Goodbye Euro – Notenbanken verschmähen Gemeinschaftswährung

Der Euro ist auf dem Rückzug – das gilt nicht nur für den Kursverlauf gegenüber dem Dollar. Neue Daten des IWF zeigen, dass die internationalen Notenbanken ihre Euro-Bestände im dritten Quartal 2014 deutlich reduziert haben. So sank der Anteil des Euro an den Devisenreserven der Notenbanken um 8,1% – und damit stärker, als der Euro zum Dollar in diesem Zeitraum verloren hatte (7,8%). Damit fällt der Anteil der in Euro gehaltenen Devisenreserven der Notenbanken von 24,1% Ende des zweiten Quartals auf nun nur noch 22,6% – und damit auf den tiefsten Stand seit 2002.

Was zunächst wenig spektakulär klingt, gewinnt aber durch den historischen Vergleich an Bedeutung: so fiel der Euro im dritten Quartal 2011 um 7,7%, der Anteil des Euro bei den Devisenreserven der Notenbanken aber reduzierte sich nur um 2,8%. Im zweiten Quartal 2010 fiel der Euro sogar 9,4% – sein Anteil an den Devisenreserven aber ging lediglich um 1,3% zurück.

Es hat sich also offenkundig etwas Grundsätzliches geändert in der Wahrnehmung des Euro: während zuvor die Notenbanken der Welt Kursrückgänge des Euro tendenziell eher zu Zukäufen genutzt hatten, geschieht dies nun nicht mehr. Der Grund hierfür dürfte in der Einführung der negativen Einlagezinsen durch die EZB liegen: warum soll man eine Währung halten, mit der man tendenziell sogar Geld verliert? Mario Draghi selbst hatte schon im August 2014 auf diesen Zusammenhang hingewiesen: der Rückgang des Euros bei den Devisenrserven der Notenbanken der Welt werde dazu beitragen, dass sich der Euro abschwäche, so Draghi damals.

Wenn aber die Notenbanken – und damit die mit Abstand größten Player am Markt – den Euro verschmähen, sind die Chancen für eine Erholung der Gemeinschaftswährung perspektivisch gering. Und das trotz des Fakts, dass insbesondere Hedgefunds und andere Größen auf einen weiter fallenden Euro setzten. Normalerweise bewirkt eine einseitige Positionierung des Marktes früher oder später eine heftige Gegenraktion, weil alle auf der selben Seite des Bootes sitzen – und es so tendenziell zum Kentern bringen. Genau dieser Effekt aber könnte diesmal ausbleiben, weil mit den Notenbanken der zentrale Käufer auszufallen scheint.

Auch im Vergleich mit anderen Währungen, die sich gegenüber dem Dollar in den letzten Monaten stark abgeschwächt hatten, schneidet der Euro schlecht ab. So gingen zwar auch die in den Währungen Yen, Schweizer Franken, Pfund, Kanadischer Dollar und Australischer Dollar gehaltenen Währungsreserven ebenfalls zurück, jedoch bei allen genannten Währungen insgesamt nur um ein Viertel verglichen mit dem Euro.


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