Trumponomics: Ein Desaster-Szenario für die OPEC

FMW-Redaktion

Wir betonen das Wort „Szenario“. Denn noch weiß niemand genau, was Donald Trump denn nun wirklich ab dem 20. Januar alles umsetzen wird. Aber es kursieren schon einige Gerüchte und Szenarien, was in Sachen Öl unternommen wird um die Fracking-Industrie in den USA noch viel schneller als gedacht wieder nach vorne zu bringen, damit sie möglichst schnell möglichst viele neue Jobs schafft. Und ja, die Fracker hatten bis 2014 für viele Amerikaner ohne Hochschulabschluss verdammt gute Gehälter gezahlt. Es ging hier also nicht um die Jobs für 9 Dollar die Stunde im Einzelhandel.

Trump´s Devise lautet „America first“ und „Make America great again“. So will er die Produktion aus China und Mexiko zurückholen. Und die USA sollen unabhängig von ausländischen Produktionen werden. Wenn dies stimmt, dann gilt das vielleicht auch für den Ölmarkt. Nach dem umfassenden Aufkommen der Fracking-Industrie in den letzten 10 Jahren sanken die Öl-Importe der USA bereits kräftig von 13 Millionen auf jetzt unter 5 Millionen Barrels pro Tag. Das Portal Governments and Markets bringt die gar nicht mal so weit hergeholte Theorie ins Spiel, dass die Trump-Administration auch beim Ölmarkt die völlige Unabhängigkeit der USA anstreben könnte, also Öl-Importe reduzieren auf 0.

Wie man das machen könnte? Ganz einfach. Man führt einen 20% Ölimport-Strafzoll ein. Damit wären sämtliche Ölproduzenten in Übersee auf einen Schlag raus aus dem US-Markt. Gleichzeitig könnten die Fracker in den USA ihre Preise sagen wir mal um locker 10% anheben, und wären trotzdem immer noch günstiger als ausländische Produzenten, die in den USA verkaufen wollen. Die Importsteuer wäre also gleichzeitig ein sofortiger Wachstumsschub für die heimischen Fracking-Buden, die umgehend ihre Kapazitäten rauffahren könnten. Höhere Preise, viele neue Jobs, keine ausländische Konkurrenz. Sensationell, prima, lasst uns die Quellen auspressen – so könnte ganz schnell das Motto lauten.

Die Betonung liegt hier immer auf „könnte“. Denn genau so gut könnte dies nur ein Planspiel sein, dass man Trump seitens seiner Berater ausredet, weil man im Gegenzug doch so einige handelstechnische Gegenreaktionen ausländischer Regierungen erwarten würde. Aber käme es so, würde das natürlich in den USA für die eigenen Konsumenten stark steigende Benzinpreise mit sich bringen. Aber die Rechnung wäre: Hey, ihr zahlt zwar mehr für Benzin – aber dafür gibt es jede Menge sehr gut bezahlte neue Jobs in der Fracking-Industrie, und damit deutlich mehr Kaufkraft!

Ach ja, das ist noch was… nehmen wir mal an Trump führt so eine Öl-Importsteuer wirklich ein, und die Fracker im Inland können nicht schnell genug die Inlandsproduktion hochfahren. Da gibt es ja noch die Strategische Öl-Reserve in den USA. Die US-Energiebehörde hatte erst im Dezember beschlossen diese Reserve von bisher insgesamt 695 Millionen Barrels kräftig abzubauen, nämlich um satte 190 Millionen Barrels in den nächsten 8 Jahren. Dieses Zeitfenster könnte man auch deutlich abkürzen und die Menge schneller auf den eigenen Markt werfen. Aber jetzt genug mit Spekulationen. In 8 Tagen sind wir vielleicht schon schlauer. Spannend wir es allemal.


Netto-Ölimporte in die USA. Grafik: US EIA


Kommentare

Trumponomics: Ein Desaster-Szenario für die OPEC — 2 Kommentare

  1. Ich finde die Idee genial – wenn man auf eine langanhaltende Baisse beim Rohöl spekulieren will.

    „In 8 Tagen sind wir vielleicht schon schlauer.“
    Herr Trump ist ja nicht verpflichtet sämtliche seiner Vorhaben bereits am 20.Januar publik zu machen. Genausogut kann er nachlegen und dies nach 80 Tagen verkünden.

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