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Saudi-Arabien wohl mit 19,5% Staatsdefizit – aber alles nur halb so wild

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Von Claudio Kummerfeld

Saudi-Arabien lebt vom Öl – daher wird man gerade im Jahr 2015 ein dramatisches Staatsdefizit anhäufen – aber alles nur halb so wild, denn man hat einen Rettungsanker.

Saudi Arabien Daten IWF
Ökonomische Daten für Saudi-Arabien ermittelt vom IWF. Grafik: IWF

Wie der IWF aktuell prognostiziert, wird sich das Staatsdefizit von Saudi-Arabien in 2015 auf dramatische 19,5% belaufen. Die jährlichen Ausgaben des Staates werden also vermutlich 19,5% höher sein als die Einnahmen (fast nur aus Öl). Damit hätte man wohl keine Chance die EU-Stabilitätskriterien von maximal 3% zu erfüllen 🙂 Das BIP soll 2,8 wachsen, in 2016 2,4%. Immer noch paradiesisch im Vergleich zu Europa.

Das saudische Finanzministerium ging im Dezember 2014 noch von einem Staatsdefizit von 5% aus – da schwebte der Ölpreis aber noch in anderen Sphären (ca. 55 Dollar). Wohl kaum rechnete man selbst beim OPEC-Primus mit einem derart fortgesetzten Abwärtstrend. Neuere Daten oder Projektionen der Saudis selbst sind nicht zu finden, von daher beziehen wir uns hier und heute mal auf die aktuellen Prognosen des IWF.

Aber wen interessiert das schon in Saudi-Arabien. Die Ölproduktion ist nach wie vor profitabel und die Gewinne fließen. Da liegt das Problem nicht. Ein wirklich langfristiges und strukturelles Problem besteht darin, dass das saudische Königshaus sein Volk dadurch ruhig hält, dass man es mit den Öl-Milliarden überschüttet. Ein Großteil des Volkes wird im Staatssektor mit Jobs oder besser gesagt Positionen versorgt, die nicht gerade effizient oder notwendig sind. Aber Hauptsache man ist glücklich und versorgt. Und diese hohen Kosten um das Volk bei Laune zu halten übersteigen derzeit die Einnahmen aus dem Ölsektor, weil der Ölpreis in den letzten Monaten so weit gefallen ist.

Der IWF mahnt Saudi-Arabien benötige dringend eine Reform des staatlichen Ausgabensektors, sonst würde auch mittelfristig das Staatsdefizit so hoch bleiben. Der IWF rät den Saudis auch dazu überhaupt mal damit anzufangen eine Mehrwertsteuer und Grundstückssteuern einzuführen – so was kennt man dort nämlich (noch) gar nicht. Zitat IWF:

„Directors noted that the sharp drop in oil revenues and continued expenditure growth would result in a very large fiscal deficit this year and over the medium term, eroding the fiscal buffers built up over the past decade. Against this background, they underscored the need for a gradual, but sizable multi-year fiscal adjustment based on a mix of expenditure and revenue measures. These measures should include comprehensive energy price reforms, firm control of the public sector wage bill, greater efficiency in public sector investment, and an expansion of non-oil revenues, including by introducing a VAT and a land tax. Directors agreed that issuing debt to finance part of the deficit is appropriate and would help promote the development of private capital markets.“

Saudi-Arabien hat im August Anleihen für 5,3 Milliarden Dollar verkauft um sein Defizit zu decken, aber keine Angst – dies entspricht gerade mal 1,6% des Bruttoinlandsprodukts des Landes, so der IWF. Also noch jede Menge Luft nach oben beim Schuldenmachen! Aber mal ernsthaft: Das ist derzeit und auch mittelfristig überhaupt kein Problem, denn Saudi-Arabien erstickt in seinen angelegten Vermögenswerten, die bei grob geschätzt 600-650 Milliarden Dollar liegen und noch eine kleine Ewigkeit reichen.

Ein paar Jahre wird man im Königspalast in Riad sicher noch entspannt und mit Genugtuung den niedrigen Weltmarktpreisen für Öl zugucken, bis die Fracking-Konkurrenz aus den USA platt ist. Aber langfristig, vielleicht auf eine Sicht von 5 Jahren, wird man sich wohl auch mit einem Ölpreis (WTI) von 50 oder 60 Dollar wohler fühlen.



Hier geht´s zum Original-Report des IWF für Saudi-Arabien.

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ETFs: Druck auf Fondsbranche wächst weiter

Sechs Billionen Dollar oder fünfmal den Gegenwert des deutschen Dax – das ist bereits das Volumen von ETFs, die einen Index abbilden

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Sechs Billionen Dollar oder fünfmal den Gegenwert des deutschen Dax – das ist bereits das Volumen von ETFs, die einen Index abbilden (passiven, börsennotierte Indexfonds). In der letzten Woche kamen hierzu neue, beeindruckende Zahlen.

ETFs: Der unaufhörliche Aufstieg der Exchange Traded Funds

Allein schon die Summe von sechs Billionen Dollar an ETFs ist sehr beeindruckend, angesichts der Relation zu den circa 85 bis 90 Billionen Gesamtvolumen an börsennotierten Aktienwerten weltweit. Aber dass es allein in den letzten vier Jahren eine Verdoppelung dieser Anlagesumme gegeben hat, beeindruckt fast noch mehr.

„Das Überspringen der Sechs-Billionen-Grenze ist ein historischer Moment, aber wir sind immer noch auf einer frühen Stufe der Entwicklung der Industrie, da die ETF-Verbreitung in Europa und Asien weit hinter der in den USA hinterherhinkt,“ erklärt Deborah Fuhr, Mitgründerin der Beratungsfirma ETFGI, einem in London ansässigen und erst 2012 gegründeten Unternehmen.

In den USA ist diese Entwicklung schon deutlich fortgeschritten, schließlich wird dort bereits die Hälfte des in Fonds investierten Kapitals in ETFs abgebildet. Anhand dieser Zahlen kann man abschätzen, unter welchem Druck die US-Fondsbranche steht – im Zweikampf mit dieser managerlosen und billigen Form der Anlage in Aktien. Wie aus zahllosen Untersuchungen hervorgeht, sind die aktiven Fonds in den USA nahezu chancenlos gegenüber der Benchmark S&P 500. In 10-Jahres-Vergleichen liegen diese bis zu 99 Prozent hinter dem großen Index. Wie schwer muss es da einem aktiven Fondsmanager fallen, bei einer Jahresendrally an der Seitenlinie zu stehen?

Der Fondsriese Blackrock, der mit seiner Tochter iShares dick im Geschäft ist, rechnet damit, dass das Gesamtvolumen der Branche bis 2023 durchaus auf zwölf Billionen US-Dollar steigen könnte. Blackrock hat bereits zwei Billionen US-Dollar Anlagegelder in seiner ETF-Verwaltung, aber das am schnellsten wachsende Unternehmen der Branche ist allerdings seit sieben Jahren der US-Anbieter Vanguard (kürzlich verstarb der Gründer der Firma (1974), Jack Bogle, der als Erfinder der ETFs gilt.

 

ETFs und der Dax

2018 hat der Dax 18,3 Prozent an Wert verloren. Von den aktiven Fonds haben aber drei Viertel noch schlechter abgeschnitten. So kommt das Argument etwas ins Wanken, das passive Indexfonds in Hausse-Phasen kaum zu schlagen seien, aber in Bausse-Phasen die Stunde der aktiven Fonds schlüge.

Das Ganze wird umso dramatischer, wenn man die Kostenstruktur betrachtet, die bei den ETFs ein bis eineinhalb Prozent unterhalb unter der der aktiven Indexfonds liegt. Kurzum: Der Anstieg der ETFs dürfte auch in Deutschland voranschreiten. Allerdings gibt es kaum ein Wirtschaftsmagazin, welches nicht für ETFs auf den MSCI World Index wirbt, mit seinen 1650 Aktien weltweit.

 

Fazit

Trotz aller Gefahren, die ein Investment in passive Fonds mit sich bringen kann  (vor allem bei Nischenfonds): der Siegeszug der ETFs ist nicht mehr zu ignorieren. Da kommen einem immer wieder die Worte des vielleicht größten Investors aller Zeiten, Warren Buffett, in den Sinn, der seiner Frau nach seinem Ableben empfiehlt, ihr Kapital in einen ETF auf den S&P 500 anzulegen. Es würde nach ihm vermutlich ohnehin kaum jemand mehr schaffen, langfristig den Index zu schlagen.

ETFs werden als Anlagevehikel immer dominanter

 

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Bundesbank: Binnen 6 Monaten BIP-Prognose halbiert

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Noch im Juni verkündete die Bundesbank ihre BIP-Prognose für 2020 mit einem Wachstum von 1,2%. Heute nun hat man seine neueste BIP-Prognose veröffentlicht. Nächstes Jahr soll die Wirtschaft nur noch mit 0,6% wachsen. So schnell können sich die Aussichten eintrüben? Aber, so die Bundesbank, ein Abrutschen in die Rezession erwarte man nicht. Ja, das hört man nicht nur von der Bundesbank, sondern auch von so ziemlich allen Wirtschaftsforschungseinrichtungen. Kurzfristig schwach, dann aber ab 2021 wieder deutlich besseres Wirtschaftswachstum? 2021 und 2022 soll das Wachstum bei jeweils 1,4% liegen.

Natürlich ist es möglich und auch gut vorstellbar, dass die Schwäche der Industrie überwunden wird, und dass die BIP-Prognose sich für die kommenden Jahre dadurch aufhellt. Aber die Bundesbank spricht in ihren Aussagen auch von anderen Faktoren, die das BIP pushen sollen. Und ob diese Faktoren wirklich positiv wirken werden? Na ja… aber lesen Sie selbst. Hier die Bundesbank auszugsweise im Wortlaut:

Vielmehr sehen die Expertinnen und Experten erste Signale dafür, dass die deutsche Wirtschaft ihre gegenwärtige Schwächephase allmählich überwinden kann. Zwar dürfte das Beschäftigungswachstum und damit der Anstieg der verfügbaren Einkommen im Projektionszeitraum bis 2022 deutlich zurückgehen. Dies bremst die Zuwächse der Binnennachfrage ab. Jedoch sollten die stützende Finanzpolitik und die sehr expansive Geldpolitik Auftrieb geben. Zudem dürfte sich das anhaltend schwache Exportwachstum im Verlauf des Jahres 2020 allmählich erholen. „Damit sollte sich auch die Industriekonjunktur fangen und die ausgeprägte Zweiteilung der deutschen Wirtschaft zurückbilden“, sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann anlässlich der neuen gesamtwirtschaftlichen Vorausschätzungen. Das Wirtschaftswachstum wurde zuletzt vor allem von den binnenwirtschaftlich orientierten Branchen getragen, währen die exportorientierte Industrie schwächelte.

BIP-Prognose der Bundesbank für die nächsten Jahre

Die Bundesbank-Zentrale in Frankfurt
Bundesbank-Zentrale in Frankfurt. Foto: Kandschwar CC BY-SA 3.0

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Aktuell: China verschiebt Pressekonferenz auf 16.00Uhr

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Soeben Eunice Yoon (CNBC) in Peking: die PK ist auf 16Uhr verschoben worden..

Man kann vermuten, dass die Drähte heiß laufen zwischen Wahsington und Peking..

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