Durch EU angeordnet: Banco Popular war gestern pleite, daher Sofort-Verkauf an Santander für 1 Euro – langfristig Parallele zur Dresdner Bank?

FMW-Redaktion

Anscheinend war gestern ein hochdramatischer Tag für das spanische Bankwesen. Die europäische Bankenabwicklungsbehörde „SRB“ schreibt heute offiziell, dass die Banco Popular laut EZB gestern de facto schon pleite war. Daher wurde sofort die SRB eingeschaltet, die Notfallmaßnahmen durchführen kann. Diese hat man dann auch sofort durchgeführt. So hat die SRB die Banco Popular-Aktien nach eigenen Aussagen sofort an die Santander Bank übertragen, für den symbolischen Preis von 1 Euro. Mit Marktwirtschaft hat das nicht mehr viel zu tun, aber aus den offiziellen Aussagen kann man ganz klar erkennen, dass es einem um die Stabilität des Finanzsektors in Spanien ging! Zitat SRB:

Due to its recent stressed liquidity situation, the European Central Bank (ECB) had decided that Banco Popular was “failing or likely to fail” on 6 June 2017 and notified the SRB accordingly.

Today, the Single Resolution Board (SRB) has transferred all shares and capital instruments of Banco Popular Español S.A. (Banco Popular) to Banco Santander S.A (Santander).

The SRB has decided that the sale of business tool for transferring shares to a purchaser meets the resolution objectives and ensures the financial stability in Spain and Portugal, where Banco Popular owns a subsidiary. As a result, the shares, including the entire business of Banco Popular and its subsidiaries, have been transferred to Santander Group as of 7 June 2017. The SRB, by its decision, effectively protects the depositors of Banco Popular and its critical functions to avoid adverse effects on financial stability and the real economy, without using any public funds.

Die Santander bestätigt heute den Kauf für 1 Euro. SRB und EU-Kommission betonen, dass keine staatlichen Hilfsgelder eingesetzt wurden, und dass Kunden der Banco Popular weiter Zugriff auf alle Gelder haben. Der Geschäftsbetrieb der Bank laufe normal weiter. Sofort verkündet Santander auch, dass man selbst eine 7 Milliarden Euro Kapitalerhöhung durchführen wird. Damit wolle man die Kapitalbasis der neuen Tochter Banco Popular stärken. Damit ist von jetzt auf gleich das Problem gelöst. Was hat das zu bedeuten? Hätte die kaputte Banco Popular selbst versucht eine Kapitalerhöhung durchzuführen, hätte man am Markt wohl keinen einzigen Cent bekommen.

Vielleicht hatte man darüber nachgedacht irgendeine krumme EU-Rettungsnummer durchzuführen. Aber wenn die EZB gestern sagt, dass die Bank gestern schon pleite war, musste eine sofortige Lösung her. Durch den Kauf seitens Santander und deren Kapitalerhöhung für die Popular wird das Problem quasi nur verlagert auf die größere Santander. Sicher wird sie wohl das Geld am Markt bekommen, da sie viel größer ist und ein besseres Standing hat. Aber langfristig? Da weiß niemand so genau, ob die 7 Milliarden Euro ausreichen.

Es könnte (das ist von unserer Seite jetzt nur eine wilde Vermutung) so enden wir bei der Dresdner Bank. Unausgesprochen gab es damals freundliche Bitten aus der Politik an die Commerzbank die kaputte Dresdner Bank zu übernehmen. So tat man, wie es gewünscht war. An den Spätfolgen dieser Einverleibung leidet die CoBa noch heute. Der Santander könnte es langfristig ähnlich gehen, wenn (nur mal angenommen) in der Bilanz-Jauchegrube der neuen Tochter immer neue Schrottkredite gefunden werden.

Nur die Aktionäre der Banco Popular, die sind ihre Aktien los, anscheinend zwangsweise. Genau so sind die Inhaber nachrangiger Anleihen ihre Forderungen los, wie es scheint. Die beiden zahlen den Preis. Das folgende Zitat stammt aktuell von der EU-Kommission. Die Bank war anscheinend völlig am Ende, und am freien Markt wollte ihr niemand mehr Geld geben, geschweige denn die Bank kaufen. In diesem Fall greife laut EU die Rettungsdirektive (BRRD) und der hier durchgeführte Notfallplan. Die EZB klassifiziert die Bank als de facto pleite, und der Notverkauf für 1 Euro an einen Konkurrenten wird de facto angeordnet. Das wars…

The Commission has endorsed the resolution scheme because the conditions for resolution were met: the bank was failing, there were no private sector solutions outside of resolution and there were no supervisory actions that would have prevented its failure. Resolution by sale of business is foreseen in the Bank Recovery and Resolution Directive (BRRD) under the EU bank resolution framework. It was the best course of action to ensure the continuity of the important functions performed by the bank and to avoid significant adverse effects on financial stability. In this specific case, losses were fully absorbed by shares and subordinated debt.


Kommentare

Durch EU angeordnet: Banco Popular war gestern pleite, daher Sofort-Verkauf an Santander für 1 Euro – langfristig Parallele zur Dresdner Bank? — 7 Kommentare

    • @Trigo, das ist typisch und schon normal. Bei Paschi war es dasselbe, ein paar Wochen Berichte für das Volk und die Märkte zur Beruhigung(macht alles Papi Staat und Mammi EZB), dann nichts mehr, verschwunden aus den Medien, nicht einmal an der Börse findet man die Bank mehr. Dasselbe mit Alitialia, de facto pleite, wie die obigen Banken, aber man hört nichts mehr. Beruhigend für das Volk, kein Bankenrun, irgendjemand wird sich schon darum kümmern.
      Sowas wie Zypern mit Bail-In war ein Ausrutscher und ist Geschichte, kommt nicht wieder vor.
      Ein „Lehmann“ würde heute niemanden mehr kümmern.

  1. Ja es wird eine ganze Zeit lang mit solch krummen Touren weitergehen. Dass die Manager der EZB inkl. Ihrer Bosse Verbrecher sind muss nicht erst durch solche Nacht- und Nebelaktionen bewiesen werden. Herr Ndranghi ist ja für diese „Späßchen“ mehr als bekannt. Goldman sucks eben.

  2. Pingback: Spanische Banco Popular pleite? EU ordnet Sofortverkauf an

  3. Hat jemand eine Ahnung was mit den Aktionären von Banco Popular geschieht? Als Bankkunde halte ich 3.000 Stück Banco Popular Aktien. Sind die jetzt wertlos? Ich kann doch nicht einfach so enteignet werden? Es gibt bestimmt ja noch viel schlimmere Schicksale und weitaus stärker investierte Kleinanleger.

    • Meines Wissens ist das Geld weg. Siehe EU Regularien.
      Ausnahme ist Monte dei Paschi, die hat eine Sonderstellung. Fragen Sie mich nicht warum.
      „Und man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht“.

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