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Aktien

Die globale Autokrise hier in Zahlen: Noch unterschätzt, aber bei genauem Hingucken sichtbar

Nach konkreten Medienberichten vom Montag hat Ford gestern Abend bestätigt, dass man 10% seiner Mitarbeiter in Nordamerika und Asien entlassen werde. Bis Ende September sollen 1.400 Mitarbeiter…

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FMW-Redaktion

Nach konkreten Medienberichten vom Montag hat Ford gestern Abend bestätigt, dass man 10% seiner Mitarbeiter in Nordamerika und Asien entlassen werde. Bis Ende September sollen 1.400 Mitarbeiter möglichst schon weg sein, vor allem durch Einigungen mit Abfindungspaketen. Man will so drei Milliarden Dollar an Kosten sparen um der Krise im Autoabsatz Herr zu werden. Wir hatten auch schon darüber berichtet, aber die Zeichen mehren sich, dass es nicht nur eine Nachfragekrise ist, sondern ebenso eine Angebotskrise, weil viele Hersteller auf Halde produzieren.


Beispielbild. Foto: IFCAR / Wikipedia Gemeinfrei

 

Man könnte jetzt sagen „gut, Ford entlässt, aber bei den anderen ist nichts zu hören von Entlassungen“. Auf den ersten Blick mag es sein. Aber: GM „beurlaubt“ gerade in einem Werk in Michigan 1.100 Arbeiter für fünf Monate wohl aufgrund zu schwacher Nachfrage. FiatChrysler hat gerade 3.200 Mitarbeiter in Ohio „beurlaubt“ um die Produktion umzurüsten, wie man hört.

Bei GM ist die Halde an produzierten, aber nicht ausgelieferten Autos (Lagerbestände) inzwischen dramatisch angestiegen. Ende April hatte man so viel auf Halde um 100 Tage nur von der Halde leben zu können, wo die Branche eigentlich von idealen Beständen von nur 60 Tagen ausgeht. Die Lagerbestände an Autos bei den Herstellern lagen Ende 2016 sogar noch mal 10% höher als 2015, und werden 2017 aller Wahrscheinlichkeit nach weiter drastisch steigen.

Was bedeutet es, wenn Neufahrzeuge zu lange auf Halde stehen? Wenn die Nachfrage endlich wieder anspringt, müssen diese von Käufern wenig geliebten Autos mit hohen Rabatten losgeschlagen werden. Hauptsache weg damit. Die Autoverkäufe der Massenhersteller in den USA waren von April 2016 auf April 2017 dramatisch zurückgegangen. GM -5,8%, FiatChrysler -7%, Ford -7,1%, Toyota -4,4% und Honda -7%. Ein struktureller Rückgang auf breiter Front.

Im Jahr 2016 wurde in den USA wohl das Peak bei den Autoverkäufen erreicht, sozusagen der Höhepunkt der Blase aus billigen Krediten, langen Kreditlaufzeiten und hohen Rabatten. 17,55 Millionen Autos wurden verkauft, und wie die US-Vereinigung „National Automobile Dealers Association“ schätzt, werden es in 2017 nur noch 17,1 Millionen sein. Und diese Rekorde in 2016 waren nur möglich, weil den Käufern Rabatte auf Rekordniveau angeboten wurden, nämlich 3.900 Dollar pro Fahrzeug oder gut 10% des Kaufpreises im Schnitt. So viel Rabatt gab es zuletzt in der Finanzkrise 2008.

Von den Subprime-Autokrediten (Hochrisiko-Schrottkredite an schlechte Schuldner) waren letztes Jahr 32% dieser Kredite „extrem schlechte Subprime-Kredite“ gegenüber nur 5% in 2010. Die Laufzeit von Autokrediten wurde in den USA zuletzt auf noch nie dagewesene Laufzeiten ausgedehnt. Wohl eine Verzweiflungstat der Kreditgeber um die Raten für die Kunden kleiner machen zu können. Hauptsache der Schuldner fällt nicht aus, so das Motto?

Die Preise für neue Autos in den USA fallen, wodurch die Lücke zu Gebrauchtwagenpreisen kleiner wird. Also werden Neuwagen tendenziell preislich attraktiver. Laut Morgan Stanley bewirkt dies, dass die Gebrauchtwagenanbieter ihre Preise ebenfalls senken um wieder attraktiv zu werden. Was folgt daraus in unserer Logik? Beide, Neuwagenhersteller und Gebrauchtwagenverkäufer machen sich die Margen kaputt. Und es ist ein Zeichen dafür, dass man versucht unbedingt den Absatz am Leben zu halten mit niedrigeren Preisen.

Vor allem in den USA wird ein Phänomen offenbar bislang wenig beachtet: Laut Morgan Stanley führen neue Modelle der Mobilität wie Carsharing etc dazu, dass Autovermietungen, denen es jetzt schon sichtbar schlecht geht, große Stückzahlen ihrer nicht mehr benötigten Gebrauchten in den Markt für Gebrauchtwagen zum Verkauf geben. Das dürfte vermehrt Druck auf die Preise ausüben und zu noch mehr Überangebot führen.

Aber kann es sein, dass all das nur ein US-Phänomen ist mit den rückläufigen Verkäufen? Nein, zuletzt gingen die Verkäufe in Westeuropa um 6,8% zurück auf Jahresbasis, in China um 1,8%. Damit haben wir die Konstellation, dass zum ersten Mal seit Ende der Finanzkrise 2008 die Autoverkäufe in diesen drei großen Wirtschaftsräumen rückläufig sind, und das zum selben Zeitpunkt.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Fritz Vogtländer

    18. Mai 2017 16:46 at 16:46

    Hier holt die Lüge vom immer nötigen Wachstum der Wirtschaft die Hersteller ein. Der Bedarf pegelt sich ganz natürlich auf ein Maß ein. Was darüber hinaus hergestellt wird, landet fehlender Abnehmer wegen auf der Halde. Ökonomischer Irrsinn ist das. Ein Kleinbetrieb kann sich derartige Auswüchse nicht leisten, ohne die eigene Existenz zu ruinieren oder wenigstens zu gefährden.
    Denkt man in diesem Zusammenhang an Schlagworte wie CO², Klima, Energie und Resourcenschonung, springt die Doppelzüngigkeit der Etablierten schonungslos hervor. Wieviele Rohstoffe, Energie und Arbeitsleistung stecken z.B. in einem Auto? Um dieses Auto dann wegen Überproduktion nach einigen Jahren auf Halde zu verschrotten, wie es von Herstellern bereits durchgeführt wird. Wer nun meint, damit wird der Ersatzteilmarkt versorgt, irrt. Hier wird fabrikneuer Schrott erzeugt.
    So kann und darf es mit diesem Raubbau nicht weiter gehen! Nur eine raumorientierte Wirtschaft mit hauptsächlich kleinen Betrieben verhindert solche Auswüchse und hält zudem den Lauf der Arbeit in Gang. Denn Globalisierung ist Gift für die Völker dieser Welt!

    • Sabine

      18. Mai 2017 22:10 at 22:10

      Leider alles wahr. Aber die meisten Leute interessiert es nicht Die sind ja schon beim Thema Asyl überfordert. 10-20% aus echten Krisengebieten. Na und? Leider gibt es keine objektiven Zahlen, (außer in der Schweiz!), sondern nur Betrug und Agression auf beiden Randseiten. Die Masse hockt in der Mitte und freut sich, wenn sie in Ruhe abend TV glotzen kann. Und die Asylanten nicht an der Tür klopfen.
      Die fetten Wohlstandsmenschen können und wollen nicht mehr denken.

  2. Andreas

    18. Mai 2017 19:20 at 19:20

    Grüß Gott,
    vielen Dank für diesen informativen Artikel.
    Ich bitte den Text nochmals Korrektur zu lesen!
    Einen Gebrauchtwagenhersteller gibt es nicht….

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Aktien

Nach Mietpreisbremse-Urteil: Aktien von Deutsche Wohnen und Vonovia ganz düster

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Gestern gab es nach dem Berliner Verbot von Mieterhöhungen für die nächsten fünf Jahre den nächsten Nackenschlag für Vermieter in Deutschland. Das Bundesverfassungsgericht lehnte Beschwerden gegen die Mietpreisbremse ab, die bundesweit gilt, aber von den einzelnen Bundesländern angewendet werden kann, oder eben auch nicht (hier der Infotext des Gerichts).

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Unternehmensdaten oder Sonstiges scheinen am Markt momentan wenig zu interessieren. Betroffen sind natürlich am Ehesten die beiden großen börsennotierten Unternehmen Vonovia und Deutsche Wohnen. Hier sieht man den Vonovia-Chart seit Oktober 2018. Gestern fiel die Aktie deutlich, und heute geht es weiter. Die Aussichten scheinen zumindest erst einmal düster zu sein.

Vonovia Aktie

Die Deutsche Wohnen ist offenbar noch schlimmer betroffen, weil sie laut aktuellsten Daten 70% ihrer Wohnungen in Berlin hat! Im folgenden Chart sieht man die Aktie seit Oktober 2018. Der Chartverlauf in den letzten 10 Monaten ist eindeutig schlechter als der von Vonovia. Tendenz für die beiden Aktien: Schaut man auf das Mieterhöhungsverbot in Berlin + die fast bundesweit geltende Mietpreisbremse, die vom Gesetzgeber ja verschärft wird, dann sind die Aussichten für die beiden Aktien zumindest nach dem momentanen Stand schlecht. Wie weit können sie noch fallen? Oder sind das bald Kaufkurse, weil die Dividendenrendite durch die sinkenden Kurse für Neu-Käufer ansteigt?

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Deutsche Wohnen-Aktie

Vonovia-Zentrale - auch Deutsche Wohnen Aktie sieht mies aus
Vonovia Hauptverwaltung in Bochum. Foto: Laurardnk CC BY-SA 4.0

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Aktien

Banken – schon bald zu Tode reguliert

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Was ist das Problem der Banken in Europa? Klar, die Null- und Negativzinspolitik der EZB macht das Kerngeschäft der Banken kaputt, die Kreditvergabe lohnt sich kaum mehr angesichts der inversen Zinskurven und der damit zu Grabe getragenen Fristentransformation (die Banken leihen sich kurzfristig Geld, um es dann langfristig als Kredit zu vergeben). Wenn eine europäische Bank Geld bei der EZB parkt, zahlt sie dafür Negativzinsen – in den USA wäre das undenkbar!

 

Die Krankheit der Banken – kein Geschätsmodell und die hohen Kosten

Das Geschäftsmodell ist also nicht mehr wirklich vorhanden – und das, zumindest im Falle Deutschlands – während einer Hochkonjunktur. Was erst wird passieren, wenn Deutschland nun tatsächlich in eine Rezession rutscht und damit wieder mehr Firmen pleite gehen und so die Banken dann auch noch Kreditausfälle verkraften müssen?

Erschwerend kommt hinzu, dass die Kostenstruktur vor allem der großen Geldinstitute extrem ungünstig ist: man sitzt auf einer teuren, veralteten und ineffzienten IT-Struktur und kann nur an dem bestehenden System weiter herumdoktern – was aber die Kosten eher weiter ausufern läßt. Dazu kommt noch, dass viele Banker auf lukrativen Verträgen sitzen – also versuchen die Banken, Mitarbeiter zu entlassen, besonders in Deutschland, das „overbanked“ ist.

 

Zu Tode reguliert, weil schuld an der Finanzkrise

 

Aber ein ganz gewaltiger Faktor ist auch die Regulierung, besser gesagt die Überregulierung der Banken in Europa. Da müssen ganze Abteilungen, vor allem aber auch die Vorstände, die sich eigentlich um die strategisch Ausrichtung ihrer Bank kümmern sollten, einen großen Teil ihrer Arbeitszeit für aufsichtsrechtliche Regularien investieren.

Das Ganze erinnert schon fast an Kafkas Roman „Das Schloss“: man verheddert sich gewissermaßen im undurchsichtigen Labyrinth der Autoritäten und ist als Banker per se verdächtig, weil die Finanzinstitute doch die Schuld hätten an der Finanzkrise, so der Volksmund. Und die Politik hat das dankbar aufgenommen – und damit von ihrer Mitverantwortung für das Schlamassel abgelenkt. Gewissermaßen werden die Banken nun bestraft durch eine geradezu absurde Regulierungswut!

Diesen Zusammenhang bringt Professor Hans Peter Burghof, Bankenexperte an der Uni Hohenheim, auf den Punkt. Wenn es so weiter geht, so Burghof, werden wir die Banken bald zu Tode reguliert haben:

 

Die ohnehin angeschlagenen Banken werden in Europa zu Tode reguliert

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Aktien

General Electric mit Kursdebakel – eine gute Kaufgelegenheit?

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General Electric war jahrelang schon genug gebeutelt worden. Der Siemens-Konkurrent in den USA ist immer noch ein gigantischer Mischkonzern, aber die Geschäfte laufen seit geraumer Zeit schlecht. Vor einem Jahr wurde die Aktie von General Electric aus dem Dow 30-Index gestrichen, und durch eine Apothekenkette ersetzt. Was für eine Demütigung für die altehrwürdige GE-Aktie. Dadurch verlor GE enorm an Aufmerksamkeit. Der Vorteil für den Gesamtmarkt aber ist: Fällt GE weiter kräftig in den Keller, kann das den Dow nicht mehr nach unten ziehen.

General Electric mit größerem Betrug als Enron?

Da ist es für die Bullen wohl besser, dass die Aktie von General Electric seit einem Jahr nicht mehr im Dow enthalten ist? Denn im Herbst 2018 rauschte sie gewaltig in den Keller. Und jetzt nach einer langen Phase einer „kleinen“ Erholung rauschte sie gestern erneut nach unten. Alleine gestern verlor die GE-Aktie 1,02 Dollar oder 11,3% an Wert. Grund dafür ist ein Whistleblower, der schon den Madoff-Skandal aufdeckte (größtes Schneeballsystem aller Zeiten).

Der Privatermittler Harry Markopolos behauptet nämlich General Electric habe seine Bücher frisiert. In einer ausführlichen Studie behauptet er GE habe Verluste in Höhe von 38,1 Milliarden Dollar verschleiert. Der Betrug bei General Electric sei ein größerer Fall als Enron. Beobachter erinnern sich noch an diesen gigantischen Skandal, der die US-Börse erschütterte. Sein Team habe sieben Monate lang die Bücher von GE analysiert, so Markopolos.

General Electric Aktie seit September 2018

General Electric weist Vorwürfe zurück- Kaufgelegenheit?

 

In einer offiziellen Stellungnahme weist General Electric die Anschuldigungen als „wertlos“ zurück (hier nachzulesen). Auch würde Markopolos mit einem Hedgefonds zusammenarbeiten, der auf fallende Kurse bei GE setzen würde. Gegenüber dem WSJ sagte Markopolos man würde mit einem nicht genannten Hedgefonds kooperieren. Tja, jetzt dürfte wohl ein Rechtsstreit zwischen beiden Seiten folgen? Eine Schlammschlacht? Fest steht nur: Die Börse ist verunsichert. Ist was dran oder nicht an den Vorwürfen? Ist dieser tiefe Kurs von GE eine Kaufgelegenheit, oder wird die Aktie nun in eine lange Phase der „Abwärts-Lethargie“ eintreten, weil auf lange Zeit niemand weiß, ob die Vorwürfe fundiert sind oder nicht?

Auf lange Sicht gesehen (folgender Chart seit 1997) hängt die Aktie derzeit an ihrem Tief aus dem Jahr 2009. Fällt sie darunter, kann es ganz düster werden. Der Chef von General Electric Larry Culp hat gestern jedenfalls für 2 Millionen Dollar GE-Aktien gekauft – offenbar als Vertrauensbeweis des Chefs in die Aktien des Unternehmens, um die Märkte zu beruhigen. Der Kaufpreis lag bei 7,93 Dollar – also unter dem Tagesschlusskurs von gestern Abend. Da hat er ja schon mal einen kleinen Gewinn erzielt (Scherz).

General Electric Aktie seit 1997
Hier die GE-Aktie seit 1997.

General Electric
GE Gelände in Schenectady, New York. Foto: UpstateNYer CC BY-SA 3.0

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