Wie das Italien-Referendum kurzfristig die EZB beeinflusst, und umgekehrt!

FMW-Redaktion

Das Italien-Referendum wird mit einer guten Wahrscheinlichkeit die an diesem Donnerstag stattfindende EZB-Entscheidung beeinflussen. Dann nämlich wird die Entscheidung von Mario Draghi erwartet, ob die EZB das Kaufprogramm für Öffentliche Anleihen in Höhe von 80 Milliarden Euro pro Monat über März 2017 hinaus verlängern wird oder nicht. Durch den Rücktritt von Matteo Renzi geht die letzte Hoffnung der Finanzmärkte auf ernsthafte strukturelle Reformen in Italien verloren. Das bedeutet nach allgemein gültiger Meinung: Eine weitere wirtschaftliche Schwächung des Landes, mehr Ungewissheit, keine Hoffnung, weniger Investitionen. Das dürfte die Renditen für italienische Staatsanleihen in die Höhe treiben (höhere Prämie für gestiegene Ausfallwahrscheinlichkeit) und die italienischen Banken weiter schwächen.

Die Folge: Mario Draghi, der ja schon mehrfach betonte mit seinem Anleihekaufprogramm der europäischen Politik nur Zeit erkaufen zu wollen für Strukturreformen (ist das noch Geldpolitik?), wird sich wahrscheinlich genötigt sehen nach diesem Italien-Referendum das Anleihekaufprogramm für die Eurozone über März hinaus fortzusetzen. Andersum gefragt: Wie reagieren die Märkte in Italien, wenn er es nicht fortsetzt? Dann wird man sich fragen, wer denn zukünftig die neuen Emissionen von italischen Staatsanleihen aufkaufen wird. Denn die EZB dürfte dann ausfallen. Internationale Investoren vielleicht, mit einem Beppe Grillo als Ministerpräsident? Na sicher…

Wie könnte Mario Draghi vorgehen? Wir hatten bereits am Freitag auf ein Ausstiegsszenario aus den Anleihekäufen der EZB hingewiesen, um die Hardliner rund um Bundesbank-Chef Weidmann zu beruhigen. Man könnte anfangen die Volumen bei den besicherten Anleihen (Covered Bonds / CBPP3) zurückzufahren, die mit den monatlichen 80 Milliarden Euro-Käufen nichts zu tun haben. Die Covered Bonds haben immer noch ein offenes Volumen von 202 Milliarden Euro, und das Volumen in diesem Teilsegment, das eh schrumpft, könnte in 2017 zurückgefahren werden.

Szenario für Donnerstag Mittag: Das monatliche Kaufprogramm für Staatsanleihen (wo Italien ja kräftig mit an Bord ist), wird fortgesetzt, vielleicht bis Ende 2017 oder erst mal unbefristet. Mario Draghi wird erneut darauf verweisen, dass man der Politik (in Italien) mehr Zeit erkaufen wolle. Die Auswirkung: Sinkende Renditen für italienische Anleihen, da auf der Käuferseite DER große Player weiterhin mit an Bord ist. Mehr Kaufdruck = steigende Anleihekurse = sinkende Renditen. Das hat letztlich auch Strahlkraft auf den ganzen Finanzsektor, und könnte auch auf die Banken erst einmal beruhigend wirken. Andersrum, sollte die EZB nicht verlängern, könnte sich das deutlich destabilisierend auf das Land auswirken.

Aktuell aber gehen die Märkte fest davon aus, dass die EZB am Donnerstag ein starkes Signal geben wird – daher die Dax-Stärke. Warum aber steigt dann der Euro? Das passt irgendwie nicht zusammen! Und wenn die EZB nicht liefert am Donnerstag, ist die Party schnell vorbei an den Aktienmärkten..

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Dein Freund und Helfer: die EZB
Foto: EZB


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