Wohin mit dem Ölpreis? Saudis machen Andeutung für Ende Mai

FMW-Redaktion

Ende Mai läuft die viel besprochene Fördermengen-Reduzierung von OPEC und Nicht OPEC-Staaten aus. Zusammen wollten sie von Januar-Mai 1,8 Millionen Barrels pro Tag kürzen. Und anscheinend wurde ein Großteil dieser Kürzung auch erreicht. Frage: Hat diese Kürzung denn etwas bewirkt, und wird die Kürzung, die Ende Mai ausläuft, darüber hinaus für ein weiteres halbes Jahr verlängert bis zur nächsten turnusmäßigen OPEC-Sitzung?

Das Problem mit der Kürzung besteht aktuell darin, dass gerade die Fracker in den USA gerade kräftig dagegenhalten und ihre Förderung hochfahren (wir berichteten darüber in den letzten Tagen mehrmals). Der saudische Energieminister Khalid Al-Falih sagte jüngst dem WSJ die OPEC-Mitglieder hätten einen starken Willen die Fördermengen-Kürzung über Ende Mai hinaus zu verlängern.

Die Teilnehmer der Kürzung hätten zuletzt eine beeindruckende Leistung gezeigt, so Al-Falih. In Finanzkreisen aber munkelt man, dass die Saudis als Anführer der Fördermengenkürzung immer hinterher sein müssen, dass ihre Kollegen sich auch tunlichst an die Kürzungszusagen halten. Die Saudis haben von Januar auf Februar ihre eigene Fördermenge wieder um 263.000 Barrels erhöht, liegen aber immer noch im Rahmen ihrer eigenen Kürzungszusage. Dieses Zahlgengeplänkel kann man als Warnung der Saudis verstehen, dass sie die Last der Kürzungen nicht halbwegs alleine tragen wollen.

Auch wichtig: Al-Falih sagte jüngst, dass man die weltweiten Öl-Lagerbestände sehr genau im Auge behalte. Die verlässlichsten Statistiken hierzu aus den USA zeigen neun Wochen am Stück gestiegene Lagerbestände, also genau in dem Zeitraum, wo man eigentlich kräftig gekürzt hatte. Das passt nicht zusammen. Gut, diese Woche gab es eine Stagnation bei den US-Lagermengen, aber sie sind auf dem höchsten Stand seit Beginn der Statistikaufzeichnungen in den 1980ern. Diese vollen Lager könnten ein weiteres Argument sein die eigenen Fördermengen auch nach Mai gedrosselt zu halten. Sonst werden die Lager bei zu viel globaler Produktion noch voller.

Fazit

Wenn es so kommt, wie von Al-Alih angedeutet, bedeuet das: OPEC und Nicht OPEC-Staaten schaffen auf der Angebotsseite noch mehr Platz, der von Frackern, Kanadiern und Brasilianern nur all zu gerne eingenommen wird. Vermutlich kürzt man dann viel stärker, als Fracker und Co in den nächsten Monaten an neuen Förderkapazitäten online bringen können. Das bedeutet einerseits von der Grundtendenz her steigende Ölpreise. Andererseits bedeutet es, dass vor allem die Golfstaaten zuschauen können, wie die Fracker ihnen die Marktanteile wegnehmen, weil man ja selbst mit voller Absicht weniger fördert. Die Nachfrage ist da, und man selbst macht Platz für andere Marktteilnehmer. Das ist schon bizarr. Das kann wie gesagt nur ein wenig Sinn machen, wenn man selbst viel stärker kürzt, als die Konkurrenten hochfahren können. Dann steigt der Preis, und letztlich hat man doch etwas davon. Aber die verlorenen Marktanteile, die sind langfristig ein Problem!

Der Ölpreis (WTI) fiel nach dem Start des Ölpreis-Kriegs zwischen Golfstaaten und Frackern Ende 2014 unter 90 Dollar, und hat sich seitdem nicht erholt.


WTI-Öl seit 2011.


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