Folgen Sie uns

Allgemein

Obama: Europa macht einfach zu wenig Schulden!

Im Interview und auch vor laufenden TV-Kameras direkt neben Rajoy hielt es Obama für nötig als ökonomischer Lehrmeister aufzutreten, mit erstaunlichen Erkenntnissen. Was er wortwörtlich sagte und welche Empfehlungen er für Europa hat…

Avatar

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Barack Obama weilte am Wochenende kurz in Spanien um den derzeit geschäftsführenden Ministerpräsidenten Rajoy und den König zu treffen. Auch gab er der größten Zeitung des Landes El Pais ein Interview. Im Interview und auch vor laufenden TV-Kameras direkt neben Rajoy hielt es Obama für nötig als ökonomischer Lehrmeister aufzutreten, mit erstaunlichen Erkenntnissen. Was er wortwörtlich sagte und welche Empfehlungen er für Europa hat…

Obama
US-Präsident Barack Obama. Foto: White House / Gemeinfrei.

Vor versammelten TV-Kameras und direkt auf der Couch neben dem geschäftsführenden Ministerpräsidenten Rajoy sagte Obama bei wachsender Ungleichheit fühlten sich viele Menschen ausgeschlossen, und das führe dann zu einem Populismus, der unsere Gesellschaften spalte. Etwas besseres hätte Rajoy wohl kaum gebrauchen können, der im eigenen Land gerade mit Arbeitslosenquoten weiter über 20% zu kämpfen hat, und einer extrem starken Podemos. Vielen Dank für diese Worte, wird sich Rajoy sarkastisch gedacht haben.

Obama stelle die Situation der USA im El Pais-Interview so dar, als wären die USA derzeit das konjunturelle Paradies. Deswegen konnte er es sich wohl auch erlauben Europa aufzuzeigen, was man hier falsch macht. Um es inhaltich zusammenzufassen: Ihr da in Europa macht einfach zu wenig Schulden. Macht es doch wie wir, verschuldet euch maßlos, und pumpt das Geld in eure Wirtschaft. Nun, wir reden hierbei nicht von Notenbankgeld, wie es die EZB derzeit in der Finanzkreislauf pumpt. Wir reden in den USA von Schulden der Regierung! Erst Anfang des Jahres hatten die USA die 19 Billionen US-Dollar-Grenze bei Staatsschulden nach oben überschritten, und laufen in einem atemberaubenden Tempo auf die 20 Billionen-Grenze zu. Das soll also ein Vorbild sein?

Hier im Originalzitat ein kleiner Ausschnitt von Obamas Worten bei El Pais in der englischsprachigen Ausgabe:

„In the United States, we moved quickly to reform our financial sector; invest in manufacturing, clean energy, transportation and infrastructure; and retrain workers. Today, we’re in the longest stretch of private sector job growth in our history. Our businesses have created more than 14 million new jobs. We’ve cut our unemployment rate in half. Wages have started to rise. We’ve cut our deficit by nearly 75 percent. Our GDP is bigger than it was before the crisis. There’s still a lot more we need to do to reduce economic and inequality and help workers and families who are struggling just to get by, but we’re moving in the right direction.

It’s true that some European countries embraced a different economic approach, including austerity measures. I think that’s one of the reasons Europe has seen slower growth. In some places, there’s been a decade of stagnation. Europe is only just now getting back to where it was before the crisis. And I think this has been a large factor in the frustrations and anxieties we’re seeing in many European countries – concerns that integrated economies and globalization aren’t delivering economic benefits equally.“

Also, fassen wir nochmal zusammen: In den USA läuft das BIP super, alle Menschen haben Arbeit usw? In Wirklichkeit wurden viele hochwertige Arbeitsplätze durch extrem schlecht bezahlte Dienstleistungsjobs ersetzt. Die Fakten von Obamas eigener Behörde BLS zeigen dies im Detail! Auch produzieren die USA Monat für Monat Jahr für Jahr ein gigantisches Außenhandelsdefizit, das nur durch ständig steigende Staatsschulden finanziert werden kann. Zu Obamas Amtsantritt 2009 lag die US-Staatsverschuldung bei exakt 10,62 Billionen Dollar. Jetzt 7 Jahre später ist das ein stolzer Anstieg von 82,3% auf aktuell 19,36 Billionen US-Dollar. Sein Vorgänger George W Bush schaffte in seiner Amtszeit eine Steigerung von 90% von 5,57 auf 10,62 Billionen US-Dollar. Auch zeigen diverse Daten, dass die US-Konsumenten im Rekordtempo dabei sind ihre Verschuldung wieder hochzutreiben, wenn es darum Geld Autos zu kaufen, Konsumartikel über Kreditkarten zu bezahlen usw. Und die Ungleichheit zwischen Arm und Reich war in den USA niemals größer als jetzt. Industriearbeitsplätze verschwinden, und werden fortlaufend durch durch schlechtere Jobs ersetzt.

Obamas Aussagen sind eindeutig: Europäische Staaten machen einfach zu wenig Schulden, pumpen zu wenig in die eigenen Volkswirtschaften. Und deswegen sind die Menschen in Europa unzufrieden!?! Die ökonomische Annahme Obamas, die auch durch fast alle namhaften Ökonomen in den USA unterstützt wird (Krugman und Co), lautet: Schulden, Schulden, Schulden machen. Und irgendwann, wenn hierdurch das Wirtschaftswachstum kräftig läuft, und wirklich alle Menschen in Lohn und Brot sind, kann der Staat seine angehäuften Schulden durch das hohe Steueraufkommen bequem zurückzahlen. Doch dieser Zeitpunkt ist bisher nicht gekommen, und wird auch nicht kommen. Die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben der US-Bundesregierung ist strukturell, und kein Ausrutscher. Man macht einfach immer weiter neue Schulden, und hofft dass es niemand bemerkt. Soll das die empfohlene Lösung für Europa sein? Syriza, Podemos und Co würde es freuen.

9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    m.d

    11. Juli 2016 16:55 at 16:55

    Ehrlich gesagt warum nicht. Die Vorteile liegen auf der Hand. Immerhin geht es vielen amis gut. Wo liegen den die Nachteile.

    • Avatar

      Trigo

      11. Juli 2016 17:36 at 17:36

      Es kommt drauf an wie man „gut“ und „vielen“ definiert. Wo sind die langfristigen Vorteile?

    • Avatar

      sabine

      11. Juli 2016 19:29 at 19:29

      Der Plumps ist das Problem. Mein Bruder hatte eine Firma 20-30 MA und meinte, bis 0,5 Mill. schwitzt du, ab da die Bank. Er konnte nicht mehr zurückzahlen in the near terms und irgendwann dreht die Bank den Hahn zu. Vorher gab es laufend Gespräche, die nichts brachten. Jetzt ist mein Bruder sein lebenlang ohne Konto … Muß halt rumtricksen, damit er überlebt. Toll! Yes, Oh Armer, we can – denselben Scheiß machen!
      Der Brunnen geht solang zum Brunnen bis er bricht. Es bleibt immer wahr.

      • Avatar

        sabine

        11. Juli 2016 19:29 at 19:29

        Der Krug geht natürlich solange zum Brunnen bis er bricht.

  2. Avatar

    Marcus

    11. Juli 2016 17:25 at 17:25

    Wie so oft hat die Medaille zwei Seiten…

    Zum Artikel: Obama ist wie viele andere Politiker von dem Keynesianischen Virus befallen. Staatsinterventionen und Schuldenmachen bis zum abwinken. Diese Art der Wirtschaftspolitik wird niemals funktionieren! Problem ist leider nur, das deren Vertreter -allen voran Herr Krugman- dies einfach nicht begreifen wollen.

    Das ist wie in der Geldpolitik: In den Lehrbüchern klappt immer alles wunderbar, nur mit der Praxis sieht es dann halt leider schlecht aus.

    • Avatar

      sabine

      11. Juli 2016 20:00 at 20:00

      Ich bin sicher, die begreifen sehr wohl, aber sie leben eben auf dem Buckel der dummen Masse, die dieses Modell ermöglicht. Sie wissen ganz genau, daß sie irgendwann den Stöpsel ziehen müssen. Heißt das nicht „game over“? Man muß sich halt schnell in Deckung bringen, wenns los geht. Und der Stöpselzieher weiß es als erster.

      Die Mehrheit hat nicht recht, sonst wär sie reich – englisches Sprichwort.
      Und solange Verbrecher wie diese Krugmans diese Schwäche der Massen ausnutzen, statt verantwortungsvoll zu herrschen, solange crashts, gehts wieder aufwärts, crashts, kommen Kriege usw.
      http://brothernathanaelchannel.com/watch_video.php?v=MA68R6AWDH16

      Was steht bei Isaias 32: 1. Siehe, in Gerechtigkeit wird der König herrschen und die Fürsten werden nach dem Rechten gebieten. Ein jeder wird sein wie ein vor dem Winde Geborgener, wie ein vor dem Sturme Geschützter, wie Wasserbäche bei der Dürre, wie der Schatten eines überhängenden Felsens in der Wüste. Nicht werden die Augen der Sehenden im Dunkel sein und das Ohr der Hörenden wird sorgfältig aufhorchen. Der Toren Herz wird Einsicht erkennen und der Stammler Zunge hurtig und deutlich reden. Nicht mehr wird der Tor Fürst genannt4 noch der Arglistige mehr ein Vornehmer genannt werden; 6. denn ein Tor redet Törichtes und sein Herz verübt Frevel, Heuchelei zu vollführen und gegen den Herrn trüglich zu reden, die Seele des Hungernden darben zu lassen und dem Durstigen den Trank zu rauben. Des Arglistigen Listen sind sehr böse, denn sein Sinnen geht darauf, die Sanftmütigen durch Lügenreden zugrunde zu richten, auch wenn der Arme sein Recht darlegt.
      So wärs richtig.

  3. Avatar

    Short-Trader

    11. Juli 2016 17:55 at 17:55

    Also was sagt man schönes, „wenn USA hustet, Europa bekommt Erkältung“.
    Wir sehen auch anhand von US Daten, wenn sie gut sind, geht es dem DAX und co. auch gut.

  4. Avatar

    leser

    11. Juli 2016 20:06 at 20:06

    Ich habe mir gerade mal den Bund-Future Chart angeschaut. Es würde mich nicht wundern, wenn die 168 das längerfristige Top war. Sollte dem so sein, dann ist Obamas Tip Gold wert (natürlich nur für Shorties, nicht für diejenigen, die auf Ökonomie-Ratschläge von Rekordschuldenmachern Wert legen).

  5. Avatar

    Kritix

    12. Juli 2016 10:31 at 10:31

    Der zynische „Dauergrinser“ verbreitet halt die vulgärökonomische Botschaft, die da lautet: Nach uns die Sintflut. Auch ein Erfolgsmodell, allerdings ein ziemlich kurzfristiges.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Coronavirus: Wie lange kann es an der Luft überleben?

Avatar

Veröffentlicht

am

Symbolbild für Coronavirus

Am 4.2.2020 schrieb ich das Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin an. Ich bat das Institut meine Fragen bezüglich des Coronavirus zu beantworten. Man antwortete mir, und verwies mich auf das Bundesinstitut für Risikobewertung (BFR), da diese alle Antworten geben können! Am 26.02.2020 besuchte ich die Seite des Bundesinstituts. Auf dieser Seite sollte ich alle meine Fragen beantwortet bekommen. Vorsichtshalber rief ich, bevor ich mir die Fragen und Antworten durchlas, am 26.02.2020 beim BFR an. Man bestätigte mir, dass die Antworten absolut aktuell sind und sie erst am 24.02.2020 aktualisiert wurden. Gleich am Anfang stand dort die Antwort meiner Frage! Sind auch andere Übertragungswege möglich?

Antwort: Es gibt derzeit keine Fälle, bei denen nachgewiesen ist, dass sich Menschen auf anderem Weg, etwa über den Verzehr kontaminierter Lebensmittel oder durch importiertes Spielzeug, mit dem neuartigen Coronavirus (offizielle Bezeichnung SARS-CoV-2) infiziert haben. Auch für andere Coronaviren sind keine Berichte über Infektionen durch Lebensmittel oder den Kontakt mit trockenen Oberflächen bekannt. Übertragungen über Oberflächen, die kurz zuvor mit Viren kontaminiert wurden, sind allerdings durch Schmierinfektionen denkbar. Aufgrund der relativ geringen Stabilität von Coronaviren in der Umwelt ist dies aber nur in einem kurzen Zeitraum nach der Kontamination wahrscheinlich.

Fragen zum Coronavirus an einen Experten

Ist das wirklich so? Hierzu setzte ich mich mit dem Experten für Hygiene und Umweltmedizin Herrn Prof. Dr. Kampf von der Universität Greifswald in Verbindung.

FMW: Herr Prof. Dr. Kampf, es gibt unterschiedliche Informationen über das Risiko der Übertragungswege des Coronavirus. Ist es denkbar, dass das Coronavirus zum Beispiel an einer Türklinke oder einem Haltegriff einer S-Bahn “überlebt“ und dadurch einen Menschen ansteckt?

Prof. Dr. Kampf: Zunächst einmal braucht es dafür Menschen, die mit diesem Virus infiziert sind und die das Virus über Tröpfchen (beim Niesen oder Husten) auf diese Flächen bringen. Das Virus muss dann in einer hohen Anzahl vorhanden sein. Es kann in dieser Situation bei Raumtemperatur durchaus 4-5 Tage an Oberflächen wie Glas, Kunststoff oder Metall überleben. Im Extremfall können es sogar bis zu 9 Tage sein, wobei die Anzahl nachweisbarer Coronaviren im Lauf dieser Zeit immer weiter abnimmt.

FMW: Das bedeutet, dass die Ansteckung zum Beispiel an der Türklinke am ersten Tag am höchsten ist, und zum Beispiel am 9. Tag am geringsten?

Prof. Dr. Kampf: Grundsätzlich ja. Doch gilt es zu beachten, dass wir noch nicht wissen, wie viele Viren es tatsächlich benötigt, um den Menschen zu infizieren. Es kann also durchaus sein, dass schon am 1. Tag das Risiko eher gering ist, denn für eine Übertragung von kontaminierten Flächen braucht es in der Regel die Hände. Nur ein Teil der Viren einer kontaminierten Fläche bleibt jedoch an den Händen haften. Und wiederum nur ein Teil davon kommt bei der Berührung mit dem eigenen Gesicht auf die Schleimhäute. Deshalb: regelmäßig Hände waschen, immer in die Ellen-beuge husten oder niesen, und nach Möglichkeit auf den Handschlag verzichten.

FMW: Ist es denkbar das dieser Coronavirus „künstlich“, also mit voller Absicht erschaffen wurde?

Prof. Dr. Kampf: Ich möchte diese Frage nicht beantworten und beteilige mich auch nicht an Spekulationen, denn es hilft momentan absolut niemandem!

Prof. Dr. Kampf will wie alle seine Kollegen auch keine Panik auslösen, deshalb ist er sehr vorsichtig mit seinen Äußerungen. Eines wurde mir aber klar. Da man noch nicht weiß, wie viel Vieren es braucht um einen Menschen zu infizieren, kann sich auch noch nach fünf oder neun Tagen ein Mensch über einen kontaminierten Gegenstand infizieren, zum Beispiel an einer Türklinke oder an Haltegriffen in Zügen. Hier zwei interessante Links:

https://www.lungenaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/wie-lang-coronaviren-auf-flaechen-ueberleben/

Im nächsten Link findet man Tabellen, wie lange das Virus überlebt:

https://www.journalofhospitalinfection.com/article/S0195-6701(20)30046-3/pdf

Was schrieb das Bundesinstitut für Risikobewertung noch gleich auf seiner Seite?: „Aufgrund der relativ geringen Stabilität von Coronaviren in der Umwelt ist dies aber nur in einem kurzen Zeitraum nach der Kontamination wahrscheinlich“. Ein kurzer Zeitraum sind 4-5 Tage mit Sicherheit nicht!

Bundesgesundheitsminister Spahn äußerte sich heute zum Coronavirus. Er machte klar, dass die beiden Fälle aus Baden-Württemberg, (ein Mann und seine Ehefrau) keine eindeutige Infektionskette vorweisen. Im gleichen Atemzug erwähnte Minister Spahn, dass aus Sicherheitsgründen das Europa League Spiel zwischen Inter Mailand und Ludogorets Rasgard (Donnerstag 21 Uhr) unter Ausschluss der Fans stattfindet. Das zeigt, wie ernst die Nachbarländer die Situation einschätzen – und wie man versucht eine Ausbreitung weitestgehend zu verhindern.

Ich vermute, gerade nach dem heutigen Telefonat mit Prof. Dr. Kampf, dass die Fakten der nicht vollständigen Infektionskette, die Bundesgesundheitsminister Spahn heute erwähnte, möglicherweise daraus resultieren, dass das Virus mehrere Tage an verschiedenen Oberflächen überleben kann! Durch ein Virus welches 4-5, oder sogar 9 Tage an Gegenständen schlummern kann, ist ein Bruch der nachvollziehbaren Infektionskette recht einleuchtend!

weiterlesen

Allgemein

Hongkong verteilt Helikoptergeld an alle Einwohner!

Avatar

Veröffentlicht

am

Die Skyline von Hongkong - Helikoptergeld für alle Bürger

Und ja, was haben die sogenannten „Crash-Propheten“ wie Marc Friedrich und viele andere vorhergesagt? Dass Regierungen und Notenbanken immer heftigere Mittel ergreifen würden, um das „kaputte“ Finanzsystem noch länger am Laufen zu halten. Eine dieser Maßnahmen würde auch das Helikoptergeld sein. Würden normale Notenbank-Maßnahmen wie Negativzinsen oder Gelddrucken keinen Stimulus mehr bringen, würde man auch dazu übergehen Helikoptergeld an die Bürger zu verteilen (eine mehr als umstrittene Idee). Also einfach so Geld an die Bürger verschenken, ohne Gegenleistung, ohne Rückzahlungspflicht. Und da das Coronavirus aktuell vor allem China hart trifft, sieht man sich zum Beispiel in der Sonderverwaltungszone Hongkong aktuell dazu genötigt nun solch eine Maßnahme zu ergreifen.

Denn wie die „South China Morning Post“ heute berichtet, zeigt der Haushaltsplan der Regierung in Hongkong genau dies. Es soll Helikoptergeld in Höhe von ca 1.200 US-Dollar an jeden Einwohner von Hongkong ausgegeben werden, der mindestens 18 Jahre alt ist. Neben dem Coronavirus muss man gerade für Hongkong ja bedenken, dass es dort monatelange Proteste und Straßenschlachten gab, was natürlich auch negativ auf den Tourismus wirkte. Dadurch ist vor allem Hongkong nun wirtschaftlich richtig angeschlagen. Die Idee hinter dem Helikoptergeld ist denkbar einfach. Die Regierung oder die Notenbank verteilt Geld direkt an die Bürger, damit die sofort konsumieren können, was sofort die Wirtschaft beleben soll. Aber: Dies ist nun mal eine einmalige Maßnahme, eine einmalige Stimulus-Spritze. Und danach? Eine nachhaltige und strukturelle Maßnahme scheint Helikoptergeld nicht wirklich zu sein. Eher eine Verzweiflungstat? Oder will man nun regelmäßig Schulden machen und immer wieder Geld an die Bürger verschenken, und ständig wieder einen schnellen kurzen Konsum-Stimulus zu erzeugen? Sozusagen linke Tasche, rechte Tasche? Wir schenken euch jetzt Geld, und irgendwann in der Zukunft erhöhen wir drastisch die Steuern, um uns das Geld zurückzuholen?

Neben Helikoptergeld will die Regierung in Hongkong aktuell auch Steuern senken und andere Stimulus-Maßnahmen ergreifen. Insgesamt soll das Paket gut 15 Milliarden US-Dollar kosten. Frage: Wer zieht nach? Auch Festland-China mit der Peoples Bank of China? Die Bank of Japan wäre auch ein heißer Kandidat, denn dort kauft man ja auch schon so ziemlich alles auf durch die Notenbank. Helikoptergeld wäre auch langsam mal angesagt?

weiterlesen

Allgemein

Warum eine Stagflation sehr gefährlich wäre

Avatar

Veröffentlicht

am

Containerterminal - Symbol für den Welthandel - eine Stagflation droht

Durch die Coronavirus-Epidemie droht den großen Volkswirtschaften eine Kombination aus stagnierender Wirtschaftsleistung und steigenden Preisen – die Stagflation. Warum sie so gefährlich ist und warum die Notenbanken in diesem Fall kaum Handlungsspielräume hätten.

Die Weltwirtschaft kühlt sich bereits merklich ab – eine Stagflation käme zur Unzeit

Belastet durch die teilweise Rückabwicklung der Globalisierung im Zuge der diversen Handelsstreitigkeiten sowie die globale Überschuldung hat sich das Weltwirtschaftswachstum bereits merklich abgekühlt. Nach noch 3,8 Prozent globalem Wachstum im Jahr 2017 waren es im Folgejahr, trotz massiver Steuerstimuli in den USA und ultralockerer Geldpolitik weltweit, nur noch 3,6 Prozent Wachstum. Im vergangenen Jahr brach die Expansionsrate dann auf 3,0 Prozent ein, vor allem wegen des Handelskriegs zwischen den USA und China sowie den Schuldenkrisen in diversen Schwellenländern (z. B. in Argentinien, der Türkei, Brasilien, Chile, Venezuela, etc.).

Für dieses Jahr hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognosen gemäß dem World Economic Outlook aus dem Februar bereits von 3,4 auf 3,0 Prozent abgesenkt. Doch der IWF behält sich weitere Revisionen vor und die Schätzungen diverser Bankenökonomen aus Nordamerika und Europa gehen mittlerweile nur noch von einer Wachstumsbandbreite zwischen 2,3 und 2,8 Prozent für das Gesamtjahr 2020 aus. Diese nochmalige Wachstumsabkühlung entspräche der geringsten Wirtschaftsdynamik seit der Finanzkrise. Bereits bei einer Wachstumsrate von global zwei Prozent spricht der IWF von einer „gefühlten weltweiten Rezession“.

Die größte Gefahr sieht der IWF in einer Unterbrechung der Lieferketten in Folge der Eindämmungsmaßnahmen der Coronavirus-Epidemie (sie verursacht aktuell auch Turbulenzen an den Börsen, siehe beispielsweise hier). Die betroffenen Unternehmen sind dadurch gezwungen, alternative aber auch teurere Quellen für Vorleistungsgüter und Zwischenprodukte zu nutzen, wenn es sie denn überhaupt in ausreichendem Maße gibt. Diese erzwungene Umorientierung in der Beschaffungskette führt zu steigenden Inputpreisen bei den verarbeitenden Unternehmen, die aber nicht durch eine höhere Nachfrage, sondern durch einen Angebotsschock verursacht werden.

Eine solche Situation gab es zuletzt in den 1970-er Jahren, als eine künstliche Verknappung der Angebotsmenge von Rohöl zu explodierenden Energiepreisen führte. Die wirtschaftliche Aktivität in den westlichen Ländern litt stark unter dem Ölpreisschock. Mit einer Kombination aus Zinsanhebungen und Lohnsteigerungen wurden damals die Inflationserwartungen eingedämmt und die reale Kaufkraft der Endverbraucher stabilisieret. Beides ist heute jedoch nicht möglich. Höhere Löhne zum Ausgleich gestiegener Preise würden die Margen der Unternehmen noch stärker belasten. Die Kapazitätsauslastung der US-Industrie befindet sich beispielsweise mit nur 76,8 Prozent bereits auf dem Niveau früherer Rezessionen. Zinsanhebungen zur Inflationsbekämpfung wären aufgrund des globalen Schuldenniveaus der „Sudden Death“ für den modernen Finanzkapitalismus. Eine Stagflation käme daher für die Weltwirtschaft zur Unzeit.

Kombination aus Angebots- und Nachfrageschock

Dass die Preise wegen Lieferverzögerungen und dem Ausfall von Zulieferbetrieben bereits ansteigen, haben die jüngsten Daten von IHS Markit zu den Einkaufsmanager-Indizes für den Monat Februar gezeigt. So ist der für Deutschland erhobene Index für das verarbeitende Gewerbe im Wesentlichen nur deshalb angestiegen, weil sich die beiden Unterkomponenten für die Lieferzeit und die Inputpreise signifikant erhöht haben. Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnte an diesem Montag vor sich verstärkenden Lieferengpässen in den kommenden Wochen und Monaten, vor allem aus Fernost. BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang spricht sogar von „Schweren Auswirkungen auf die Konjunktur“ durch den Angebotsschock aus China.

Kommt es also nun zu steigenden Preisen, dann nicht aufgrund einer prosperierenden Wirtschaft, sondern wegen der Knappheit bestimmter Güter. Gleichzeitig leidet auch die Nachfrage unter der eingeschränkten Bewegungsfreiheit von zig Millionen Konsumenten in den von der Epidemie betroffenen Regionen. Ganz abgesehen von der eingetrübten Stimmung der Verbraucher, die in solchen Ausnahmesituationen andere Sorgen haben, als dem Konsum zu frönen. Der drastische Einbruch der Automobilabsätze in China in den letzten beiden Monaten von 20 Prozent im Januar und 92 Prozent im Februar gibt hier einen Vorgeschmack auf das, was bei einer globalen Pandemie, die nach wie vor nicht gebannt ist, zu erwarten wäre.

In der Folge von Knappheit bestimmter Güter und Lebensmittel stieg die Inflationsrate im Reich der Mitte bereits massiv an, auf 5,4 Prozent im Januar. Im Vorjahresmonat, also im Januar 2019, lag die offizielle Inflationsrate noch bei moderaten 1,7 Prozent. Die Kombination aus Angebots- und Nachfrageschock kann in Kürze zu dem gefürchteten Phänomen der Stagflation führen. Dass die chinesische Wirtschaft im Auftaktquartal 2020 überhaupt gegenüber dem von Handelsstreitigkeiten weniger belasteten und vor allem virusfreien Vorjahresquartal 2019 wachsen kann, bleibt Wunschdenken des Regimes in Peking. Auch die westlichen Industriestaaten werden im ersten Quartal 2020 im besten Fall mit einer wirtschaftlichen Stagnation aufwarten können.

Den Notenbanken wären bei einer Stagflation die Hände gebunden

Die Bekämpfung einer Stagflation stellt die Fiskal- und Geldpolitiker in der heutigen Gemengelage vor besondere Herausforderungen. In China versucht die Notenbank auf Geheiß der Regierung, die Kreditvergabe massiv zu stimulieren, indem die Kreditkosten (Zinsen) sowie die Kreditanforderungen drastisch gesenkt werden. Andernfalls würden Millionen bereits angeschlagener Betriebe aus dem Markt ausschieden – ein Horrorszenario auch für den Westen. Bestimmte Vorprodukte werden nur noch in China produziert. Insofern offenbart die Coronavirus-Pandemie die enorme Abhängigkeit des Westens von China, was aus politischen Gründen in der Konsequenz ebenfalls zu einer Rückabwicklung der Globalisierung führen wird, um die Autarkie der westlichen Länder von essenziellen Produkten, wie zum Beispiel Arzneimitteln, sicherzustellen.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen
weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 30 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen