Griechenland verliert seine Zukunft: Abtreibungen +50%, Fehlgeburten +100%, 30% weniger Geburten

FMW-Redaktion

Es sind erschreckende Zahlen, die zeigen, wie ein Land seine Zukunft verliert: die Zahl der Abtreibungen ist seit Beginn der Krise in Griechenland um 50% gestiegen, die Zahl der Fehlgeburten hat sich verdoppelt von 2% auf nun 4% aller Geburten – und 30% weniger Babys als vor den Verwerfungen erblicken das Licht der Welt. Das sind die düsteren Zahlen, die auf einer von der „Griechischen Gesellschaft für Familienplanung“ organisierten Konferenz veröffentlicht wurden.

Griechenland hat damit prozentual die höchste Raten an Abtreibungen in der EU – nach Schätzungen enden von 1000 Schwangerschaften 14% in einer Abtreibung, bei einer Gesamtbevölkerung von elf Millionen Menschen kommt es derzeit jährlich zu 300.000 Abtreibungen, eine Steigerungsrate von 50% im Vergleich mit Zahlen vor zehn Jahren. Es sind dabei meist Mütter, die bereits Kinder haben, die sich für eine Abtreibung entscheiden.

Der Grund dafür ist vor allem, dass sich viele Menschen in Griechenland keine Krankenversicherung mehr leisten können. Und das bedeutet für die Betroffenen Kosten, die sie sich schlicht nicht leisten können: durchschnittlich liegen die Kosten bei der Geburtsvorsorge bei 500 Euro, ein Kaiserschnitt kostet 1000 Euro, für weibliche, nicht legale Migranten sogar 1500 Euro, weil sie eine Art „Schweigegeld“ an die Ärzte bezahlen müssen. Und dazu kommen dann natürlich die Kosten für das Aufziehen des Kindes.

In ihrer Not entscheiden sich daher viele Frauen für Medikamente, die eine Abtreibung herbeiführen sollen – ohne medizinische Aufsicht, die für nicht-Krankenversicherte Kosten bringt. Insgesamt ist die immer seltenere ärztliche Betreuung schwangerer Frauen der Hauptgrund für die Verdopplung der Fehlgeburten.

Die griechische Regierung versucht nun, dieser menschlichen Tragödie mit Gegenmassnahmen zu begegnen. Das Gesundheitsministerium unter Leitung von Minister Andreas Xanthos plant die Eröffnung von Beratungsstellen für Familienplanung und will eine Kaampagne für Geburtenkontrolle starten. Im Zentrum steht dabei die Beratung von Frauen, die ungewollt schwanger geworden sind. Das sind zweifellos richtige und wichtige Massnahmen der Tsipras-Regierung, nur kommen sie spät, zu spät. Denn ein Land, dessen Geburten um 30% einbrechen, während gleichzeitig die gut Ausgebildeten das Land verlassen und ihr Glück im Ausland suchen, hat keine echte Zukunft. So spielt sich – in Deutschland kaum thematisiert – in Griechenland eine Tragödie ab, die die Frage aufwerfen muß, wie so etwas in Europa heutzutage möglich ist!


Kommentare

Griechenland verliert seine Zukunft: Abtreibungen +50%, Fehlgeburten +100%, 30% weniger Geburten — 13 Kommentare

  1. Das „Meisterstück“ der EUropäischen Wertegemeinschaft, unter wohlwollendem finanziellen Scheckbuch-Beistand des Systems Merkel (=deutscher Steuerzahler). Die Frage ist erlaubt: Was wäre passiert, wenn Griechenland 2010 mit einem Viertel der heutigen Schulden in eine geordnete Insolvenz gegangen wäre? Die Antwort: Nach maximal zwei Abschwungsjahren mit Strukturbereinigungen wieder positive Wachstumsraten. Griechenland wäre heute durch. Statt dessen: 7 Abschwungsjahre und eine irreversible Schuldenspirale, begleitet von dilettantisch-stupiden Durchhalteparolen unserer „Wortführerin“. („Stirbt der Euro, dann stirbt Europa“). Das „Werk“ ist noch nicht „vollendet“ und Besserung ist nicht in Sicht. Da Wegschauen nichts löst, immerhin danke fürs Hinschauen.

  2. „[…] in Griechenland eine Tragödie ab, die die Frage aufwerfen muß, wie so etwas in Europa heutzutage möglich ist!“

    Insofern diese Aussage nicht rethorisch gemeint ist, dürfte es für euresgleichen im Gewussten doch auf der Hand liegen: wie wäre es mit der EU, der Währung Euro und anderen zugemuteten Repressalien? Das sind nun mal die Konsequenzen: ohne ausreichend finanzielle Privatsituation in geordneten Verhältnissen keine Zukunft, keine Versorgung von Kindern und keine Bildung möglich – diese Gesellschaft verarmt rapide.

  3. Gebt Griechenland endlich einen Schuldenschnitt und vorallem die Drachme zurück. Es ist der einzige Weg, wie sich dieses Land wieder aufrichten kann. Die Rettungspakete 4 und 5 werden den oekonomischen Wahnsinn weiterhin belegen. Solange Juristen die Finanzen in Europa in den Händen halten, werden wir die Katastrophe nicht aufhalten. Erst rechtsextreme Parteien, wie die in Frankreich, England, Deutschland und nun auch in Polen werden diesem Wahnsinn ein Ende setzen. Die wirklichen Experten werden mundtot gemacht. Armes Deutschland !!!
    Dies schreibt Ihnen jemand, der in den Jahren 2010 bis 2013 Fachvorträge von Oekonomen gehört hat, deren Prophezeiungen von damals alle eingetreten sind.

    • @olli8
      Richtig, die Prophezeiungen sind alle eingetreten. Auch ich habe mir in den Letzten Jahren , von der Finanzkrise 2007/2008 bis heute viele Fachvortr
      ge angehört. Die wesentlichen Warner habe sch fast alle angehört. Sie hatten recht, doch niemand wollte sie ernst nehmen, niemand hat auf ihre Ratschl
      ge und Warnungen gehört. viele davon wurde ausgelacht, als verschwörer und aNgstmacher bezeichnent u.s.w.
      Jetz vergeht das Lachen vielen, Griechenland ist nur noch eine Katastrophe, EU kann übernehmen. In Deutschland wird uns ebenfalls bald das Lachen vergehen. Was auf uns zukommt, da wird so manchen Spötter auch bald ein Lichtlein aufgehen.
      Noch jat die masse Brot und Spiele, die Party läuft noch. Auch hier wird der letzte Tango bald gespielt.

  4. Wie fühlt man sich bei Finanzmarktwelt.de eigentlich wenn man „die Linke“ links überholt, weil man wenigstens die rudimentärsten moralischen und menschlichen Grundprinzipien nicht in den Gulli geworfen hat?

    • @Daniel, wir waren uns noch gar nicht bewußt, dass wir „die Linke“ links überholt hätten; aber links überholen ist im Verkehr ja erlaubt, rechts dagegen nicht – auf der rechten Spur ist nämlich ohnehin derzeit in Deutschland schon sehr viel Verkehr 🙂

  5. Leider ist die gute alte Kaufmannsweisheit „Der erste Verlust ist der geringste“ offensichtlich in Vergessenheit geraten. Also wird man irgendwann nach vielen weiteren Milliarden einen riesigen Verlust akzeptieren müssen.

    Für Europa gibt es auf lange Sicht eh nur eine der zwei Möglichkeiten:

    Entweder die einzelnen Länder wieder wirtschaftlich entkoppeln durch Einführung von mehren Währungen mit variablen Wechselkursen

    oder

    die Schaffung einer echten Bundesrepublik Europa. Dann würden die wirtschaftlich starken Regionen die schwachen unterstützen auf Kosten eines insgesamt niedrigeren Lebensstandards für die jetzt wirtschaftlich starken. So ähnlich wie es in der BRD mit den Bundesländern und dem Länderfinanzausgleich ist.

  6. Nun, dem Land wurde ja auch nicht wirklich geholfen. Sondern es wurde nur mehr und mehr verschuldet. Ständig wurde nur Geld geliehen.
    Wenn sie dem Land hätten wirklich helfen wollen, dann hätten sie ihnen Arbeitsaufträge geben können – so hätten sie sich das Geld ehrlich verdient und müssten es nicht zurück geben.

  7. Wie sollten sich junge Menschen sich trauen Familie zu gründen und Kinder in der Welt setzen,wenn das Geld niemals für sich selbst reicht?
    Das vernichtende dabei ist, dass kein Licht im Tunel zu sehen ist, dass die finanziele und gesselchftliche Katastrophe nicht aufzuhalten ist,solange umwissende diese Politik bestimmen. Der Faktor Menschzählt nicht mehr, nur der Profit. Wenn dem nicht entgegenzusetzen wird, dann ist das Ergebnis vorprogrammiert.

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