Folgen Sie uns
  • Club der Trader
  • Börsenseminar
  • marketsx

Allgemein

Goldpreis und Lösung der Krise

Veröffentlicht

am

Ein Gastbeitrag von Ralf Ernst

Wie sie alle heißen: Krugman, Friedman, Roubini, Hajek, Keynes … sie alle haben etwas gemeinsam: Sie reden alle schlau daher, einige haben sogar den Nobelpreis, aber ihre Ideen sind ziemlich unbrauchbar.

Keiner von ihnen scheint an einen Adam Smith oder Thomas Hobbes heranzureichen. Sie widersprechen sich, sind rechthaberisch und haben trotz all ihrer Wissenschaft keine Konzepte anzubieten. Ihre Schüler können sich trefflich die Köpfe heißreden, sich einander widersprechen, aber nichts Brauchbares kommt heraus. Die gesamte Zunft der Wirtschaftswissenschaften scheint sich in einer Krise zu befinden. Diese Wissenschaft befindet sich da, wo sich einst die Medizin bei ihren heißen Diskussionen um Körpersäfte und Blutkreislauf befand – im Mittelalter. Ihre Heilmittel für die gegenwärtigen Probleme sind Rosenkugeln und Aderlass.
Aufgrund offenbar fehlenden Sachverstands und Einsicht in Zusammenhänge reiht sich in der Menschheitsgeschichte ganz offensichtlich weiterhin Krise an Krise. Schlimmer kann es also kaum kommen – warum nicht einfach selbst nachdenken? Krösus hatte auch nicht Wirtschaftswissenschaften studiert, dennoch hat sich seine Idee eines auf Gold basierenden Zahlungs- und Geldwesens bis heute erhalten.

Keine andere Währung hat geschafft was Gold schaffte: Über die Zeit von Jahrhunderten, womöglich Jahrtausenden, und in allen Kulturen wertgeschätzt gewesen zu sein, damit tauschen und bezahlen zu können und Wert zu speichern. Welche Prägung Goldmünzen je hatten, spielte für ihren Wert keine Rolle, sondern nur Feinheitsgrad und Gewicht. Im Prinzip könnte jeder sich seine eigenen Goldmünzen prägen und damit überall auf der Welt bezahlen oder Wert speichern, oder seine Privatmünzen an seine Nachkommen vererben. Wenn er seine Münzen heimlich vergräbt, fällt nicht mal Erbschaftssteuer an, und sie werden auch nicht enteignet.
Das schaffte man zu keiner Zeit mit Immobilien, Währungen, Landbesitz, Muscheln, eingeschränkt allenfalls mit Kunstwerken, Perlen und Edelsteinen.
Mit dem was man zum Leben braucht könnte man theoretisch auch Wert speichern, diese Güter sind aber vergänglich. Im Altertum war Salz eine Geldwährung, und in Ägypten gab es Kornkammern als Wertspeicher. Versucht wurde es also auch damit, mit Gold klappte es aber besser. Heute laufen neue Versuche mit Kryptowährungen, ob sie sich als Gold überlegen erweisen, bleibt abzuwarten.

Über Jahrhunderte blieb es in etwa gleich, was man sich für 1 Unze Gold kaufen konnte – wer vor 1000 Jahren in Gold gemessen wohlhabend oder reich war, wäre es heute mit Besitz derselben Menge Goldes auch. Allerdings schwankte Gold in seiner Bewertung ausgedrückt in US – $ des Jahres 2015 zwischen etwas unter 200 Dollar 1970 bis deutlich über 2000 Dollar im 14. bis 15. Jahrhundert und davor. In den letzten 500 Jahren schwankte 1 Unze Gold im Mittel um etwa 500 US-$ (2015), gemessen an seiner Kaufkraft für das was man zum Leben brauchte. An den größten Spekulationsblasen wie Tulpenhausse oder South See Bubble hatte Gold keinen Anteil, dass etwa der Goldpreis gestiegen wäre, um sich mehr Tulpen in der Tulpenhausse kaufen zu können. Möglicherweise befand sich Gold – als einzige Ausnahme – in den Endsiebzigern bis 1980 selbst in einer Blase. Es steigt aber nicht mit, wenn sich in anderen Bereichen Blasen bilden.

Dementsprechend ist Gold heute trotz Gelddrucken, Blase an den Anleihemärkten, menschheitsgeschichtliches Verschuldungsallzeithoch, nicht gestiegen, um sich etwa mehr Schuldderivate oder Staatsanleihen kaufen zu können. Es wird derzeit oft behauptet, Gold könnte wegen des Gelddruckens nur steigen – was so falsch ist wie, dass Gold hätte steigen müssen, weil Tulpenzwiebeln so teuer geworden waren. Gold war empirisch gesehen immer mit den zeitgenössischen Lebenshaltungskosten verknüpft.
Derzeit notiert 1 Unze Gold trotz des Absturzes vom Hoch von 2010 $ (2015) im Jahr 2011 immer noch etwa auf dem Niveau der doppelten Kaufkraft für das Lebensnotwendige gemessen am historischen Durchschnitt der letzten 500 Jahre. Die Produktionskosten für neu gefördertes Gold liegen durchschnittlich aber derzeit immer noch auf dem Niveau des aktuellen Preises (in der Spitze lagen die AISC bei über 1700 US-$) trotz größter Kostenkürzungsanstrengungen – ein Paradoxon?

Die Erklärung dafür ist womöglich, dass das was wir in westlichen Industrieländern für das Lebensnotwendige tagtäglich konsumieren, von uns nicht mehr bezahlt werden könnte, würden wir selbst für die Herstellung dieser Güter arbeiten müssen. Wir lassen andere in der dritten Welt für die Herstellung von Kleidung oder Anbau von Nahrungsmitteln arbeiten, deren Arbeit weniger kostet als dieselbe Arbeit bei uns, oder sind auf Vollautomatisierung per Maschinen und Roboter umgestiegen. Solange die Globalisierung das hergibt, staut sich Inflation zurück, und die relative Kaufkraft des selbst in Dritte Welt – Ländern nicht billiger produzierbaren Goldes ist etwa doppelt so hoch wie im historischen Durchschnitt. Dabei ist alles Spitz auf Knopf: Um über die Runden zu kommen, muss auch in westlichen Industrieländern bis zur Erschöpfung gearbeitet werden, und oft reicht ein Job zum Leben nicht mehr aus. Die Güter des täglichen Lebens dürften kaum noch teurer sein, weil sie sich sonst nicht mehr genug Leute leisten könnten. Das Lohnniveau ist dort bis zum Anschlag nach unten gedrückt, und die Steuerlast wegen Rekordstaatsverschuldung bis zum Anschlag nach oben ausgereizt.
Dies trifft jedenfalls für die Masse der Menschen zu. Eine Minderheit ist hingegen sehr gutgestellt, weil sie unabhängig von Arbeit oder durch sehr gut bezahlte Arbeit vermögend ist.

Check:

1970 war Gold historisch am billigsten, im 13. bis 14. Jahrhundert am teuersten, im Jahr 2011 wieder sehr teuer. Wann ging es den Leuten zu diesen Zeiten besser oder schlechter?
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Goldpreis#/media/Datei:Historico_ouro.gif

Gold realer Preis

1350 bis 1450 gab es in Europa Hungerkatastrophen und durch Kriege und Seuchen ausgelöste Bevölkerungsdezimierungen. 1970 konnte in den USA und in Europa das Einkommen des Mannes eine Familie mit durchschnittlich 2 Kindern allein ernähren und der Lebensstandard war hoch. Unzweifelhaft erreichte man 1970 in den westlichen Industrieländern den höchsten zivilisatorischen Wohlstand der Menschheitsgeschichte, der nie wieder, davor oder danach, erreicht wurde, betrachtet man das Durchschnittsniveau der Masse der Bevölkerung. Für seine Arbeit konnte man sich viel kaufen, was man notwendig zum Leben brauchte, auch viel Gold.

Deutschland konnte sich in dieser Zeit hoch bewerteter Arbeit nach dem Krieg bis 1970 seinen Goldschatz von über 3000 t erarbeiten und hatte keine Staatsschulden.
Es gab sicher zusätzliche Einflußfaktoren wie Vollbeschäftigung oder Depressionen. 1929 – 1933 lag der reale Goldpreis mit ca. 300 US $ (2015) niedrig, Arbeit stand also hoch im Kurs, aber sehr viele hatten keine – hätte man Arbeit gehabt, hätte sie einen aber ausreichend ernährt (damals gab es keinerlei Wohlfahrtsstaat, d.h. keinerlei staatsschuldenfinanzierte Subventionierung der Arbeit wie heute, die Arbeit trug sich selbst), deshalb niedriger realer Goldpreis (= hoher Wert von Arbeit) in dieser Zeit trotz Armut bei vielen. Heute haben viele keine Arbeit, aber die die welche haben können sich davon immer öfter ohne staatliche Subventionierung nicht mehr über die Runden bringen, und Arbeit ist staatsschuldensubventioniert (= Entwertung von Arbeit). Das Wohlfahrtsstaatphänomen gibt es erst seit der Gegenwart, von daher stellte der reale Goldpreis früher in der Geschichte direkter das Niveau des Wertes von Arbeit und des Wohlstands dar. Über Massenarbeitslosigkeit in historischen Epochen ist nichts überliefert, früher haben Menschen grundsätzlich immer gearbeitet (Ausnahme: Bettler), konnten aber zeitweise von ihrer Arbeit nicht leben (Hungersnöte, Auswanderungswellen).

Das Gold konnte vor 1971 immer wirtschaftlich gewonnen werden, weil der Wert der Arbeit auf dem Niveau der Lebenshaltung lag, und der Goldpreis trotz Fixierung („Goldstandard“) des Dollars auf 35 $/Unze nicht übertrieben nach unten manipuliert war.

2011 muss es demzufolge den meisten Menschen in den westlichen Industrieländern schlechter als 1970 gegangen sein, teilweise kompensiert durch Hinterlassenschaften der Elterngeneration. Jedenfalls konnte man sich für seine Arbeit wenig zur Lebenshaltung und wenig Gold kaufen, etwa auf dem Niveau von 1450, man musste für wenig sehr viel arbeiten, und es reichte trotzdem nicht, weshalb in den USA und in Westeuropa zunehmend mehr Menschen mehrere Jobs gleichzeitig haben, viele in Deutschland „Minijobs“, in Südeuropa viele junge Menschen gar keine Jobs haben und noch auf Kosten der Eltern leben müssen, und bei denen die Arbeit haben in der Regel beide Partner arbeiten müssen, um trotzdem nur eher schlecht als recht über die Runden zu kommen. Oftmals musste trotz Doppelverdienst noch durch Sozialtransfers zu Lasten steigender Staatsverschuldung „aufgestockt“ werden, und ein Heer von Arbeitslosen lebt allein von staatlicher Zuwendung, Hartz IV, Frührente, Arbeitslosengeld und der Tafel. Zukünftig wird sich vermutlich ein Heer von Flüchtlingen den Arbeitslosen hinzugesellen.

Da der Goldpreis 2015 im Vergleich zu 2011 wieder um die Hälfte billiger ist, müsste es den Menschen doch heute wieder besser gehen?

Check:

In Rohstoffwährungen wie A$, NZ$, ist Gold bereits wieder teurer, im Juni 2015 in Neuseeland so teuer wie 2011, in Japan 2015 fast auf Allzeithoch. Arbeit wurde durch Währungsabwertung bis um die Hälfte in diesen Ländern billiger, weshalb sich die Menschen dort heute nicht mehr Gold kaufen können als 2011. In US-$ gemessene Produktionskosten für Gold liegen 2015 trotzdem noch bedeutend höher als die mittlere historische reale Kaufkraft von Gold, weshalb Arbeit nach wie vor gegenüber Gold (und noch mehr gegenüber Lebenshaltung) entwertet ist. Der nominal hohe Goldpreis 2011 entsprach nahezu dem Produktionspreis 2011 von AISC 1700 US $ (=1800 US $ 2015). Es musste 2011 also sehr viel für 1 Unze Gold gearbeitet werden, bei entwerteter Arbeit, trotz halbiertem Goldpreis 2015 ist die Arbeit relativ zu Gold (und Lebenshaltung) weiterhin unverändert entwertet, ggf. sogar noch mehr entwertet als 2011, rechnet man die Staatsschuldenexpansion hinzu. Wird Arbeit durch Gelddrucken, quantitative easing, künstlich niedrige Zinsen und Subventionierung von Arbeit durch ansteigende Staatsverschuldung noch weiter verbilligt, können die Lebenshaltung und der Goldpreis ohne weiteres auch nochmals nominal billiger werden, ohne dass sich daran etwas ändert, dass man für Arbeit immer noch weniger Gold (und das zum Leben Notwendige) kaufen kann. Der reale Goldpreis wird dann immer noch relativ zu Arbeit und Lebenshaltung doppelt so teuer bleiben wie im historischen Durchschnitt (Deflation).

Die Lösung:

Die Löhne für die Masse müssen gemessen am Goldpreis weltweit verdoppelt werden, ebenso die Preise für die Güter des täglichen Lebens (was sich allein durch die Lohnerhöhung automatisch entwickelt), die Schulden bleiben nominal auf dem alten Stand. Das historische Preisniveau von Gold würde dann wieder zumindest eine gewisse Zeit lang stimmen. In den letzten Jahrhunderten hielt eine solche monetäre Anpassung meist um die 50 Jahre (Ausnahme ab 1700 bis 1945 für über 200 Jahre).

Siehe dazu sehr anschaulich die Tabelle:

http://www.measuringworth.com/gold/

Eine Lösung muss praktikabel und einfach sein – die Maßnahme der Verdopplung von allem für das Leben Notwendige, darauf bezogene Löhne (und dadurch automatisch der Preise), wäre relativ einfach.

Keinem würde geschadet, niemandem etwas weggenommen. Die Lebensversicherungen und Schuldverschreibungen bleiben nominal gleich. DAX-Vorstände und Politiker, EU-Kommissare, Stars, Schauspieler und Fußballer haben diese Maßnahme für sich per Selbstjustiz ohnehin in den letzten Jahrzehnten vorweggenommen und blieben bei dieser monetären Anpassung unberücksichtigt. Produktiv wertschöpfende Arbeiten würden in ihrer Bezahlung aber alle verdoppelt (bis Bundeskanzlergehaltsniveau und sogar darüber), ebenso wie die Preise für alle Annuitäten (Gehälter, Renten, Pensionen, Beiträge, Mieten).

Das Steueraufkommen würde sich entsprechend erhöhen, eventuell mehr als verdoppeln, bei nicht erhöhten Staatsschulden, die Haushalte der Staaten könnten sich sanieren. Damit die vielen Steuermehreinnahmen nicht in neue Geldausgabeorgien von Politikern ausarten, müsste festgelegt werden, dass die Staatsausgaben nur zu einem gewissen Prozentanteil der Schuldentilgung erhöht werden dürfen, solange, bis alle Staatsschulden weg sind, und von da an nur noch auf Habenbasis vom Staat gewirtschaftet werden darf. (Das wäre nebenbei angemerkt eine Versicherung gegen Kriege, die alle nur auf Pump führbar sind.) Es würde erreicht, was die Notenbanken über die letzten Jahre durch Nullzinspolitik und quantitative easing angestrebt aber nicht geschafft haben.
Geldvermögen, Verbindlichkeiten, würden an der monetären Umstellung nicht teilhaben und nominal gleichbleiben.

Die Werte von Vermögensgütern, Gold, Aktien, Immobilien, Lebensversicherungen würden sich nach und nach entsprechend neu einpendeln. In Härtefällen (z.B. Selbstständige die statt Rente mit Lebensversicherungen fürs Alter vorgesorgt haben) könnte es Ausgleichsmechanismen geben.

Die in Massen zuströmenden Flüchtlinge könnten positiv zur Bewältigung der ungünstigen Demographie in westlichen Industriestaaten beitragen. Statt in China oder Bangladesch produzieren zu lassen, könnte die Produktion von Textilien und anderen derzeit durch eigene Arbeit nicht mehr erschwinglich herstellbaren Produkten wieder nach Europa zurückgeholt werden, die Maßnahmen zur monetären Anpassung würde auch einen ethisch vertretbaren, auskömmlichen Lohn für Flüchtlinge, die arbeiten, ermöglichen. Mit ihrer Hilfe könnten Engpässe in der Sanierung von Infrastruktur (Straßen, Gebäude, Leerstandsbrachen im Osten), Alten- und Krankenpflege, Erntehelfer überwunden werden. Statt zu kosten würden Flüchtlinge auf diese Weise durch Arbeit für sich selbst aufkommen. Letztlich ist jeder Wohlstand einer Gesellschaft an Manpower, Menschen die arbeiten und das Bruttosozialprodukt erhöhen, gebunden, mit zu wenig Menschen kein Wohlstand. Eine Erhöhung des Wertes der Arbeit wäre auch die Lösung für den Geburtenrückgang in westlichen Industrieländern. Arbeitsvermögen letztlich ist es, was im Vermögenswert 1 Unze Gold ausgedrückt wird, mehr Hände Arbeit erwirtschaftet mehr davon, ohne es zu entwerten. So ist es jedenfalls über Jahrtausende immer gewesen.

http://www.macrotrends.net/1378/dow-to-gold-ratio-100-year-historical-chart

Dow Jones zu Gold

Vielleicht erscheint die Verdopplung von Löhnen und Preisen, einer Währungsreform ähnlich, zu einschneidend, sogar dirigistisch-diktatorisch. Warten wir doch einfach ab, bis die unendliche Weisheit der Marktkräfte, mit ein wenig Hilfe von Dragi & Co., von selbst für eine Lösung sorgt und machen uns weiter keine Gedanken – das ist die bis heute ungelöste Frage. Die Großkopferten Hayek, Mises, Keynes sind sich in ihrer Beantwortung nicht einig geworden, was die gesamte Zunft der Wirtschaftswissenschaft und Volkswirtschaftslehre diskreditiert. M.E. vereinfacht ein kurzes und schmerzliches dirigistisches Eingreifen a la Keynes aber nur eine lange Hängepartie mit Austerität, Gelddrucken und künstlich niedrig gehaltenem Zins, Lohnstreikrunden, Arbeitskämpfen, Rezessionen, Deflationen und schließlich dem von Hayek prognostizierten Zusammenbruch bei untragbar gewordenen Schulden. Was im Paradigma „runaway train“ Jahre bis Jahrzehnte dauert, verlorene Jahre, hätten wir bei Verdopplung des Wertes von Arbeit gekoppelt an den realen Goldpreis vielleicht in ein paar Wochen bis Monaten ausgestanden.
Paul Volcker hielt es für eine gute Idee, den Goldpreis manipulatorisch zu drücken, um aufgehäufte Schulden den Gläubigern gegenüber nicht zu entwerten, sondern stattdessen den sonst wie durch ein Naturgesetz im Goldpreis ausgedrückten Wert der Arbeit.

Die Briten waren da über Jahrhunderte schlauer als Volcker, und haben etwa alle 50 Jahre eine Neujustierung mit Höherbewertung des Faktors Arbeit durch Anpassung des Kurses des Pfunds zu Gold vorgenommen. Diese Geldpolitik ermöglichte den Briten den Aufbau ihres Empires. Scheinbar waren die führenden Köpfe zu Zeiten von Hobbes und Smith klüger als ihre studierten und belesenen Nachfolger in der Gegenwart.

Ein Wort zu den Goldpermabullen: Sie liegen falsch, weil sie glauben, der Wert von Gold würde blasenhaft exponentiell explodieren, und mit ihren paar Unzen Gold würden sie dann zu Superreichen. Sie haben das empirische Naturgesetz, was Gold ist, wie die wenigsten (ein anderes Missverständnis: ‚Gold ist ein „pet rock“ und sonst zu nichts zu gebrauchen‘), nicht verstanden: Gold bemisst stets den Wert von Arbeit und Lebenshaltung und kann ihn speichern, nicht mehr, aber auch nicht weniger, und dies bereits seit Jahrtausenden. Das haben sich die Menschen nicht willkürlich ausgedacht, wie man sich die Zahl Pi nicht willkürlich ausdenken kann, sondern Gold ist wie eine Naturkonstante, oder hat evolutionär die Nische, diese zu bemessen, bisher am besten besetzt.

7 Kommentare

7 Comments

  1. Einzahler

    4. August 2015 16:38 at 16:38

    Daumen hoch !!!

  2. Chris

    6. August 2015 09:42 at 09:42

    Ein schöner Bericht, danke.

    „An den größten Spekulationsblasen wie Tulpenhausse oder South See Bubble hatte Gold keinen Anteil, dass etwa der Goldpreis gestiegen wäre,“
    –> Zu dieser Zeit war die Währung goldgedeckt, d.h. die Blase wurde mit Gold bezahlt. Beim Platzen gab es keinen Grund, den Goldkurs anzupassen.

    „Dementsprechend ist Gold heute trotz Gelddrucken, Blase an den Anleihemärkten, menschheitsgeschichtliches Verschuldungsallzeithoch, nicht gestiegen“
    –> Heute ist die Währung ungedeckt. Die heutigen Blasen konnten sich unabhängig vom Goldkurs entwickeln. Beim Platzen dieser Blasen wird Gold voraussichtlich wieder seine Rolle als historische Währung einnehmen. Oder wer will dann noch Papier als Sicherheit? Gemessen an den gigantischen Geldmengen ist Gold unterbewertet.

    Der Artikel sagt doch letztlich aus, dass Gold und Arbeit beide unterbewertet sind?

    Da historisch die Menschen viel mehr für Gold arbeiten mussten (etwa 1 Unze Silber für eine Woche Arbeit), sehe ich heute Gold und Silber als unterbewertet gegen Arbeit. Wenn Arbeit doppelt so gut bezahlt werden müsste, halte ich den Faktor 10 für Edelmetall durchaus für weiterhin haltbar.

    • Ralf Ernst

      6. August 2015 15:48 at 15:48

      Mein Artikel handelt von „realen“ Goldpreis, was man sich für Gold kaufen kann.

      Goldpreis (real) = (Lebenshaltung (real)/Arbeit) * Konstante

      Gold ist derzeit historisch gesehen relativ teuer im Verhältnis zur verbilligten (weit zu billigen) Arbeit, d.h. man kann sich in der Range von ca 200 bis 2000 $ 2015 real für seine Arbeit derzeit relativ wenig (Gold) kaufen.

      Ich nehme an, dass sich die Arbeit noch weiter verbilligen wird (durch mehr Abgaben, Steuern, Staatsschuldenexpansion und damit sich noch mehr ausdehnende Subventionierung von Arbeit), und sich der reale Goldpreis trotz historisch immer noch etwa doppelt so hohen Niveau im Vergleich zum historischen Durchschnitt weiter verteuert. Erreicht die Verteuerung des realen Goldpreises das Niveau von 1492, hieße dies nominal in US $ 2015 3310 US – $.

      Diese Überlegungen zum realen Goldpreis dürfen nicht verwechselt werden mit dem „nominalen“ Goldpreis, der von Geldbasisentwertung wegen Gelddrucken, Zinspolitik etc. abhängt. Bei Deflation kann der nominale Goldpreis auch sinken, obwohl er real steigt und umgekehrt.

      • Chris

        7. August 2015 14:35 at 14:35

        Danke für die Antwort. Ich versuche immer noch, richtig zu verstehen.

        Ihre Formel leitet den realen Goldkurs rein von der Kaufkraft der Masse ab. Das könnte ja passen – bei relativ konstanter Goldmenge, die rein durch die Nachfrage bepreist wird. Der Kursverfall ab 1492 erklärt sich dann auf die Mengenausweitung durch die riesigen Goldlieferungen aus der Neuen Welt (die Silberkurve sieht ganz ähnlich aus).

        Realkurse um $2000 wie vor 1492 dürften demnach nie wieder erreicht werden. Von daher ist schon interessant, dass einige jüngere Ausschläge schon recht nahe da herankommen.

        Die Anzahl der Menschen spielt keine Rolle? Es müsste doch einen Nachfrageeffekt haben, ob 7 Milliarden oder nur 100 Millionen Menschen ihre Kaufkraft an Gold messen?

        Wieso kommt es, nach ca 300 Jahren „Ruhe“ 1500-1800 mit einem realen Kurs um $500, ab ca. 1800 (1789?) zu den drastischen Schwankungen, die bis heute anhalten? Aus Ihrer Sicht schwankt die Kaufkraft, aus meiner Sicht würde ich sagen, ab 1800 hat die Loslösung der Währungen von Gold begonnen. Diverse Formen von ungedecktem Papiergeld haben ja 1785 den frz. König in die Krise getrieben und letztlich die Revolution ausgelöst.

        Wie haben Sie das „Limit“ von 3310 USD errechnet? Das würde Ihre Formel verständlicher machen, etwa die Bewertung des Faktors „Arbeit“.

        Und: gilt Ihre Einschätzung analog für Silber? Silber wird ja industriell umfangreich genutzt und hier auch unwiederbringlich verbraucht. Die Weltsilberbestände sind minimal gegen Gold.

        Gruß aus Odenthal

  3. Jochen

    14. August 2015 14:21 at 14:21

    Sehr geehrter Herr Ernst,

    Sie schreiben, Zitat:

    »Die Löhne für die Masse müssen gemessen am Goldpreis weltweit verdoppelt werden, ebenso die Preise für die Güter des täglichen Lebens (was sich allein durch die Lohnerhöhung automatisch entwickelt), die Schulden bleiben nominal auf dem alten Stand. Das historische Preisniveau von Gold würde dann wieder zumindest eine gewisse Zeit lang stimmen.«

    Einspruch, Euer Ehren! Denn Sie haben den entscheidenden Punkt, WARUM Gold seit den 70er Jahren so billig ist, bei Ihrer Analyse außen vor gelassen. Ich meine die Erfindung des »Papiergoldes«. So etwas gab es früher zu keiner Zeit!

    Heute wird der Goldpreis praktisch zu 100 Prozent durch eben diesen »papierenen« (elektronischen, spekulativen) Goldhandel bestimmt: Futures, Optionen, CEFs, sprich: Derivate aller Couleur. Das Handelsvolumen dieser Derivate AUF Gold ist heute einhundert Mal so groß wie der Handel mit physischem Gold selbst!

    Nun kann man den Derivatehandel nicht verbieten, auch wenn er bei Gold keinerlei praktischen Nutzen hat als eben den der Spekulation. Aber ein Verbot ist auch nicht (mehr) erforderlich. Es gibt zahlreiche Hinweise, dass sichdie Investoren aus diesem papierenen Markt zurückziehen. Der bedeutendste Gold-Fonds (SPDR) hat binnen nur zweieinhalb Jahre über die Hälfte seines Volumens eingebüßt! Tendenz weiterhin fallend.

    In dem Moment, in dem Gold nicht mehr spekulativ gehandelt wird, löst sich das Problem von selbst. Horrende Summen, die auf der Suche nach dem »sicheren Hafen« sind, werden nunmehr notdrungen auf physisches Gold bieten. Der Preis wird auf diese Weise ganz von selbst (nach oben selbstverständlich) korrigiert werden.

    Wohl dem, der dann über physisches Gold verfügt.

  4. Jochen

    14. August 2015 14:35 at 14:35

    Wenn ich, sehr geehrter Herr ERnst, noch eine Frage stellen darf, weil ich fürchte, Sie nicht richtig zu verstehen: Sie schreiben, erneut Zitat:

    »Gold bemisst stets den Wert von Arbeit und Lebenshaltung.«

    Wie meinen Sie das? Ist das nicht viel zu kompliziert gedacht?

    Wenn wir mal den in meinem ersten Kommentar erwähnten, riesigen Papiergoldmarkt außen vor lassen, so bemisst sich doch der Wert von physischem Gold ausschließlich danach, was das bietende Vermögen dafür zu zahlen bereit ist, oder etwa nicht?

    Und bei dieser Preisfindung spielen die Kleinvermögen kaum eine Rolle. Auch nicht in ihrer Summierung. Relevant ist hier das GROSSE Vermögen: die Zentralbanken, die Gold als Reserve vorhalten, die großen Familienvermögen, usw.

    Ich sehe Gold (phys.) im Grunde kaum anders als Kunst, Antiquität, alten Wein etc.: All diese Dinge leiten ihren Wert nicht von ihrer tatsächlichen Funktion her ab, sondern ausschließlich aus dem Willen der Bieter, der Vermögenden, Teile ihres Vermögens gegen diese Dinge einzutauschen.

    Wie spielen hier Ihrer Meinung nach »Arbeit und Lebenshaltung« mit hinein?

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Live-Webinar Fed-Enscheidung, 18.09.; 19.55Uhr – plötzlich ist alles wieder unklar!

Veröffentlicht

am

Wird die Fed die Zinsen senken? Und wenn ja, wie fällt ihr weiterer Ausblick auf die Entwicklung der Leitzinsen aus – irren sich die Märkte, wenn sie von einem Zinssenkungszyklus ausgehen? Plötzlich ist nämlich alles wieder unklar: die Fed Fund Futures preisen nur noch eine Wahrscheinlichkeit von knapp über 60% ein, dass die Fed morgen wirklich die Zinsen senkt – das war in den letzten Wochen ganz anders gwesen, als nur die Frage war, ob die Fed um 0,25% oder gar um 0,5% senken wird!

 

Im Live-Webinar kommentiere ich morgen (live) die Entscheidung der Fed – wir blicken dann gemeinsam auf die Aussagen der US-Notenbank in ihrem Statement und versuchen daraus, die relevanten Schlussfolgerungen auf die Märkte zu ziehen!

Sie können das Webinar am Mittwoch 18.09.; 19.55 Uhr unter folgendem live mitverfolgen:

https://www.youtube.com/watch?v=pf-dBWKa0Js

weiterlesen

Allgemein

Trump und Fed – beide sind „Opfer“ des Öl-Schocks

Veröffentlicht

am

Seit gestern kennt die Börse fast nur noch ein Hauptthema – den Öl-Schock vom letzten Wochenende. Der Ölpreis stieg kräftig an. Vorhin thematisierten wir bereits die daraus entstehende Problematik für die EZB. Der Öl-Schock bringt aber auch zwei Probleme, nämlich für Donald Trump und die Federal Reserve. Widmen wir uns zuerst der Fed.

ETF Sparplan Quirion

Werbung

Morgen Abend (wir werden um 20 Uhr Abends berichten) wird die Fed vermutlich beziehungsweise höchstwahrscheinlich die Zinsen um weitere 25 Basispunkte senken. Bislang ging der Kapitalmarkt fest davon aus. Aber was geschieht in den USA wie auch in Europa? Durch vermutlich zügig steigende Benzinpreise wird auch die gesamte Inflation in den USA angeheizt. Und die Fed hat wie auch die EZB unter anderem die Aufgabe die Preise im Blick zu behalten. Lockert die Fed die Geldpolitik noch weiter, würde die Inflation wohl mit einem bevorstehenden Benzinpreisanstieg noch weiter befeuert werden. Deshalb ist in den letzten zwei Tagen die Wahrscheinlichkeit gesunken, dass die Fed morgen die Zinsen senken wird.

Lag die Wahrscheinlichkeit letzte Woche noch gefühlt bei 100%, so liegt sie laut CME Fed Watch Tool jetzt aktuell nur noch bei 65,8%. Das klingt nicht mehr so eindeutig nach Zinssenkung! Senkt die Fed morgen die Zinsen doch nicht, erzürnt das Donald Trump noch mehr als ohnehin schon in den letzten Wochen. Und senkt sie die Zinsen nicht, dürften die US-Aktienmärkte enttäuscht sein, weil nicht sinkende Zinsen auch nicht sinkende Finanzierungskosten für Unternehmen und Verbraucher bedeuten. Aber noch liegt die Wahrscheinlichkeit ja über 50%.

Donald Trump und seine Wählerschaft

Tja, und dann wäre da noch Donald Trump. Für seine Wähler versucht er schon seit Anfang des Jahres mit mehreren wütenden Tweets Richtung OPEC, dass man dort die Fördermenge drastisch erhöht, damit der Ölpreis sinken kann. Dass die OPEC aber steigende Ölpreis sehen möchte um die heimischen Staatshaushalte finanzieren zu können, hat Donald Trump aber offenbar niemand gesagt. Wie auch immer. Donald Trump wird ja nicht von Wählern auf der arabischen Halbinsel gewählt, sondern von Amerikanern. Und die lieben große Spritschlucker, und wollen günstig tanken. Dafür steht auch Donald Trump. Günstige Benzinpreise sind ihm sehr wichtig, vor allem mit Blick auf die nächste Präsidentschaftswahl.

Aber der Öl-Schock vom letzten Wochenende wird aller Voraussicht nach die Benzinpreise erhöhen. Was, wenn Donald Trump jetzt zusammen mit den Saudis Krieg gegen den Iran führt? Dann dürfte der Ölpreis weiter stark steigen, und damit auch die Benzinpreise in den USA. Dieses Szenario scheint Donald Trump derzeit im Blick zu haben. Es mag nicht der einzige, aber vermutlich ein wichtiger Grund sein, warum er sich derzeit so zurückhaltend äußert, wenn es um einen möglichen Schlag gegen en Iran geht.

Donald Trump
Donald Trump.

weiterlesen

Allgemein

Brexit – was verschweigt Boris Johnson?

Veröffentlicht

am

Entgegen die mittlerweile veränderte Gesetzeslage in Großbritannien und trotz gescheiterter Verhandlungen mit der EU in Sachen Brexit, bleibt der britische Premier bei seiner Aussage: „Am 31. Oktober kommt es zum Brexit, mit oder ohne Deal“. Aber wie will er das anstellen?

Brexit – wie weit ist Johnson bereit, zu gehen?

Der zukünftige Status zwischen Großbritannien und den 27 EU-Staaten ist auch nach den gestrigen Konsultationen des britischen Premiers Johnson mit dem noch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker völlig unklar. Das Treffen endete ohne Ergebnis. Johnson boykottierte sogar unter einem Vorwand die nach dem Meeting geplante Pressekonferenz.

Doch die Zeit drängt: Es sind nur noch sechs Wochen bis zum Showdown. Eine Lösung wären Neuwahlen noch vor dem avisierten Brexit-Termin Ende Oktober. Diese Möglichkeit ist aber unwahrscheinlich, da Johnson die dafür erforderliche Zweidrittelmehrheit im Unterhaus nicht erhält. Die Angst der oppositionellen Labour Party, die Wahlen unter dem in seiner eigenen Partei und der Bevölkerung unbeliebten linken Politiker Jeremy Corbyn zu verlieren, ist zu groß. Jüngste Umfragen von Politico sehen die Torys (Cons) unter Premier Johnson mit 33 Prozent weit vor Labour (Lab) mit nur 25 Prozent. Zusammen mit den rechnerischen 13 Prozent der Brexit Party (BP) von Nigel Farage könnte Johnson unter Berücksichtigung des britischen Mehrheitswahlrechts auch nach Neuwahlen Premierminister bleiben. Damit würde aber auch die gegenseitige politische Blockade in Westminster andauern.

Brexit Parlament Voting

Die zweite Möglichkeit wäre, dass die 27 EU-Staaten sich nicht einstimmig auf eine Brexit-Verschiebung einigen können, da die EU dafür stets eine von zwei Voraussetzungen erfüllt sehen wollte: entweder Neuwahlen oder ein zweitens Referendum. Beides ist derzeit sehr unwahrscheinlich. Aktuelle Umfragen von Politico zeigen, dass nur noch 44 Prozent der Briten für den Brexit stimmen würden, 49 Prozent dagegen. Damit ist unter Boris Johnson eine Neuauflage des Plebiszits von 2016 undenkbar. Also könnte ein harter Brexit Ende Oktober, zumindest theoretisch, auch auf Initiative der EU erfolgen.

Boris Johnson bleibt noch eine dritte Möglichkeit, sofern kein Verhandlungswunder in Brüssel geschieht: der Rechtsbruch.

Nach jahrelangem Hick-Hack und der zunehmenden Gefahr eines neuen Referendums sprechen sich mittlerweile 52 Prozent der Leave-Voters (Brexit-Befürworter) für einen offenen Rechtsbruch ihres Premierministers aus. Er könnte alle geltenden Gesetze ignorierend den harten Brexit durchziehen. Für Johnson würde dies zunächst ernsthafte juristische Konsequenzen haben, da er trotz parlamentarischer Immunität an die Rechtsstaatsprinzipien Großbritanniens gebunden ist.

Die Königin Queen Elisabeth II. könnte Johnson gleichwohl nach einer Verurteilung gemäß ihrer Gnadenbefugnis (Prärogative) als monarchisches Staatsoberhaupt auf Bitte des Premierministers jedwede rechtskräftige Strafe wieder erlassen.

Dem engsten Berater von Johnson, Dominic Cummings, werden solche Planungen zugetraut. Cummings ist der Mastermind hinter der Brachial-Politik Johnsons. Wider erwarten ist er in dieser Funktion immer noch aktiv, obgleich er wegen seiner Vorschläge zur verlängerten Parlaments-Pause und dem Rausschmiss von 21 widerspenstigen Abgeordneten aus der Tory-Fraktion auch bei den Konservativen extrem umstritten ist.

Das Dilemma der Queen

Noch in dieser Woche wird der Supreme Court in London über Klagen gegen die Zwangspause des britischen Parlaments entscheiden. Geben die obersten Richter den Klägern recht, könnte Boris Johnson der oppositionelle Wind durch eine vorgezogene Wiedereröffnung des Parlaments durch die Queen früher wieder ins Gesicht wehen, als geplant. Allerdings würde das kaum noch etwas ändern, da das Gesetz zur Verschiebung des Brexit um drei Monate bereits von der Queen unterschrieben wurde und damit in Kraft ist. Nur noch eine Änderung der Verfassung des Vereinigten Königreichs könnte Johnson alle Optionen nehmen. Doch das ist in der jetzigen politischen Konstellation unmöglich.

Viel entscheidender ist daher, wie Queen Elisabeth II. sich in Sachen Brexit positioniert. Ihre grundsätzliche Skepsis gegenüber der EU-Zugehörigkeit hatte ich bereits in einem früheren Artikel dargelegt. Doch nun könnte sie gezwungen werden, als Staatsoberhaupt in die aktive Politik einzugreifen: für oder gegen Johnson.

Schaut man sich die Entschlossenheit des Premiers an, die gestern erst wieder in einem BBC-Interview zu bestaunen war, hält man mittlerweile alles für möglich. Johnson formulierte dabei voller Inbrunst einen eigentlich widersprüchlichen Satz: „Ich werde die Verfassung aufrechterhalten, ich werde das Gesetz befolgen, aber wir werden am 31. Oktober austreten.“

Entweder es handelt sich dabei um einen Bluff, um den Druck in den Verhandlungen mit Juncker aufrecht zu erhalten, der übrigens noch genau bis zum 31. Oktober im Amt ist, oder aber diese Aussagen sind ein Hinweis auf das Eingreifen der Queen zur Sicherstellung des Brexit zum Ultimo Oktober.

Das wäre eine politische Sensation und für viele Kontinentaleuropäer wohl ein Schock.

Fazit

Überrascht Premier Johnson mit einer weiteren unkonventionellen politischen Volte und zieht den harten Brexit doch noch durch? Zieht die Queen ein Kaninchen aus einem ihrer schicken Hüte und mischt sich aktiv in die Politik ein? Oder kommt es tatsächlich zu einer Verlängerung der Brexit-Tragödie? Mittlerweile ist in dieser Never Ending Story ein Punkt erreicht, an dem es ökonomisch immer weniger eine Rolle spielt, ob es in sechs Wochen zu einem harten Schnitt kommt oder zu einer nochmaligen Verzögerung. Beides wäre destruktiv. Die Verunsicherung bei den betroffenen Unternehmen führt bereits zu wirtschaftlicher Lähmung auf der Insel und auf dem Kontinent. Der Gordische Knoten muss endlich durchschlagen werden, auf die ein oder andere Weise, auch im Interesse der Glaubwürdigkeit der britischen Demokratie. Vielleicht ist Boris Johnson auch deshalb so hartnäckig in seiner Haltung, wohlwissend, dass er letztendlich zusammen mit der Queen die verfassungsgemäße Macht dazu hat.

weiterlesen
Bitte abonnieren Sie unseren Newsletter.


Anmeldestatus

Meist gelesen 30 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen