Euro-Bonds durch die Hintertür

„Ja ist denn jetzt schon Weihnachten“? Die Älteren unter uns erinnern sich sicherlich noch an diesen Werbespruch Franz Beckenbauers für eine Telekommunikationsfirma. Aber während die Annahme, dass Weihnachten nur einmal im Jahr staatfindet, hinreichend belegt ist, scheint das für die Anleihemärkte der Eurozone nicht zu gelten: dort ist derzeit jeden Tag Weihnachten. Das von der EZB installierte Schneeballsystem, das Banken geradezu zum Kauf von Staatsanleihen drängt, nimmt immer groteskere Züge an.

So fielen gestern die Renditen, sprich die Risikoprämien, für Staatsanleihen Portugals, Spaniens, Italiens und Irlands vielfach auf Mehr-Jahrestiefs. Portugals 10-jährige rentierte mit nur 3,66%, das ist der tiefste Stand seit Februar 2006. In Spanien fiel die Rendite sogar fast unter die 3%-Marke – auch das der tiefste Stand seit Februar 2005. Und in Irland erhalten Investoren für eine 10-jährige Staatsanleihe nur noch 2,83% – so wenig wie noch nie, seit Bloomberg diese Daten aufzeichnet, also seit 1991.

Besonders auffällig: selbst in Phasen schwacher Aktienmärkte – sonst eher Basis für die Flucht in sichere Häfen – greifen die Anleger bei Staatsanleihen der Euro-Peripherie beherzt zu. Stellt sich die Frage, warum das so ist. Und die Antwort ist: die Käufer dieser Anleihen halten offenkundig Staatsanleihen von Italien und Konsorten für einen sicheren Hafen. Die Logik: die Staatsanleihen werden durch die EZB garantiert, und die EZB wird durch Staaten wie Deutschland garantiert. Ach, die Welt kann manchmal ja so schön und einfach sein!

Die extrem geringen Risikoprämien machen somit die noch vor kurzer Zeit häufig geforderte Einführung von Euro-Bonds überflüssig: würde etwa die EZB oder auch ein ökonomisch potentes Land wie Deutschland nicht faktisch als Bürge für die Schulden der Euro-Peripherie fungieren, sähen die Risikoprämien für Staatsanleihen der Euro-Peripherie deutlich anders aus als derzeit. Draghis Rettungsschwur aus dem Sommer 2012 ermöglichte gewissermaßen die Etablierung einer Haftungsgemeinschaft, die nun die Einführung von Euro-Bonds überflüssig macht. Es ist sicher kein Zufall, dass die jahrelang besonders von den Südstaaten geforderte Einführung dieser Bonds derzeit überhaupt kein Thema mehr ist.

Aber kann das auf Dauer gut gehen? Natürlich nicht. Die ökonomische Entwicklung der Staaten der Euro-Peripherie jedenfalls ist nach wie vor dramatisch. Selbst der sonst Gelddruckereien nach angelsächsischer Manier aufgeschlossene Spiegel-Kolumnist Wolfgang Münchau weist darauf hin, dass die mickrigen Wachstumszahlen bei Staaten der Euro-Peripherie nur deshalb zustande kommen, weil der Abstieg zuvor so dramatisch war.

Klar: das Schneeball-System kann sich noch eine ganze Weile weiter drehen, die Blase kann noch gigantischer werden. Aber irgendwann überdehnt sich jede Blase – und dann gibt es kein Zurück mehr. Dieses System wird uns noch ganz gehörig um die Ohren fliegen, und dann wird es auch für Deutschland eng..

Was also jetzt tun? Das Beste ist wohl, schlechte Schulden einzutauschen und auf bare Münze zu setzen. Sprich: raus aus Anleihen der Europeripherie, rein in die Qualität. Aber darunter versteht fast jeder etwas anderes – in einer Spanne von Gold bis deutschen Staatsanleihen. Ob diese vermeintlich sicheren Häfen dann bei einem System-Kollaps auch wirklich das halten, was sie versprechen, wird sich dann zeigen. Ich jedenfalls gehe mir jetzt erst einmal einen Schnaps kaufen – Alkohol funktioniert nämlich auch in den bösesten Krisen..

 


Kommentare

Euro-Bonds durch die Hintertür — 4 Kommentare

  1. Kaufen sie aber besser ein paar Flaschen mehr, denn diese
    Krise wird laenger dauern und nichts ist schlimmer, als waehrend der Krise nuechtern zu werden und zu einem klaren Blick auf die Realitaeten gezwungen zu sein.

  2. Pingback: Euro-Bonds durch die Hintertür | Heinrichplatz TV

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