Öl-Überangebot: vor Rotterdam lange Schlangen von Tanker-Schiffen

Von Markus Fugmann

Der Ölpreis hat sich seit seinem Jahrestief Mitte Januar wieder deutlich erholt – aber es gibt viele Zeichen dafür, dass diese Erholung nicht allzu nachhaltig sein wird. Eines dieser Zeichen ist das, was derzeit im und vor allem vor dem größten Hafen Europas in Rotterdam passiert.

So warten derzeit 50 Öltanker vor dem Hafen Rotterdams – eine Schlange, so groß wie seit 7 Jahren nicht mehr. Der Grund ist einfach: da alle Lager in der Region weitgehend voll sind, muß das Öl in den Tankern zwischengelagert werden. Und weil der Bedarf an dieser Zwischenlagerung so groß ist, bildet sich eine lange Schlange vor dem Hafen Rotterdams, weil der Hafen nicht in der Lage ist, so viele Schiffe in kurzer Zeit abzufertigen.

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Einfach zu viel Ölproduktion – hier eine norwegische Bohrinsel von Statoil
Foto: Jarvin Jarle Vines / Wikipedia / Gemeinfrei

All das spricht eine klare Sprache: es gibt zu viel Öl auf dem Markt. So viel Öl, dass man nicht mehr weiß, wohin damit. Daher der Rückgriff auf die Öl-Tanker zur Zwischenlagerung. Und das bedeutet weiterhin: die Öl-Produzenten ziehen es offenkundig vor, das überreichliche Angebot an Öl zwischenzulagern, statt die Produktion zu kürzen. Ein Teufelskreislauf!

Dabei wäre eine Produktionskürzung wohl das einzige Mittel, um den Preis nachhaltig zu stabilisieren. Aber die Interessen sind zu unterschiedlich: der Iran will das nicht, nach Aufhebung der Sanktion braucht das Land Geld. Da die iranische Ölindustrie in einem technisch katastrophalen Zustand war (aufgrund der Sanktionen) sind hier schnelle Produktionssteigerungen zu erwarten, weil westliche Technologie die Fördermenge zeitnah deutlich erhöhen wird. Die US-Fracker hingegen brauchen jeden Cent, um ihre Kredite bedienen zu können – also fördert man weiter so viel wie möglich. Das Resultat ist eine massive Überproduktion – letzten Monat hatte der BP-Chef Bob Dudley gesagt, die Welt sei so voll mit Öl, dass die Leute ihre Swimmingpolls damit füllen könnten.

Ein weiterer wichtiger Faktor, warum das Überangebot nicht abnimmt, ist der sogenannte Contango. Das bedeutet: die Preise für Futures liegen höher, je weiter sie vom aktuellen Kontraktmonat (derzeit der April-Kontrakt) entfernt liegen. Also kaufen viele Öl-Händler das schwarze Gold zu den Preisen des aktuellen April-Kontrakts mit der Spekulation, das Öl dann später zu höhere Preisen wieder verkaufen zu können. Dazu aber müssen sie das Öl zwischenlagern und eben hoffen, dass der Contango so bleibt, wie er derzeit ist oder sich gar noch ausweitet.

Daher wird derzeit so viel Öl auf Tankern in offener See geparkt wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Am 11.Februar lag der Kontango übrigens auf einem 5-Jahreshoch: Öl-Kontrakte, die vier Monate entfernt vom aktuellen Kontrakt sind, notierten 6 Dollar höher als der aktuelle Kontrakt – das Allzeithoch beim Contango wurde im Janaur 2009, also auf dem Höhepunkt der Finanzkrise erreicht: damals waren es 15 Dollar. Und auch damals war die Ziwschenlagerung des Öls auf Tankern das Gebot der Stunde..

Derzeit liegen die Lagerbesände in Rotterdam laut der Firma Genscape, die auf die Messung von Lagerbeständen spezialisiert ist, bei 53,1 Millionen Barrel. Das ist der höchste Stand seit Beginn der exakten Erfassung dieser Daten seit 2013 zu dieser Jahreszeit. Laut Angaben der niederländischen Royal Vopak NV, der größten Firma weltweit für Öl-Lagerung, sind ihre in den Niederlanden befindlichen 11 Terminals zu 96% voll – vor einem Jahr waren es nur 85%. Das gleiche Bild etwa auch in den USA, wo de Lagerbestände in Cushing (Oklahoma) auf Allzeithochs liegen.

Und so ergibt sich derzeit ein ziemlich offenkundiger Widerspruch zwischen der Entwicklung des Ölpreises in den letzten Tagen und Wochen und der faktischen Lage am Ölmarkt, die von einem heftigen Überangebot gekennzeichnet ist. Zu erwarten ist daher, dass der Markt fürher oder später gezwungen sein wird, die Fundmentaldaten wieder einzupreisen!

Gute Geschäfte machen übrigens derzeit vor allem diejenigen Firmen, die sich auf die Öl-Lagerung spezialisiert haben – und die Inhaber der Tankerschiffe, in denen das Öl ziwschengelagert wird.


Kommentare

Öl-Überangebot: vor Rotterdam lange Schlangen von Tanker-Schiffen — 1 Kommentar

  1. Einfachste Mathematik .
    In den letzten 12 Monate haben sich die Lager um 11% auf 96% gefüllt .

    Ergo in 4 Monaten ist Ende ,spätestens . alle drosseln die Förderung, der preis geht hoch . 42$…. 2 Monate darauf ist Winterheizen angesagt . 49$. Alle happy .

    Kriege noch nicht mal eingerechnet .
    Iran als Förderer auch nicht auf 12 Monate berücksichtigt .

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