Heftige Bewegungen: Brexit-Pfund, türkische Lira und Yuan

FMW-Redaktion

Es tut sich was zu Wochenbeginn – vor allem an den Devisenmärkten. Da ist zunächst einmal das britische Pfund, das zum US-Dollar auf den tiefsten Stand seit drei Monaten fällt:

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(Chart GBP/USD)

Premierministerin May hatte am Wochenende in einem Fernsehinterview mit Sky News klar gemacht, dass ihr Fokus auf der Kontrolle der Immigration liegt – und man eben notfalls auf den ungehinderten Zugang zum EU-Binnenmarkt verzichten werde:

“We are leaving. We are coming out. We are not going to be a member of the EU any longer, so the question is what is the right relationship for the U.K. to have with the European Union when we are outside. (..) We will be able to have control of our borders, control of our laws, but we still want the best possible deal for U.K. companies to be able to trade in and within the EU and European companies to operate and trade in the U.K.”

Tenor: Hauptsache raus aus der EU – alles andere müsse man dann sehen. Laut eigenen Aussagen möchte May in den kommenden Wochen Details ihrer Brexit-Strategie bekannt geben, doch meinen nicht wenige Beobachter, dass es gar keine Brexit-Strategie gebe – mit Ausnahme des bisher geäußerten Rosinen-Picker-Programms: wir wollen alle Vorteile und keine Nachteile haben durch den Brexit. Sollte UK den Zugang zum EU-Binnenmarkt verlieren und dann gleichzeitig Importzölle auf Waren aus der EU erheben, gegen Beobachter davon aus, dass die Regierung britische Exporteure aus den eigenen Zoll-Einnahmen entschädigen würde.

Auffallend ist, dass das Pfund trotz der scheinbar starken britischen Konjunkturdaten der letzten Tage und Wochen weiter fällt – der Devisenmarkt hält also diese Daten für irrelevant im Vergleich zu den erwartbaren Auswirkungen, wenn UK den Zugang zum EU-Binnenmarkt verliert.

Weiter bergab geht es – nachrichtenlos – für die türkische Lira zum US-Dollar. Die türkische Währung errericht heute einmal mehr ein neues Allzeittief zum US-Dollar. Dollar-Lira steigt über die Marke von 3,70:

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(Chart Dollar-Lira)

Damit hat die Lira seit Jahresbeginn weitere 4,3% zum Dolar verloren. Präsident Erdogan will ab 2019 durch die geplante Verfassungsänderung faktisch die Kompetenzen des Ministerpräsidenten an sich ziehen – wodurch er praktisch völlig ungehindert regieren könnte. Bis dahin vergeht aber npch einige Zeit, und die Frage ist, ob die Türkei nicht vorher in eine schwere ökonomische Krise stürzen wird, die dann wiederum Erdogan angelastet wird..

Stark unter Druck ist derzeit auch wieder der Yuan nach dem vorherigen Aufwärtscrash. Nun der größte 2-Tages-Abverkauf seit August 2015, als Peking den Yuan in einem heftigen Schritt stark abgewertet hatte:

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(Dollar-Yuan/offshore)

Das droht sich nun zu wiederholen, wie Aussagen des führenden Beraters der chinesischen Notenbank, Fang Gang, nahelegen. Laut Fang sei der Yuan in den letzten zwei bis drei Jahren überbewertet gewesen. Überhaupt brauche China gar nicht so viele Devisenreserven, seit der Yuan in den Währungskorb des IWF aufgenommen wurde. Daten vom Wochenende hatten gezeigt, dass die Währungsreserven des Landes im Dezember um weitere 41,1 Milliarden Dollar gefallen sind auf nun nur noch 3,01 Billionen Dollar. Insgesamt haben sich die Devisenreserven Chinas damit in 2016 um 320 Milliarden Dollar reduziert – würde das Tempo des Jahres 2016 beibehalten, hätte das Reich der Mitte in zehn Jahren keine Devisenreserven mehr.

Für Verunsicherung sorgen zusätzlich Aussagen des ehemaligen Beraters der People´s Bank of China, Yu Yongding, die in vielen chinesischen Medien zitiert wurden. Laut Yu sollte Peking nicht zulassen, dass Chinas Währung in 2017 mehr als 25% zum Dollar verliert – was jedoch einem Erdbeben gleich käme! In 2016 hatte der Yuan „nur“ 6,6% zum US-Dollar verloren. Derartige Aussagen deuten darauf hin, dass Peking kürzlich die Yuan-Shorties aus dem Markt getrieben hat, nun aber einen nächsten großen Abwertungsschritt vorbereitet!


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