Düsseldorfer Hypothekenbank: Bankenpleite auf „Deutsch“

Von Claudio Kummerfeld

Beim gestern verkündeten „Eigentümerwechsel“ bei der Düsseldorfer Hypothekenbank kann man sagen: dies ist eine „Bankenpleite auf Deutsch„. Denn wo andere Länder ihre Banken dicht machen…

Bankenpleite auf Deutsch

Wo andere Ländern ihre Banken dicht machen, siehe hierzu gestern „Banco de Madrid“ in Spanien, da gibt es in Deutschland eine eigene Variante der Bankenpleite. In Deutschland nennt man es bei der Düsseldorfer Hypothekenbank nicht Bankenpleite, sondern Eigentümerwechsel – rein rechtlich stimmt das ja auch. Die Bank meldet keine Insolvenz an, sondern wird einfach vom jetzigen Eigentümer, dem „Private Equity“-Investor „LoneStar“ aus den USA an den „Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken“ verkauft. Aller Voraussicht nach für den symbolischen Betrag von 1 Euro, denn LoneStar (so wie es sich für eine gute Heuschrecke gehört) müsste eigentlich als Eigentümer Geld nachschießen, um „seine“ Bank zu stützen – er will dies aber nicht, was auch sein gutes Recht ist. Jetzt gab es die Alternative „Bankenpleite“ oder „Auffangen durch die anderen Banken“. Man entschied sich für Variante 2. Hierzu das Zitat des Einlagensicherungsfonds:

Die zuständigen Gremien des Bankenverbandes haben heute Nachmittag der Übernahme der Düsseldorfer Hypothekenbank durch den Einlagensicherungsfonds zugestimmt. „Mit der Übernahme ist die Fortführung der Bank im Interesse der Kunden und der Finanzmarktstabilität garantiert“, erklärte Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes.
Die Düsseldorfer Hypothekenbank war durch ihr Engagement in Anleihen der österreichischen Heta Asset Resolution AG in Schwierigkeiten geraten. Der Einlagensicherungsfonds hatte am Wochenende erklärt, die aus dem Engagement entstehenden Risiken abzusichern und für die Anleihen Garantien zu gewähren. Mit dem heutigen Beschluss ist nun der Weg frei, um die Bank vom derzeitigen Eigentümer Lone Star zu übernehmen.

Österreich

Warum ging die Düsseldorfer Hypothekenbank denBach runter? Man besaß Anleihen der legänderen Desaster Bank „Hypo Alpe Adria“ (heute Arbeitstitel „Heta“). Der Zusammenbruch dieser Bank führte letztlich auch zum Zusammenbruch der DüssHyp. Fraglich nur, warum man bis zuletzt im Besitz der Anleihen aus Österreich war. Der österreichische Staat hat verfügt, dass die „Heta“ in den nächsten 14 Monaten keine Anleihen zurückzahlt und auch keine Zinsen – dies gilt bilanziell für die Inhaber der Anleihen sozusagen als Zahlungsausfall des Schuldners und die Anleihe hat damit eigentlich gar keinen Wert mehr – dann hat man selbst ein Problem.

Das Gesicht wahren

Warum letztendlich, so fragt man sich als Außenstehender, retten wir Bankkunden indirekt mit unseren Geldern, die unsere Banken in diesen Bankenfonds zahlen, eine Hypothekenbank, die bis zuletzt Anleihen einer österreichischen Horror-Bank besaß? Warum wird dazu noch eine Heuschrecke wie „LoneStar“ quasi aus seiner Verantwortung als Bankeigentümer „entlassen“ ? Die Antwort: Es geht um die Staatsräson. So wie Angela Merkel auf dem Höhepunkt der Lehman-Krise verkündete „die Einlagen der deutschen Bankkunden sind sicher“, so tut nun auch der deutsche Bankensektor alles dafür, die Illusion eines stabilen Bankensystems aufrecht zu erhalten. Alles muss dafür getan werden, dass in der Tagesschau nichts von dem Wort „Bankenpleite“ auftaucht. Außerdem war die DüssHyp aktiv am deutschen Pfandbriefmarkt tätig, der eine Säule der deutschen Bankenrefinanzierung ist – gerade diesen Markt gilt es mit allen Mitteln zu stützen. Natürlich würde bei der DüssHyp-Pleite nicht gleich ein „Bank run“ stattfinden, also der Sturm der Kleinsparer auf ihre Bankkonten. Aber es geht um das große Ganze. Der deutsche Kleinsparer soll sich gut fühlen – Stabilität MUSS ausgestrahlt werden!

Am Ende kann man es drehen und wenden wie man will – verfolgt man den Geldfluss, so haben letztendlich deutsche Bankkunden bei dieser Bankenpleite einen amerikanischen „Private Equity“-Investor aus der Schusslinie gerettet.


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