Die große Verblendung der EZB: Die eigenen Daten zeigen das Scheitern der Kredit-Hoffnungen

FMW-Redaktion

Es war die große Hoffnung der EZB. Wenn man die Milch nur sauer genug macht, verliert das kleine Kind die Lust auf Milch, und hört auf danach zu verlangen. Die Milch ist in diesem Fall die Verzinsung, die die EZB eigentlich immer geboten hatte, wenn Banken überschüssige Gelder einfach bei der EZB parkten. Hat eine Geschäftsbank, Sparkasse oder Volksbank in den eigenen Büchern mehr Kundeneinlagen als sie gleichzeitig an Krediten herausgibt, muss sie überlegen wo sie das Geld unterbringt, damit es Rendite abwirft.


Der EZB-Rat. Foto: EZB

Da war es bisher eigentlich immer das Einfachste, die Überschüsse bei der EZB zu parken. Aber durch das Absenken des Banken-Einlagenzins in den Negativbereich in 2014 bis heute auf -0,40% dachte die EZB wohl, dass die Milch nicht nur sauer, sondern ungenießbar wird. Das sollte eigentlich jeder normale Beobachter auch denken. Die EZB wollte damit erreichen, dass die Banken (nun endlich bitte bitte bitte) die Überschüsse nicht mehr bei ihr parken, sondern doch bitte in die jeweiligen eigenen Volkswirtschaften stecken als zusätzliches Kreditangebot für Unternehmen. Damit sollte die Konjunktur angekurbelt werden, mehr Arbeitsplätze entstehen, mehr Konsum, steigende Preise.

Dass die Inflation derzeit fast ganz ohne Zutun der EZB ansteigt, ist ein eigenes Thema für sich. Aber dass die EZB mit ihrem negativen Einlagenzins brutal scheitert, ist schon regelrecht peinlich. Denn die EZB-Daten selbst zeigen, dass die Banken trotz Negativzins liebend gerne ihre Überschüsse weiter bei der EZB parken. Die „Milch“ wurde durch die EZB laufend saurer gemacht in der Hoffnung das Kind würde endlich davon ablassen. Bis Juli 2012 gab es immerhin noch 0,25% Zinsen durch die EZB für Banken, wenn sie dort ihre Überschüsse parken. Dann blieb man zwei Jahre lang bei 0,00%. Erst im Juni 2014 ging man dann runter auf -0,10%. Von da an ging es in drei weiteren Schritten runter auf -0,40% vor einem Jahr, wo man seitdem ausharrt.

Aber was passierte seitdem? Die Banken in der Eurozone sind vollgesogen mit überschüssigem Geld. Klar, wenn sie unter anderem die Staatsanleihen, die sie normalerweise halten, dank des Anleihekaufprogramms der EZB an diese abtreten und auch Neuemissionen nicht mehr so umfangreich kaufen können, bleibt Cash in den eigenen Büchern hängen. Seit dem entscheidenden Zeitpunkt, nämlich Juni 2014, wo man mit dem EZB-Einlagenzins ins Minus ging, sind die Einlagen bei Banken in der Eurozone laut EZB-Angaben bis jetzt um 802 Milliarden Euro gestiegen. Und jetzt kommt´s. Die Bankeinlagen bei der EZB sind im selben Zeitraum um 1,1 Billionen Euro gestiegen.

Im selben Zeitraum stieg die Kreditvergabe an Unternehmen in der Eurozone (ohne Finanzsektor) um gerade mal 169 Milliarden Euro. Ein lächerlich geringer Betrag bei den Negativzinsen und dem gigantischen Anleihekaufprogramm der EZB in Billionenhöhe! Wie sieht es denn konkret im realen Leben aus? Da kann die EZB noch so viel tun und machen – in Italien ist der Bankensektor einfach chronisch kaputt und überladen mit faulen Krediten. Die Banken können und wollen keine neuen Kredite vergeben an Mittelständler und Kleinstbetriebe. Sie wären froh, wenn sie überhaupt mal ausstehende Kredite zurückerhalten würden. In Deutschland hingegen wüssten die Banken gar nicht wohin mit den Krediten. Der Mittelstand ist bestens versorgt, und wer Kredit braucht, bekam im Großen und Ganzen hierzulande auch vor 2014 schon Kredit bei seiner Hausbank, wenn er eine Investition tätigen wollte.

Gerade die nordeuropäischen Eurozonen-Mitgliedsländer können die Kreditnachfrage ihrer Volkswirtschaften kaum drastisch ausweiten, da man auch vor den EZB-Maßnahmen schon „gut im Saft war“. Südeuropa hat einfach strukturelle Probleme, die in Italien derzeit am Ehesten offen erkennbar sind. So sind die vielleicht von Theoretikern im EZB-Tower gut gemeinten Ideen in der Praxis kaum anwendbar. Vor allem in Südeuropa müsste es erst eine große Bereinigung geben, bevor die dortigen Banken den eigentlich Wunsch der EZB umsetzen können, nämlich endlich frisches Geld in die kleinen und mittelgroßen Unternehmen pumpen.

Aber hat die EZB-Politik denn wirklich gar nichts gebracht? Die Daten zeigen, dass die Kreditvergabe an Unternehmen (ohne Finanzsektor) im Jahr vor dem Start der Negativzinsen um 5% zurückging. In 2015 stieg sie um 0,5%, und in 2016 um 1,4%. Jetzt kann man das natürlich als Erfolg verkaufen. Aber mal ehrlich. Nach einen drastischen Rückgang in Prozenten einen minimalen Anschluss-Anstieg hinzulegen, ist aus statistischer Sicht kein Kunststück. Vor allem hätte bei einem wirklichen Erfolg der EZB-Politik spätestens in 2016 mal ein kräftiger Schub kommen können, zum Beispiel ein Plus von 10% oder 20%.

Das hätte man statistisch als Erfolg vorweisen können. Aber die Fakten sprechen eine andere Sprache, vor allem die vorher genannten Veränderungen bei den Einlagen- und Kreditsummen. Was lernen wir daraus? Die EZB glaubt immer noch mit ihren Maßnahmen eine „europäische Volkswirtschaft“ bestehend aus so vielen verschiedenen einzelnen Staaten lenken zu können. Diese Annahme ist aber falsch, denn diese Einzelstaaten sind in ihrer Struktur und ihren Entwicklungen grundsätzlich verschieden.


Kommentare

Die große Verblendung der EZB: Die eigenen Daten zeigen das Scheitern der Kredit-Hoffnungen — 11 Kommentare

  1. Wer Kredite braucht, bekommt keine. Wer Kredite erhalten würde, braucht keine.
    Gleichzeitig werden Abermilliarden an Spareinlagen und an Altersvorsorge vernichtet.
    Das ist eine brilliante Finanzpolitik.
    Wie lange dauert die Amtsperiode von diesem Hanswursten noch?

    • Der hat eine irre lange Amtszeit von 8 Jahren.
      Bei welchem anderen Amt gibt es das?
      Draghis Zeit endet 2019.

      Aber wenn bei den demnächst anstehenden Wahlen in den verschiedensten Ländern wieder die Altparteien ans Ruder gelassen werden, könnte durchaus der nächste „Hanswursten“ zum EZB-Präsidenten gewählt werden.
      Denn der wird jeweils von den Regierungschefs gewählt.
      Denen haben wir auch Herrn Draghi zu verdanken.

      • Und bei den „Neuparteien“ kämen dann solche Subjekte wie Trump, Erdogan, Le Pen, Petry oder Alexander Gauleiter (oder war es KZ-Leiter)? ans Ruder.

        Ich bin zwar auch kein großer Fan der „Altparteien“, aber jeder EZB-Präsident aus weniger emotionellen Breitengraden würde sicherlich seine Aufgabe deutlich seriöser erledigen als der derzeitige „Hanswurst“. Das wäre schon ganz ok, denn eine politische Überhitzung zusätzlich zu der bestehenden des Finanzmarktes könnte bestenfalls Anarchie und Superreiche mit Immunität weiter fördern.
        Und davon gibt es bereits genug!!!

        • „…jeder EZB-Präsident aus weniger emotionellen Breitengraden würde sicherlich seine Aufgabe deutlich seriöser erledigen…“

          Und wie oder durch wen soll dieser ‚es seriöser Machende‘ ins Amt gewählt werden?
          Im Herbst hat Deutschland evtl einen Regierungschef, der sich vom vorherigen nur dadurch unterscheidet, dass er einen Bart hat.

          Und der ist noch mehr überzeugter Europäer als jeder andere. Er ist jemand, der Deutschland dazu bringen wollte, für die Schulden der anderen Staaten eine Mithaftung zu übernehmen.
          Ich glaube nicht, dass er sich widersetzen würde, wenn von den Südstaaten wieder so ein „Hanswursten“ ins Amt gehievt werden soll.
          Wobei er im Falle ‚alles bleibt beim Alten‘ ja auch der Unterstützung von Frankreich und Niederlande sicher sein könnte.

          Ich fürchte, dass hier der Spruch angebracht ist, ‚einen Tod muss man halt sterben‘.

          Gedanklich dürfen Sie sich einen aussuchen.
          In der Realität haben Sie (und ich) eh nix zu entscheiden. Zumal zwei der von Ihnen genannten Personen, ohne dass Sie und ich es verhindern hätten können, eh schon an der Macht sind

          • Bei den nächsten EZB-Wahlen wird sicher kein Südstaatler mehr so problemlos gewählt werden, zumindest werden sich die mittel- und nordeuropäischen Staaten hier signifikant einbringen (außer Mutti bleibt an der Macht).
            Hier setzen Sie einfach eine These in den Raum, als wäre es eine Tatsache.
            Es heißt übrigens bayerisch korrekt: „…so ein Hanswurst…
            Der Hanswurst, des, dem und den Hanswursten ;)“

  2. Das ganze wirkt schon, aber nicht so wie gedacht. Schäuble bekommt Geld für seine Schulden und die Sparer werden durch Inflation enteignet. Umverteilung von Sparer zu Staat. Sauber!

    • „Schäuble bekommt Geld für seine Schulden…“

      aber sagt:…“…wir sind doch auch nicht glücklich mit der Währungspolitik der EZB, aber leider leider haben wir darauf keinen Einfluß“. Ist diese Aussage wohl geheuchelt oder geheuchelt?

  3. @Lars:
    „Es heißt übrigens bayerisch korrekt: „…so ein Hanswurst…“

    Ich hoffe der @Michael ganz oben liest die Erklärung mit.
    Ich habe den von ihm „kreierten“ Begriff weiter benutzt, um gezielt auf seinen Kommentar antworten zu können. Obwohl auch mir der „Hanswurst“ eher geläufig ist.

    Ansonsten fände ich es für mich persönlich nicht vorteilhaft, wenn, egal ob die Südländer oder auch die Nordländer oder Deutschland selbst, beispielsweise jemanden als neuen Präsidenten vorschlagen würden von der Art der momentanen Bundestagsvizepräsidentin, Frau Roth. Nichtmal sie selbst, nur von der Einstellung her. Bei einer evtl. rotrotgrünen Regierung gäbe es aber von jenem Kaliber schon den einen oder die andere, die an einem EZB-Posten hochgradig Interesse haben dürften.

    Die Parolen „Deutschland verrecke“ und „Nie wieder Deutschland“ bei einer von Frau Roth begleiteten Demo vergesse ich nicht. Und jemand von dem Schlag mag ich nicht. Nicht als neuen EZB-Präsidenten und nicht als sonstwas.

    Bei einer schwarz-roten Koalition gäbe es an den Schaltstellen der Macht vermutlich ein paar Deutschlandhasser weniger. Aber hinsichtlich dieser Konstellation scheue ich als gebranntes Kind das Feuer.

    Sie dürfen das für sich natürlich ganz andersherum sehen.

    • @ gerd
      Michael hat ja geschrieben „von diesem Hanswursten“. Also Dativ, von wem…
      @ Michael
      Auch wenn es grammatikalisch korrekt heißen müsste, „die Amtsperiode des Hanswursten“, also Genitiv 😉
      Aber „Hanswursten“ bleibt“ korrekt, ob Dativ oder Genitiv 😉

      Zum eigentlichen Thema:
      „Deutschland verrecke“ und „Nie wieder Deutschland“, so einen verbalen Dreck verabscheue ich ebenso wie Sie, ebenso wie rechtsradikales und vollkommen sinnfreies Gebrüll wie „Deutschland den Deutschen“ oder „Ausländer raus“.

      Bitte entschuldigen Sie, aber regionale und nationale Politik sind das einzige Thema, das ich bei FMW heraushalten und auf das ich nicht antworten will. Globale Entwicklungen, Philosophie, Soziologie, BWL, VWL und Lotterie an den Börsen (das eigentliche Thema) jederzeit gerne.

      Was Sie an der Eigenschaft „überzeugter Europäer“ so abstoßend finden, kann ich nicht nachvollziehen. Europa ist grundsätzlich eine geniale Idee und sollte nicht wieder durch Separatisten gespalten werden. Es mangelt nur an der Umsetzung, nicht an der Idee…

      Was ich weiß, ist, dass die „draghischen“ Entwicklungen so schnell wie möglich korrigiert werden müssen 😉 Durch vernünftiges Denken und Handeln, nicht durch Wut. Dieser Irre spaltet Europa, treibt Südstaaten gegen Mittel- und Nordeuropa weiter auseinander, als sie es jemals waren.

      • @Lars
        Klasse, gut erklärt. Also bis gestern habe ich von „Hanswursten“ noch nie nicht was gehört.
        Aber ich versuche dazuzulernen.

        Das sollte ich schon deshalb, weil es doch auf der Welt so viele Hanswürste gibt.
        Der eine ist nur ein kleines Würstchen, der andere ist ein Presssack, oder nee ein Sausack. Und der nächste wünscht für sich immer ne Extrawurst.
        Und ich glaube am Draghi, diesem Hanswursten, prallt alle Kritik ab, weil dem eh alles wurst ist. Oder wie Sie korrekt sagen mögen: ‚wurscht’.

        Und weiter:
        „…Politik sind das einzige Thema, das ich bei FMW heraushalten und auf das ich nicht antworten will.“

        Das sei Ihnen sehr gerne zugestanden.

        Ich bitte Sie heute gelegentlich noch mal in den Beitrag ‚ OECD: Finanzmärkte völlig abgekoppelt von Realwirtschaft!’ zu schauen. Da möchte ich noch meine Wurst, eh, meinen Senf dazugeben. Vor lauter Geplänkel auf dieser Seite habe ich meinen halbfertigen Text dazu erst mal beiseite gelegt. Evtl. habe ich ja auch gleich schon ein paar Minuten Zeit, ihn kurzfristig einzustellen

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