In Chinas Stahlbranche gehen die Lichter aus

Von Markus Fugmann

Chinas Stahlbranche gerät zunehmend unter Druck – das zeigen heute Nacht veröffentlichte Daten der China Iron and Steel Association. Demnach sind die Umsätze von mittelgroßen und großen Stahlunternehmen im Reich der Mitte im ersten Quartal diesen Jahres um 14,5% eingebrochen. Damit hat sich der bereits 2014 eingeläutete Abwärtstrend stark beschleunigt – im Vorjahr waren die Umsätze um knapp 3% zurück gegangen. Insgesamt hat die Branche im ersten Quartal 2015 einen Verlust von 11 Milliarden Yuan verbuchen müssen (knapp zwei Milliarden US-Dollar). Die Hälfte der Mitglieder in der China Iron and Steel Association (CISA) verbuchten dabei Verluste.

Zhu Jimin, Sprecher der CISA, sprach gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua in seinem Kommentar zu den Zahlen von großem Druck auf die Branche, ausgelöst durch fallende Stahlpreise und geringerer Nachfrage. Peking versucht den dienstleistungorientierten Binnenkonsum zu fördern, notfalls auf Kosten des für die Stahlbranche in China extrem wichtigen Bausektors. Zhu Jimin beklagte daher auch – wenngleich indirekt – die nachlassende Unterstützung für die Branche aus der Politik.

Die Stahlunternehmen im Reich der Mitte sind hoch verschuldet und leiden unter hohen Zinsen für die von ihnen ausgegebenen Unternehmensanleihen. Kredite werden häufig vorzeitig gekündigt oder nicht verlängert – und wenn doch, dann zu extrem teuren Konditionen, weil den Banken der Abwärtstrend der Branche sowie die fehlende Rückendeckung durch die Politik nicht entgangen ist. Häufig bleibt da nur die Refinazierung über Schattenbanken, die jedoch ungleich höhere Zinsen verlangen als regulierte Banken in China.

Während die Gesamtkonjunktur in China deutlich abkühlt, suchen immer mehr chinesische Unternehmen ihr Glück im Ausland. Nach Zahlen von PricewaterhouseCoopers haben Chinas Unternehmen im Ausland ihre Käufe im ersten Quartal diesen Jahres deutlich gesteigert: im Vergleich zum Vorjahresquartal stieg das Gesamtvolumen der Einkäufe ausländischer Unternehmen um 36% auf nun 20,2 Milliarden Dollar. Bevorzugte Übernahmeziele chinesischer Unternehmen liegen dabei in Europa und den USA. PricewaterhouseCoopers rechnet mit einem weiter steigenden Trend von Zukäufen im Ausland.

Unterdessen haben heute Nacht veröffentlichte Zahlen der Regierung gezeigt, dass der Anstieg der Wanderarbeiter in China sich deutlich verlangsamt. Deren Gesamtzahl wird mit 274 Millionen angegeben, das ist ein Zuwachs zum Vorjahr von lediglich 1,9%. Ihr Durchschnittsverdienst liegt bei monatlich 492 Dollar – nur knapp 17% der Wanderarbeiter zahlen in das staatliche Rentensystem ein.


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