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10 Jahre Aktienrally an der Wall Street – und was man theoretisch hätte verdienen können! Gedanken über die Aktienanlage

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Gerade hat sich das letzte zyklische Tief im S&P 500 von 676 Punkten zum 10. Mal gejährt, am Freitag schloss der US-Leitindex bei 2748 Punkten und die Anzeichen einer Rezession mehren sich. Viele waren beim großen Anstieg nicht dabei, denn wer hatte am 9. März 2009 überhaupt das Kapital, um im größeren Stile einzusteigen und vor allem den Mut bei der damaligen Weltuntergangsstimmung. Hatte denn nicht exakt zu diesem Zeitpunkt auch Goldman Sachs in einer Studie von einem möglichen Fall des Index bis auf 400 Punkte gewarnt?

Aber gab es nicht anschließend noch jahrelang Gelegenheit in den Markt mittels z.B. billiger ETFs einzusteigen, um auch nach Steuern und Inflation und ohne Spezialkenntnisse eine vernünftige Rendite zu erwirtschaften?

Und gilt das auch für andere Indizes, wie zum Beispiel für den Dax?

Die Performance der US-Indizes im Überblick

In der längsten Hausse der neueren Zeit gab es bisher folgende Performance in den Indizes:

Ein Anstieg des S&P 500 um 310% und damit eine jährliche Rendite von 17,8%.

Der Dow Jones kletterte um 292%, der Technologieindex Nasdaq sogar um 580 Prozent. Wie erwähnt, dies ist die Performance der Indizes, nicht der von Einzelaktien, bei denen es um 1000% nach oben gehen kann oder auch um 90% nach unten. Dazu später mehr. Abzuziehen sind hierbei noch die Gebühren (bei ETFs sehr mäßig), die Inflationsrate (eventuell Währungsverluste) und natürlich die Abgeltungssteuer (der Staat sitzt bei Otto Normalverbraucher immer mit am Tisch).

Generiert wurde diese Hausse durch eine Verschuldung vieler, einer akkommodierenden Notenbankpolitik und einer Aktienrückkaufrallye, die ihresgleichen sucht.

Auch der Dax hat sich von seinem Tief von 3692 Punkten im März 2009 bis zum heutigen Zeitpunkt verdreifacht und dies sogar noch nach dem Eintauchen in den Bärenmarkt seit Januar 2018.

Wie gesagt, diese Rendite berechnet sich vom absoluten Tief bis zum heutigen Tag, was eine recht unrealistische Betrachtungsweise darstellt, aber auch noch bei einem sehr viel späteren Zeitpunkt des Einstiegs wären noch 10% p.a. möglich gewesen.

Die langfristige Aktienrendite in Deutschland im Vergleich zu den Anleihen – ein weiteres Indiz für ein Aktien-Magerumfeld?

Auch bei der derzeitigen Verzerrung der Konkurrenz zwischen den beiden Anlagearten (Anleihekäufe der EZB) kann man über Jahrzehnte feststellen, dass sich die erzielbare Rendite beider Anlageklassen gar nicht so weit voneinander entfernt.

Die Aktienrendite im Dax betrug einer etwa 3 Jahre alten Untersuchung von 1962 bis dato 5,7% p.a. – inklusive der Einberechnung der Dividenden. Die Anleiherendite lag viele Jahrzehnte bei ca. 2% über der Inflationsrate. Seit den 80-er Jahren kamen beständig zum Kupon fallende Zinsen, sprich steigende Kurse, hinzu. Alles in allem nach Inflation und Steuern kein so großer Performance-Unterschied. Was könnte dies gerade für Europa bedeuten, wo die EZB die Zinsen gar nicht mehr senken kann?

Durch die Konkurrenzsituation der Geldanlageformen (erst recht heute durch die schlauen Algos) wäre bei einem Fortbestand der Langfrist-Gesetzmäßigkeit nach dieser langen Hausse von Aktien, aber auch Anleihen (permanente Kursgewinne bis 2015) Folgendes zu schlussfolgern.

Die niedrigen Renditen im 10-jährigen Anleihebereich sind Hinweis auf ein Magerszenario an den Aktienmärkte in den kommenden Jahren. Bei aller Volatilität sollten auch die Aktienmarktrenditen sehr niedrig ausfallen, die hohe Verschuldung lässt grüßen. Ein anderes Szenario wäre der Kollaps des Geldsystems, den man aber möglichst lange hinausschieben wird.

Das Aktienrisiko im Speziellen

Auf das Aktienrisiko als Gesamtes bezogen, muss ich immer an meinen Börsen-Freund denken, der mich irgendwann im Jahr 2003 beim Dax-Stand von unter 2700 angerufen und gefragt hatte: „Kann der Dax auf 0 fallen?“ Meine Antwort: „Theoretisch ja, aber wenn dies geschieht, wirst du aber auch kein Geld mehr auf der Sparkasse besitzen, Gold, deine Immobilie und andere Wertsachen, musst du dann aber sehr gut sichern und absperren.“

Aktien sind in ihrer Gesamtheit Anteile am Produktionsvermögen in einem Staat, wenn diese vernichtet würden, zählte wieder der Tauschhandel mit Gütern. Selbst eine Aktie, wie die Deutsche Bank, die einer Fusion oder sonst einer schwierigen künftigen Lösung gewidmet ist, hat in beiden Weltkriegen nicht komplett ihren Wert verloren – anders als das Geld.

Der Vergleich mit Japan

Eine große Warnung für Aktienanleger stellt das Beispiel Japan dar. Nach dem beispiellosen Anstieg des Nikkei von 10053 Punkten im Dezember 1984 auf 38915 Punkte bis ins Jahr 1989 infolge der Immobilienspekulation, kam der Absturz auf 14485 Punkte bis ins Jahr 1995. Es folgte ein wilder Ritt mit einem Anstieg binnen Jahresfrist auf 22666 Punkte und dann der Totalabsturz auf 7054 Punkte (Verlust 81,9%), genau vor 10 Jahren am 10. März 2009. Die Notenbank reagierte mit Zinssenkungen, sodass sich die Leitzinsen bereits seit gut 20 Jahren um die Nulllinie bewegen. Das Wachstum des „alternden“ Japan beläuft sich dennoch seit 1990 gerade mal bei 0,9% p.a. Wenn das kein warnendes Beispiel für die Notenbanken ist.

Aber das Skurrile ist: Wenn man nicht gerade im Jahr 1989 in den Nikkei 225 mit einer größeren Anlagesumme eingestiegen ist, hätte man bei einer sparplanmäßigen Einzahlung in den Index (Stand heute über 21000 Punkte) eine Rendite weit über den Zinsanlagen erzielen können. Die 20-Jahresrendite Aktien versus Anleihen hingegen stellt sich hingegen äußerst bescheiden dar.

 

Fazit

Selbst bei einem verspäteten Einstieg in die meisten großen Aktienmärkte hätte man sich bei einer vorsichtigen und einigermaßen regelmäßigen Investition in Indexfonds, aktive oder passive, schon schwer getan, um in diesem Zeitraum keine positive Rendite zu erwirtschaften. Wenn man sich nicht zu sehr von Gier und Angst hätte leiten lassen und nicht mit großen Summen im Januar oder im Herbst 2018 eingestiegen ist, könnte man auch nach Steuern und Inflation eine vernünftige Rendite eingefahren haben. Das Risiko, aber auch die Chance, lag eher bei Einzelaktien, oder bei speziellen Fonds mit hohen Gebühren (oder bei zahlreichen Short-Versuchen), die man sich aufdrücken ließ. Beispielhaft seien hier GE genannt mit dem großen Absturz in jüngster Zeit und die Firma Apple, die trotz ihres I-Phone-X-Desasters immer noch eine Performance von 1400% vorweisen kann.

Die Quintessenz des Ganzen: Langfristdenken, Einsatz des Sparplanprinzips, der Versuch der Unterdrückung von Angst und Gier und vor allem auch „nicht auf die großen Investoren hören“ (siehe Beispiel oben von Goldman Sachs), ist sicherlich ein guter Ansatz, denn diese haben a) auch keine Glaskugel und b) oft auch andere Interessen (Leerverkaufspositionen u.ä).

Aber der Blick auf die große Rendite an den Aktienmärkten dürfte ein Blick in den Rückspiegel sein.

Dies mein kleiner persönlicher Überblick über das Thema Aktienanlage, auch unter dem Gesichtspunkt der kommenden Rezession.

In den Wachstumseinbrüchen seit dem 2. Weltkrieg hatte der US-Leitindex zwischen 21 und 53% verloren. Bei allen geldpolitischen Manipulationen – Wirtschaftszyklen konnte noch keine Institution in der Neuzeit verhindern.

 

Die New York Stock Exchange im Jahr 2009

By Government of Thailand – Flickr, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=26323620

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Marko

    11. März 2019 13:54 at 13:54

    Hallo Wolfgang,

    10 Jahre Aktienrally, alles ok ! – wie sieht es denn mit „Anleihemarkt-Rally“ aus ?
    Ham wa nicht ? Ein Bufu um die 165 ist „normal, total gerechtfertigt“ ?

    Nur, das Problem ist, wenn ich gleichzeitig als Notenbank den Markt manipuliere, sieht die „Aktienrally“ ganz anders aus, das ist eine Marktmanipulation. Der „Markt“ muss sich angleichen.

    Ist das da, was wir jetzt hier sehen , ein „fairer“ Markt ? Liebe Bären, netter Versuch… ;)

    Und natürlich musste man damals reagieren, wegen Goldman Sachs/ABS usw… Das ist doch klar.

    VG

    Marko

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    Wolfgang M.

    11. März 2019 15:40 at 15:40

    Hallo Marko. Natürlich haben wir durch die Anleihekäufe der EZB eine Rally gesehen. Aber die Europäische Zentralbank hat doch zinsseitig ihr Pulver verschossen. Gewinne bei der 10-jährigen dt. Staatsanleihe gibt es nur noch bei Minuszinsen. Die Unternehmen haben die Niedrigzinsen genutzt, auch die „Zombiefirmen“. Eine Normalisierung, sprich ein Zinsanstieg auf 1 bis 2% auf Höhe der Inflation in D, kann es in absehbarer Zeit wegen der bekannten Probleme in der Eurozone nicht geben. Deshalb meine These der künftigen Magerrenditen an den Aktien- und Anleihemärkten. Soll der Bufu auf sein Niveau von ca. 105 von der Jahrtausendwende zurückkehren? Wie soll das gehen?
    Gruß

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    Faktist

    11. März 2019 16:14 at 16:14

    Heute ist doch wieder die selbe Manipulation wie immer… alles schlechte ausblenden und nur Hollywood :-D klar heute ist die Welt kunterbunt und morgen grau und übermorgen wieder kunterbunt. Alles wie in Hollywood! Warum steigen die Kurse heute nicht um 10% ??? Warum nicht? Wäre doch so einfach dann hätte man doch gleich die beste aller Welten LOL… Schwachsinn am Markt, aber bald werden die Banker sich wieder von Hochhäusern stürzen. Werde dann entspannt jeden einzelnen feiern!

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    Marko

    11. März 2019 17:23 at 17:23

    Gedanken über die Aktienanlage :

    https://www.onvista.de/news/brexit-der-countdown-laeuft-ein-tag-bis-zur-abstimmung-18-tage-bis-zum-austritt-200570817

    „Ein EU-Vertreter sagte nach dem Scheitern der Gespräche: „Da ist nicht mehr viel Geduld oder guter Wille auf unserer Seite.“ May habe sich immer mehr selbst in eine Ecke gedrängt. „Selbst eine Verschiebung wird kein Ausweg aus der Sackgasse sein.“

    Bingo !

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    Marko

    11. März 2019 17:31 at 17:31

    Der Countdown läuft, wenn die Briten denken , man sei „etwas Besseres“ als „Rest-Europa“, tja na dann.

    Viel Spaß !

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    Faktist

    11. März 2019 17:35 at 17:35

    Bingo!?
    Bedeutet also Rallye an den Finanzmärkten LOL
    Schliesslich ist jedes Bingo ein Gewinn!

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Aktienmärkte: S&P 500 und Dow Jones – geht der Abverkauf weiter?

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Obwohl der S&P 500 als Leitindex der weltweiten Aktienmärkte meiner Lesart Folge geleistet hat, habe ich mich zur Umstellung meines Szenarios entschieden. Aufgrund fehlender stark strukturierter Kursmuster ist die Analyse der seit März währenden Welle äußerst schwierig und kann durch die Performance eines einzelnen Tages einer kompletten Umstellung bedürfen. Ungeachtet dessen bleibt der S&P 500, bleiben die Aktienmärkte im Korrekturmodus! Wie der Chart es zeigt, bleibe ich meiner prinzipiell positiven Sichtweise treu, ganz gleich wie die Wellen später deklariert werden.

Aktienmärkte: Ausblick für den Leitindex S&P 500

Die kleine Korrektur der Aktienmärkte der letzten Tage dient der Ausbildung von Welle (c) der übergeordneten Welle (B). Aufgrund dessen, dass sich (c) in dieser Konstellation fünfteilig ausbilden muss, erwarte ich die Ausbildung eines Diagonal-Impulses (1-2-3-4-5). Aktuell steht Welle (3) auf der Agenda und kann weitere leichte Verluste im Schlepptau führen. Im Grunde sehe ich diese Gefahr nicht, denn aufgrund des ausgebliebene Bruchs des kleinen 0.62-Retracements (3.286 Punkte) erwarte ich einen freundlichen Wochenstart. Dennoch bleibt der S&P 500, bleiben damit die Aktienmärkte noch unter der Kontrolle der seit Ende August andauernden Korrektur.

Der S&P 500 gibt die Richtung für die Aktienmärkte vor
Somit ist selbst ein Abverkauf bis zur 1.62-Unterstützung (3.178 Punkte) absolut im Rahmen der Möglichkeiten. Lediglich der Bruch dieser massiven Kurslinie sollte sich nicht einstellen. Ein erstes sehr ernst zu nehmendes Anzeichen auf einen bevorstehenden Paradigmenwechsel der Aktienmärkte würde erst ein Schlusskurs über dem 0.76 Retracement bei aktuell 3.516 Zählern darstellen. Auch diesen Schritt erwarte ich für die nächste Woche noch nicht.

Fazit:

Der S&P bewegt sich innerhalb einer Korrektur, deren Abschluss so schnell nicht zu erwarten ist. Resultierend daraus rate ich von einer Positionierung derzeit noch ab; ist ein Kaufsignal noch nicht spruchreif.

 

Wie ist die Lage beim Dow Jones?

Der Dow Jones musste sich an den zurückliegenden beiden Wochen, wie alle amerikanischen Aktienmärkte, leichte Punktverlusten hinnehmen. Dramatisches ist daran noch nicht festzustellen, denn dieses Szenario hatte ich in der jüngsten Betrachtung auch so aufgezeigt. Veränderungen an der bisherigen Wellenzählung mussten somit nicht vorgenommen werden, wie die Charts es zeigen. Mit dieser Performance bestätigt der dienstälteste Aktienindex der Welt seinen Willen, den bisherigen Trend fortführen zu wollen. Der Langzeitchart zeigt meine diesbezügliche Sichtweise auf.

Ausblick:

Die jüngsten Punktverluste haben die Ausbildung von Welle (iv) des seit Mitte Mai laufenden Diagonal-Impulses (i-ii-iii-iv-v) zur Aufgabe gehabt. Der ausgebliebene Schlusskurs unterhalb der Unterstützungslinie bei 27.505 Punkten (0.38 Retracement) kann als ein leicht positiv zu wertendes Indiz auf eine bevorstehende Trendwende angesehen. Noch ist der Stab noch nicht gebrochen; noch besteht die Möglichkeit, dass das 0.50 Retracement (27.002 Punkte) angelaufen wird. Der Bruch dieser Supportline würde eine größere Korrekturbewegung für den Dow, für die Aktienmärkte insgesamt nach sich ziehen und zudem noch den seit März laufenden Aufwärtstrend abschließen.

Der Dow Jones und die Aktienmärkte
Wie im Chart dargestellt erwarte ich diesen Schritt nicht, vielmehr favorisiere ich eine Stabilisierung auf dem aktuellen Niveau und eine sich daran anschließende Fortführung des Aufwärtstrends. Derzeit sind noch keine Einstiegsmarken als auch Kursziele zu benennen, denn hierzu muss erst der Abschuss von (iv) erfolgen. Zu beachten ist dabei, dass es sich bei der seit März laufenden Bewegung, um eine Korrektur handelt.

Fazit:

Die aktuelle Situation steht einem Engagement zum jetzigen Zeitpunkt entgegen. Erst nach Abschluss von (iv) kann von einem neuen Einstiegssignal gesprochen werden. Die Absicherung sollte bei 27.002 Punkten (0.50 Retracement) erfolgen.

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Aktienmärkte: Geht die Korrektur im Herbst ungebremst weiter?

Es riecht schon stark nach einer Ausweitung der Septemberkorrektur für die Aktienmärkte. Zumal die Woche nach dem großen September-Verfallstag historisch eine der schlechtesten im ganzen Jahr darstellt

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Es ist die erwartete Korrektur der Aktienmärkte am Laufen, vor allem die US-Techwerte kkamen unter Druck – und dennoch herrscht wieder einmal Staunen in bestimmten Kreisen über die Kehrtwende in einem Markt mit einem parabolischen Chart, weil eine Hausse einfach eine Hausse nährt und viele einfach dabei sein wollen.

Der Nasdaq 100 hat von seinem Hoch am 2.September mit 12.420 Punkten auf 10.936 Punkte (Freitagsschlusskurs) gerade mal 12 Prozent korrigiert. Nicht allzuviel nach einem 78-Prozent-Anstieg seit seinem Märztief. Da könnte eigentlich noch einiges kommen, bis zu seinem Aufwärtstrend bei 9500 Punkten, der 200-Tage-Linie.

Aktienmärkte: Die untrüglichen Anzeichen

Klar könnte es nach fünf Monaten in Folge von Gewinnen bei S&P 500 und Nasdaq auch einen sechsten Gewinnmonat geben, aber bei diesem August?

Der August 2020 war nicht nur der fünfte Anstiegsmonat in Folge, sondern für den S&P 500 der beste August seit 1986 und für den Nasdaq seit der Jahrtausendwende. Für eine Korrektur der Aktienmäkte sprach der beschleunigte, exponentielle Aufwärtstrend von Apple (plus 30 Prozent) und Tesla (plus 45 Prozent) binnen Monatsfrist, was bei weiteren Kurssteigerungen in kurzer Zeit zu völlig absurden Bewertungen geführt hätte. Beispiel Apple: Die Firma hatte zuletzt 137.000 Beschäftigte und machte im zweiten Quartal 2020 mit rund 60 Milliarden Dollar Umsatz elf Milliarden Dollar Gewinn. Dennoch wäre sie nach Börsenbewertung (über 2,2 Billionen Dollar in der Spitze) bereits unter den Top-10-Staaten der Welt, gemessen am BIP. Das Unternehmen wird nur deshalb so hoch bewertet, weil es mit so wenigen Beschäftigten so hohe Erlöse und Gewinne schafft. Von Tesla braucht man in diesem Zusammenhang nicht mehr zu schreiben. Deshalb habe ich bereits in Artikeln vom 12.8.  („Korrektur bei Big-Tech und Branchenrotation?“) und vom 31.8. („US-Aktienmärkte: Septembereinbruch oder Branchenrotation?“ auf eine notwendige Bereinigung hingewiesen.

Die Euphorie um die Aktiensplits bei Apple und Tesla hatte die Gier noch einmal angefacht, noch einige Call-Optionskäufer in den Markt gespült.

Der Versuchung gebührenfrei Aktien und Optionen an der Börse handeln zu können, sind im Jahr 2020 weitere Millionen RobinHoodies gefolgt. Die durchschnittlich 31 Jahre alten Neuspekulanten hatten Ende Juli ein Depot von 8500 Dollar im Schnitt, bewegt wurde aber im Optionsgeschäft ein Hebel von 26. Welche Summen, vor allem in Nasdaq-Werten da wohl bewegt wurden?

Aber waren auch andere Anzeichen nicht überdeutlich?

Die Firmeninsider in den USA, die schon mehrere Wochen auf der Verkäuferseite standen (Verhältnis Verkäufe – Käufe 5 zu 1 im Juli), der Bericht der UBS über die Milliardäre, die im März mit Krediten auf dem Aufschwung spekuliert hatten und die vor Kurzem Kredit- und Aktienpositionen abbauten, um die Gewinne u.a. in Immobilien zu stecken. Selbst deutsche „Directors Dealings“ sendeten Warnzeichen. Die Investmentfonds hatten ihre Investitionsquote um satte 40 Prozent verringert. Die Korrektur war auf kurze Sicht eine der am meisten Erwartete in der jüngeren Vergangenheit.

Fed-Sitzung und großer Verfallstag

In der letzten Woche gab es zwei Ereignisse, von denen man einen großen Volatilitätsschub hätte erwarten können. Bei der Sitzung der US-Notenbank versicherte Fed-Chef Jerome Powell einmal mehr, dass die (Leit)Zinsen auf lange Zeit tief bleiben werden. Bis zur Vollbeschäftigung (Maximum Employment) – was für ein Ziel in der jetzigen Lage der USA! Gleichzeitig bestätigte er die Strategie der Zentralbank, auch ein Überschießen der Inflation über die ominösen zwei Prozent hinaus akzeptieren zu wollen. Was für mich nichts anderes bedeutet, als dass die Fed die finanzielle Repression zum Zwecke des relativen Schuldenabbaus auf ein neues Level hebt, wie nach dem Zweiten Weltkrieg. Großes Risiko dabei: wenn die Inflation die Gütermärkte erreichen sollte.

Der dreifache Hexensabbat brachte keine großartigen Verwerfungen mehr für die Aktiemärkte, eigentlich wie schon seit Langem, denn die Bereinigungen finden in der Regel schon in der Vorwoche statt. Das Spannende an der Angelegenheit ist vielmehr die Frage, ob die zu zockwütigen Kleinanleger ihre Wetten auf steigende Kurse tatsächlich verlängern werden. Die nächsten Tage werden darüber etwas Aufschluss geben, sichtbar an einer weiteren Korrektur der Nasdaq-100-Werte – oder eben einem kleinen Rebound.

Die aktuelle Entwicklung

Wie erwähnt, vollziehen sich seit gut zwei Wochen Entwicklungen, die zum einen heftig (Nasdaq-Korrektur von 11 Prozent binnen drei Tagen) – und zum anderen relativ unbemerkt (Outperformance von Value zu Growth) vonstatten gehen. Die Hightech-Werte sind weiter am Schwächeln und aufgrund ihres Marktgewichtes haben sie den S&P 500 am Freitag zum Schlusskurs unter seine 50-Tage-Linie gezogen. Derweilen hat der Russel 2000 mit all seinen zurückgebliebenen Aktien den Leitindex weiter outperformt. Tech-Optimisten könnten jetzt eine Erkenntnis der Schweizer UBS ins Felde führen: Diese fand heraus, dass es in den vergangenen fünf Jahren bereits zahlreiche Korrekturphasen der Technologiewerte gegeben hat. Zumeist mit Rückschlägen von zehn bis 12 Prozent, die aber stets schnell wieder aufgeholt werden konnten.

Die Aktienmärkte allgemein sind derzeit etwas gefangen zwischen zwei gegenläufigen Faktoren. Da gibt es zum einen die weiterhin sprudelnde Liquidität von Notenbanken. Dazu die Stimulus-Maßnahmen der Regierungen, die, wenn es ernst wird, sofort Rettungspakete oder Sondermaßnahmen (Themen Insolvenzordnung, Kurzarbeit, Mieterschutz) verlängern. Dabei hat sich seit ein paar Wochen eine kleine Korrektur gezeigt an den Märkten – der moderate Wechsel von Growth zu Value. Zwar waren die Big Seven-Aktien für die Rally der Aktienmärkte verantwortlich mit ihrer Marktkapitalisierung von über sieben Billionen Dollar, die restlichen 493 Werte des S&P 500 bringen aber 21 Billionen Dollar auf die Waage. Also Branchenrotation und vielleicht ein bisschen Window Dressing zu Quartalsende?

Auf der anderen Seite gibt eine große Zahl an Entwicklungen, die für eine Korrektur sprechen:

Die steigende Zahl an Coronainfizierten, die zwar in der Masse sehr jung sind, die Staaten aber dazu bringen, sogar über Aufschwung-schädliche Lockdownmaßnahmen zu beraten oder diese gar zu verhängen (Beispiel Israel, Großbritannien). Also die Angst vor der zweiten Welle. Dann Aspekte wie die Unsicherheit vor der US-Wahl. Dazu kommen saisonale Vorgaben, die große Verkaufswelle der Insider, die Investitionszurückhaltung der Fondsmanager, die sich überall zeigende Abschwächung der Wirtschaftserholung (das asymmetrische V).

Insgesamt ist derzeit sehr viel Psychologie im Spiel, Anleger sehen die Warnsignale nach fünf Monaten Hausse der Aktienmärkte – und parallel dazu gibt es das absonderliche Glücksrittertum von Kleinanlegern, die mit ihren Hebeleinsätzen an die wundersame Geldvermehrung glauben.

Aktienmärkte: Was erwartet uns diese Woche?

In der kommenden Woche gibt es relativ wenige Konjunkturdaten auf der Agenda. Für die USA eigentlich nur die Auftragseingänge langlebiger Güter am Freitag. Anders für Deutschland: Am Mittwoch der für unsere Exportnation bedeutsame Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe, aber noch wichtiger ist der Donnerstag, wenn das Ifo-Institut seinen Geschäftsklimaindex für den Monat September bekannt gibt. Gibt es den fünften Anstieg in Folge oder bereits einen kleinen Corona-bedingten Rücksetzer? Für mich ein sehr bedeutsames Datum, denn wer sollte sonst die Aussichten der Unternehmen in den nächsten Monaten besser beurteilen können, als 9000 Chefs von ihnen in einer zusammengefassten Indexzahl?

Das (noch) unterschätzte Risiko

Klar spekulieren die Aktienmärkte ständig über den Ausgang der US-Wahl mit seinen Kombinationen und deren wirtschaftlichen Auswirkungen: Trump oder Biden? Und wenn Biden, vielleicht mit einer Elisabeth Warden als Finanzministerin? Oder eine demokratische Kongressmehrheit? Aber das eigentlich Bedrohliche wäre doch ein anderes Szenario: Was würde bei einem knappen Wahlausgang passieren, den vor allem Donald Trump nicht akzeptieren würde? Könnte dies nicht sogar zu so etwas wie einer kleinen Staatskrise führen, mit möglichen bürgerkriegsänlichen Unruhen? Hat denn der Amtsinhaber nicht schon jetzt von einem möglichen illegitimen Wahlausgang gesprochen? Aktienmärkte hassen Unsicherheit: eine derartige, nicht unmögliche Zuspitzung, würde ordentlich Sand ins Börsengetriebe streuen – zumindest für eine gewisse Zeit.

Fazit

Es riecht schon stark nach einer Ausweitung der Septemberkorrektur für die Aktienmärkte. Zumal die Woche nach dem großen September-Verfallstag historisch eine der schlechtesten im ganzen Jahr darstellt. Ein wichtiges Zünglein an der Waage werden weiterhin die vielen Call-Spekulanten spielen, die mit gehebelten „Zocks“ ständig für Nachkäufe der Aktien sorgen. Aber es gibt bereits einen überraschend starken Anstieg an Put-Optionen in der vergangenen Woche, wie es die  CoT-Daten signalisieren (nun auf einem Niveau wie im Jahr 2008).

War eigentlich klar, dass es im Verlauf der Woche nicht zur erwarteten Katastrophe mit dem Auslaufen der Septemberkontrakte kam. Das Erwartete führt an der Börse praktisch nie zur Katastrophe, das verbietet das Grundprinzip der Aktienmärkte. Dies kommt für gewöhnlich (auf Tagessicht) überraschend, mit oft banalen Auslösern – aber davon haben wir doch auch genug in der nächsten Zeit..

Es riecht stark nach einer Ausweitung der Septemberkorrektur für die Aktienmärkte

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Aktienmärkte: Die schlechteste Woche des Jahres! Videoausblick

Saisonal gesehen beginnt für die Aktienmärkte nun die wohl schlechteste Woche des Jahres: zu 80% negativ nach dem September-Verfall in den letzten Jahren

Markus Fugmann

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Saisonal gesehen beginnt für die Aktienmärkte nun die wohl schlechteste Woche des Jahres: die Handelswoche nach dem September-Verfall war in den letzten Jahren mit einer Wahrscheinlichkeit von 80% negativ. Die Aktienmärkte in den USA haben nun drei Verlustwochen in Folge absolviert, und mit Blick auf die innere Struktur der Märkte gibt es noch nicht wirklich Anzeichen für eine schnelle Drehung nach oben. Gleichwohl gibt es auch für die Bullen die ersten Hoffnungs-Schimmer – allerdings könnte es noch etwas dauern, bis diese zum Tragen kommen. Die US-Futures etwas schwächer heute, Sorgen um neue Lockdowns und schwache Banken-Werte wirken zum Start der Woche belastend..

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