Türkische Wirtschaft bricht ein! Was macht Erdogan?

FMW-Redaktion

Die türkische Wirtschaft ist im Gefolge des gescheiterten Putsches im Juli im dritten Quartal heftig eingebrochen mit einem Minus von 1,8% zum Vorjahresquartal – Prognosen waren von einem Anstieg von +0,3% ausgegangen. Stark rückläufig war der Binnenkonsum mit einem Minus von 3,2% zum Vorjahresquartal, was auf eine starke Zurückhaltung und Verunsicherung der türkischen Verbrauchern hindeutet. Die Unternehmen der Türkei investierten 0,6% weniger als im Vorjahresquartal.

Dass die Zahlen nicht noch schlimmer ausfielen, lag an den verstärkten Ausgaben der Regierung, deren Ausgaben für Waren, Dienstleistungen und Löhne im Vergleich zum Vorjahresquartal um 23,8% angezogen sind. Ankara hat also versucht, den Einbruch der Wirtschaft durch verstärkte Ausgaben des Staates abzumildern.

Die türkische Lira, nach der Verbalintervention Erdogans in der letzten Woche kurzzeitig mit Auftrieb, brauch daraufhin ein:

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(Dollar-Lira)

Ein Belastungsfaktor für die Lira ist der gestiegene Ölpreis, der die auf Energieimporte angewiesene türkische Wirtschaft mit zusätzlichen Kosten belastet. Dabei trifft die derzeitige Dollar-Stärke vor allem jene Länder der Emerging Markets, die sowohl eine hohe Dollar-Verschuldung als auch ein großes Handelsbilanzdefizit aufweisen. Neben der Türkei zählen dazu Länder wie Indien, Indonesien, Malaysia und Südafrika.

Für diese Woche hat Präsident Erdogan eine Verlautbarung angekündigt: in der Vorwoche hatte er die Türken aufgefordert, ihre Fremdwährungen in Lira zurück zu tauschen, da die heimische Währung aufwerten würde. Zunächst geschah das auch, nun aber steht die Lira zum Dollar wieder auf dem Niveau, als Erdogan seine Aussagen tätigte.

Indirekt hatte Erdogan angekündigt, die Zinsen senken zu wollen. In der Vorwoche hatte der türkische Präsident ein Meeting auch mit dem Notenbankchef, der gegen den Willen Erdogans die Leitzinsen von 7,5% auf nun 8,0% angehoben hatte. Es ist zu erwarten, dass Erdogan den Notenbankchef unter Druck unter Druck setzten wird, die Zinsen wieder deutlich zu senken – was sich für die Lira jedoch absehbar ungünstig auswirken würde. Dazu droht sich der Konflikt mit den Kurden weiter zu verschärfen nach dem Anschlag am Wochenende in Istanbul durch eine Splittergruppe der PKK.

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Präsident Erdogan
Foto: Prime Minister Office / Wikipedia (CC BY-SA 2.0)

Insgesamt ist die Türkei aufgrund der makroökonoischen Entwicklungen eines der öokonomisch am Stärksten gefährdeten Länder der Welt. Erdogan muß ein weiteres Abgleiten der Wirtschaft verhindern, um seine Allmachtsfantasien aufrecht erhalten zu können – heute schon will das türkische Parlament die Weichen stellen für ein Präsidialsystem in der Türkei, das Erdogan weitere Vollmachten geben würde.


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