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TTIP: Obama der Verkäufer, Merkel & Malmström genervt vom Protest?

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Von Claudio Kummerfeld

Am Wochenende demonstrierten zehntausende in Hannover gegen TTIP. US-Präsident Obama war in Hannover um mit Angela Merkel die Hannover Messe zu eröffnen. Er redete hauptsächlich zum Thema TTIP, wo es weniger eine Rede war, als eine Art Verkaufsveranstaltung. Alles super, alles toll, alles nur Vorteile. Angela Merkel und EU-Handelskommissarin Malmström scheinen von den Demonstranten genervt zu sein und von der Hoffnung getrieben, dass TTIP nun endlich zügig durchgeboxt werden kann…

TTIP Angela Merkel
Angela Merkel will TTIP durchboxen. Foto: Flickr / Wikipedia (CC BY 2.0)

Wo ist Obamas Problem? Mit Ausrufezeichen wie der Annäherung an Kuba versucht er kurz vor Ende seiner Amtszeit nochmal zu zeigen, dass er irgendetwas Nachweisbares hinterlässt. So versucht es ja jeder. Auch das Thema TTIP will er noch schnell durchdrücken – dazu muss es jetzt aber schnell gehen. Mit Donald Trump, das ist klar, wird TTIP wohl kaum zu machen sein – die Fahrt dürfte da eher in Richtung mehr Protektionismus gehen, also mehr Zölle. Und Hillary Clinton machte ähnliche Andeutungen. Zumindest kann man den Eindruck gewinnen, dass ihr das Thema nicht sonderlich am Herzen liegt. Wofür Hillary überhaupt steht, scheint niemand so genau zu wissen, aber jedenfalls scheint Obama sich noch schnell dieses TTIP-Denkmal setzen zu wollen.

So wurde seine Rede zu einer Art Heizdecken-Verkaufsvortrag, nur ohne Heizdecken. Verkauft werden sollte ein Abkommen zwischen den USA und der EU, wo Zölle und Regeln verschwinden. Die Befürchtung, dass man sich bei den TTIP-Verhandlungen in einzelnen Themengebieten auf den jeweils niedrigsten Nenner einigt, also auf die schwächeren Vorschriften, die entweder in den USA oder der EU vorherrschen, wollte Obama den Zuhörern nehmen. Er wolle eher, dass die jeweils höheren Standards angesetzt werden – wie das sichergestellt werden soll, sagte er nicht. TTIP soll für beide Seiten herausragende Vorteile bringen, neue Arbeitsplätze und und und, so Obama. Alles sei toll – Bedenken gäbe es zwar auch, aber man müsse nach vorne schauen – und wenn man jetzt das Abkommen nicht bald abschließe, werde diese Möglichkeit für längere Zeit verbaut sein, so Obama.

Er nutzte die Hannover Messe und das Treffen mit Angela Merkel nicht nur zum reinen Werben für TTIP, sondern auch als Verkaufsveranstaltung für den Wirtschaftsstandort USA. Eigentlich stellt sich kein Staatschef vor die Presse und wirbt wie ein Verkäufer um neue Kunden, aber Obama tat es. „Meine wichtigste Botschaft ist… wenn Sie eine Produktion aufbauen wollen, suchen Sie sich Amerika aus – kommen Sie in die USA“, so Obama. Anwesende hätte vorher fast den Eindruck bekommen können bei TTIP ginge es um einen normalen Handelsvertrag, um etwas dass beiden nur Vorteile bringt. Dabei ist TTIP in Wirklichkeit die Schaffung eines transatlantischen Binnenmarktes. Keine Zölle, keine Barrieren, keine Hindernisse mehr, das ist nichts anders als ein Binnenmarkt, genau wie die EU,  nur auf Wirtschaft begrenzt. Und wie wir alle wissen: In Sachen Marktwirtschaft sind die Amis einfach fitter als unser Zeitlupen-Politiker in Brüssel und Berlin. Es ist ganz einfach: Wer wird wen über den Tisch ziehen? Wer ist ausgebuffter wenn es um Wirtschaft geht? Da muss man nicht lange überlegen.

Brüssel

EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström hatte zuletzt öfters ihr Unverständnis zum Ausdruck gebracht, warum gerade diese Deutschen, denen es doch wirtschaftlich so gut gehe, gegen TTIP demonstrieren. Schaut man sich gerade ihre Reaktionen auf TTIP-Proteste an, scheint es sich hierbei generell um ein großes Unverständnis zu handeln. Als der Druck von der Straße auf die deutsche Politik überschwappte und nach Brüssel weitergereicht wurde, musste Malmström, die dazu gar keine Lust hatte, bei den Amerikanern für Parlamentarier einen breit angelegten Zugang zu den TTIP-Verhandlungsdokumenten durchsetzen. Viel zu spät bekam sie den Bogen und tat so, als wäre sie auch für mehr Transparenz.

Auch Angela Merkel mag wohl daran denken, dass sie TTIP noch vor der nächsten Bundestagswahl und wenn irgendwie möglich vor der US-Präsidentschaftswahl hinbekommen muss. Die Bundesregierung wolle TTIP, und man werde in Europa dafür werben, dass es eine starke Verhandlungsdynamik gebe, so Merkel in ihrer Eröffnungsrede zur Hannover Messe.

Warum nörgeln diese nervigen Deutschen an TTIP rum?

Wohl alle zusammen, so darf man es vermuten, fragen sich, warum diese nervigen Deutschen so sehr an TTIP rumnörgeln. Egal ob Obama, Merkel oder Malmström. Der hohen Politik scheint wohl nicht klar zu sein, dass viele Bürger „viel mehr verstehen.“ Das Gesellschaftssystem in den USA weicht nämlich extrem von dem in Europa ab. Obwohl beide zum „Westen“ gehören, entwickelte sich jenseits des Atlantiks eine völlig andere Kultur. Dabei soll an dieser Stelle nicht darüber geurteilt werden, ob die europäische besser und die US-Variante schlechter ist oder umgekehrt. Es geht um ein grundlegendes Verständnis von Wirtschaft.

In Europa herrscht eine sozial geprägte Wirtschaftsordnung, basierend auf Regeln und Vorsorge. Neue Produkte, neue Märkte, alles muss im Vorhinein voll und ganz reguliert sein. Das verlangsamt Prozesse, kann später aber auch große Folgeprobleme vermeiden. In den USA ist grundsätzlich erst einmal alles erlaubt, ohne staatliche Beschränkungen – der freie Markt soll sich entfalten. Geht z.B. bei der Einführung eines neuen Produktes irgendetwas schief, muss der US-Produzent dann mit Millionen- und Milliardensummen als Entschädigungszahlung bluten.

Es ist vielleicht das nur all zu gute Verständnis vieler Europäer über genau dieses amerikansiche Modell, das ihnen Sorgen macht. Sie haben vielleicht keine Lust auf z.B. gen-veränderte Lebensmittel, bei denen mangels Regulierung durch TTIP die Probleme erst nach Jahren auftreten, wo es für die Gesundheit von Verbrauchern dann zu spät ist. Dann kann man in den USA vielleicht Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe geltend machen – die Gesundheit ist aber trotzdem ruiniert. Mag das nur als ein Beispiel eine grundlegende Angst sein, die die europäische Politik einfach nicht verstehen will?

Es gibt ein grundlegendes Problem. Wie auch bei anderen Themenfeldern hört man von Beteiligten der TTIP-Verhandlungen von beiden Seiten Floskeln wie „Bedenken und Ängste muss man erst nehmen“. Nur warum werden dann, so darf man wohl fragen, Lobbyverbände aus der Wirtschaft für die TTIP-Gespräche konsultiert, aber keine Verbraucherverbände oder Umweltschutzorganisationen? Warum können sie keine Vertragstexte als Vorlagen für das Abkommen beisteuern? Dabei geht das Abkommen ja Industrie wie Verbraucher gleichermaßen an. Leider wird seitens Merkel, Gabriel, Malmström und Co die Kritik an TTIP nach wie vor als nervend und lästig empfunden – da hat man wohl kaum Lust sich groß auseinanderzusetzen – es reicht in der Außenwirkung gerade noch für Floskeln wie „Bedenken ernst nehmen“ oder „Bürger besser informieren“. Die Verbraucherverbände z.B. sind leztlich genau so Lobbyverbände wie die der Industrie – warum werden sie nicht eingeladen? Die Tatsache, dass sie am Prozess von TTIP nicht aktiv teilnehmen können, schürt nur das Misstrauen, das in vielen Bereichen nicht unberechtigt ist.

13 Kommentare

13 Comments

  1. Wolfgang Koch

    25. April 2016 14:40 at 14:40

    TTIP muss jetzt(zum Wohle aller natürlich)durchgepeitscht werden!Die Sterne werden nie mehr so günstig dafür stehen.Die Idealkonstellation: Farbiger Blender vorm Herrn&eine CIA/FBI/NSA-abhängige Kanzlerin Angela „Guillaume-Merkel“,wird es demnächst nicht mehr so schnell geben.Mehr&mehr Deutsche spüren,dass Ihnen sämtliche Wertschätzung ihres täglichen Tuns verweigert wird.TTIP go Home&nimm deine Topspione Merkel&Gauck gleich mit!P.s.Nur nebenbei,weil höchstwahrscheinlich total irrelevant::Ein Heer&Parteiführer,welcher aus der derzeitigen Position weniger gemacht hat,als der Siechmar,notiert unter der Rubrik:Sigmar,gib mir meine Mehrheiten wieder.

  2. Gerd

    25. April 2016 14:42 at 14:42

    Mein Dankeschön für den Bericht.
    Gerd

  3. leser

    25. April 2016 15:02 at 15:02

    Mancher Autohersteller lernt gerade die Vorteile des freihesten aller freien Märkte hautnah kennen…

    TTIP braucht es nicht. Handelsregeln lassen sich prima über die WTO regeln.

  4. hans

    25. April 2016 15:12 at 15:12

    Nicht so hart zur alternativlosen Ossitrulla, die MUß alles tun was die Amis sagen.

    Z.B. die Türkei&Ukraine werden von lupenreinen Demokraten regiert, das muß auf Ihre Anweisung in den KRITISCHEN Medien, vor allem ARD&ZDF, verbreitet werden.

    Und Osama ist selbst in die WTC gefolgen, mit jeder Menge Termalthermit im Gepäck.

    Und Bush&Obama wollen stehts das Beste, sind keine KRIEGSVERBRECHER mit Foltergefängnissen. usw. usf.

  5. Thomas

    25. April 2016 16:33 at 16:33

    Wir leben in einer Demokratie und alleine aus dem Grunde sollte TTIP schon abgelehnt werden. Es kann nicht sein, dass die meiste Zeit über die Volksvertreter nicht wissen (dürfen), um was es geht bzw. keine vollumfängliche Einsicht in alle Unterlagen erhalten.

  6. Steven

    25. April 2016 16:40 at 16:40

    WDR 2 heute : ein gewisser Graf Lambsdorff als ttip Verteidiger sagte: man hofft bis Ende des Jahres alles fertig zu haben ,dann dauert es ca noch 2 Jahre bis es in allen Parlamentn ratifiziert ist . …vielleicht wird auch im Bundestag darüber abgestimmt .

    Ansonsten hat er sehr verbissen dafür argumentiert . sehr unschön .

    – hat er plump gelogen?
    – weis er es nicht besser ?
    Oder
    – ist der Zeitplan einfach ausser Kontrolle ?

    • N.Ritter

      25. April 2016 17:40 at 17:40

      So ein Abgeordneter hat’s ja auch nicht leicht: Wie soll er denn für TTIP argumentieren und dabei noch glaubwürdig wirken, wenn jeder weiß, dass ihm die mehrhundertseitigen Dokumente in einer Abstellkammer mal für 10 Minuten unter die Nase gehalten wurden und er nicht mal ausplaudern darf, was für gigantische Vorteile für’s gemeine Volk er bei dieser Gelegenheit entdeckt hat.

    • Wolfgang Koch

      25. April 2016 19:31 at 19:31

      Bis es in allen Parlamenten ratifiziert ist?Welche Parlamente?Bundestag?was isn das?Graf Lambsdorff,Silberkrücke,!-hat er plump gelogen?Nein,Sie lügen nicht,zumindest nicht plump.Doch,er&all die anderen TTIP-Prostituierten wissen es schon besser,-die Zeit ist ein vernachlässigbares Kriterium der Weltverbesserer.Wollt Ihr das totale Wachstum?Wollt ihr es totaler,als ihr es euch bis jetzt vorstellen könnt?Jaaaaa,natürlich!Führer OBAMA,befiehl,wir folgen dir!In meiner ,momentanen Stunde Null,spielen all die Lutscher,der parlamentqarischen Istzeit keine Rolle mehr.So ungefähr,wie in der Automobilindustrie.Ich nfahre einen der 1.Tesla Model S.EinAutomobil,eigentlich der Wahnsinn.Zu Teuer,110000€,nicht in 3 Minuten aufgetankt,aber die Zukunft!

  7. ichtragenatur.de

    25. April 2016 18:21 at 18:21

    Schner Berich! Dankte.
    TTiP ist die Entdemokratisierung.

    In tausenden Jahren wird man sich von den „Goldenen Europäern“ erzählen, die zu dumm waren, aus der Geschichte zu lernen. http://www.ichtragenatur.de/glosse2/175-glosse-zu-ttip

    • Wolfgang Koch

      25. April 2016 19:49 at 19:49

      Die €uropäer sind die Indianer der Istzeit.Der weisse(in diesem Fall farbige Mann,wird Ihnen schon beibringen,wie das so demnächst läuft,mit Bisons,Alkohol,Ureinwohnerrechten&so.Je suis Apache!War ich auch,leider alleine!Keine Merkel,kein President der 5.Republik keine .,..alle der üblichen Verdächtigen.Je suis Deutschmann,hoffentlich noch ca.20Jahre,dann ist’s gut!

  8. Hans Meier

    25. April 2016 20:17 at 20:17

    nun, unsere Politiker verschenken die wertvollen Assets an die angloamerikanische Hochfinanz – und nach dem Bürgerkrieg werden wir diese Kumpanen zur Rechenschaft ziehen und alle getroffenen Regelungen außer Kraft setzen.

    OK, die Politiker wissen um die Konsequenzen, deshalb auch der Bundeswehreinsatz im Innern und die Bargeldabschaffung.

    Jungs, wir sind mindestens 50 Millionen und solltet ihr auf ner halben Millionen treuer Vasallen kommen, sind wir eine Übermacht von 1:100

    Also, Gabriel & Co lasst es einfach!

  9. Eggroll

    25. April 2016 20:38 at 20:38

    Danke für den Bericht, vergesst aber bitte nicht, dass TTIP in den USA auch heftig kritisiert wird, nicht zuletzt, weil die USA jüngst auch Opfer einer Schiedsgerichtsklage in Höhe von 15 Mrd US$ geworden ist.

    Lori Wallach, Anwältin bei PublicCitizen, einer der größten Verbraucherschutzorganisationen der USA, hat auf der Demo am Samstag ebenfalls gesprochen. Und das hat sie gesagt:
    https://causa.tagesspiegel.de/wir-brauchen-keine-schiedsgerichte-gar-keine.html

    Sie hat auch gesagt, dass auf Grund dieser Klage TTIP im Kongress aktuell keine Mehrheit findet!

  10. Gabriel Scheer

    25. April 2016 21:32 at 21:32

    Bin beeindruckt von der Resonanz der Leserschaft

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Handelskrieg – nach dreizehn Verhandlungsrunden zurück bei „Phase 1“

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Containerschiffe - Symbole im Handelskrieg

Die hochrangigen Gespräche in Washington endeten gestern Abend mit Absichtserklärungen und weiteren Zeitplänen. Einen Deal gab es im Handelskrieg noch nicht. Alle etablierten Zölle und Sanktionen bleiben vorerst in Kraft. Zentrale Fragen sind weiterhin offen.

Handelskrieg – keine weitere Eskalation

Eine gute Nachricht vorweg: Die für kommenden Dienstag geplante Zollanhebung von 25 auf 30 Prozent auf Importe aus China im Gesamtwert von 250 Mrd. US-Dollar wird ausgesetzt.

Zudem sprachen beide Seiten von „substanziellen Fortschritten“ in den Verhandlungen. Wobei Donald Trump erneut rhetorisch über das Ziel hinausschoss und von einer „substanziellen Einigung“ sprach, die es aber laut chinesischer Nachrichtenagentur Xinhua nicht gab, ebenso wenig wie einen Deal oder einen Teil-Deal. Lediglich den Ankauf von US-Agrarprodukten hat die chinesische Seite verbindlich zugesagt. Eine schriftliche Zusammenfassung der erreichten Verhandlungsergebnisse gab es ebenfalls nicht. Der amerikanische Finanzminister Steven Mnuchin, der zusammen mit Robert Lighthizer die Verhandlungen für die US-Seite führte, äußerte sich daher auch zurückhaltend und sprach davon, dass es noch viel Arbeit zu tun gäbe, auf dem Weg zu einer Teilübereinkunft. Das liegt auch daran, dass bei den wichtigsten Kernthemen keine Kompromisse erzielt werden konnte. Das gilt insbesondere für die Huawei-Sanktionen, den Schutz geistigen Eigentums und für die staatlichen Subventionen an chinesische Unternehmen.

Nach dem Besuch des chinesischen Verhandlungsführers Liu He im Weißen Haus musste der US-Präsident dann auch eingestehen, dass man sich nach 18 Verhandlungsmonaten, sieben Zoll-Eskalationsstufen und diversen Sanktionen gegen Bürger, Unternehmen und Organisationen nun wieder in „Phase 1“ der Verhandlungen im Handelskrieg befinde.

Chronologie der Zoll-Eskalation zwischen den USA und China:

Handelskrieg USA China Verlauf

Zeitpläne und Fortschritte

Die USA halten sich weiter die geplante Zollanhebung für Mitte Dezember offen. So will man den Druck auf die chinesische Seite aufrecht erhalten. Wie glaubhaft diese Androhung neuer Zölle noch ist, steht auf einem anderen Blatt. Dem Präsidenten nahe stehende und mit den Verhandlungen vertraute Mitarbeiter hatten laut Reuters bereits im Vorfeld von dem Wunsch Donald Trumps berichtet, weitere Zollanhebungen nach Möglichkeit zu verhindern. Positive Signale vonseiten der chinesischen Verhandlungsdelegation könnten dafür schon ausreichen. Genau so kam es dann auch. Vermutlich scheut der Präsident mittlerweile eine erneute Eskalation im Handelskrieg mit weiteren Belastungen für die US-Wirtschaft und die Wall Street. Durch den innenpolitischen Druck in der Syrienfrage und das drohende Amtsenthebungsverfahren ist seine Autorität auch im Handelskrieg angeschlagen. Das weiß auch die chinesische Seite. Die kommunistische Führung Chinas ist jedoch ebenfalls mit innenpolitischen Problemen, v. a. in Hongkong, und wirtschaftlicher Eintrübung konfrontiert. Beide Entwicklungen könnten im Reich der Mitte zur Ausbreitung sozialer Unzufriedenheit bis hin zu offenem Protest und Unruhen führen. So scheint es, dass beide Seiten diesmal tatsächlich dazu bereit sind, zumindest eine Teilübereinkunft zu erzielen, die weitere Belastungen für China und Amerika abwendet. Für beide Seiten steht mittlerweile zu viel auf dem Spiel. Damit besteht erstmals seit Anfang Mai die berechtigte Hoffnung, dass zumindest auf Ebene der Zölle keine weitere Eskalation stattfindet. Das schließt gleichwohl Zölle gegen andere Handelspartner der USA und Provokationen auf Ebene von Sanktionen und verbaler Provokation durch den US-Präsidenten nicht aus.

In Anbetracht der noch zu findenden Kompromisse ist der weitere Zeitplan ambitioniert. In den nächsten drei Wochen sollen weitere konkrete Vereinbarungen schriftlich fixiert und finalisiert werden. Bereits in vier Wochen möchte sich Donald Trump nach eigenem Bekunden anlässlich des Asien-Pazifik-Gipfels mit Präsident Xi Jinping in Chile treffen, um ein Teilabkommen zu unterzeichnen.

Bedeutung für Weltwirtschaft und Märkte

Bereits im Mai hatte China einen von den USA ausformulierten Handelsvertrag zusammengestrichen, woraufhin der Handelskrieg weiter eskalierte. Seitdem sind die wirtschaftlichen Belastungen für China, die USA und die gesamte Weltwirtschaft angestiegen und bereits deutlich spürbar. Der Internationale Währungsfonds (IWF) beziffert den möglichen Schaden auf 700 Mrd. US-Dollar. Fast alle Regionen der Welt seien mittlerweile negativ betroffen, so die Direktorin des IWF Kristalina Georgiewa.

Der Welthandel leidet unter dem generellen Trend zum Protektionismus, der sich in weiteren Handelskonflikten zeigt. Von ökonomisch besonderer Bedeutung ist dabei der zuletzt eskalierte Konflikt zwischen Japan und Südkorea sowie den USA und Europa. Aber auch zwischen den USA und Indien gibt es noch offene Streitpunkte. Ob die deutsche Automobilindustrie erneut in den Fokus von Präsident Trump gerät, hängt auch davon ob, ob es für ihn von wahltaktischem Nutzen ist.

Fazit und Ausblick

Die jüngsten Verhandlungen in Washington zeigen eines ganz deutlich: Beide Seiten zeigen im Handelskrieg Ermüdungserscheinungen und sind auf ein Herunterkühlen des Konflikts bedacht. Ein Ende des Kampfes um die globale Dominanz auf verschiedenen Ebenen ist damit aber nicht eingeleitet. Sollte Trump tatsächlich wiedergewählt werden oder seine demokratische Kontrahentin Elisabeth Ann Warren sein Amt übernehmen, sind neue Spannungen zwischen den beiden führenden Machtblöcken vorprogrammiert.

Kurzfristig bedeutet die Deeskalation zumindest eine psychologische Entlastung für die Märkte. Auch der für die Gesamtwirtschaft in den USA so wichtige Konsument kann nun voller Hoffnung in die bevorstehende Weihnachtssaison starten. Was bleibt, ist das Nachrichtenrisiko oder besser gesagt das Twitter-Nachrichtenrisiko, welches man bei Donald Trump auch weiterhin nicht unterschätzen sollte.

Der grundsätzliche Konflikt um den Machtanspruch in der Welt, den Peking bis 2050 realisieren möchte und die USA auf keinen Fall aufgeben wollen, bleibt bestehen. Ebenso wie die grundsätzlichen ökonomischen Herausforderungen. Die Weltwirtschaft befindet sich in einem sehr reifen übergeordneten Verschuldungszyklus, der die weitere Entwicklung geldpolitisch, geopolitisch und ökonomisch dominiert. Diese Erkenntnis steht den Märkten noch bevor, die in Anbetracht der Fortschritte in den Verhandlungen kurzfristig in Verzückung geraten sind. Umso ernüchterter wird man feststellen, dass gar nichts gelöst ist und die eigentliche Krise des künstlich am Leben erhaltenen Finanzkapitalismus noch bevorsteht.

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Aktuell: USA-China-Gespräche im Weißen Haus – Update 22:06 Uhr mit Trump-Aussage

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Vor wenigen Minuten hat die chinesische Delegation das Weiße Haus betreten zu Gesprächen über eine Lösung im Handelskrieg zwischen China und den USA. Hier die wichtigsten Infos in Kurzform. Bitte aktualisieren Sie diesen Artikel für neue Infos.

Angeblich Teil-Deal für „Waffenstillstand“ im Handelskrieg, damit Donald Trump und Xi Jinping später im in diesem Jahr echten Deal vereinbaren können.

Kleiner Deal für Waffenstillstand könne dafür sorgen, dass geplante Zollanhebungen erstmal nicht in Kraft treten.

Update 21:05 Uhr:

Gleich ist es soweit. Presse soll wohl gleich ins Oval Office kommen.

Update 21:38 Uhr:

WH lässt Reporter zappeln. Vermutung: Man wartet bis 22 Uhr deutscher Zeit, bis die US-Aktienmärkte geschlossen haben?

Update 21:41 Uhr:

Trump: Erster Schritt eines Deals mit China, Abschluss Mitte November. Solange dauert es den Deal schriftlich zu fixieren. Deal beinhaltet:

– Geistiges Eigentum
– Finanzdienstleistungen
– Große Käufe von Agrargütern
– Devisenkurse

„Sell on good news“? Dow fällt in letzten 10 Minuten um 120 Punkte.

Update 21:53 Uhr:

Finanzminister Mnuchin: Zölle gegen China werden nächste Woche nicht erhöht.

Update 21.58 Uhr:

US-Handelsbeauftrager Lighthizer: Wir werden einen aufwändigen Konsultationsprozess zur Durchsetzung der Vereinbarungen haben, und sind auf die letzten Details angewiesen, was passiert, wenn es keine Lösung gibt. FMW: Also noch jede Menge offene Fragen und Probleme, und jede Menge Raum für Trump um böse Tweets abzusetzen? Fällt der Dow deshalb vom Top von vorhin aktuell um 150 Punkte?

Trump: Er denkt nicht, dass das Abkommen in den nächsten Wochen bröckeln wird, obwohl das passieren könnte.

Aktuelle Zollanhebungen entfallen, aber für Dezember noch keine Entscheidung (FMW: Na, das kann ja ein heiteres Chaos geben in den nächsten Wochen).

Huawai noch nicht Teil der heutigen Vereinbarung.

Update 22:06 Uhr:

Kurz-Fazit in Frageform: USA tauschen kurzfristig im Oktober Sojabohnen gegen Zollaussetzung? Und dann für November und Dezember bleibt man noch schön unverbindlich? Jede Menge offene Fragen. Dow hat in den letzten 30 Minuten 200 Punkte verloren.

Trump: Ab Mitte November soll dann Phase 2 des Deals mit China folgen usw. Es sei besser so einen Deal in einzelnen Abschnitten umzusetzen. Im Klartext: Man konnte sich einfach in vielen Punkten nicht einigen, und verschiebt die Probleme in die Zukunft?

Weißes Haus in Washington DC

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Aktien

Deutsche Bank baut ab, Handelskrieg, Apple, Silber

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Diese Woche ist einiges los an den Märkten. Volatilität kommt in die Kurse durch den Handelskrieg. Sissi Hajtmanek und Manuel Koch besprechen im folgenden Video die aktuelle Gemengelage mit ihrer möglichen Auswirkung auf die Börse. Aber auch viele andere Themen bewegen die Börsianer derzeit wie die Deutsche Bank, Commerzbank, Apple und Silber.

Deutsche Bank und Commerzbank

Die Commerzbank schließt 250 Filialen. Die Deutsche Bank hat im Aktiengeschäft viel abgebaut. Wie geht es weiter? Es wird wohl zunehmend mehr weg verlagert von den Filialen ins Digitale. Die DB hatte jüngst nach Medienberichten eine Klarstellung veröffentlicht. Hier nochmal im Wortlaut:

Die Deutsche Bank plant keinen weiteren Stellenabbau über die Pläne hinaus, die der Vorstand am 7. Juli verkündet hat. Damals gab die Deutsche Bank eine neue Strategie bekannt, die mit dem Abbau von weltweit 18.000 Stellen bis 2022 auf dann 74.000 Stellen einhergehen soll. Ziel des Abbaus ist es, die bereinigten Kosten des Deutsche-Bank-Konzerns um mehr als ein Viertel auf 17 Milliarden Euro zu senken. Eine Aufteilung nach Regionen und Bereichen haben wir damals nicht kommuniziert, und wir werden dies auch weiterhin nicht tun. Sobald Entscheidungen über den konkreten Stellenabbau gefallen sind, werden sie zu allererst mit den Kolleginnen und Kollegen in den betroffenen Bereichen besprochen. Wiederholt hat der Vorstand deutlich gemacht, dass alle Teile unserer Bank ihren Beitrag leisten müssen. Selbstverständlich wird auch in Deutschland eine substanzielle Zahl von Stellen wegfallen, da es der mit Abstand größte Standort der Deutschen Bank ist. Dabei ist der schon geplante Abbau von Arbeitsplätzen im Zuge der Integration der Postbank bereits in der Gesamtzahl von 18.000 Stellen enthalten.

Apple und Silber

Die Apple-Aktie wird im folgenden Video ab Minute 3 im Detail besprochen, fundamental wie auch charttechnisch. Ist die Aktie ein Kauf? Im Video werden auch konkrete Kursmarken genannt. Aber auch Silber wird besprochen mit 37% Plus in wenigen Monaten. Auch hier wird für einen möglichen Kauf ein Einstiegsszenario besprochen.

Kursverlauf der Deutsche Bank-Aktie seit Mitte 2018
Kursverlauf der Deutsche Bank-Aktie seit Mitte 2018.

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