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Die tatsächliche Arbeitslosenquote in den USA

Veröffentlicht

am

Von Claudio Kummerfeld

Die offizielle (!!!) US-Arbeitslosenquote im Dezember 2014 lag bei 5,6 %. Das war der niedrigste Stand seit 2008. Bankanalysten jubeln. Endlich hat die Weltwirtschaft wieder eine starke Konjunktur-Lokomotive, nämlich die USA. Aber es lohnt sich genauer hinzuschauen. Viele Journalisten und Institute haben bereits versucht mit eigenen Analysemethoden herauszufinden, wo die Quote tatsächlich liegt. Wir wollten wissen, ob man sogar aus öffentlich zugänglichen Daten der US-Bürokratie erfahren kann, wo die tatsächliche Arbeitslosenquote in den USA liegen könnte.

Neben der offiziellen Arbeitslosenquote führt das „Bureau of Labor Statistics“ (Agentur für Arbeitsmarkt-Statistik) eine parallel berechnete Quote namens „U6“. Während die offizielle Arbeitslosenquote „U3“ im Dezember 2014 bei 5,6 % lag, wurde „U6“-Zahl mit 11,2 % beziffert.

Hier ein Original-Erläuterungstext der Behörde:
NOTE: Persons marginally attached to the labor force are those who currently are neither working nor looking for work but indicate that they want and are available for a job and have looked for work sometime in the past 12 months. Discouraged workers, a subset of the marginally attached, have given a job-market related reason for not currently looking for work. Persons employed part time for economic reasons are those who want and are available for full-time work but have had to settle for a part-time schedule. Updated population controls are introduced annually with the release of January data.
Quelle: Bureau of Labor Statistics

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Die Persons marginally attached to the labor force sind also Arbeitslose, die eigentlich gerne arbeiten würden, in der Vergangenheit hin und wieder nach einem Job gesucht haben, jetzt aktuell aber keinen suchen. Und zack, raus mit denen aus der offiziellen „U3“-Statistik, rein damit in die „U6“. Aus den Augen, aus dem Sinn. Also nochmal: Menschen, die über einen langen Zeitraum keine Arbeit gefunden haben und keinen Anspruch mehr auf staatliche Leistungen haben, werden mangels Leistungsanspruch aus der Statistik gestrichen. Problem gelöst – aber wo ist dann der Sinn der veröffentlichten Berechnungsmethode „U3“? Richtig – sie soll gut aussehen!

Ebenfalls offiziell veröffentlicht, aber nicht öffentlich besprochen, wird die Zahl der sogenannten total not in the labor force, also aller US-Amerikaner, die nicht arbeiten, nicht nach Arbeit suchen oder einfach aus der Statistik fallen, weil sie keinen Anspruch auf staatliche Leistungen mehr haben. Diese Zahl lag im Dezember 2014 bei 93,5 Millionen Menschen. Wenn man von keiner staatlichen Einrichtung mehr Geld bekommt, und keine Hoffnung auf eine Arbeitsvermittlung über eine staatliche Institution hat, warum soll man sich dann dort arbeitslos melden…

Laut aktuellen Berechnungen des alternativen Analyse-Portals „Shadow Government Statistics“ liegt die tatsächliche Arbeitslosenquote in den USA derzeit bei 22 %.

sgs-empQuelle: Shadow Government Statistics

 

Berechnungsmethode „Call Center“

60.000 amerikanische Haushalte werden monatlich angerufen und befragt, ob dort jemand in Lohn und Brot steht. Daraus rechnet man auf die Gesamtbevölkerung hoch und bestimmt die Arbeitslosenquote. Hurra! Hinzu kommt, dass in den USA auch die Zahl der monatlich neu geschaffen Stellen eine enorme Bedeutung hat – diese ist dort fast noch wichtiger als die Quote selbst. Wie diese ermittelt wird? Melden die Arbeitgeber neu geschaffene Stellen an eine zentrale Stelle? Nein – auch hier gibt es eine Umfrage. 150.000 Unternehmen sowie staatliche Institutionen werden befragt, wie viele Menschen dort aktuell beschäftigt sind; daraus errechnet man für die gesamte Volkswirtschaft die Anzahl neu geschaffener Stellen. Auch spielt bei der Errechnung das Lebens- und Sterbemodell der Unternehmen eine Rolle, also wie viele Unternehmen neu gegründet und wie viele geschlossen werden. Man könnte also vorsichtig gesagt von einer „kreativen Schätzung“ sprechen.

Und wir?

Eines darf man nicht außer Acht lassen. Jedes Land inkl. Deutschland schönt seine Arbeitslosen-Statistik wo es nur geht. Wir dürften hierzulande real gesehen auch mehr als offiziell 6,4 % Arbeitslose haben (z.B. Menschen, die in „Maßnahmen“ versteckt werden). Wo liegen wir hier zu Land? Vielleicht bei 8% ? Jedenfalls nicht vergleichbar mit der US-Glaskugel, so meinen wir. Das Ausmaß der amerikanischen Statistik-Kreativität ist erschreckend. Aber für die Politik ist es ein guter Weg Öffentlichkeit und Investoren zu beruhigen.

——————————————————————–

Nachtrag:

In der Zahl „Total not in the labor force“ (1. Spalte „Do not want a job“) werden Gruppen wie Rentner, und vermutlich auch Hausfrauen (und Hausmänner), die sich schlicht und einfach um Kinder und Haushalt kümmern und keine Arbeit suchen/benötigen, und deren Ehepartner arbeiten, mit eingerechnet. Diese Personengruppe kann man in der Tat als „nicht arbeitslos“ bezeichnen. Sonst käme man auf knapp 30% Arbeitslose.

12 Kommentare

12 Comments

  1. Westwood

    28. Januar 2015 17:36 at 17:36

    Nabend!
    Entweder versehe ich es falsch oder in den Zahlen liegt ein Fehler.
    Wenn 93,5 Millionen US Bürger aus der Statistik herausfallen und in den USA ca. 320 Millionen Menschen leben dann sind ja alleine schon über 29% „total not in the labor force“ + 11,2% U6… das kann doch nicht sein!

    Gruß
    Joachim

  2. admin

    28. Januar 2015 18:42 at 18:42

    Hallo Joachim, vielen Dank für den Hinweis, wir haben soeben eine Ergänzung am Ende des Artikels eingefügt um dieses Paradoxon zu erläutern. Es ist davon auszugehen, dass vor allem Hausfrauen (und Hausmänner), die sich schlicht und einfach um Kinder und Haushalt kümmern und keine Arbeit suchen/benötigen, und deren Ehepartner arbeiten, mit in dieser Zahl eingerechnet sind. Sonst käme man in der Tat auf knapp 30%.

  3. Gabi

    29. Januar 2015 08:36 at 08:36

    Hallo zusammen,

    die Statistik hier bei uns ist doch auch nicht anders.
    Es fehlen in den Zahlen nicht nur die Menschen die in den teilweise sinnlosen Kursen sind sondern auch noch
    -Ehegatten, die keinen Anspruch auf Hartz4 haben, da der andere Ehegatte arbeitet.
    -Schüler, die nur auf weiterführende Schulen gehen, da sie noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben.
    -Praktikanten
    -Rentner ab 63, die weiter arbeiten wollten, aber vom AA in die gekürzte Rente geschoben wurden.
    -ABM Maßnahmen
    -soziales Jahr nach dem Studium
    ich denke, wenn man die arbeitssuchende Bevölkerung hier zählen würde, käme man hier auch auf 10%.

  4. Kutte

    29. Januar 2015 12:35 at 12:35

    Ja auch die Amis können was von den Deutschen Lernen, wie man die Arbeitslosenzahlen beschönigt!

  5. cource

    29. Januar 2015 13:54 at 13:54

    inzwischen spielt es keine rolle mehr wie hoch die arbeitslosenzahl ist, weil das priveleg malochen zu dürfen inzwischen höher angesiedelt ist als das dadurch erzielte einkommen–die angst nicht mehr zur workforce zu gehören beraubt dem menschen jeglichen verstand

    • Manga

      29. Januar 2015 18:28 at 18:28

      auch in Deutschland werden die Statistiken gefälscht -die „Bundesagentur“ für Arbeit hat die Rubrik „unterbeschäftigte“ hier fallen alle Arbeitslosen ab 58, In Weiterbildung, krank gemeldete Arbeitose rein-im Dezember waren es offiziell 3,6 Millionen plus offiziell 2,8 Millionen reguäre Arbeitslose. Dann kommt die stille Reserve hinzu es weren wohl 6-8 Millionen sein( aber den Deutschen geht es ja so gut). Von den Menschen die Arbeit haben , arbeiten 25% prekär d.h. im Niedriglohnsektor…..

  6. Hans

    29. Januar 2015 21:47 at 21:47

    Wer an die Bibel glaubt, kann auch diesen Statistiken Glauben schenken.

  7. Max-S

    30. Januar 2015 03:06 at 03:06

    man unterscheidet in D. zw. arbeitslos + erwerbslos. in die offizielle Arbeitslosen-Statistik fließt nur ein, wer als arbeitssuchend registriert ist -> Arbeitslose sind Personen ohne Arbeit, die arbeiten dürfen, können und wollen, Arbeit suchen und deswegen bei einer Agentur für Arbeit bzw. einem Träger der Grundsicherung als Arbeitslose gemeldet sind.

    gleichfalls wird die Statistik seit einigen Jahren gemäß ILO auf alle Erwerbstätigen gerechnet, also inkl. Selbständige, Beamte, Soldaten, geringfügig Beschätigte und nicht wir früher mal nur auf die Vollzeit-Arbeitnehmer.

    2013 gab es z.B. 5,3 Mio. Leistungsbezieher ALGI + II, bezogen auf die Vollzeitbeschäftigten von ca. 24 Mio. wäre das eine Quote von, nun ja, rund 22%.

  8. gmathol

    23. März 2017 05:00 at 05:00

    Man sollte auch die 1044 Beschaeftigungen in den USA mit in die Statistiken einbeziehen koennen, das sind steuerpflichtige sogenannte Gelegenheitsarbeiter oder dauerhafte Selbsstaendige.

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Aktuell: Ursula von der Leyen mit hauchdünner Mehrheit neue EU-Kommissionspräsidentin

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Martin Sonneborn im EU-Parlament über „kenntnisfreie“ von der Leyen und die „verurteilte“ Christine Lagarde

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Es muß ja ein Fest sein für einen Satiriker wie Martin Sonneborn, die Dinge auf politischer Ebene der EU aus der ersten Reihe beobachten zu können. Bekanntlich gelang Sonneborn mit „Die PARTEI“ (deren Bundesvorsitzender er ist) der Wiedereinzug ins EU-Parlament – und das mit deutlich mehr Stimmen als im Jahr 2014 bei der letzten Europawahl.

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Von Ptolusque – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=73580794

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Automatisierung: „Job-Kahlschlag konnte immer kompensiert werden“ – auch dieses Mal?

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Bezogen auf die aktuelle Digitalisierungsdebatte („Wirtschaft 4.0“) erwarten die Forscher, dass auch dieses Mal das Beschäftigungsniveau in Deutschland unterm Strich nicht sinken werde. Man prognostiziere allerdings große Umbrüche. Durch die Digitalisierung würden rund 1,5 Millionen Stellen wegfallen, jedoch in ähnlichem Umfang auch neue entstehen. Dass neu entstehende Arbeitsplätze oft ein anderes Anforderungsniveau aufweisen als die weggefallenen Arbeitsplätze, sei mit ein Grund, dass es immer ein bestimmtes Maß an Mismatch-Arbeitslosigkeit gebe. Qualifizierung sowie professionelle Beratung und Vermittlung seien deshalb von zentraler Bedeutung, damit die Beschäftigten mit den Herausforderungen der Digitalisierung schritthalten könnten, so das IAB.

Tja, wird also alles so „rosig“ weitergehen wie bisher? Die Frage aller Fragen, die niemand im Vorhinein beantworten kann, lautet: Ist die nun beginnende Welle von Automatisierung und Digitalisierung überhaupt zu vergleichen mit dem Strukturwandel in den 70ern und 80ern? Oder werden die Kahlschläge in Unternehmen und ganzen Branchen viel schlimmer als jemals zuvor sein? Schaut man zum Beispiel auf Banken und vor allem Versicherungen, dann werden dort ganze Abteilungen platt gemacht und durch Algorithmen ersetzt, oder ins billigere Ausland verlagert. Können wirklich so viele neue Jobs für App-Entwickler, Software-Ingenieure und E-Auto-Konstrukteure entstehen, wie in „alten“ Industrien wegfallen? Da müssten auch wir raten.

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