Anstoß sein! Die Zeiten werden also härter für Google..

Sind Negativzinsen auf Spareinlagen rechtswidrig? Verbraucherzentrale erzielt Erfolg, Volksbank streicht sie aus Preisverzeichnis

FMW-Redaktion

Es ist ein merkwürdiger Fall. Grundsätzlich ist doch eigentlich eine Bank frei in der Gestaltung ihrer Konditionen, richtig? Änderungen von Preisen oder Zinsen muss eine Bank in ihrem Preisverzeichnis bekannt geben, und dann gelten diese neuen Preise. So dachten wir es bis jetzt zumindest. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg aber hat sich die Volksbank Reutlingen vorgenommen. Wahrscheinlich hat man sich gerade diese Bank herausgepickt, weil sie mit Negativzinsen von sogar -0,5% vorgeprescht war.

Damit stellte man den Kunden einen höheren Negativzins in Rechnung, als die Banken ihn bei der EZB zahlen müssen (-0,4%). Erst Anfang des Monats hatte die Volksbank Reutlingen diese -0,5% in ihrem Preisverzeichnis verkündet als sogenanntes „Verwahrentgelt“ auf Girokonto-Einlagen ab dem ersten Euro und für Tagesgelder ab 10.000 Euro Einlage. Dann am 13. Juni folgte die Abmahnung durch die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Dort verkündete man, dass man diese Negativzinsen für rechtswidrig halte. Zitat:

Einer rechtlichen Prüfung durch die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hielt die Einführung dieser Negativzinsen jedoch nicht Stand. „Nach unserer Auffassung ist ein Negativzins für derartige Vertragsmodelle für Privatkunden rechtswidrig“, erklärt Cornelia Tausch, Vorstand der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Wir haben daher rechtliche Schritte eingeleitet“. Die Verbraucherzentrale hat eine Abmahnung an die Volksbank geschickt und fordert sie damit auf, das rechtswidrige Verhalten einzustellen, künftig keine Negativzinsen für die betroffenen Tages- und Festgeldkonten mehr zu erheben und eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abzugeben. Ob die Negativzinsen tatsächlich erhoben oder nur bekannt gegeben werden ist für die Bewertung und als Grundlage der Prüfung unerheblich.

Diese Woche dann folgt ein Offener Brief der Volksbank Reutlingen. Darin stellt man klar, dass man bisher keinem Kunden die negativen Zinsen berechnet habe. Also sollten diese -0,5% wohl eher abschreckend auf neue Kunden wirken, die mit hohen Einlagen winken? Dazu sagte die Verbraucherzentrale ja bereits, dass es auch ihrer Sicht egal sei, ob sie umgesetzt würden – sie stünden ja schon offiziell im Preisverzeichnis, und das sei entscheidend.

Mit keinem Wort geht die Volksbank auf die Abmahnung der Verbraucherzentrale und ihrer rechtlichen Auffassung ein, aber der zeitliche Zusammenhang ist ja leicht erkennbar. Man schreibt lediglich, dass es das Vorgehen der Bank ist und bleibe lediglich mit Großkunden ab einer halben Million Euro individuelle Vereinbarungen für Negativzinsen zu treffen. Der Preisaushang habe bei einigen Beobachtern einen anderen Eindruck hervorgerufen. Dies bedauere man, und habe daher mit einer Überarbeitung reagiert. Das Preisverzeichnis sehe nun keinerlei negative Zinsen mehr vor. Auch habe man aktuell keinerlei Pläne „Normalsparern“ Negativzinsen zu berechnen. Dies könne man aber leider nicht kategorisch ausschließen, da man eines Tages auf ein verändertes Zinsniveau und dadurch weiter steigende Kosten für die Verwahrung der Kundeneinlagen reagieren müsse.

Also was jetzt, möchten wir fragen? Bedeutet das, dass die Verbraucherzentrale recht hat, und das Negativzinsen für Sparer rechtswidrig sind? Auf Anfrage der „FAZ“ sagt die Verbraucherzentrale, dass die Abmahnung gegen die Volksbank Reutlingen im Rahmen der bisher veröffentlichten Rechtsauffassung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gelegen habe. Denn in den laufenden Geschäftsbeziehungen könnten durch eine Änderung der AGB keine Negativzinsen eingeführt werden, weil dies dem Grundgedanken der gesetzlichen Regelung zum Darlehensrecht widerspreche. Aber individuelle Vereinbarungen mit einzelnen Kunden seien dagegen unproblematisch, womit die von der Volksbank erwähnten Großkunden gemeint sein dürften.

Das mag in den nächsten Wochen und Monaten noch ein spannendes Thema werden. Wenn sich die Verbraucherzentrale so sicher ist, dann müssten ja eigentlich Abmahnungen gegen weitere Banken anstehen, die ebenfalls schon Negativzinsen berechnen. War die Volksbank Reutlingen eine Art Präzedenzfall, weil sie mit ihren -0,5% außerordentlich hervorstach? Natürlich ist es aus Verbrauchersicht gut, dass so vorgesprescht wird, und Druck gegen Negativzinsen aufgebaut wird. Aber generell, so meinen wir, müsste doch die Gesatltung der Konditionen in der Vertragsfreiheit einer jeden Bank liegen!

Explosionsartiger Anstieg bei Erzen, Metallen, Milch und Fleisch zieht Importpreise in Deutschland nach oben

FMW-Redaktion

Wie immer berichten wir auch heute über die wichtigen vorlaufenden Preise für die endgültigen Verbraucherpreise (Inflation). Die wichtigsten vorlaufenden Preisfaktoren sind die Importpreise. Sie steigen von Mai 2016 auf Mai 2017 um 4,1%. Insbesondere Vorleistungsgüter ziehen die Importpreise nach oben. Zitat Statistisches Bundesamt:

Importierte Vorleistungsgüter (Güter, die im Produktionsprozess verbraucht, verarbeitet oder umgewandelt werden) waren im Mai 2017 um 6,1 % teurer als im Mai 2016. Gegenüber dem Vormonat fielen die Preise um 0,9 %. Im Vergleich zu Mai 2016 verteuerten sich insbesondere importierte Eisenerze (+ 51,3 %) und Nicht-Eisen-Metallerze (+ 21,8 %). Dies galt auch für Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen (+ 23,8 %) sowie Nicht-Eisen-Metalle und Halbzeug daraus (+ 13,3 %). Auch chemische Grundstoffe (+ 9,2 %) waren erheblich teurer als im Mai 2016. Dagegen sanken unter anderem die Preise für Düngemittel und Stickstoffverbindungen (– 2,7 %).

Energieeinfuhren waren im Mai 2017 auch noch um 15,7% teuer als im Vorjahr. Dabei ist Steinkohle der Preistreiber mit +51%. Einzelne Preissegmente für Importgüter entwickeln sich sehr unterschiedlich. Die Preise für importierte Smartphones beispielsweise sinken um 23,4%. Zitat:

Importierte Verbrauchsgüter verteuerten sich gegenüber Mai 2016 um 2,5 %. Im Vergleich zu April 2017 fielen die Preise im Durchschnitt um 0,3 %. Gegenüber dem Vorjahr waren insbesondere importierte Milch und Milcherzeugnisse teurer (+ 20,7 %).

Ebenso lagen die Preise für Fleisch (ohne Geflügelfleisch) deutlich über dem Niveau des Vorjahres (+ 13,0 %), hier insbesondere für Schweinefleisch mit + 23,9 %. Dagegen war verarbeiteter Kakao um 20,0 % billiger als im Mai 2016.

Importierte landwirtschaftliche Güter waren gegenüber Mai 2016 um 0,6 % teurer. Insbesondere Rohkaffee wurde zu deutlich höheren Preisen importiert (+ 14,7 %), während sich importierter Rohkakao stark verbilligte (– 34,0 %).

Eingeführte Investitionsgüter verbilligten sich geringfügig (– 0,1 %) gegenüber Mai 2016 (– 0,4 % gegenüber April 2017). Während Geräte und Einrichtungen der Telekommunikationstechnik gegenüber Mai 2016 billiger importiert wurden (– 3,7 %), darunter insbesondere Smartphones (– 23,4 %), waren Maschinen im Vorjahresvergleich um 0,4 % teurer.

Die Preise für Gebrauchsgüter stiegen gegenüber dem Vorjahr um 0,4 %. Gegenüber dem Vormonat fielen sie jedoch um 0,7 %.

Das bedeutet in der Gesamtbetrachtung: Auch wenn die Headline-Inflation vorübergehend schwach aussieht, treiben die vorlaufenden Preise im Hintergrund den Preisdruck weiter voran. Es ist wenig realistisch, dass diese steigenden Preise nicht weitergegeben werden an das Ende der Preiskette, nämlich die Verbraucher.


Seit November ziehen die Importpreise Monat für Monat kräftig an (rot umrandet).

Die Lage beim Dax: angespannt, Trend seit Brexit gebrochen!

FMW-Redaktion

Der Dax ist im Rückwärtsgang – was sind die Ursachen? Dazu Jochen Stanzl, der den move antizipiert hatte:

Wie ist das übergeordnete Bild beim Dax:

Der Trend scheint gebrochen beim Dax:

Und Peter Tuchman als Repräsentant der Wall Street, der noch bis vor kurzem meinte, die US-Märkte seien unverwundbar, wundert sich jetzt über den „sell-off“:

Dax: Wenn die Musik aufhört zu spielen und die Reise nach Jerusalem beginnt

FMW-Redaktion

Ach, es war doch so schön! Man hatte den Notenbanken-Put auf seiner Seite, ob Aktienmärkte oder Anleihemärkte – alle wussten, dass die Notenbanken die Hand unter den Hintern der Märkte halten würden, komme, was da wolle. Also stiegen sowohl Aktienmärkte als auch Anleihemärkte in bisher ungekannte Höhen, weil Al Bundy mit den Geldscheinen wedelte. Jetzt aber passiert Unerhörtes: in Europa bessert sich die Lage, und alles hätte passieren dürfen aus Sicht der Märkte – nur eben das nicht! Denn wenn die Lage gut ist, hört Al Bundy auf, seine Scheinchen aus der Hosentasche zu zücken und unters Anleger-Volk zu verteilen.

So ein Mist. Wer braucht schon Konjunktur? Wir wollen Liquidität, unsere tägliche Droge gib uns heute, und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben, wenn die Rechnung dafür andere zahlen. Ihr könnt doch nicht einfach aufhören damit, verdammt!

Gut, Mario hat gestern gesagt, ganz langsam und vorsichtig, er weiß, dass die Gläubigen sonst verschreckt werden könnten, wenn der göttliche Papa zu streng ist auf einmal. Aber wenn jemand sagt, dass die Party nun eigentlich zu Ende ist, während man auf ex gerade die fünfte Rotweinflasche leert, ist das schon ziemlich unhöflich. Das macht man nicht. Man hatte sich doch so daran gewöhnt. Sollen wir etwa wieder selbst arbeiten gehen? Unverschämtheit!

Natürlich: die Herren des Geldes wollen keinen Crash. Das Ganze soll irgendwie kontrolliert ablaufen, und die gestrige Aussage Yellens, wonach wir zu „unseren Lebzeiten“ wohl keine Finanzkrise erleben werden, wird wahrscheinlich zu den größten Irrtümern der Geschichte werden. Denn wer das selbst geschaffene Ungeheuer bändigen will, zieht sich Verletzungen zu – das Ungeheuer wehrt sich, möchte nicht in den Käfig zurück.

Für die Notenbanken wird die Sache jetzt richtig schwierig: es ist ja leicht, Geld zu drucken, schwerer, die Dinge unter Kontrolle zu behalten, wenn man perspektivisch damit aufhört. Wie schon in den letzten Tagen betont: seit einigen Wochen sind die Bilanzsummen der drei großen Notenbanken rückläufig – das eigentliche Expieriment beginnt erst jetzt mit dem Versuch, die Bestie, den Golem wieder einzufangen, den man selbst geschaffen hat.

Also hört die Musik auf zu spielen, wird die Musik zumindest deutlich leiser. Und die Reise nach Jerusalem beginnt: es gibt nun immer einen Stuhl zu wenig, einer bleibt auf der Strecke, dann der Nächste und der Nächste.

Beim deutschen Anleihemarkt gab es gestern schon ein Blutbad nach den Draghi-Aussagen, und auch der Dax sah schon einmal prickelnder aus als derzeit. Man verschiebt die Tiefs nach unten, die Jagd auf das Allzeithoch ist erst einmal abgeblasen:

Solange die 12840 nich überwunden werden kann – und danach sieht es ja nicht wirklich aus – ist nun die Unterseite zu bevorzugen. Erste Ziele sind 12525 und 12490 Punkte..

Dax bleibt unter Druck; starker Euro und US-Tech-Aktien belasten

Gastanalyse von Milan Cutkovic, Marktanalyst AxiTrader

Der Deutsche Aktienindex bleibt nach den gestrigen Verlusten auch heute unter Druck. Aktuell sehen wir den Index fast 80 Punkte tiefer, knapp über 12.600 Punkten. Nicht nur der starke Euro lastet auf dem Markt. Wieder einmal trägt auch der Kursrutsch der Technologiewerte an der Wall Street zur negativen Stimmung auf dem Börsenparkett bei. Die US-Börsen befinden sich noch immer auf hohen Niveaus. Zu Beginn des Sommers sind die Anleger generell eher an Gewinnmitnahmen interessiert. Die jüngsten Schwankungen könnten dazu führen, dass sich dieser Effekt nun verstärkt.

Der Deutsche Aktienindex hat die wichtige Unterstützung bei 12.600 Punkten durchbrochen. Aus technischer Sicht sind daher weitere Verluste wahrscheinlich, der Index dürfte bald die Unterstützung bei 12.500 Punkten testen. Hält auch diese nicht, würde dies eine größere Korrektur bis auf mindestens 12.200 Punkten signalisieren.

EZB-Präsident Draghi zeigte sich gestern leicht optimistischer. Die Wirtschaft der Eurozone befinde sich auf einem stabilen Erholungskurs, und auch bei der Inflationsrate sieht der Notenbank-Chef Fortschritte. Wirklich überraschend waren die Kommentare allerdings nicht. Draghi hat sein Bestes getan, seinen insgesamt neutralen Ton beizubehalten.

Die Nachfrage nach der Gemeinschaftswährung bleibt jedoch robust. Während man in den USA die Zinserwartungen deutlich herunterschrauben musste, hat die europäische Wirtschaft die Anleger immer wieder überrascht. Dies dürfte den Euro kurzfristig weiterhin unterstützen.




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Videoausblick: Ungeheuer

Von Markus Fugmann

Da haben die Notenbanken mit der massiven Flutung der Finanzmärkte ein Ungeheuer geschaffen – und jetzt wollen sie es wieder in den Käfig zurück bringen! Mario Draghi hat gestern indirekt angekündigt, dass die Zeit des ultrabilligen Geldes sich dem Ende nähert, die Fed ist (vor allem durch die geplante Reduzierung der Bilanzsumme) sowieso schon auf dem Weg dorthin. Aber kann man ein Ungeheuer zähmen? Kann man kontrolliert die Luft etwa aus den aufgeblasenen Anleihemärkten lassen? Eher nicht. Wenn absehbar die Liquidität entzogen wird durch die Notenbanken, ist das auch für die Aktienmärkte wie den Dax eine schlechte Nachricht. Es sieht so aus, als habe der Dax nun sein Hoch schon gesehen..

Headlines der Aussagen von Janet Yellen

FMW-Redaktion

Vorab: soeben schon einmal eine klare Warnung von Fed-Vize Fischer: die Bewertungen an den Märkten (Aktien und Anleihen) seien extrem:

„Let me conclude my assessment of current financial stability conditions with a discussion of asset valuation pressures. Prices of risky assets have increased in most major asset markets in recent months even as risk-free rates also rose. In equity markets, price-to-earnings ratios now stand in the top quintiles of their historical distributions, while corporate bond spreads are near their post-crisis lows.“

Nun Yellen (in London in einem Gespräch mit einem Moderator bei der British Academy):

– noch hat Yellen nicht begonnen, man sitzt gepflegt in einem britischen Ledersessel..

– bisher noch nichts Konkretes von Yellen, blabla..

– Yellen spricht über Fed-Modelle, wer die Augen offen halten kann, hat gewonnen..

– Yellen sagt, die Fed spreche auch mit Menschen – das überrascht etwas, wenn man sich die Historie von Fehleinschätzungen der letzten Jahrzehnte ansieht; nun erzählt Yellen eine Anekdote, auch das noch..! Eine Late Night-Show wird Yellen nach ihrer Karriere als Notenbankerin wohl nicht moderieren, steht zu vermuten, ihr Unterhaltungswert ist mit dem Wort „mäßig“ maßlos übertrieben!

– Yellen: alle Finanzkrisen haben meist eine Ursache: Banken leihen sich kurzfristig Geld und investieren es in langfrsitigen, tendentiell illiquiden Anlagen

– die Fed versucht, in Sachen Risiken „contrarian“ zu sein, das ist die Lehre aus der Finanzkrise

– Banken sind deutlich widerstandsfähiger, das hat der kürzliche Streßtest der Fed gezeigt

– Yellen: glaube nicht, dass die nächste Finanzkrise noch zu unserer Lebenszeit passieren wird (FMW: ohh, da lehnt sich jemand sehr weit aus dem Fenster!)

– bisher noch keine wirkliche Aussage von Yellen zur aktuellen Geldpolitik der Fed

– der britische Moderator ist scheinbar schlicht zu höflich, um Yellen auf den Punkt zu bringen und zur aktuellen Geldpolitik zu befragen. Yellen erzählt über die Finanzkrsie, viele Banken hätten die Risiken nicht richtig eingeschätzt und ähnliche Tiefsinnigkeiten..

– die US-Aktienmärkte sind scheinbar so gelangweilt von Yellen, dass sie erst einmal nach Süden abtauchen..

– der Dax fällt unter die 12600er-Marke auf X-Dax-Basis – leigt aber nicht an Yellen..sondern: der US-Senat verschiebt Abstimmung über Ersetzung von Obamacare auf Termin nach 04.Juli, daas bedeutet: Trump hat keine Mehrheit für die Gesundheitsreform! Und das wiederum bedeutet, dass auch andere Vorhaben wie Steuersenkungen fragwürdiger werden!

– US-Finanz-Fernsehsender berichten jetzt über die Verschiebung der Abstimmung der Gesundheitsreform, gleich wird der republikanische Mehrheitsführer McConnell eine Pressestatement geben – Yellen ist gewissermaßen offline jetzt..

– der Nasdaq jetzt 1,5% im Minus, die FANG-Party ist gewissermaßen auch offline jetzt!

– Yellen: Zinsen werden längere Zeit niedrig bleiben

– Yellen: Bewertungen an den Märkten „somewhat rich“ – also ziemlich teuer

– Yellen: gehen nach wie vor davon aus. Dass die Phillips-Kurve gültig ist (FMW: also dass die Inflation ansteigt, wenn der US-Arbeitsmarkt sich weiter verbessert; das Problem ist aber der immer stärker werdende Niedriglohnsektor, deshalb gibt es kaum Lohndruck)

– Yellen: wir agieren nicht im Hinblick auf Asset-Preise


Janet Yellen
Foto: Federal Reserve