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Giovannie Cicivelli Tradingchancen

Indizes

10 Jahre Aktienrally an der Wall Street – und was man theoretisch hätte verdienen können! Gedanken über die Aktienanlage

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Gerade hat sich das letzte zyklische Tief im S&P 500 von 676 Punkten zum 10. Mal gejährt, am Freitag schloss der US-Leitindex bei 2748 Punkten und die Anzeichen einer Rezession mehren sich. Viele waren beim großen Anstieg nicht dabei, denn wer hatte am 9. März 2009 überhaupt das Kapital, um im größeren Stile einzusteigen und vor allem den Mut bei der damaligen Weltuntergangsstimmung. Hatte denn nicht exakt zu diesem Zeitpunkt auch Goldman Sachs in einer Studie von einem möglichen Fall des Index bis auf 400 Punkte gewarnt?

Aber gab es nicht anschließend noch jahrelang Gelegenheit in den Markt mittels z.B. billiger ETFs einzusteigen, um auch nach Steuern und Inflation und ohne Spezialkenntnisse eine vernünftige Rendite zu erwirtschaften?

Und gilt das auch für andere Indizes, wie zum Beispiel für den Dax?

Die Performance der US-Indizes im Überblick

In der längsten Hausse der neueren Zeit gab es bisher folgende Performance in den Indizes:

Ein Anstieg des S&P 500 um 310% und damit eine jährliche Rendite von 17,8%.

Der Dow Jones kletterte um 292%, der Technologieindex Nasdaq sogar um 580 Prozent. Wie erwähnt, dies ist die Performance der Indizes, nicht der von Einzelaktien, bei denen es um 1000% nach oben gehen kann oder auch um 90% nach unten. Dazu später mehr. Abzuziehen sind hierbei noch die Gebühren (bei ETFs sehr mäßig), die Inflationsrate (eventuell Währungsverluste) und natürlich die Abgeltungssteuer (der Staat sitzt bei Otto Normalverbraucher immer mit am Tisch).

Generiert wurde diese Hausse durch eine Verschuldung vieler, einer akkommodierenden Notenbankpolitik und einer Aktienrückkaufrallye, die ihresgleichen sucht.

Auch der Dax hat sich von seinem Tief von 3692 Punkten im März 2009 bis zum heutigen Zeitpunkt verdreifacht und dies sogar noch nach dem Eintauchen in den Bärenmarkt seit Januar 2018.

Wie gesagt, diese Rendite berechnet sich vom absoluten Tief bis zum heutigen Tag, was eine recht unrealistische Betrachtungsweise darstellt, aber auch noch bei einem sehr viel späteren Zeitpunkt des Einstiegs wären noch 10% p.a. möglich gewesen.

Die langfristige Aktienrendite in Deutschland im Vergleich zu den Anleihen – ein weiteres Indiz für ein Aktien-Magerumfeld?

Auch bei der derzeitigen Verzerrung der Konkurrenz zwischen den beiden Anlagearten (Anleihekäufe der EZB) kann man über Jahrzehnte feststellen, dass sich die erzielbare Rendite beider Anlageklassen gar nicht so weit voneinander entfernt.

Die Aktienrendite im Dax betrug einer etwa 3 Jahre alten Untersuchung von 1962 bis dato 5,7% p.a. – inklusive der Einberechnung der Dividenden. Die Anleiherendite lag viele Jahrzehnte bei ca. 2% über der Inflationsrate. Seit den 80-er Jahren kamen beständig zum Kupon fallende Zinsen, sprich steigende Kurse, hinzu. Alles in allem nach Inflation und Steuern kein so großer Performance-Unterschied. Was könnte dies gerade für Europa bedeuten, wo die EZB die Zinsen gar nicht mehr senken kann?

Durch die Konkurrenzsituation der Geldanlageformen (erst recht heute durch die schlauen Algos) wäre bei einem Fortbestand der Langfrist-Gesetzmäßigkeit nach dieser langen Hausse von Aktien, aber auch Anleihen (permanente Kursgewinne bis 2015) Folgendes zu schlussfolgern.

Die niedrigen Renditen im 10-jährigen Anleihebereich sind Hinweis auf ein Magerszenario an den Aktienmärkte in den kommenden Jahren. Bei aller Volatilität sollten auch die Aktienmarktrenditen sehr niedrig ausfallen, die hohe Verschuldung lässt grüßen. Ein anderes Szenario wäre der Kollaps des Geldsystems, den man aber möglichst lange hinausschieben wird.

Das Aktienrisiko im Speziellen

Auf das Aktienrisiko als Gesamtes bezogen, muss ich immer an meinen Börsen-Freund denken, der mich irgendwann im Jahr 2003 beim Dax-Stand von unter 2700 angerufen und gefragt hatte: „Kann der Dax auf 0 fallen?“ Meine Antwort: „Theoretisch ja, aber wenn dies geschieht, wirst du aber auch kein Geld mehr auf der Sparkasse besitzen, Gold, deine Immobilie und andere Wertsachen, musst du dann aber sehr gut sichern und absperren.“

Aktien sind in ihrer Gesamtheit Anteile am Produktionsvermögen in einem Staat, wenn diese vernichtet würden, zählte wieder der Tauschhandel mit Gütern. Selbst eine Aktie, wie die Deutsche Bank, die einer Fusion oder sonst einer schwierigen künftigen Lösung gewidmet ist, hat in beiden Weltkriegen nicht komplett ihren Wert verloren – anders als das Geld.

Der Vergleich mit Japan

Eine große Warnung für Aktienanleger stellt das Beispiel Japan dar. Nach dem beispiellosen Anstieg des Nikkei von 10053 Punkten im Dezember 1984 auf 38915 Punkte bis ins Jahr 1989 infolge der Immobilienspekulation, kam der Absturz auf 14485 Punkte bis ins Jahr 1995. Es folgte ein wilder Ritt mit einem Anstieg binnen Jahresfrist auf 22666 Punkte und dann der Totalabsturz auf 7054 Punkte (Verlust 81,9%), genau vor 10 Jahren am 10. März 2009. Die Notenbank reagierte mit Zinssenkungen, sodass sich die Leitzinsen bereits seit gut 20 Jahren um die Nulllinie bewegen. Das Wachstum des „alternden“ Japan beläuft sich dennoch seit 1990 gerade mal bei 0,9% p.a. Wenn das kein warnendes Beispiel für die Notenbanken ist.

Aber das Skurrile ist: Wenn man nicht gerade im Jahr 1989 in den Nikkei 225 mit einer größeren Anlagesumme eingestiegen ist, hätte man bei einer sparplanmäßigen Einzahlung in den Index (Stand heute über 21000 Punkte) eine Rendite weit über den Zinsanlagen erzielen können. Die 20-Jahresrendite Aktien versus Anleihen hingegen stellt sich hingegen äußerst bescheiden dar.

 

Fazit

Selbst bei einem verspäteten Einstieg in die meisten großen Aktienmärkte hätte man sich bei einer vorsichtigen und einigermaßen regelmäßigen Investition in Indexfonds, aktive oder passive, schon schwer getan, um in diesem Zeitraum keine positive Rendite zu erwirtschaften. Wenn man sich nicht zu sehr von Gier und Angst hätte leiten lassen und nicht mit großen Summen im Januar oder im Herbst 2018 eingestiegen ist, könnte man auch nach Steuern und Inflation eine vernünftige Rendite eingefahren haben. Das Risiko, aber auch die Chance, lag eher bei Einzelaktien, oder bei speziellen Fonds mit hohen Gebühren (oder bei zahlreichen Short-Versuchen), die man sich aufdrücken ließ. Beispielhaft seien hier GE genannt mit dem großen Absturz in jüngster Zeit und die Firma Apple, die trotz ihres I-Phone-X-Desasters immer noch eine Performance von 1400% vorweisen kann.

Die Quintessenz des Ganzen: Langfristdenken, Einsatz des Sparplanprinzips, der Versuch der Unterdrückung von Angst und Gier und vor allem auch „nicht auf die großen Investoren hören“ (siehe Beispiel oben von Goldman Sachs), ist sicherlich ein guter Ansatz, denn diese haben a) auch keine Glaskugel und b) oft auch andere Interessen (Leerverkaufspositionen u.ä).

Aber der Blick auf die große Rendite an den Aktienmärkten dürfte ein Blick in den Rückspiegel sein.

Dies mein kleiner persönlicher Überblick über das Thema Aktienanlage, auch unter dem Gesichtspunkt der kommenden Rezession.

In den Wachstumseinbrüchen seit dem 2. Weltkrieg hatte der US-Leitindex zwischen 21 und 53% verloren. Bei allen geldpolitischen Manipulationen – Wirtschaftszyklen konnte noch keine Institution in der Neuzeit verhindern.

 

Die New York Stock Exchange im Jahr 2009

By Government of Thailand – Flickr, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=26323620

6 Kommentare

6 Comments

  1. Marko

    11. März 2019 13:54 at 13:54

    Hallo Wolfgang,

    10 Jahre Aktienrally, alles ok ! – wie sieht es denn mit „Anleihemarkt-Rally“ aus ?
    Ham wa nicht ? Ein Bufu um die 165 ist „normal, total gerechtfertigt“ ?

    Nur, das Problem ist, wenn ich gleichzeitig als Notenbank den Markt manipuliere, sieht die „Aktienrally“ ganz anders aus, das ist eine Marktmanipulation. Der „Markt“ muss sich angleichen.

    Ist das da, was wir jetzt hier sehen , ein „fairer“ Markt ? Liebe Bären, netter Versuch… 😉

    Und natürlich musste man damals reagieren, wegen Goldman Sachs/ABS usw… Das ist doch klar.

    VG

    Marko

  2. Wolfgang M.

    11. März 2019 15:40 at 15:40

    Hallo Marko. Natürlich haben wir durch die Anleihekäufe der EZB eine Rally gesehen. Aber die Europäische Zentralbank hat doch zinsseitig ihr Pulver verschossen. Gewinne bei der 10-jährigen dt. Staatsanleihe gibt es nur noch bei Minuszinsen. Die Unternehmen haben die Niedrigzinsen genutzt, auch die „Zombiefirmen“. Eine Normalisierung, sprich ein Zinsanstieg auf 1 bis 2% auf Höhe der Inflation in D, kann es in absehbarer Zeit wegen der bekannten Probleme in der Eurozone nicht geben. Deshalb meine These der künftigen Magerrenditen an den Aktien- und Anleihemärkten. Soll der Bufu auf sein Niveau von ca. 105 von der Jahrtausendwende zurückkehren? Wie soll das gehen?
    Gruß

  3. Faktist

    11. März 2019 16:14 at 16:14

    Heute ist doch wieder die selbe Manipulation wie immer… alles schlechte ausblenden und nur Hollywood 😀 klar heute ist die Welt kunterbunt und morgen grau und übermorgen wieder kunterbunt. Alles wie in Hollywood! Warum steigen die Kurse heute nicht um 10% ??? Warum nicht? Wäre doch so einfach dann hätte man doch gleich die beste aller Welten LOL… Schwachsinn am Markt, aber bald werden die Banker sich wieder von Hochhäusern stürzen. Werde dann entspannt jeden einzelnen feiern!

  4. Marko

    11. März 2019 17:23 at 17:23

    Gedanken über die Aktienanlage :

    https://www.onvista.de/news/brexit-der-countdown-laeuft-ein-tag-bis-zur-abstimmung-18-tage-bis-zum-austritt-200570817

    „Ein EU-Vertreter sagte nach dem Scheitern der Gespräche: „Da ist nicht mehr viel Geduld oder guter Wille auf unserer Seite.“ May habe sich immer mehr selbst in eine Ecke gedrängt. „Selbst eine Verschiebung wird kein Ausweg aus der Sackgasse sein.“

    Bingo !

  5. Marko

    11. März 2019 17:31 at 17:31

    Der Countdown läuft, wenn die Briten denken , man sei „etwas Besseres“ als „Rest-Europa“, tja na dann.

    Viel Spaß !

  6. Faktist

    11. März 2019 17:35 at 17:35

    Bingo!?
    Bedeutet also Rallye an den Finanzmärkten LOL
    Schliesslich ist jedes Bingo ein Gewinn!

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Aktuell schwächelt der türkische Kapitalmarkt bereits. Nach den jüngsten Vorgängen (Präsident Erdogan lässt die Wahl in Istanbul wiederholen) war das Vertrauen ausländischer Investoren in die Rechtsstaatlichkeit in der Türkei erneut geschwächt worden.

Die türkische Lira befindet sich seit Monaten in einem langsamen schleichenden Abwärtstrend. Die Aktienkurse in der Türkei befinden sich im Absturz. Heute notiert der türkische Leitindex BIST100 mit -1,5%, und ist nun seit sechs Tagen hintereinander am Fallen. Mit einem Tiefststand seit Anfang 2017 hat er aktuell auch den Zustand eines Bärenmarktes erreicht. Die Rendite für zehnjährige türkische Staatsanleihen steigt alleine heute um fast einen ganzen Prozentpunkt (Wahnsinn) auf aktuell 19,26%. Im Februar waren es noch 14%.

Und jetzt Achtung! In den nächsten Tagen könnte sich die Lage dramatisch verschärfen. Denn die Türkei will von Russland Raketensysteme kaufen. Laut einem offenbar auf Insiderquellen in US-Militärkreisen beruhenden Bericht von CNBC habe die Türkei noch zwei Wochen Zeit diesen Deal mit Russland zu stornieren. Die US-Regierung übt also massiven Druck aus. Man solle doch lieber Patriot-Raketen vom US-Hersteller Raytheon kaufen. Würde die Türkei ihre Bestellung nicht „umbuchen“, würden die USA der Türkei die Lieferung von F35-Flugzeugen aus US-Produktion verweigern, und womöglich würden die USA Sanktionen gegen die Türkei einführen. Man bedenke abseits von Donald Trumps „launigem“ Gemüt: Die Türkei ist NATO-Mitglied, und die Mitgliedsstaaten sollen Waffensysteme kaufen, die innerhalb der Gruppe kompatibel sind. Und das wird auf russische Raketen wohl kaum zutreffen.

Geht man davon aus, dass die Reporterin von CNBC richtig recherchiert hat (der Bericht klingt doch recht glaubwürdig), könnte es bald hoch her gehen zwischen der Türkei und den USA. Es ist kaum vorstellbar, dass Präsident Erdogan den Russen-Deal jetzt noch absagt. Dies wäre ein Gesichtsverlust in der Öffentlichkeit, weil er sich von den USA hätte diktieren lassen, wo er seine Waffen einkaufen darf.

Man bedenke, welche Turbulenzen die winzigen US-Sanktionen am Kapitalmarkt verursachten, als die Türkei einen US-Pastor freilassen sollte. Was wäre erst los bei dieser Verweigerung der Türken in Sachen Raketen-Einkauf? Es dürfte die US-Rüstungshersteller verdammt hart treffen solch große Aufträge nicht zu erhalten, also Raketen und 100 Kampfjets. Die Reaktion aus dem Weißen Haus könnte also heftig ausfallen, und damit auch die Turbulenzen am türkischen Kapitalmarkt.

Noch sind wir in dieser Sache im „Wenn-Modus“. Wenn dies passiert, könnte danach dies und jenes passieren. Aber wer in türkischen Aktien, der Lira oder in Anleihen unterwegs ist, sollte dieses Szenario für die nächsten Tage im Hinterkopf behalten!

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