In Japan, da ist was los

FMW-Redaktion

Unglaublich, aber wahr. Entgegen aller Erwartungen springt die Inflation in Japan an, und das gar nicht mal schlecht. Nach +0,1% im Oktober steigt sie auf Jahresbasis im November schon um +0,5%. Und das auch noch basierend auf Lebensmitteln, die ja ein tägliches Gebrauchsgut sind, anders als Möbel oder Fernseher. Lebensmittel legen satte 3,6% zu. Gebremst wird die Inflation wie zu erwarten noch vom Energiebereich mit -5,8% (alle Details in der Grafik).

Andere aktuelle Daten lassen auf eine weiterhin sehr problematische wirtschaftliche Lage in Japan schließen. Da wären zum Beispiel die Bauaufträge. Im Oktober noch gab es im Jahresvergleich ein Plus von satten 15,2%. Aktuelle Daten zeigen für November einen Rückgang von 6%. Ähnlich sieht es beim Volumen der Haushaltsausgaben in Japan aus. Sie lagen im Oktober auf Jahresbasis noch bei einem Rückgang von 0,4% – im November ist es schon ein Rückgang von 1,5%.

Ganz frische Daten zur Bevölkerungszählung in Japan liegen auch vor. Lebten in Japan im Juli 2016 noch 126.995.000 Menschen, waren es im Dezember nur noch 126.920.000 – also in nur fünf Monaten ein Rückgang um 75.000 Menschen. Das ist nicht gerade wenig. In der gesamten Volkswirtschaft, die ja immer noch sehr groß ist, macht sich diese Schrumpfung langfristig bemerkbar. Im Arbeitsmarkt sorgt sie rein optisch für paradiesische Zustände. Tendenziell immer weniger Arbeitnehmer, die zur Verfügung stehen, sorgen für einen leergefegten Arbeitsmarkt und eine Arbeitslosenquote von aktuell nur noch 3,1%. Die Grafik zeigt, wie konstant niedrig sie langfristig ist.

Bei der Geburtenrate macht sich der demographische Schock besonders bemerkbar. In Japan gab es 1949 noch 2,7 Millionen Geburten. Nach offiziellen Daten soll die Zahl im Gesamtjahr 2016 zum ersten Mal seit dieser Datenerhebung im Jahr 1899 unter die Zahl von 1 Million fallen. Die Zahl der Geburten lag bis zum Jahr 2005 noch über der Zahl der Todesfälle. Von da an drehte sich der Trend aber um – seitdem steigt die Zahl der Toten immer weiter (jetzt um die 1,3 Millionen), während die Zahl der Geburten immer weiter sinkt.

Die Bevölkerung erreichte im Jahr 2010 ihren Höhepunkt mit über 128 Millionen Einwohnern – seitdem ist die Tendenz durchweg fallend, und ist ohne Zuwanderung von außen kurz und mittelfristig nicht aufzuhalten. Die Regierung versucht gegenzusteuern, in dem man jüngst im aktuellen Budgetplan die Ausgaben rund um den Bereich Kindererziehung erhöht hat. Unser Schlusskommentar: Verdammt nochmal, wie haben die Japaner bei so einem gruseligen Umfeld (gut, klingt einen Tick zu dramatisch) es geschafft die Preise für Lebensmittel um 3,6% hochzubekommen? Ein Blick auf die Devisenkurse könnte helfen. Seit der Trump-Wahl Anfang November stieg der US-Dollar gegen den Yen von 103 auf jetzt über 117.

Das stellt eine immense Abwertung für den japanischen Yen dar. Japan ist mangels Landmasse extrem stark von Importen aller Art abhängig. Daher ist es naheliegend, dass importierte Lebensmittel deutlich im Preis steigen, wenn sie dank teurerer Fremdwährungen auch deutlich teurer werden (darf man das schon offiziell als „Brexit-Effekt“ bezeichnen?).

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Grafik: Japan Statistics

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Grafik: Japan Statistics


Kommentare

In Japan, da ist was los — 3 Kommentare

  1. Bei 129 mio liegen 75000 im promil Bereich .also nichts .

    Die Inflation bei Lebensmittel …? 3,6%?
    Da ist doch Statistiktrickserei wahrscheinlicher hm ?!

    Vor allem wenn Benzin , Licht (Energie) und Wasser fast 6% fallen . hüstel

    Da müsste man doch was von explodierenden Preisen bei sushiRollen gehört haben ?!

  2. …also in nur fünf Monaten ein Rückgang um 75.000 Menschen…
    Naja- ich denke, dass sind auch etwa 75.000 Rentner weniger.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

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