Folgen Sie uns
  • Brokervergleich
  • Giovannie Cicivelli Tradingchancen

Anleihen

Ex-Chefvolkswirt der Deutschen Bank fordert Systemwechsel

Veröffentlicht

am

Thomas Mayer bekleidete von 1983 bis 1990 verschiedene Funktionen beim Internationalen Währungsfonds in Washington, 1991 bis 2002 war er bei Goldman Sachs in Frankfurt und London tätig. Er wurde dann 2010 Chefvolkswirt der Deutschen Bank, 2012 mit Vorstandsvorsitz-Übernahme durch Anshu Jain und Jürgen Fitschen (Verstärkung des Trends zur Investmentbank) war er jedoch auf das Abstellgleis geschoben und bis 2014 nur noch beratend für die Bank tätig. Seitdem baut er für die Vermögensverwaltung Flossbach von Storch in Köln eine Denkfabrik auf.

Sein Buch „Die neue Ordnung des Geldes: Warum wir eine Geldreform brauchen“ ist eine elektrisierende Lektüre. Im Interview mit finanzmarktwelt.de erklärt Thomas Mayer, was schief läuft an den Finanzmärkten mit ihren ökonomisch-mathematischen Predigern. Seine Kritik ist im besten Sinnes des Wortes „radikal“ (an die Wurzel gehend):

1. finanzmarktwelt.de: Herr Mayer, in Ihrem Buch „Die neue Ordnung des Geldes“ sagen Sie, dass Sie die Achtung vor der herkömmlichen Ökonomie-Lehre verloren haben. Wie kam es dazu?

Thomas Mayer: Das gängige makroökonomische Modell – ich nenne es das Neukeynesianisch-neoklassische Fusionsmodell — hat versagt. Die Ökonomen in den Zentralbanken, Universitäten sowie den öffentlichen und privaten Forschungseinrichtungen, die diese Modell zur Analyse laufender Entwicklungen und Prognosen verwendet haben, haben die Finanzkrise nicht kommen sehen. Die moderne Portfoliotheorie, die die Blaupausen für die Kreditverbriefungen lieferte, hat ebenfalls versagt. Mit Hilfe dieser Theorie wurden scheinbar sichere Finanzprodukte gebaut, die sich in der Krise als Giftmüll entpuppten. Dies hätte beinahe zum Zusammenbruch unseres Finanzsystems geführt. Man sollte erwarten, dass diese Ansätze nach der Krise grundlegend in Frage gestellt werden. Das ist nicht geschehen. In den meisten Bereichen geht der Betrieb weiter als sei nichts passiert.

2.finanzmarktwelt.de: Die Politik versucht als Reaktion auf die Finanzkrise die „Zähmung des Systems“, wie Sie es nennen, indem es die Risiken minimiert – durch höhere Eigenkapitalanforderungen für Banken. Damit aber wird die Kreditvergabe weiter erschwert, während die EZB gleichzeitig verzweifelt versucht, diese Kreditvergabe zu stimulieren. Das passt doch nicht zusammen, oder?

Thomas Mayer: Das passt in der Tat nicht zusammen. Nach dem Platzen der Kreditblase ist die natürliche Reaktion aller Betroffenen, die Aufnahme neuer Schulden zu erschweren und (als Schuldner) zu vermeiden. Da aber in unserem Kreditgeldsystem Geld über die Vergabe von Krediten erzeugt wird, schwächelt die Gelderzeugung und damit die gesamtwirtschaftliche Nachfrage, wenn weniger Kredite vergeben werden. Die Politik reagiert auf dieses Dilemma, indem sie mit dem einem Fuß auf dem Kreditgaspedal und mit dem anderen auf der Kreditbremse steht. Das kann natürlich nicht gut gehen. Damit die Verringerung der Verschuldung möglich wird, ohne dass das Geld knapp wird, müssen wir das Geld- vom Kreditsystem trennen.

3. finanzmarktwelt.de: Sie zeigen in Ihrem Buch, dass das angeblich solide Bankengeschäft, das auf den Einlagen der Kunden basiert, faktisch riskanter ist als das auf Spekulation basierende Kapitalmarktgeschäft – und zerstören damit eine der zentralsten Illusionen der Deutschen. Warum ist das so?

Thomas Mayer: Wenn eine Bank einen Kredit vergibt schreibt diese dem Kreditnehmer den Betrag auf seinem Girokonto gut. Kreditvergabe ist also Geldschöpfung. Wenn nun zu viele und viele schlechte Kredite vergeben werden, dann wird ein Teil der Kredite ausfallen. Das mit diesen Krediten geschaffene Geld wird vernichtet, was zu Geldknappheit, Deflation und Wirtschaftskrisen führen kann. Das kann dann, wie bei einem Atomunfall, zu unüberschaubaren Schäden führen. Dagegen bestehen die Aktivitäten am Kapitalmarkt in ihrem Kern in der Vermittlung zwischen Sparern und Investoren. Natürlich können auch da Dinge schief gehen. Aber es kommt nicht zu einer Systemkrise – es sei denn, die Kapitalmarktakteure haben ihre Geschäfte mit Bankkrediten auf Pump finanziert. Dann haben wir es aber wieder mit eine Kredit- und Bankenkrise zu tun.

4.finanzmarktwelt.de: Nach wie vor müssen Banken für den Kauf von Staatsanleihen kein Eigenkapital hinterlegen. Durch die Garantie der EZB fallen nun die Risikoprämien – trotz der immensen Verschuldung der Staaten der Eurozone – von Allzeittief zu Allzeittief. Geht es der Politik und der EZB also faktisch gar nicht um die Minderung der Risiken, sondern eher um die Finanzierbarkeit der immensen Staatsschulden?

Thomas Mayer: Meiner Lesart nach hat die Neuaufstellung der EZB als Kreditgeber der letzten Instanz für Staaten den Charakter des Euro verändert. Im Maastricht Vertrag war es als unpolitisches Geld konzipiert, das den Staaten der EWU nicht als Mittel zur Finanzierung ihrer Schuld zur Verfügung stehen sollte. Der Euro war konzipiert wie Gold, oder „Aktivgeld“, wie ich es nenne. Aktivgeld ist ein Vermögenswert, der in der Bilanz auf der Aktivseite steht. Nun ist er ein Finanzierungsinstrument, das in der Bilanz auf der Passivseite steht. Deshalb nenne ich diese Geldart “Passivgeld“. In der Geschichte haben Staaten immer wieder Passivgeld emittiert, um ihre Ausgaben zu finanzieren. Die EZB ist dabei in einer besonderen Lage: Ihr steht kein einzelner Zentralstaat, sondern 18 souveräne Einzelstaaten gegenüber. Damit kann sie noch leichter zur Beute der Staaten werden, wenn diese mit EZB-Geld ihre Defizite finanzieren wollen.

5. finanzmarktwelt.de: Trotz der Maßnahmen der EZB springt weder die Wirtschaft noch die Kreditvergabe nachhaltig an. Liegt der Fehler im System, also im Wesen des „Passivgeldes“, wie Sie es bezeichnen? Wie sieht ihr Gegenentwurf dazu aus?

Thomas Mayer: Wie ich es oben schon beschrieben habe müssen wir die Geldschöpfung von der Kreditvergabe der Banken trennen. Dann können wir die Geldmenge mäßig und stetig vergrößern, ohne dass sich die Leute verschulden müssen. Geldmengenwachstum und Schuldenabbau sind dann nicht mehr Gegensätze. Im Übrigen halte ich es für ganz gesund, wenn nach übermäßigem Kreditwachstum nun die Kreditmenge – und damit die Schulden – wieder schrumpfen. Wachstum lässt sich auch anders als über Kredit finanzieren, nämlich über Eigenkapital. Das ist wesentlich gesünder für die Wirtschaft.

6.finanzmarktwelt.de: Sie fordern einen freien Wettbewerb von Währungen – also das Ende des Monopols des Euro. Wie könnte das aussehen?

Thomas Mayer: Ich könnte mir vorstellen, dass parallel zum Euro auch andere Währungen in der EWU umlaufen. Stellen Sie sich rein hypothetisch einmal vor, die Bundesbank würde in Konkurrenz zum Euro eine andere Währung anbieten. Würden es sich denn dann nicht die EZB-Politiker sehr gründlich überlegen, ob sie große Kreditsummen an Banken und Staaten vergeben wollen? Die Leute könnten dem Euro gegenüber misstrauisch werden und in die Währung der Bundesbank wechseln. Wenn aber keiner mehr den Euro will würden die EZB-Politiker ihren Job verlieren. Ein bisschen Konkurrenz wäre also ganz gut, um die Abenteuerlust der Zentralbanker zu begrenzen.

7.finanzmarktwelt.de: Sie formulieren: „Im Unterschied zum real existierenden Sozialismus früherer Jahre steuern nun aber die staatlichen Planer nicht mehr die Realwirtschaft, sondern den Finanzsektor“. Politik und EZB aber wirken immer ratloser – die Maßnahmen greifen einfach nicht. Sie hoffen, dass die einsetzende Desillusionierung ohne gewalttätige Revolution vonstatten geht. Worauf gründet Ihr Optimismus?

Thomas Mayer: Ich denke, wir sind eine Finanzkrise entfernt von einem Systemwechsel. Wenn schon alles wieder gut liefe, müssten wir uns über den Systemwechsel keine Gedanken machen. Aber dem ist nicht so. Die Krise ist angehalten, aber nicht überwunden worden. Wenn sie wieder ausbricht könnten wir die grundlegenden Systemänderungen machen – wenn wir uns in einer breiten Diskussion darauf vorbereitet haben. Wenn wir allerdings die Köpfe weiter in den Sand stecken, dann kann uns der erneute Ausbruch der Krise zu unbedachten und höchst kostspieligen Reaktionen bringen.

8.finanzmarktwelt.de: Gleichwohl ist Ihr neues Buch „revolutionär“, weil es die Abschaffung des bestehenden Geldsystems fordert. Hat Ihr Abschied von der herkömmlichen Lehre auch dazu geführt, dass Sie sich sagten: „Ich kann nicht für eine Bank arbeiten, die das herkömmliche System maßgeblich repräsentiert?“

Thomas Mayer: Aus meiner Sicht wäre es sehr wünschenswert, wenn die Bankenindustrie selbst sich grundlegende Gedanken über ihre Betriebssystem machen würde und zu Vorschlägen zur Behebung von Systemfehlern maßgeblich beitragen würde. Aber ich bin ein sehr naiver Mensch.

5 Kommentare

5 Comments

  1. Martin Ebner

    14. Oktober 2014 12:26 at 12:26

    Eine Möglichkeit, „die Geldschöpfung von der Kreditvergabe der Banken zu trennen“, wäre wohl „Vollgeld“, wie es in der Schweiz gerade von einer Referendumsinitiative angestrebt wird.
    ( http://martin-ebner.net/topics/money/vollgeld/ )

  2. Michael E.

    14. Oktober 2014 20:37 at 20:37

  3. Franz Hörmann

    18. Oktober 2014 11:25 at 11:25

    Eine Weiterentwicklung des Vollgeldes, wobei nicht mehr getauscht sondern kooperiert wird und „Geld“ eine wertlose Maßeinheit für menschliche Leistung darstellt, die bei Leistungserbringung „eingebucht“ und bei Konsum „ausgebucht“ – also nicht mehr weitergegeben und „getauscht“ wird – wurde mit Informationsgeld erschaffen: http://www.informationsgeld.info.

  4. Detlef Bosau

    18. Oktober 2014 11:42 at 11:42

    Hat Mayer am Ende wirklich von „Betriebssystem“ gesprochen? Es scheint ein Teil unserer spätrömischen Dekadenz, um nicht zu sagen: der kollektiven Frührentnerdemenz zu sein, überall Begriffe aus der Informatik reinzurühren um sich wichtig zu machen.

    Sowas ist trotzdem ein Kategorienfehler und als solcher nicht verzeichlich.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Anleihen

30 Jahre laufende Bundesanleihe: Emissionsrendite halbiert sich

Veröffentlicht

am

Von

An dieser Stelle erstmal ein Blick auf den laufenden Anleihemarkt. Die wichtigste Laufzeit bei Anleihen, nämlich 10 Jahre, rutscht immer weiter ins Minus. Unglaublich. Die Rendite für die zehnjährige deutsche Bundesanleihe liegt aktuell bei -0,29%. Gestern wurde das Tief bei -0,32% erreicht. Einfach unglaublich. So eine fette Negativrendite, und das bei 10 Jahren Laufzeit!

Bundesanleihe 10 Jahre Laufzeit Rendite
Chart: Investing.com

Diese Negativrendite zeigt, wie sehr der Anleihemarkt derzeit an eine stetige Verschlechterung der Konjunktur glaubt. Mario Draghi befeuerte diese Sichtweise gestern natürlich noch. Heute nun hat der deutsche Staat eine 30 Jahre laufende Bundesanleihe herausgegeben. 1 Milliarde Euro wollte der Bund heute neu aufnehmen, bei einer Nachfrage von 1,36 Milliarden Euro. In der folgenden Grafik sieht man das Renditegefälle bei dieser Emissionsserie, die im Jahr 2014 startete.

Die letzte 30 Jahre laufende Bundesanleihe hatte Deutschland im Mai emittiert mit einer Rendite von 0,53%. Bezüglich der heutigen Emissionsserie lag die letzte Emission im Februar bei +0,72%. Heute nun liegt sie bei nur noch 0,26%. Somit hat sich die Emissionsrendite innerhalb eines Monats halbiert! 0,26% Rendite für 30 Jahre Laufzeit. Unglaublich. Die Institutionellen Trader an Anleihemarkt machen gutes Geld mit immer weiter steigenden Anleihekursen (Automatismus: Rendite fällt = Kurs steigt). Und auch der deutsche Staat freut sich über jede Menge Ersparnis beim Aufnehmen neuer Schulden! Die Zeche zahlt am Ende (wie immer?) der Kleinanleger. Das Geld fehlt als Ertrag in den Pensionskassen, Investmentfonds etc.

Bundesanleihe Renditeübersicht

weiterlesen

Anleihen

Die doppelte Falle für die EZB – auf in den Negativ-Leitzins?

Veröffentlicht

am

Wie oft haben Kommentatoren, Analysten und Ökonomen in den letzten Jahren und Monaten schon darauf hingewiesen. Auch wir Kleingeistigen bei FMW mit unserer bescheidenen Reichweite. Aber wie es zu erwarten war, ist die EZB in ihrem extraterritorialen Turm (Tatsache, der EZB-Tower ist kein deutsches Staatsgebiet) stur, und bleibt bei ihrer Politik. Noch. Die Zinsen sind seit Jahren auf Null. Und trotz gut laufender Konjunktur in Euroland hat sie sich geweigert die Zinsen anzuheben, oder die Halde der gekauften Anleihen (immerhin 2,6 Billionen Euro) abzubauen.

EZB
Ein echtes Problem für die EZB. Grafik: DonkeyHotey – Planet of the Euros – Cartoon CC BY 2.0

Die doppelte Falle für die EZB

Einerseits rauscht die Konjunktur in Euroland gerade kräftig den Bach runter. Egal ob Italien (jüngste Daten vom Freitag) oder Deutschland (Meldung vor 10 Tagen). Die Industriedaten sind düster. Würde die EZB die Zinsen erhöhen, wäre das extremst negativ, und diese konjunkturelle Abwärtsentwicklung würde sich wohl noch verschlimmern. Aber die EZB sagte ja sowieso erst letzte Woche, dass die Zinsen noch bis mindestens Mitte 2020 im Keller bleiben. Wahrscheinlich wohl noch viel länger! Und zur schlechten Konjunkturlage kommt noch hinzu, dass die Inflation in der Eurozone kräftig zurück fällt auf zuletzt nur noch 1,2%. Ein Rückfall von 0,5 Prozentpunkten in nur einem Monat. Schlimmer noch: Die aktuellsten Inflationserwartungen für die Eurozone (5y5y Swaps) fallen auf aktuell 1,13%. Das ist ein Allzeittief! Der folgende Langfristchart, der bis 2015 zurückreicht, zeigt in gelb den Absturz der Erwartungen. Auch diese langfristig extrem schwachen Inflationserwartungen machen eine Zinswende unmöglich.

Zinsen kräftig ins Negative?

Das Problem dabei ist: Um die Konjunktur in Euroland neu zu stimulieren, was will die EZB dafür tun? Will sie vielleicht den Leitzins von 0% auf -2% oder -5% senken? Und den Banken-Einlagezins vielleicht von -0,4% auf -2% senken? Was für ein Wahnsinn wäre das. Die Verzerrungen am Kapitalmarkt würden dramatisch zunehmen. Es ist (eigentlich) kaum vorstellbar, dass die EZB tief ins Minus geht beim Leitzins. Denn an den Effekt abgeschaffter Zinsen scheint sich der Markt schon so sehr gewöhnt zu haben, dass ein weiterer Zins-Stimulus in den Negativbereich wohl kaum noch einen gewünschten Effekt bringt. Aber die negativen Folgen würden trotzdem spürbar werden. Noch mehr Aktienblase, noch mehr Immo-Blase, noch mehr reale Wertverluste für Sparer, Lebensversicherungen uvm.

Benoît Cœuré macht recht klare Andeutungen

EZB-Vizepräsident Luis de Guindos hat am Wochenende der italienischen Corriere della Sera ein Interview gegeben. Hierbei ging es unter anderem genau um das Thema Inflation. de Guindos gab sich relativ entspannt. Aber heute wurde der wohl wichtigere EZB-Funktionär Benoît Cœuré von der FT interviewt. Auch er wurde zur Inflation gefragt, und ob die EZB ihre Politik genau wie die Fed überdenken sollte. Dazu möchten wir sagen: Die Fed hat ja Luft für Zinssenkungen, die EZB eigentlich nicht. Es sei dann man geht halt drastisch ins Negative. Geantwortet hat er wie folgt (ins Deutsche übersetzt):

Ich neige dazu zu denken, dass wir im Moment dringendere Probleme haben, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass wir es irgendwann trotzdem tun werden. Nachdem wir unser Spektrum der geldpolitischen Instrumente sehr stark erweitert haben und viel aus der Krise gelernt haben, erwarte ich, dass wir irgendwann einmal eine Bestandsaufnahme dieser Erfahrungen machen und unsere geldpolitische Strategie überprüfen müssen, wer auch immer der nächste EZB-Präsident ist. Aber ich würde davon abraten, dies stückweise zu tun. Die Definition der Preisstabilität ist natürlich eine wichtige Dimension, aber sie ist nicht die einzige. Man muss sich auch fragen, welche Instrumente gut und welche weniger gut funktioniert haben. Sie müssen über die strukturellen Veränderungen in unserer Wirtschaft nachdenken – Technologie, Globalisierung, Service -, die uns von unseren Zielen abgehalten haben. Mit Blick auf die Zukunft wird der Klimawandel vielleicht auch eine weitere wichtige Sache sein.


Werbung: Trade.com bietet einen der geringsten Spredas aller CFD-Broker beim Germany 30 CFD. Vollständiger Kunden-Support in deutscher Sprache! Und wir bieten Ihnen ein umfangreiches und kostenloses Ausbildungspaket für Ihr zukünftiges Trading. Mehr dazu erfahren Sie beim Klick an dieser Stelle.

Coeure sagt auch, dass sich die Risiken in den nächsten Monaten in der Realwirtschaft zeigen können. Die Preise am Anleihemarkt würden derzeit ein sehr trostloses Bild von der globalen Konjunktur zeichnen. Und man habe Instrumente. Die EZB könne ihre Leitlinien ändern. Sie könne aber auch die Zinsen senken oder das QE (Staatsanleihen-Käufe) wieder ankurbeln, so Coeure. Die Frage sei, welches Instrument oder welche Kombination von Instrumenten derzeit am besten geeignet seien. Diese Diskussion habe gerade erst begonne, so seine Worte. Also, da kommt was auf uns alle zu. Tiefere Zinsen, also Negativzinsen auch beim Leitzins, und nicht nur beim Banken-Einlagezins?

weiterlesen

Anleihen

Marktüberblick zum Wochenende: Glaubt die Börse dem US-Militär nicht?

Veröffentlicht

am

Das aktuell beherrschende Thema an der Börse ist der Angriff auf zwei Öltanker im Golf von Oman. Wer war es, was ist da passiert? Die USA haben ziemlich schnell ein Video hervorgezaubert, auf dem angeblich zu sehen sei, wie iranische Soldaten auf einem Schnellboot eine Haftmine von einem Öltanker entfernen, weil sie nicht explodiert war. Aber den späteren erfolgreichen Angriff auf den Öltanker zeigt das Video nicht. Ob es der Iran war? Vielleicht ja, vielleicht nein. Oder vielleicht auch iranische Kommandeure, die auf eigene Faust handeln?

Wie auch immer. Wenn man sich heute die Marktreaktionen anschaut, dann darf die Frage erlaubt sein: Glaub die Börse dem US-Militär nicht? Glaubt man an ein Fake-Video? Oder ist den meisten einfach klar, dass dieses Video ja nun mal keinerlei Angriff auf den Öltanker zeigt, und dass es von daher keinen Beweis für einen Angriff durch den Iran gibt? Wir halten uns bei einer konkreten Bewertung raus, und können nur Fragen stellen. Das Problem für die USA ist wohl, dass ihre Seriosität in Sachen Beweislieferung seit den Fake-Beweisen für den Irak-Krieg im Jahr 2003 im Eimer ist.

Der Aktienmarkt jedenfalls reagierte von gestern bis heute überhaupt nicht ängstlich auf diese mögliche Krise. Der Dow ist seit gestern früh bis jetzt um 70 Punkte gestiegen, der Dax notiert exakt +-0 seit Bekanntwerden der „Tanker-Krise“. Im folgenden Chart haben wir Dax und Dow übereinander gelegt und das Bekanntwerden der Angriffe eingekreist.

Dax und Dow

Und der Devisenmarkt? Im folgenden Chart schauen wir mal auf Euro vs USD. Links eingekreist haben wir eine winzige, ganz kurze Reaktion zum Tanker-Angriff. Sie ist aber eigentlich nicht mal erwähnenswert. Denn danach lief EURUSD mehr als 24 Stunden fast seitwärts. Erst heute (Pfeile) kam durch die Konjunkturdaten in den USA ein klein wenig Bewegung in den Markt, und der Dollar wertete gegen den Euro ein wenig auf.

Euro vs USD

Und sonst? Die Zeichen für eine Konjunktureintrübung mehren sich. Russland hat heute seinen Leitzins gesenkt, und will wohl bald weiter senken. Der Grund: Die Wirtschaft laufe schwächer als bislang gedacht. Die Internationale Energie-Agentur spricht heute von nachlassender Öl-Nachfrage. Dass die Institutionellen Anleger auch eine weitere Verschlechterung der Konjunktur erwarten, sehen wir am Ehesten im Anleihemarkt. Die extrem wichtige und auch international stark beachtete deutsche Bundesanleihe (10 Jahre Laufzeit) weist heute eine weiter fallende Rendite auf. Sie fiel heute im Tief auf -0,269%. Einfach unglaublich. Zum Jahresanfang 2019 lag die Rendite noch mit 0,25% im Plus.

Rendite 10 Jahre Bund

Gold

Wohl die Kombination aus dem Konjunkturabschwung, Handelskrieg und den Tanker-Angriffen lässt Gold spürbar steigen. Viele Analysten sind der Meinung, dass mehr Potenzial auf der Aufwärtsseite vorhanden ist. Wie wir es heute früh schon sagten. Nach dem Überschreiten des Hochpunkts bei 1.346 Dollar aus Februar ist der Weg charttechnisch nach oben erstmal frei. Heute stieg Gold bis auf 1.358 Dollar. Bis jetzt kam es wieder zurück auf 1.348 Dollar. Also: Die Flucht in die Sicherheit ist im Gold erkennbar, aber aktuell hat die Angst auch wieder abgenommen. Aber Handelskrieg, Tanker und Co bieten wohl auch nächste Woche die Möglichkeit für einen steigenden Goldpreis.


Werbung: Trade.com bietet einen der geringsten Spredas aller CFD-Broker beim Germany 30 CFD. Vollständiger Kunden-Support in deutscher Sprache! Und wir bieten Ihnen ein umfangreiches und kostenloses Ausbildungspaket für Ihr zukünftiges Trading. Mehr dazu erfahren Sie beim Klick an dieser Stelle.

Gold

Öl

Und das liebe Öl? Wenigstens hier hat man den USA geglaubt, und jagt den Ölpreis gnadenlos nach oben, weil ein Krieg zwischen Saudis und USA gegen den Iran bevor steht? Offensichtlich glauben auch die Termintrader am Ölmarkt nicht so richtig an die große Kriegsangst für die Region. Zwar reagierte der Ölpreis gestern mit gut 2 Dollar nach oben. Im Chart haben wir den Anstieg eingezeichnet. Aber danach folgte bis jetzt erstmal eine Seitwärtsphase. Wie es weiter geht? Ganz schwer zu sagen. Natürlich kann die Lage weiter eskalieren, und Öl schießt weiter nach oben. Aber die Erfahrung der letzten Jahrzehnte zeigt eine kurze Halbwertzeit für solche Zwischenfälle. Möglich ist, dass sich der Ölmarkt in den nächsten Tagen wieder der globalen Konjunkturschwäche und der damit einhergehenden Nachfrageschwäche widmet. Das würde natürlich auf einen fallenden Ölpreis deuten.

Öl

weiterlesen
Bitte abonnieren Sie unseren Newsletter.


Anmeldestatus

Meist gelesen 30 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen