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Wahnsinn: „Public Private Partnership“ wird wohl flächendeckend kommen

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Von Claudio Kummerfeld

Die Schuldenbremse für die öffentlichen Haushalte zwingt Bund, Länder und Kommunen zum Sparen. Aber Bürgermeister und Landräte müssen dringend sanieren und neu bauen, z.B. Brücken, Schulen uvm. Aber wovon bezahlen? „Public Private Partnership“ bietet einen schnellen, verführerischen und „einfachen“ Ausweg, führt langfristig aber dazu, dass die Projekte deutlich teurer für den Steuerzahler werden.

Sigmar Gabriel
Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel
Foto: Tobias Koch / Wikipedia (CC BY-SA 3.0 de)

Public Private Partnership

Aufgrund der Schuldenbremse hat Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel eine Expertenkommission ins Leben gerufen, um anscheinend den Großteil der öffentlichen Investitionsvorhaben auf das angelsächsische Modell „Public Private Partnership“ (oder auch ÖPP genannt / Öffentliche Private Partnerschaft) umzustellen. Private Investoren finanzieren, bauen und betreiben Gefängnisse, Autobahnen, Brücken, Schulen uvm. Der Staat mietet diese Objekte über lange Zeiträume von z.B. 30 oder 50 Jahren vom Investor zurück. Rechnet man die Miete über die gesamte Laufzeit zusammen, ist es für die staatliche Institution, die den Bau in Aufrag gibt, immer günstiger selbst zu finanzieren, zu bauen und zu betreiben, denn der Investor holt sich seine Investitionssumme + ordentliche Rendite vom Staat zurück, gestreckt über die gesamte Laufzeit. Dadurch, dass der Staat „nur“ eine monatliche Miete zahlt, fällt die völlig überteuerte Bezahlung nicht so sehr auf. Bei einem Projekt, oder zwei drei Stück auch noch nicht. Aber wenn alle staatlichen Institutionen alle ihre neu zu bauenden Objekte nur noch über eine „Public Private Partnership“ abwickeln um kurzfristig keine neuen Schulden machen zu müssen, schwindet langfristig die laufende Liquidität, die monatlichen Belastungen für die Kommunen steigen immens.

Dass die „PPP´s“ bereits beschlossene Sache sind, kann man an der fehlenden Zurückhaltung der „PPP“-Lobby erkennen. So heißt es vom Lobbyverband „Arbeitskreis ÖPP im Hauptverband der Deutschen Bauindustrie“ Zitat:

„Die Initiative von Bundeswirtschaftsminister Gabriel und Bundesverkehrs¬minister Dobrindt, privates Kapital über ÖPP-Modelle in die Infrastruktur zu investieren, ist ein deutliches, positives Signal.“

Argumentation für PPP / ÖPP

Es gibt eine goldene Regel oder besser gesagt goldene Schlussfolgerung: Kein privater Investor, der in irgendetwas Geld investiert, tut dies aus Mitmenschlichkeit oder Nächstenliebe. Er möchte Rendite erzielen, und zwar möglichst viel. Und dies ist auch sein gutes Recht. Nur wenn die Rendite auf Kosten der Steuerzahler erzielt werden soll, ist die Politik gefragt genau zu überlegen, ob sie das zulassen will. Die ÖPP/PPP-Lobby ist sich dieses offensichtlichen Problems bewusst und argumentiert durchaus schlau. Ein Auszug:

„Mit Öffentlich-Privaten Partnerschaften gibt es schon heute einen bewährten Rechtsrahmen, in dem privates Kapitalangebot und öffentlicher Investitions¬bedarf zueinander gebracht werden können“, erklärte Matuschka. Zwar sei es richtig, dass institutionelle Anleger in solchen Projekten höhere Zinsen erwarten als beim Erwerb von Staatsanleihen. Von einer Subvention für Lebensversicherer zu überteuerten Zinsen, wie Kritiker einwenden, könne jedoch nicht die Rede sein. Anders als beim Erwerb von Staatsanleihen über¬nähmen Kapitalanleger in ÖPP-Projekten Projektrisiken aus Planung, Bau, Erhaltung und Betrieb. Im Gegenzug werde der Staat um solche Risiken entlastet. Da die Investitionen mindestens über 25 Jahre abgezahlt würden, trage der private Partner ebenso lang die Verantwortung für das Projekt. Matuschka: „Für mich ist das ein fairer Deal zum Nutzen des Staats, der Gemeinschaft der Versicherten und der Steuerzahler. Durch das gemeinsame Engagement kann der enorme Investitionsstau abgebaut und die Wett¬bewerbsfähigkeit Deutschlands erhöht werden.“

Die Risiken von Bau, Betrieb und Planung würde statt dem Staat der Privatinvestor tragen. Mit diesem Argument möchte die Lobby wohl darauf anspielen, dass Projekte wie Elbphilharmonie und Berliner Flughafen um ein Vielfaches teurer werden als geplant. Und in der Tat hätten private Bauherren wohl deutlich günstiger gebaut, doch daraus die Argumentation abzuleiten, alle öffentlichen Projekte, jedes Schulgebäude, alles solle nur noch privat gebaut werden, das ist ein Argument, das nur den Zeitgeist aufnimmt und nicht beachtet, wie viele tausende öffentliche Projekte im Rahmen der Kosten bleiben. Außerdem, so das vorige Zitat, trage der private Partner für mind. 25 Jahre die Verantwortung für den Bau. Auch kein Argument, so finden wir, denn diesen Betrieb lässt man sich ja fürstlich über die laufende Miete bezahlen.

Rechenbeispiel

Anhand eines Rechenbeispiels wollen wir veranschaulichen, wie sich PPP / ÖPP auswirkt. Was zunächst kostenschonend und bequem ist, wird in ferner Zukunft zum Albtraum. Die Schule „Bildungszentrum Ostend“ in Frankfurt scheint als ÖPP-Projekt in Hessen bereits traurige Berühmtheit erlangt zu haben. Laut damaliger Oberbürgermeisterin gäbe es bei dem Projekt einen „Effizienzvorteil von 25%“ gegenüber dem Bau durch die Stadt. Die Schule wurde privat gebaut und wird auch privat betrieben von 2005-2025. Es gibt eine jährliche Staffelmiete, beginnend von anfangs 4 Mio bis rauf auf 5,6 Mio Euro. Am Ende zahlt die Stadt noch einmalig 11 Mio Euro „Ablöse“, so dass die Schule die Stadt insg. 102 Mio Euro kosten wird. Der Privatinvestor soll aber nur 55 Mio investiert haben (Material von „Attac“). Laut dem Portal der ÖPP-Lobby (oepp-plattform.de) hat der private Betreiber sogar nur 42 Mio Euro investiert. Da kann man nur sagen „Hut ab“, tolle Rendite!

Bundesrechnungshof

Der wohl neutralste und von allen Seiten anerkannte Teilnehmer in Streitfragen, der Bundesrechnungshof, kam letztes Jahr zu einem eindeutigen Urteil. So heißt es in einem Gutachten (Seite 40 der PDF-Datei) wörtlich:

„Die ÖPP-Projekte im Bundesfernstraßenbau (Anm. d. Redaktion: Autobahnen) sind nach den Berechnungen des Bundesrechnungshofs deutlich teurer als die konventionelle Realisierung durch die öffentliche Hand“.

Eine eindeutige Aussage, die wohl keine Beachtung gefunden hat. Immerhin war das Gutachten direkt an den Deutschen Bundestag adressiert. Hat Sigmar Gabriel davon nichts mitbekommen?

„Public Private Partnership“ längst beschlossene Sache?

Es scheint so zu sein – Sigmar Gabriel will „Public Private Partnership“ (ÖPP) durchsetzen. Wahrscheinlich möchte er damit Gutes tun und handelt ohne bösen Hintergedanken. Dass er vermutlich jahrelang von Lobbyisten bequatscht wurde und nicht versteht, dass eine 30jährige Ratenzahlung addiert deutlich teurer ist, als wenn man etwas selbst baut, geht im Meer der Lobby-Argumente unter. Wieder mal schade. Die Quittung erhalten die Kommunen erst im Lauf der Jahre, wenn die monatlichen Zahlungen für immer mehr ÖPP´s sich aufsummieren und unerträglich hohe Belastungen erzeugen.

Erst vorgestern hat eine „Expertenkommission„, in der neben Gewerkschaften auch Vertreter von Baukonzernen, Deutscher Bank, Allianz, Siemens und BASF saßen, Sigmar Gabriel einen „Investitionsplan für Deutschland“ übergeben, in dem PPP´s / ÖPP´s eine zentrale Rolle spielen. Haupttenor: Private sollen es richten. Das Bundeswirtschaftsministerium schreibt auf seiner Webseite zur Expertenkommission:

„Bei der dritten Sitzung am 17. November 2014 wurden nationale und internationale Erfahrungen mit privaten Finanzierungsmodellen öffentlicher Infrastruktur, insbesondere im Verkehrsbereich, diskutiert. Dabei wurden Erfolgsfaktoren für Öffentlich-Private-Partnerschaften (ÖPP) identifiziert und ausführlich über Möglichkeiten einer systematischen Weiterentwicklung dieser Beschaffungsvariante gesprochen. Ferner wurden Handlungsoptionen zur Stärkung der privaten Investitionen erörtert, wobei vor allem der regulatorische Rahmen im Zeichen der Energiewende sowie die Bedeutung von innovationsfreundlichen Rahmenbedingungen herausgestellt wurden.“

Viele deutsche Kommunen hatten sich in den letzten 15 Jahren bereits abenteuerliche Zins- und Investmentkonstruktionen von Banken aufschwatzen lassen. Gerade erst erholen sie sich von diesem Debakel, und müssen erleben, dass die dicke Rechnung immer erst später präsentiert wird. Und nun wird Sigmar Gabriel den völlig klammen Kommunen wohl demnächst ein Konzept vorlegen, wie sie praktisch umsonst ihre kaputten Brücken, Straßen und Schulen sanieren können. Einfach so, ohne eigenes Geld… da ist natürlich kein Haken dran an der Sache… es ist genau so als würde man in einen Elektronikmarkt gehen und einen Fernseher auf Kredit kaufen. Der steht noch am selben Abend im Wohnzimmer und wird benutzt. Aber das Geld dafür zahlt man immer noch, wenn er bereits jahrelang benutzt und vielleicht schon völlig veraltet ist.

Wohl nur noch eine Frage von Wochen oder Monaten, bis Sigmar Gabriel dem Bundeskabinett einen Gesetzentwurf vorlegt, der grundlegend den Bau von Schulen, Gefängnissen, Brücken und Straßen Privatinvestoren andient.

11 Kommentare

11 Comments

  1. Avatar

    KK

    23. April 2015 19:05 at 19:05

    Na dann mal viel Vergnügen den durstigen Seelen.

    Jeder öffentliche Brunnen wird aus Profitgründen mit einem Münzautomaten gesichert werden. Weh dem, der nicht das nötige Kleingeld dabei hat, um seinen Durst zu stillen.

    Und mit der Zeit werden wir wohl wieder selber nach Wasser graben müssen – wie heut schon die Griechen – denn wenn die Münzautomaten nicht mehr rentieren, wird auch das Zuflusssystem nicht mehr unterhalten werden und wem das Wasser dann nicht persönlich miteignet, na, der guckt halt in die Röhre

    dann is au mit grabe nix, gell.

    Hatten wir nicht diese Experimente bereits mal irgendwo (Südamerika, Afrika …) – mal wieder nachlesen, wie das dort endete.

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    Werner

    24. April 2015 08:15 at 08:15

    Gabriel…..“wahrscheinlich will er damit Gutes tun…“ HÄ?
    in der Politik geschieht nichts zufällig und Gutes schon gar nicht! Der Vorsitzende der Partei des inzwischen mehrfachen Volksverrats macht dem Namen seiner PArtei alle Ehre: SPD = die Partei des Volksverrats.

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    palina

    24. April 2015 08:19 at 08:19

    das hat doch Zukunft. Weitere Ausbeutung für alle! Gibt es eigentlih noch irgendwas, das normal läuft? Unser Staat hat mafiöse Strukturen.
    Hier ein interessantes Interview zu dem Thema
    https://www.youtube.com/watch?v=3Gg_r6zf0m8

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    stromerhannes

    24. April 2015 08:57 at 08:57

    Das entsprechende Gesetz wurde wenige Tage vor der vorletzten Bundestagswahl EINSTIMMIG durchgewunken!
    SPD- Mann Heyl war der Initiator. Auf wessen Befehl auch immer..

    Die Arbeitsleistung von Generationen wird seitdem zerstört, verscherbelt und die Folgekosten zahlen wir Bürger.

    Dazu die Stichworte, bei denen man Aufmerken muss: „cross- boarder“ sowie “ sale and lease back „.

    Die gesamte Regierung ist de jure kriminell!!!

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    anthony

    24. April 2015 12:52 at 12:52

    Alles was die Vorgenerationen geschaffen haben, wird im null komma nichts verscherbert. Und wir schauen zu, ach nein , wir schauen “ Frauentausch“ und der Möchtegernntelektuelle schaut sich ZDF History an.

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    Dietmar

    24. April 2015 14:06 at 14:06

    Damit bringen der angloamerikanische Geldadel und dessen Investoren-Netzwerk die ultimative Waffe der Finanz-Oligarchen in Stellung:

    Während der Migrantenkrieg mit Afrika- und Nahost-Flüchtlingen die Sozialsysteme sprengt, der Wirtschaftsstandort D mit der Energiewende abgewickelt wird und der endgültigen Kolonialisierung der EU durch die VSA mit TTIP u.a. ein juristisches Mäntelchen verpasst wird, wird mit PPP u. Crossborder Leasing die allumfassende Privatisierung zum Ausverkauf unseres Landes betrieben.

    Dumm-Korrupte Opportunisten in Regierung und (Schein-)Opposition halluzinieren, sie hätten das ökonomische Petpetuum Mobile erfunden und verhökern auch noch die letzten, verbliebenen Aktivposten kommmunaler Daseinsvorsorge an Fremde, die sich bei soviel Entgegenkommen nicht erst die Mühe machen müssen, unser Land mit Krieg zu überziehen; schließlich sind wir ja schon besetzt und verscherbeln gerade die Zukunft unserer Nachfahren durch mafiose Verbrecher in def Regierung

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    roxsi

    24. April 2015 21:37 at 21:37

    Wäre der Staat allein kreditschöpfungs- und gelddruckberechtigt, könnte er solche Investitionen leicht finanzieren, ohne daß sich private Firmen dabei die Hände waschen könnten. Er wäre Schuldner und Gläubiger in einem und es gäbe keine Zinsen. Da wir aber seit 1945 unter der Fuchtel der Federal Reserve – ein 1913 legalisiertes Betrugssystem – stehen, muß das Privatkapital an jeder Investition mitverdienen. Das ist das Wesen des Raubtierkapitalismus`. Und so kommt man auf immer absurdere Ideen, um dem Steuerzahler das Geld aus der Tasche zu ziehen.

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Coronavirus aktuell: Hokkaido (Japan) ruft Ausnahmezustand aus; Olympiade und EZB

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Wegen neun neuer Infizierten mit dem Coronavirus ruft Hokkaido, die zweitgeößte Insel Japans mit ca.  5,7 Millionen Einwohnern, den Ausnahmezustand aus. Die Bewohner werden aufgefordert, am Wochenende nicht ihre Wohnung zu verlassen. In Hokkaido sind nun nach neuesten Zahlen 63 Menschen mit dem Coronavirus infiziert.
Damit wird die Frage immer drängender, ob die Olympischen Spiele im Sommer in Tokoy wirklich stattfinden können! Nach Angaben der BNP Parisbas würden eine Absage der Olympischen Spiele schwere wirtschaftliche Verwerfungen für Japan bedeuten.

Nach Angaben des litauischen Notenbankchefs und EZB-Mitglieds Vasiliauskas könne durch die auftretende Pandemie eine ausserordentliche Sitzung der EZB notwendig werden.

Südkorea meldet 315 neue durch das Coronavirus Infizierte, womit die Gesamtzahl nun auf 2337 steigt.

Auf der Insel Hokkaido steigen Zahlen der durch das Coronavirus infizierten Menschen

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Zinsen: Der Hilferuf an die Fed wird immer lauter

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Die Federal Reserve in Washington DC

Der US-Rentenmarkt erlebt eine extreme Inversion der Zinsstrukturkurve. Die Zinsen für US-Staatsanleihen sacken auf historische Tiefststände ab. Die Zinssenkungserwartungen schießen durch die Decke. Der Aktienmarkt gerät langsam in Panik. Kann die Fed noch bis zum regulären Sitzungsterm Mitte März stillhalten? Warum das sehr unwahrscheinlich ist.

Die Zinsen am Kapitalmarkt senden SOS, doch die Fed träumt von Normalisierung

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt! Diese Volksweisheit trifft im Moment im Besonderen auf die Akteure bei der US-Notenbank zu. Noch auf ihrer letzten Zinssitzung am 30. Januar, also bereits während des Ausbruchs des Coronavirus und bei sich parallel bereits abschwächender US-Konjunktur, träumten die 19 Damen und Herren Fed-Gouverneure von wahnwitzigen Maßnahmen: Gemäß dem Protokoll dieser Sitzung (Minutes = schriftliches Minutenprotokoll), wollte man die Liquiditätszufuhr für den US-Geldmarkt von 75 Mrd. US-Dollar pro Tag Ende Januar auf nur noch 25 Mrd. US-Dollar pro Tag bis Ende Februar reduzieren. Gleichzeitig plante man ab April ein sogenanntes Tapering. Damit ist die sukzessive Zurückführung des Aufkaufvolumens von kurzfristigen Staatsanleihen gemeint. Dieses liegt aktuell bei 65 Mrd. US-Dollar pro Monat.

Bis zum Sommer wollte man dieses Programm sogar vollständig einstellen. Ein absoluter Irrwitz in Anbetracht der Tatsache, dass das Misstrauen unter den Banken aktuell wieder stark zunimmt und damit auch die Spannungen am Geldmarkt. Gleichzeitig explodiert das zu finanzierende US-Staatsdefizit – unabhängig von der Coronavirus-Krise. Ergo benötigen sowohl der US-Repo-Markt, also auch die sich beschleunigende Schuldensause des US-Bundes mehr Liquidität aus der Notenpresse, nicht weniger.

Man kann als Außenstehender den Eindruck gewinnen, dass die Fed nach wie vor den Schein der Normalität wahren möchte, während sich die Welt um sie herum realwirtschaftlich im Abschwung und sich die Finanzmärkte mittlerweile im Panikmodus befinden. Dabei müssten sich die stimmberechtigten Mitglieder des Offenmarktausschuss (FOMC, Federal Open Market Committee) nur einmal die jüngsten Warnungen von IWF und Weltbank zum erwarteten globalen Wachstumseinbruch im ersten Quartal durchlesen und die Frühindikatoren für die USA genauer anschauen, z. B. die stark rückläufige Entwicklung der offenen Stellen gemäß JOLTS-Report. Dieser ist ein wichtiger Frühindikator für die Entwicklung des US-Arbeitsmarktes und damit eines wichtigen Teils des dualen Mandats der US-Notenbank (Vollbeschäftigung). Bereits seit über einem Jahr sinkt die Zahl der angebotenen Stellen auf dem US-Arbeitsmarkt mit zuletzt steigender Dynamik ab.

Aber allein ein Blick auf die Zinsstrukturkurve verrät den Geldpolitikern in Washington, dass sie mit ihrer Politik aktuell komplett daneben liegen. Die Inversion der Zinsstrukturkurve (rote Linie im Chart) hat sich mittlerweile extrem ausgeweitet und umfasst nun sogar die zehnjährigen US-Treasury Notes (langlaufende US-Staatsanleihen): Ein starkes Anzeichen für eine kommende Rezession und ein Problem für die Zinsmargen der Banken (siehe Artikel: Zins und Fristentransformation – Sein oder Nichtsein).

Strukturkurve der Zinsen in den USA

Das letzte Mal gab es ein solches Bild bei der US-Zinsstrukturkurve kurz vor der 180 Grad Wende der US-Notenbankpolitik Ende 2018.

Rekordtiefststände bei den US-Kapitalmarktrenditen

Nie zuvor waren Staatsanleihen der USA mit so niedrigen Zinsen ausgestattet wie aktuell. Neben der Flucht in Sicherheit spielt dabei auch das internationale Zinsgefüge eine Rolle. Wenn sogar Staatsanleihen Griechenlands, Portugals und Italiens weniger Zinsen abwerfen, als die Bonds der nach wie vor größten und bedeutendsten Volkswirtschaft der Welt, dann wundert es nicht, dass Spekulanten, Investoren und Arbitrageure ihr Geld Haufenweise in US-Staatsanleihen stecken, wo überhaupt noch nennenswerte Zinsen angeboten werden. Mittelfristig werden über diesen Mechanismus die Renditen für US-Staatsanleihen ohnehin Richtung null gedrückt.

Der Fed müsste ergo klar sein, dass sie ihren Kurs des Stillhaltens oder sogar einer neuerlichen „Normalisierung“ nicht realisieren kann – schon gar nicht bei den Zinsen. Vielleicht wollen die Damen und Herren Fed-Gouverneure ja auch zum Jagen getragen werden, nach dem Motto: „Wir wollten die Geldpolitik normalisieren, hatten aber keine Chance, dies zu tun. Daher sind wir auch frei von jedweder Verantwortung für die Nebenwirkungen der Nullzinspolitik“.

Zinsen für 30 Jahre US-Staatsanleihen

Stimmung der Marktteilnehmer dreht sich binnen weniger Tage um 180 Grad

Dabei erwartet der Kapitalmarkt genau das Gegenteil einer Normalisierung bei den Zinsen von der Fed. Innerhalb von nur einer Woche veränderten sich die Erwartungen massiv: Mittlerweile sind vier Zinsschritte für 2019 bei den Fed Fund Futures eingepreist. Noch vor Wochenfrist waren es nur gut zwei. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung bereits auf der nächsten Sitzung des FOMC am 18. März schoss innerhalb von nur einer Woche von 8,9 Prozent auf aktuell 70 Prozent nach oben. In Anbetracht der um sich greifenden Panik an den Aktienmärkten werden sogar außerordentliche Maßnahmen, wie zuletzt kurz nach dem Ausbruch der US-Repo-Markt-Krise Ende Oktober 2019, von Tag zu Tag wahrscheinlicher.

Auch der Dollar zeigt nun die Erwartung schnell sinkender US-Zinsen an

Der schmelzende Zinsvorsprung bei US-Staatsanleihen macht sich nun auch in dem bisher bärenstarken US-Dollar bemerkbar. Und das nicht nur gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung, sondern auch gegenüber den anderen Haupthandelspartnerwährungen (EUR, JPY, GBP, CAD, SEK, CHF). Gut sichtbar in der aktuellen Entwicklung des US-Dollar-Index:

US Dollar Index im Kursverlauf

Fazit und Ausblick

Selten kann man an den Kapitalmärkten einen derart heftigen und vor allem blitzschnellen Stimmungswandel miterleben. Binnen einer Woche haben sich die Erwartungen bezüglich einer Zinssenkung bereits Mitte März von kaum messbar in Richtung 70 Prozent der Marktteilnehme gedreht. Sämtliche Indikatoren, von den Renditen langläufiger Staatsanleihen, bis hin zum US-Dollar-Schwächeanfall, weisen auf eine kurz bevorstehende Not-Zinssenkung der Fed hin.

Aufgrund des langsam um sich greifenden Panik-Modus steigt sogar die Wahrscheinlichkeit für einen außerordentlichen Zinsschritt zwischen zwei regulären Offenmarktausschusssitzungen der Fed (FOMC). Der nächste reguläre Sitzungs-Termin wäre erst am 18. März, also in drei Wochen. Es ist schwer vorstellbar, dass bis dahin, ohne entsprechende Notenbankmaßnahmen und bei sich gleichzeitig ausweitender Coronavirus-Epidemie, ein Crash an den Aktienmärkten weltweit vermieden werden kann.

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Britische Autoproduktion bricht brutal ein – Verband bettelt bei Boris in London

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Exporte seien derzeit der „Fels“ der britischen Autoindustrie, so sagt es ganz aktuell der britische Automobilverband „SMMT“ in seiner Veröffentlichung der Produktionszahlen für Januar. Diese Aussage ist gut nachvollziehbar, wenn man sieht, dass die für den Export bestimmte britische Autoproduktion im Jahresvergleich zu Januar 2019 um 4,1 Prozent gestiegen ist. Gleichzeitig ist die Autoproduktion für den heimischen Markt brutal um 23,9 Prozent eingebrochen! Nur weil 82,7% der britischen Autoproduktion in den Export geht, liegt der gesamte Produktionsrückgang im Schnitt nur bei -2,1%. Der „Fels“ Export kaschiert also die brutale Nachfrageschwäche auf der Insel.

Da ist es verständlich, dass Der Verband zusammen mit der Veröffentlichung der Daten auch bei Boris Johnson in London regelrecht bettelt und fleht. Die Regierung müsse etwas tun. Im anstehenden Haushalt der Regierung müssten konkrete Schritte unternommen werden um den Konsummarkt in Großbritannien zu stimulieren. Zudem müsse ein Handelsvertrag mit der EU geschlossen werden – damit meint SMMT, dass UK zwar aus der EU ausgetreten ist, aber das man in der aktuellen Übergangsphase nur noch bis Dezember Zeit hat um einen brauchbaren Freihandelsvertrag zu schließen – fast unmöglich in so einer kurzen Zeit! Aber was macht die britische Regierung? Sie macht alles nur noch schlimmer. Aktuell droht sie sogar der EU mit einem Abbruch der Verhandlungen, wenn es bis Juni keine Fortschritte geben sollte. Wie lustig, so meinen wir. Denn die einzigen unentschlossenen Bremser und chaotischen Nicht-Verhandler sind die Briten!

Im folgenden Chart sieht man die Detaildaten von SMMT und im Chart die britische Autoproduktion seit 2014. Es geht deutlich bergab. Übrigens: Dank der aktuellen Drohung von Boris Johnson Richtung Brüssel fällt das britische Pfund heute gegen den US-Dollar um gut 50 Pips, und gegen den Euro um gut 65 Pips. Geht das selbe Theater wieder los wie vor dem offiziellen Austritt der Briten, wo sie selbst nicht wissen, was sie eigentlich wollen? Steht im laufenden Jahr eine große Pfund-Abwertung bevor, wenn immer deutlicher wird, dass Boris Johnson nicht den super tollen Deal erhält, den er seinen Landsleuten versprochen hat?

Britische Autoproduktion mit Detaildaten

Hier die Bitte der SMMT an die Regierung in London im Wortlaut:

Exports are the bedrock for UK car manufacturing so a rise in January exports is welcome following recent declining demand in overseas markets. These figures, however, still give great cause for concern, with another month of falling car production driven by a lack of confidence and corresponding weak demand in the UK. The upcoming Budget is an opportunity for the government to provide supportive measures to stimulate the market, but the biggest boost would be the agreement of an ambitious free trade deal with Europe. This would end the ongoing uncertainty and help the UK to recover its hard-won reputation as a great place for automotive investment.

Boris Johnson
Boris Johnson. Foto: U.K. Prime Minister – https://twitter.com/10DowningStreet/status/1220759626427310082 OGL 3

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