Währungskrieg: Geschichte wiederholt sich – Shanghai und der „Plaza Accord“

Von Markus Fugmann

Im derzeitigen Währungskrieg gibt es keine Regeln. Einzige Ausnahme: die Beteiligten müssen behaupten, dass es gar keinen Währungskrieg gebe. Denn nur dann kann man ihn wirklich betreiben. Aber das ist etwa so logisch wie die Behauptung, die Erde sei eine Scheibe – wovon sich selbst der Vatikan verabschiedet hat, der das ja sehr lange verteidigt hatte.

Aber wie in allen (Währungs-)Kriegen wiederholen sich bestimmte Ereignisse in ähnlicher Form. So auch diesmal. Mehr und mehr deutet darauf hin, dass bei dem G-20-Treffen Ende Februar in Shanghai vereinbart wurde, den Dollar zu schwächen, um der Weltwirtschaft zu helfen. Und weil die beteiligten Währungskrieger sich durchaus bewußt sind, dass es in diesem Krieg nicht wirklich einen Gewinner geben kann.

Der Deal lautete: wir schwächen zumindest temporär den Dollar, sodass sich die Rohstoffpreise erholen können, damit die Emerging Markets, und mit anziehenden Rohstoffpreisen steigt die Inflation (siehe dazu den Artikel „Fed, EZB: abgekartetes Spiel!“).

Janet-Yellen
Auf den ersten Blick mit seltsamen Aussagen bei der Fed-Pressekonferenz: Janet Yellen
Foto: Federal Reserve

Dass es so etwas wie eine Vereinbarung in Shanghai beim G-20-Treffen gegeben hat, betont nun auch Joachim Fels, global economic adviser bei PIMCO. Demnach habe man sich darauf verständigt, durch eine Art Koordinierung des Währungskrieges die für den Krieg notwendigen Mittel zu reduzieren (Dollar-Verkäufe zur Stützung der eigenen Währung etc.). Man ersetzt also Taten durch Rhetorik, was im Zweifel viel effektiver und weniger kostenaufwendig ist. Also sagt die Fed, man halt die Füsse still, während Draghi weiteren Zinssenkungen eine Absage erteilt.

Etwas ähnliches hat es schon einmal gegebn, im Jahr 1985 mit dem Plaza agreement. Damals beschlossen Westdeutschland, Frankreich, die USA, Japan und UK den Dollar abzuwerten, um Schieflagen zu beseitigen. Damals schrieben die USA (ähnlich wie heute) ein massives Defizit, während vor allem Deutschland und Japan massive Überschüsse verzeichneten. Mit der Abwertung des Dollars sollte das Defizit der USA gewissermaßen „entwertet“ und gleichzeitig die Überschüsse vor allem Deutschlands und Japans verringert werden – zum Wohle der Gesamtheit, der globalen Wirtschaft. Im Vorfeld des Plaza Abkommens hatte der Dollar – ähnlich wie in der Gegenwart – zuvor stark aufgewertet, nun sollte dieser Aufwertung ein Riegel vorgeschoben werden. Und so kam es dann auch: der Dollar wertete damals stark ab und verlor in der Folge 50% zur D-Mark und zum Yen, das Handelsbilanzdefizit der USA verringerte sich deutlich.

Genau das dürfte auch die Absicht des Deals im Februar in Shanghai gewesen sein: Abwertung des Dollars, damit Verringerung von Ungleichgewichten. Damit der Währungskrieg nicht aus dem Ruder läuft, muß also die Supermacht USA in den Währungskrieg eintreten und damit die Lage wieder ausbalancieren, so die Logik. Nur sprechen darf darüber natürlich keiner der Beteiligten – das gehört zur Logik des Spiels. Vor diesem Hintergrund werden die seltsamen Aussagen Janet Yellens bei der letzten Fed-Sitzung (die Dollar-Stärke sei „vorübergehend“, und ja, man mache sich etwas unglaubwürdig durch das Kassieren der 4-Zinsschritte-Projektion) wieder deutlich logischer..


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