Folgen Sie uns

Allgemein

Wohnimmobilienkreditrichtlinie: Die ersten Auswirkungen bei Immobilienkrediten

Seit März gilt die sogenannte „Wohnimmobilienkreditrichtlinie“, die von der EU vorgegeben und nun vom deutschen Gesetzgeber in deutsches Recht umgesetzt wurde. Das Ziel: Die Zügel anziehen, strengere…

Avatar

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Seit März gilt die sogenannte „Wohnimmobilienkreditrichtlinie“, die von der EU vorgegeben und nun vom deutschen Gesetzgeber in deutsches Recht umgesetzt wurde. Das Ziel: Die Zügel anziehen, strengere Auflagen! Vor allem sollen die Kredite sich nicht mehr so stark am Wert der Immobilien orientieren, sondern am Leistungsvermögen der Kreditnehmer (kann er sich die Raten überhaupt leisten?). Jetzt nachdem die Richtlinie seit 4 Monaten besteht, meldet sich der Chef des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg zu Wort. Im Ländle werden verdammt viele schöne Häuser gebaut, das ist klar. Daher schlägt der Verbandschef Peter Schneider jetzt Alarm.

Wie er gestern Journalisten sagte, sei die Kreditvergabe an Häuslebauer im 2. Quartal um 20% eingebrochen gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 2,58 Milliarden Euro. In den nächsten Monaten werde der Rückgang moderater ausfallen, aber die alten Zahlen werde man wohl nicht mehr erreichen. Er wisse gar nicht wo für Deutschland der Regelungsgrund sein solle, so Schneider. Er sitze fassungslos vor den Resultaten. Und in der Tat: Wenn es ein Land in der EU gibt, wo Immobilienfinanzierungen eh schon hoch reguliert waren, dann ist das Deutschland. Deutsche Banken und Sparkassen achten von jeher darauf, ob der Kreditnehmer sich die Raten wirklich dauerhaft leisten kann (ja, das ist wirklich so). Jetzt aber kommen noch jede Menge Zusatzregularien hinzu, die auch dazu führen können, dass die Bank bei späteren Zahlungsausfällen evtl. in Regress genommen werden kann. So scheint es, dass die Banken und Sparkassen aus Vorsicht ihre Hürden noch höher legen.

Wir verweisen an dieser Stelle auch noch mal auf unseren ausführlichen Artikel vom 7. März zu diesem Thema.

So wird manch Kreditnehmer wohl trotz normalem Einkommen und extrem günstigen Zinsen plötzlich nicht mehr an eine Immobilienfinanzierung kommen, und wundert sich warum. Eigentlich macht diese EU-Richtlinie mehr Sinn für Länder, in denen die Immobilienblase 2007 und 2008 voll zugeschlagen hatte, siehe Irland, UK, Spanien. Schneider sagte gestern auch mit dieser EU-Richtlinie sei in Deutschland ein Bereich mit neuen Regeln „überzogen“ worden, bei dem es hierzulande bisher gar keine Probleme gab. Und da hat er recht. Auch wenn es hierzulande auch Zahlungsausfälle durch Arbeitslosigkeit etc gibt, so ist der Bereich als Ganzes hier bei uns gesund. Dennoch gibt es natürlich auch in Deutschland eine enorme Preissteigerung bei Immobilien, die aber durch hohe reale Nachfrage nach Wohnraum getrieben ist – anders war es z.B. in Spanien und Irland, wo ganze Wohnanlagen schon mal auf Vorrat gebaut wurden, ohne reale Nachfrage von echten Menschen.

Schneider sagte auch der Bundestag habe bei der Umsetzung der EU-Richtlinie in deutsches Recht unnötig draufgesattelt, also die Vorschrift stärker ausgelegt als notwendig. Der Wert der gekauften Immobilie dürfe nun nicht mehr so stark berücksichtig werden wie vorher. Aufgrund dem verstärkten Augenmerk auf die Bonität des Schuldners hätten nun vor allem älter Leute Probleme mit Finanzierungen. Auch würden rechtliche Unklarheiten der neuen Wohnimmobilienkreditrichtlinie dafür sorgen, dass über den Banken und Sparkassen das Damoklesschwert der fehlerhaften Beratung schwebe (Regressansprüche).

Der Genossenschaftsverband Bayern (GVB) warnte letzte Woche auch schon vor den desaströsen Folgen der Wohnimmobilienkreditrichtlinie. Diese führe zu einer eingeschränkten Verfügbarkeit von Krediten. Der Gesetzgeber zwinge die Banken zu einer deutlich restriktiveren Kreditvergabe, so die GVB. In der Praxis führe das dazu, dass die Banken manchen Kunden, die bis zum 20. März kreditwürdig waren, seit dem 21. März keinen Kredit mehr geben dürften. Der Witz dabei ist noch zusätzlich: Wo die EU mit dieser neuen Regularie die Vergabe gerade großer Kredite abwürgt, die normalerweise große Folgeinvestitionen mit sich bringen (Baumaterial, Gehälter für Bauarbeiter, Transport), fehlt der konjunkturelle Schub, den die EZB ja gerade mit dem Heraufschrauben der Kreditvergabe erreichen will. Denn die EZB tut ja nun wirklich alles, aber auch wirklich alles dafür, damit europäische Banken derzeit auf Teufel komm raus mehr Kredite an Kunden herausreichen – Hauptsache mehr Konsum, mehr wirtschaftliche Tätigkeit, mehr Aktivität, steigende Preise. Tja, wo die eine EU-Institution bremst, wird die andere EU-Institution wohl in den Keller gehen und sich darüber aufregen (verdammt freundlich formuliert).

10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    Frank

    27. Juli 2016 17:41 at 17:41

    Wunderbar, Herrlich, Fabelhaft, Weiter so! Reguliert, Reguliert und Reguliert! Bis alles kurz und klein reguliert ist, die KMUs den KONZERNEN überhaupt nicht mehr gewachsen sind. Aber bitte keine sinnvollen, sondern nur sinnlose Sachen!
    Macht die kleinen und mittelständischen Firmen platt, dann haben wenigstens die JOBCENTER Konjunktur!!! DIE EU ist wirklich SUUUUPERRR !!!

    • Avatar

      Frank

      27. Juli 2016 17:56 at 17:56

      Das haben die Briten anscheinend auch schon erkannt und sich vielleicht deshalb entschieden, dass sie sooo viel tolle EU Regulierung dann doch lieber nicht haben wollen. Aber irgendwann, in 300 Jahren vielleicht, werden das hier auch einige erkennen und sich mal fragen ob das alles so klug war…. 😉 ich bin gespannt….

  2. Avatar

    m.d

    27. Juli 2016 19:31 at 19:31

    Diese Wohnimmobilienkreditrichtlinie ist sowas von überflüssig. Es ist unerklärlich wie man auf so eine Idee kommen kann.
    Oder wenn die Baufinanzierungszinsen wieder bei 3 – 4 Prozent sind wird diese Wohnimmobilienkreditrichtlinie wieder aufgehoben. Also will man vielleicht damit den Banken einen gefallen tun.
    Bei diesem niedrigen Zinsumfeld nimmt man mit dieser Maßnahme den Familien mit Kindern jegliche Hoffnung auf ein Eigenheim.

  3. Avatar

    Ed

    28. Juli 2016 11:17 at 11:17

    Alles nur für den Verbraucher – Hauptsache „Wir (die EU-Regulatoren) haben unsere Daseinsberechtigung“.

    Sorry, ich kann nicht mehr ernst genug bleiben.

  4. Avatar

    Fred Bunt

    7. Oktober 2016 17:02 at 17:02

    Die neue Richtlinie diskriminiert ältere Menschen und junge Menschen. Ältere Menschen wird es teilweise nicht mehr möglich sein Erbauseinandersetzungen (Immobilienübernahme aus Erbengemeinschaft) vernünftig zu regeln. Junge Menschen mit „Normal-Einkommen“ werden kein Beton-Gold für die Rente (wird vom Staat doch gewünscht) erwerben können, da Renditeobjekte bei der Einkommensbetrachtung meist völlig unberücksichtigt bleiben. Die mittleren Altersgruppen, die evtl. keine sehr hohe Rente erwarten, sind aufgrund der Rentenvorschau ebenfalls schnell außen vor.
    Wie stellt sich unsere liebe Regierung dies bitte vor? Immobilien nur noch für Reiche? Kein Wunder, wenn unsere Gesellschaft immer mehr zerbricht und die EU als besonderes Übel ausmacht. Hier ist dringender Änderungsbedarf vorhanden.

  5. Avatar

    Klaus

    8. Oktober 2016 06:10 at 06:10

    Die Richtlinie diskriminiert alle Bürger dieser Republik die einen Kredit für eine Wohnimmobilie wollen. Wieso ist unsere Regierung nicht mehr daran interessiert, dass ihre Bürger Wohneigentum erwerben? Die EU un die Bundesregierung bestrafen die Bürger dieser Republik für die Sünden der amerikanischen Banken die Häuser nicht nur zu 100 % sondern auch darüber hinaus finanziert haben. Es gab und gibt in den USA festverzinsliche Kredite für die gesamte Laufzeit. Eine Zinserhöhung hat also abgeschlossene Verträge nicht tangiert. Es ist aber eine Unsitte in den USA Belastungen nur für ein halbes Jahr zu berechnen wobei mancher bildungsferne Darlehensnehmer dann glaubt dies Belastung sei für ein ganzes Jahr gerechnet.
    Hinzu kommt die jährliche Grundsteuer die einen Prozentsatz des aktuellen Werts der Immobile beträgt. Diese sich jährlich ändernde Grundsteuer, die je nach Finanzbedarf der Kommunen, der Landkreise, der Colleges und der Schulbehörde durch Änderung des Prozentsatzes zusätzlich verändert werden kann, ist eine zusätzliche unkalkulierbare Belastung. Die Erhöhung darf 10% gegenüber dem Vorjahr nicht übersteigen, toll denkt man, aber für wertvolle Häuser sind diese 10% früher erreicht als für billige Häuser. Das bedeutet, dass für wertvolle Häuser nach Jahren ohne Eigentümerwechsel nur noch ein Rinnsal an Grundsteuer fällig wird. Und so weiter.
    Die Finanzierung einer Wohnimmobilie in den USA kann man nicht im entferntesten mit der Finanzierung einer Wohnimmobilie in Deutschland vergleichen. Der Bundestag, die Bundesregierung, der Bundespräsident sind hier falsch informiert und verwehren völlig zu Unrecht dem deutschen Bürger den Erwerb von Wohneigentum.

  6. Avatar

    AT

    14. Dezember 2016 09:47 at 09:47

    Das darf ja wohl nicht wahr sein ! Bisher war ich immer ein entschiedener Befürworter der EU. Wenn das aber inzwischen dazu führt, dass man als älterer Mensch am Ende eines sehr harten Arbeitslebens seine gesamte Lebensleistung durch die Verweigerung einer Anschlussfinanzierung für seine bereits weitgehend abbezahlte Immobilie genommen bekommt und damit auch die Basis für seine Altersabsicherung, dann kann ich nicht nur verstehen, welche Gründe immer mehr Menschen haben, sich von der EU abzuwenden oder sogar populistische Parteien zu wählen, sondern überlege vielleicht selber, was man gegen die EU politisch oder juristisch unternehmen könnte, um derartig desaströse Gesetzesvorschriften zu verhindern.
    Wieso werden derart ruinierende und diskriminierende Vorschriften nicht wegen offensichtlichen Verstosses gegen das Eigentums- und Gleichheitsgrundrechtes nach Art.14 und Art.3 GG vom Bundesverfassungsgericht verhindert.
    Oder: brauchen auch wir jetzt dringend unseren Gexit ?

  7. Avatar

    Buch

    16. Dezember 2016 14:38 at 14:38

    Diese neue Kreditrichtlinie ist eine Gaunerei. Man hilft hier den Banken sich durch die Hintertür anderer Leute ihre Immobilie zu ergaunern. Letztes Jahr war ich trotz meines Alters von 74 Jahren noch kreditwürdig, heute nicht mehr. Obwohl ich genügend Sicherheit biete bekomme ich keinen Kredit mehr für eine Anschlußfinanzierung.So kann ich meine Immobilie an die Bank geben und alles aufbrauchen damit der Staat sich dann um mich kümmern wird müssen. Das ist ein großer Betrug. Diese EU parlamentarier werden meine Stimme nicht mehr bekommen.

  8. Avatar

    Knut Kahnt

    26. September 2017 11:46 at 11:46

    Das Ziel dieser EU-RL ist nachvollziehbar – keine Immobilienfinanzierung zu Lasten der Verbraucher. Diese hat es nachweisbar gegeben. Nutznießer waren windige Immobilienverkäufer und auch deren Partnerbanken, die z.T. Schrottimmobilien der Verkäufer ungeprüft finanziert haben – alle die haben satt verdient; der Verbraucher blieb all zu oft auf einem finanziellen Scherbenhaufen sitzen. Jetzt die neue EU-RL – und wer ist der Dumme? Wieder der Verbraucher, der jetzt pauschal ab Alter 75 als nicht kreditwürdig eingestuft wird und dem damit die Teilnahme am Markt (Modernisierungskredite/ Anschlußfinanzierung etc.) verwehrt wird. Genau diese Verbraucher haben aber 2008 die Bankenrettung ungefragt mitfinanzieren müssen; jetzt schließen die geretteten Banken (bis auf ganz wenige Ausnahmen) ihnen die Tür vor der Nase zu.
    Hier hat der Gesetzgeber Bockmist produziert. Es muß hier schnellstens korrigiert werden, bevor Zwangsverkäufe von solventen Hauseigentümern deren Altersvorsorge vernichten.
    Fachmakler Knut Kahnt

  9. Avatar

    ex Bänker

    26. September 2017 12:55 at 12:55

    Während kreditfinanzierte Aktienkäufe auf Allzeithochs steigen, zieht man bei den sichersten Realwerten die Schraube immer mehr an.Immerhin können Immobilien nicht in wenigen Tagen um 20-30% fallen.Man redet jetzt täglich über die Krisenherde der Welt u.der Möglichkeit von grösseren Kriegen.Wenn unsere Politiker u.die Hochfinanz so weitermachen sehe ich eher die Möglichkeit von Bürgerkriegen.Viele sind doch einverstanden ,dass durch Nullzinsen u.Geldschwemme die Umverteilung von unten nach oben nie aufhören kann (darf )Die Spaltung der Gesellschaft geht weiter bis es knallt.Spätestens dann würde die nicht mehr möglich scheinende Korrektur ausgelöst.Wie lange wird man noch erzählen können dank der EU habe man schon lange keinen Krieg mehr ?

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Die South China Morning Post pulverisiert Trumps 50 Milliarden Dollar Agrar-Import-Traum

Avatar

Veröffentlicht

am

Von

Donald Trump hatte es im Weißen Haus in Anwesenheit der chinesischen Offiziellen laut verkündet. China werde seine Importe von US-Agarprodukten drastisch ausweiten, auf 50 Milliarden Dollar. Ja, das hatte dem Kapitalmarkt signalisiert, dass doch noch alles gut wird im Handelskrieg. Aber Zweifel waren sofort aufgekommen, und sie blieben die letzten Wochen konstant vorhanden. Aktuell äußert sich die „South China Morning Post“ zu dem Thema mit einer bestechenden Analyse. Wer den Text liest, dem wird klar: China kann gar nicht 50 oder 60 Milliarden Dollar für US-Agarimporte ausgeben. Die einzige Möglichkeit wäre wohl, dass man eine rein politische Entscheidung trifft – dann allerdings müsste man wohl gigantische Berge an importierten US-Argarprodukten (vor allem Sojabohnen) in Lagerhallen immer weiter auf Vorrat stapeln.

Die afrikanische Schweinepest hat in China die Hälfte des Schweinebestands dahin gerafft. Und wer frisst das ganze Soja, dass die Chinesen angeblich den Amerikanern nun in Massen abkaufen sollen? Die Schweine! Bei nur noch 50% Schweinebestand soll es drastisch mehr Soja-Importe geben? Völlig unrealistisch. Die South China Morning Post benennt zum Beispiel, dass China im letzten Jahr insgesamt Agrarprodukte im Wert von 137 Milliarden Dollar importiert hat. Aber China habe noch nie ein größeres jährliches Volumen von mehr als 25,9 Milliarden aus den USA bezogen (das war der Spitzenwert im Jahr 2012). Also, China soll diesen Wert quasi verdoppeln? Und das bei völlig weggebrochener Schweinepopulation im Reich der Mitte? Völlig unrealistisch schient dieser Deal auch zu sein, zumal die Chinesen ihn nie offiziell bestätigt haben.

Lesen Sie den ganzen Artikel gerne beim Klick an dieser Stelle.

weiterlesen

Aktien

Tesla Fabrik in Deutschland? Mehr Schein als Sein!

Avatar

Veröffentlicht

am

Von

Tesla ist das Thema der Woche mit der Ankündigung von Elon Musk, dass man die erste Gigafactory in Europa nahe Berlin errichten will. Sissi Hajtmanek und Manuel Koch besprechen diese Nachricht im folgenden Video. Die beiden beleuchten das Thema kritisch, vor allem in Sachen möglicher EU-Subventionen. Lesen Sie bitte unseren Text unter dem Video weiter – wir äußern uns detailliert zu dem Thema!

Auch die hohen Kosten für die E-Autos von Tesla sind für den Massenmarkt ein Problem. Auf der Tesla-Aktie liegen hohe Short-Positionen. Es gibt also einiges zu beachten rund um die Aktie. Die Aktien von Tesla und Daimler werden im obigen Video übrigens auch mit aktuellen Handelsempfehlungen der Trading House Börsenakademie besprochen. Aber nun zu  unserer Analyse.

Tesla Motors ist sich stets der Aufmerksamkeit der Medien sicher. Ganz besonders gilt das in diesen Tagen. Mit der Ankündigung, eine Autofabrik am Stadtrand von Berlin bauen zu wollen, verblüffte Unternehmens-Chef Elon Musk am Dienstag praktisch alle. Zwar kündigte Musk in den vergangenen Jahren bereits mehrfach an, eine Fabrik in Europa bauen zu wollen. Doch dass es bereits jetzt soweit ist und die Wahl ausgerechnet auf das Hochlohnland Deutschland fällt, war nicht erwartet worden.

Tesla hat kein Geld und nicht genügend Nachfrage nach den Autos

Denn Tesla mangelt es nicht nur an Kapital, sondern auch nach einer ausreichend großen Fahrzeugnachfrage, um in naher Zukunft gleich drei Fahrzeugfabriken unterhalten zu können. Es ist erst zwei Jahre her, dass Musk öffentlich verkündete, es solle keinerlei Zweifel, und er meine Null Zweifel, daran bestehen, dass er in seiner ersten Fabrik in Fremont bereits Ende 2018 10.000 Model 3 pro Woche fertigen werde. Nun, Ende 2018 waren es nicht einmal 5.000 pro Woche und auch heute liegt die Produktionsrate eher bei 7.000 als 10.000 pro Woche. Und obwohl er in Fremont seinem für vergangenes Jahr ausgegebenen Produktionsziel 30% hinterher hinkt, beträgt die Lieferzeit für ein neu bestelltes Auto in Europa nur wenige Wochen bis maximal drei Monate. Die Preise mussten seit vergangenem Jahr zudem drastisch gesenkt werden, um auch nur eine Nachfrage auf dem aktuellen Niveau zu generieren.

30% Planuntererfüllung in Fremont und gesenkte Preise zur Nachfragebelebung hielten Tesla jedoch nicht davon ab, in diesem Jahr den Bau einer Fabrik in China zu beginnen. Dort sollen bald 150.000 Fahrzeuge vom Band rollen. Bis der Maschinenpark gekauft, aufgebaut und kalibriert wurde, sollen vorerst Fahrzeuge mit Bauteilen aus Fremont zusammengeschraubt werden.

Die Investitionen in die 1. Gigafactory wurden bei 20% des Endausbaus gestoppt

Auch in der sogenannten Gigafactory 1 in Nevada ist noch Platz für zusätzliche Produktionskapazitäten. Vollmundig angekündigt wurde die Fabrik vor mehr als fünf Jahren mit einer Produktionskapazität von 35 bis 50GWh Batteriezellen pro Jahr. Wenig später revidierte Tesla diese Zahl auf bis zu 150GWh nach oben. Stand jetzt werden jedoch nur 35GWh Zellen dort produziert, der Hallenbau wurde nach wenig mehr als 50% der ursprünglich angekündigten Größe vorerst eingestellt und der Partner Panasonic, der die Batteriezellen dort für Tesla fertigt, erteilte weiteren Investitionen eine Absage.

Ob sich Tesla überhaupt den Bau und Unterhalt so vieler Fabriken leisten kann, ist zweifelhaft. Laut Bilanz sitzt Tesla zwar auf mehr als 5 Milliarden US-Dollar Barreserven. Denen stehen aber nicht nur ein beständig wachsender Berg offener Rechnungen in Milliardenhöhe entgegen. Die auffällig niedrigen Zinseinnahmen pro Quartal deuten auch noch darauf hin, dass Tesla bei der Bilanz ordentlich Window dressing betreibt und der Cashbestand nur am letzten Tag des Quartals so hoch ist. Unter Berücksichtigung der ausgewiesenen Zinseinnahmen erscheint ein weniger als halb so hoher Cashbestand im Durchschnitt eines Quartals wahrscheinlicher. Übrigens: Auch als Tesla nach Aussage von Elon Musk wenige Wochen von der Zahlungsunfähigkeit entfernt war, lag der Cashbestand laut Bilanz bei rund 3 Milliarden US-Dollar.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen
weiterlesen

Aktien

Vermögenspreise kennen nur eine Richtung – Haushalte ohne Immobilieneigentum gehen leer aus

Avatar

Veröffentlicht

am

Es ist wie es ist. Die Verbraucherpreise wollen nicht auf die 2% steigen, wo die EZB sie gerne sehen möchte. 2,6 Billion Euros gedruckt, Zinsen abgeschafft, und trotzdem wollen die Preise einfach nicht steigen. Aber seit Jahren steigen dafür die Vermögenspreise! Die EZB hat mit ihren gigantischen Anleihekäufen Anleger aus dem Anleihemarkt vertrieben. Und vor allem die nicht mehr vorhandenen Zinsen zwingen Anleger regelrecht in Aktien zu investieren. Geld will Rendite, und so steigen seit Jahren nicht nur Aktien, sondern auch Immobilien und sonstige Sachwerte immer weiter an. Hier ist die Inflation mehr als deutlich zu finden, während sie bei den Alltagsausgaben für die Verbraucher an der Supermarktkasse nicht zu entdecken ist.

Vermögenspreise steigen weiter an

Das Flossbach von Storch Research Institute (FvS) hat heute früh seinen aktuellsten Vermögenspreisindex für das 3. Quartal 2019 veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass zum Ende des dritten Quartals die Vermögenspreise privater deutscher Haushalte im Vergleich zum Vorjahresquartal um +2,9 % angestiegen sind. Unaufhörlich steigende Preise für Immobilien sind für die Entwicklung ursächlich, so FvS. Sowohl die Entwicklung der Vermögenspreise im Vermögensquerschnitt als auch im Altersquerschnitt zeigen, dass Haushalte, die über Immobilieneigentum verfügen, am stärksten von der Vermögenspreisinflation profitieren. Haushalte ohne Immobilieneigentum hätten hingegen das Nachsehen.

Die Inflation der Vermögenspreise liegt damit, so merkt FvS an, angefacht von dauerhaften Null- und Minuszinsen ­– beinahe doppelt so hoch wie die Verbraucherpreisinflation. Immobilien verteuern sich im Vergleich zum Vorjahresquartal um 5,8 Prozent. Auch zahlreiche andere Datenanbieter können den Anstieg der Immobilienpreise untermauern (siehe hier). Niedrige Zinsen machen diese Anlageklasse laut FvS attraktiv. Bemerkenswert war auch der Goldpreis, der sich in Euro gerechnet um ein Drittel stieg. Immobilien machen einen großen Anteil des Vermögens von Senioren aus. Die Vermögenswerte der Deutschen ab dem 75. Lebensjahr verteuerten sich im dritten Quartal durchschnittlich um 4,1 Prozent. Das ist so viel wie in keiner anderen Alterskohorte.

Vermögenspreise seit 2005
Entwicklung der Vermögenspreise seit 2005.

Immobilien Top bei Sachvermögen

Der folgende Chart zeigt in der schwarzen Linie die Entwicklung der Immobilienpreise seit dem Jahr 2005. FsV im Wortlaut zu Sachvermögen:

Die Entwicklung des Sachvermögens wird maßgeblich von der Entwicklung der Preise für Immobilien getragen. Diese haben sich mit +5,8 % im Vergleich zum Vorjahresquartal erneut erheblich verteuert. Ursächlich hierfür ist weiterhin die Kombination aus historisch günstigen Finanzierungskonditionen und einem knappen Immobilienangebot. Der Preis für das Betriebsvermögen deutscher Haushalte ist um -10,8 % im Vergleich zum Vorjahresquartal gefallen. Der Preis für Betriebsvermögen wird durch den SDAX-Kursindex abgebildet, der die Veränderung des Börsenwerts von 70 gelisteten deutschen Mittelstandsunternehmen wiedergibt. Hierunter spielen klassische Industrieunternehmen und Automobilzulieferer eine wichtige Rolle, die sich zum Ende des dritten Quartals in einer Strukturkrise befinden. Der Preisverfall des Betriebsvermögens liegt schon zum vierten Mal in Folge unterhalb von ‑10 %. Langlebige Verbrauchsgüter stagnieren, da ihre Preissteigerung lediglich +0,5 % beträgt. Der Preis für Sammel- und Spekulationsgüter legte um +1,6 % zu. Insbesondere wird diese Entwicklung von steigenden Preisen für Kunstobjekte getragen.

Immobilienpreise steigen konstant weiter an

Gold treibt Finanzvermögen

Die Entwicklung der Finanzvermögen sah zuletzt nur gut aus, weil der Goldpreis im Jahresvergleich zulegen konnte. Die Preise für das Finanzvermögen deutscher Haushalte folgen laut FvS einem Aufwärtstrend. Innerhalb der Kategorie seien die Preise für das sonstige Finanzvermögen (gemessen an Gold- und Rohstoffpreisen) mit +21,7 % am stärksten angestiegen. Verantwortlich hierfür sei der Goldpreis, der um +33,4% im Vergleich zum Vorjahresquartal angestiegen sei. Preise für Aktien lagen hingegen ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres (+0,2 %).

Gold rettet Performance der Finanzvermögen innerhalb der Vermögenspreise

weiterlesen


Anmeldestatus

Meist gelesen 30 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen