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10 Jahre Aktienrally an der Wall Street – und was man theoretisch hätte verdienen können! Gedanken über die Aktienanlage

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Gerade hat sich das letzte zyklische Tief im S&P 500 von 676 Punkten zum 10. Mal gejährt, am Freitag schloss der US-Leitindex bei 2748 Punkten und die Anzeichen einer Rezession mehren sich. Viele waren beim großen Anstieg nicht dabei, denn wer hatte am 9. März 2009 überhaupt das Kapital, um im größeren Stile einzusteigen und vor allem den Mut bei der damaligen Weltuntergangsstimmung. Hatte denn nicht exakt zu diesem Zeitpunkt auch Goldman Sachs in einer Studie von einem möglichen Fall des Index bis auf 400 Punkte gewarnt?

Aber gab es nicht anschließend noch jahrelang Gelegenheit in den Markt mittels z.B. billiger ETFs einzusteigen, um auch nach Steuern und Inflation und ohne Spezialkenntnisse eine vernünftige Rendite zu erwirtschaften?

Und gilt das auch für andere Indizes, wie zum Beispiel für den Dax?

Die Performance der US-Indizes im Überblick

In der längsten Hausse der neueren Zeit gab es bisher folgende Performance in den Indizes:

Ein Anstieg des S&P 500 um 310% und damit eine jährliche Rendite von 17,8%.

Der Dow Jones kletterte um 292%, der Technologieindex Nasdaq sogar um 580 Prozent. Wie erwähnt, dies ist die Performance der Indizes, nicht der von Einzelaktien, bei denen es um 1000% nach oben gehen kann oder auch um 90% nach unten. Dazu später mehr. Abzuziehen sind hierbei noch die Gebühren (bei ETFs sehr mäßig), die Inflationsrate (eventuell Währungsverluste) und natürlich die Abgeltungssteuer (der Staat sitzt bei Otto Normalverbraucher immer mit am Tisch).

Generiert wurde diese Hausse durch eine Verschuldung vieler, einer akkommodierenden Notenbankpolitik und einer Aktienrückkaufrallye, die ihresgleichen sucht.

Auch der Dax hat sich von seinem Tief von 3692 Punkten im März 2009 bis zum heutigen Zeitpunkt verdreifacht und dies sogar noch nach dem Eintauchen in den Bärenmarkt seit Januar 2018.

Wie gesagt, diese Rendite berechnet sich vom absoluten Tief bis zum heutigen Tag, was eine recht unrealistische Betrachtungsweise darstellt, aber auch noch bei einem sehr viel späteren Zeitpunkt des Einstiegs wären noch 10% p.a. möglich gewesen.

Die langfristige Aktienrendite in Deutschland im Vergleich zu den Anleihen – ein weiteres Indiz für ein Aktien-Magerumfeld?

Auch bei der derzeitigen Verzerrung der Konkurrenz zwischen den beiden Anlagearten (Anleihekäufe der EZB) kann man über Jahrzehnte feststellen, dass sich die erzielbare Rendite beider Anlageklassen gar nicht so weit voneinander entfernt.

Die Aktienrendite im Dax betrug einer etwa 3 Jahre alten Untersuchung von 1962 bis dato 5,7% p.a. – inklusive der Einberechnung der Dividenden. Die Anleiherendite lag viele Jahrzehnte bei ca. 2% über der Inflationsrate. Seit den 80-er Jahren kamen beständig zum Kupon fallende Zinsen, sprich steigende Kurse, hinzu. Alles in allem nach Inflation und Steuern kein so großer Performance-Unterschied. Was könnte dies gerade für Europa bedeuten, wo die EZB die Zinsen gar nicht mehr senken kann?

Durch die Konkurrenzsituation der Geldanlageformen (erst recht heute durch die schlauen Algos) wäre bei einem Fortbestand der Langfrist-Gesetzmäßigkeit nach dieser langen Hausse von Aktien, aber auch Anleihen (permanente Kursgewinne bis 2015) Folgendes zu schlussfolgern.

Die niedrigen Renditen im 10-jährigen Anleihebereich sind Hinweis auf ein Magerszenario an den Aktienmärkte in den kommenden Jahren. Bei aller Volatilität sollten auch die Aktienmarktrenditen sehr niedrig ausfallen, die hohe Verschuldung lässt grüßen. Ein anderes Szenario wäre der Kollaps des Geldsystems, den man aber möglichst lange hinausschieben wird.

Das Aktienrisiko im Speziellen

Auf das Aktienrisiko als Gesamtes bezogen, muss ich immer an meinen Börsen-Freund denken, der mich irgendwann im Jahr 2003 beim Dax-Stand von unter 2700 angerufen und gefragt hatte: „Kann der Dax auf 0 fallen?“ Meine Antwort: „Theoretisch ja, aber wenn dies geschieht, wirst du aber auch kein Geld mehr auf der Sparkasse besitzen, Gold, deine Immobilie und andere Wertsachen, musst du dann aber sehr gut sichern und absperren.“

Aktien sind in ihrer Gesamtheit Anteile am Produktionsvermögen in einem Staat, wenn diese vernichtet würden, zählte wieder der Tauschhandel mit Gütern. Selbst eine Aktie, wie die Deutsche Bank, die einer Fusion oder sonst einer schwierigen künftigen Lösung gewidmet ist, hat in beiden Weltkriegen nicht komplett ihren Wert verloren – anders als das Geld.

Der Vergleich mit Japan

Eine große Warnung für Aktienanleger stellt das Beispiel Japan dar. Nach dem beispiellosen Anstieg des Nikkei von 10053 Punkten im Dezember 1984 auf 38915 Punkte bis ins Jahr 1989 infolge der Immobilienspekulation, kam der Absturz auf 14485 Punkte bis ins Jahr 1995. Es folgte ein wilder Ritt mit einem Anstieg binnen Jahresfrist auf 22666 Punkte und dann der Totalabsturz auf 7054 Punkte (Verlust 81,9%), genau vor 10 Jahren am 10. März 2009. Die Notenbank reagierte mit Zinssenkungen, sodass sich die Leitzinsen bereits seit gut 20 Jahren um die Nulllinie bewegen. Das Wachstum des „alternden“ Japan beläuft sich dennoch seit 1990 gerade mal bei 0,9% p.a. Wenn das kein warnendes Beispiel für die Notenbanken ist.

Aber das Skurrile ist: Wenn man nicht gerade im Jahr 1989 in den Nikkei 225 mit einer größeren Anlagesumme eingestiegen ist, hätte man bei einer sparplanmäßigen Einzahlung in den Index (Stand heute über 21000 Punkte) eine Rendite weit über den Zinsanlagen erzielen können. Die 20-Jahresrendite Aktien versus Anleihen hingegen stellt sich hingegen äußerst bescheiden dar.

 

Fazit

Selbst bei einem verspäteten Einstieg in die meisten großen Aktienmärkte hätte man sich bei einer vorsichtigen und einigermaßen regelmäßigen Investition in Indexfonds, aktive oder passive, schon schwer getan, um in diesem Zeitraum keine positive Rendite zu erwirtschaften. Wenn man sich nicht zu sehr von Gier und Angst hätte leiten lassen und nicht mit großen Summen im Januar oder im Herbst 2018 eingestiegen ist, könnte man auch nach Steuern und Inflation eine vernünftige Rendite eingefahren haben. Das Risiko, aber auch die Chance, lag eher bei Einzelaktien, oder bei speziellen Fonds mit hohen Gebühren (oder bei zahlreichen Short-Versuchen), die man sich aufdrücken ließ. Beispielhaft seien hier GE genannt mit dem großen Absturz in jüngster Zeit und die Firma Apple, die trotz ihres I-Phone-X-Desasters immer noch eine Performance von 1400% vorweisen kann.

Die Quintessenz des Ganzen: Langfristdenken, Einsatz des Sparplanprinzips, der Versuch der Unterdrückung von Angst und Gier und vor allem auch „nicht auf die großen Investoren hören“ (siehe Beispiel oben von Goldman Sachs), ist sicherlich ein guter Ansatz, denn diese haben a) auch keine Glaskugel und b) oft auch andere Interessen (Leerverkaufspositionen u.ä).

Aber der Blick auf die große Rendite an den Aktienmärkten dürfte ein Blick in den Rückspiegel sein.

Dies mein kleiner persönlicher Überblick über das Thema Aktienanlage, auch unter dem Gesichtspunkt der kommenden Rezession.

In den Wachstumseinbrüchen seit dem 2. Weltkrieg hatte der US-Leitindex zwischen 21 und 53% verloren. Bei allen geldpolitischen Manipulationen – Wirtschaftszyklen konnte noch keine Institution in der Neuzeit verhindern.

 

Die New York Stock Exchange im Jahr 2009

By Government of Thailand – Flickr, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=26323620

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Marko

    11. März 2019 13:54 at 13:54

    Hallo Wolfgang,

    10 Jahre Aktienrally, alles ok ! – wie sieht es denn mit „Anleihemarkt-Rally“ aus ?
    Ham wa nicht ? Ein Bufu um die 165 ist „normal, total gerechtfertigt“ ?

    Nur, das Problem ist, wenn ich gleichzeitig als Notenbank den Markt manipuliere, sieht die „Aktienrally“ ganz anders aus, das ist eine Marktmanipulation. Der „Markt“ muss sich angleichen.

    Ist das da, was wir jetzt hier sehen , ein „fairer“ Markt ? Liebe Bären, netter Versuch… ;)

    Und natürlich musste man damals reagieren, wegen Goldman Sachs/ABS usw… Das ist doch klar.

    VG

    Marko

  2. Avatar

    Wolfgang M.

    11. März 2019 15:40 at 15:40

    Hallo Marko. Natürlich haben wir durch die Anleihekäufe der EZB eine Rally gesehen. Aber die Europäische Zentralbank hat doch zinsseitig ihr Pulver verschossen. Gewinne bei der 10-jährigen dt. Staatsanleihe gibt es nur noch bei Minuszinsen. Die Unternehmen haben die Niedrigzinsen genutzt, auch die „Zombiefirmen“. Eine Normalisierung, sprich ein Zinsanstieg auf 1 bis 2% auf Höhe der Inflation in D, kann es in absehbarer Zeit wegen der bekannten Probleme in der Eurozone nicht geben. Deshalb meine These der künftigen Magerrenditen an den Aktien- und Anleihemärkten. Soll der Bufu auf sein Niveau von ca. 105 von der Jahrtausendwende zurückkehren? Wie soll das gehen?
    Gruß

  3. Avatar

    Faktist

    11. März 2019 16:14 at 16:14

    Heute ist doch wieder die selbe Manipulation wie immer… alles schlechte ausblenden und nur Hollywood :-D klar heute ist die Welt kunterbunt und morgen grau und übermorgen wieder kunterbunt. Alles wie in Hollywood! Warum steigen die Kurse heute nicht um 10% ??? Warum nicht? Wäre doch so einfach dann hätte man doch gleich die beste aller Welten LOL… Schwachsinn am Markt, aber bald werden die Banker sich wieder von Hochhäusern stürzen. Werde dann entspannt jeden einzelnen feiern!

  4. Avatar

    Marko

    11. März 2019 17:23 at 17:23

    Gedanken über die Aktienanlage :

    https://www.onvista.de/news/brexit-der-countdown-laeuft-ein-tag-bis-zur-abstimmung-18-tage-bis-zum-austritt-200570817

    „Ein EU-Vertreter sagte nach dem Scheitern der Gespräche: „Da ist nicht mehr viel Geduld oder guter Wille auf unserer Seite.“ May habe sich immer mehr selbst in eine Ecke gedrängt. „Selbst eine Verschiebung wird kein Ausweg aus der Sackgasse sein.“

    Bingo !

  5. Avatar

    Marko

    11. März 2019 17:31 at 17:31

    Der Countdown läuft, wenn die Briten denken , man sei „etwas Besseres“ als „Rest-Europa“, tja na dann.

    Viel Spaß !

  6. Avatar

    Faktist

    11. März 2019 17:35 at 17:35

    Bingo!?
    Bedeutet also Rallye an den Finanzmärkten LOL
    Schliesslich ist jedes Bingo ein Gewinn!

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Dax: Jahresausblick – Anleger sehen mehr Gefahren als Chancen

Stephan Heibel

Veröffentlicht

am

Der Dax ist 2021 bereits angesprungen, der Bitcoin hatte die 40.000 USD geknackt und Tesla konnte in den ersten Tagen des neuen Jahres bereits um 30% zulegen!

Der Quadratmeter Bauland wird in meiner Nachbarschaft auf 2.200 Euro taxiert, ich war bis vor kurzem von 800-1.000 Euro ausgegangen. Ja, liebe Notenbanken, von Inflation keine Spur, oder? Ich habe gelesen, dass die EZB im Rahmen ihrer strategischen Neuausrichtung nach Möglichkeiten sucht, den Zins für langfristig laufende Anleihen zu beeinflussen, ohne über den Geldmarkt gehen zu müssen. Abenteuerlich.

Für uns Anleger sind das goldene Zeiten, wobei der Gradmesser der Inflation, das Gold, tatsächlich nicht anschlägt. Die Feinunze Gold verlor diese Woche 1,4%. Ich denke, die überschüssige Liquidität der Anleger wandert derzeit eher in den Bitcoin als ins Gold. Den Bitcoin können Sie problemlos über Landesgrenzen mitnehmen, beim Gold ist das nicht so einfach.

Durch Disruption zum Milliardär

„Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.“ Mahatma Gandhi

1990-2000:

Es ist nicht leicht, Milliardär zu werden: Bill Gates lief sich in der Industrie die Hacken wund, niemand wollte Computer für den Privatanwender bauen. Das solle man den Profis überlassen, war die Antwort und IBM hatte eine ganze IT-Industrie erschaffen, die von den Personal Computern nichts wissen wollte. Der IBM Mainframe fristet heute ein Nischendasein, Bill Gates wurde mit seinem Betriebssystem für Personal Computer, dem Windows, zum reichsten Mann der Welt.

2000-2010:

Man muss in Büchern herumblättern, wenn man sich eine Kaufentscheidung bilden möchte, so das Dogma des Buchhandels vor 20 Jahren. Jeff Bezos bot die Bücher im Online-Versand an und hatte nicht nur alle Buchhändler der Welt, sondern später auch alle Einzelhändler der Welt gegen sich. Eine kleine Nische, die kaum Potential habe, urteilten viele damals. Amazon liefert heute so ziemlich alles, was das Herz an materiellen Wünschen hat. Jeff Bezos löste Bill Gates als reichsten Mann der Welt ab.

2010-2020:

Wenn Sie sich einmal die Ölindustrie und deren weltweite Logistiknetze anschauen, dann können Sie sich vorstellen, dass nicht nur die Autoindustrie gegen die Ablösung der Verbrennermotoren war: Als wichtiger Abnehmer der Ölindustrie liefen also gleich mehrere Branchen weltweit Sturm gegen das Elektroauto. Elon Musk peitschte sein Projekt durch, baute weltweit mangels Kooperationswillen in der Ölindustrie (denen gehören die meisten Tankstellen) ein eigenes Netz an Ladesäulen auf, die weltweit größten Batteriefabriken (Giga-Factories). Durch den Kurssprung in den Tesla-Aktien löste Elon Musk gestern Jeff Bezos als reichten Mann der Welt ab.

2020-2030:

Vielleicht steht der nächste Milliardär ja schon in den Startlöchern. Der Erfinder des Bitcoin ist nicht bekannt. Die mRNA-Technologie wird von mehreren Unternehmen genutzt, aber Moderna und BionTech scheinen die Nase vorn zu haben. Beyond Meat krumpelt die Nahrungsmittelindustrie um. Und Zoom Video und Twilio verändern die Art und Weise, in der wir untereinander kommunizieren. Spannend! Und es lohnt sich, am Ball zu bleiben.

Ich habe den Eindruck, dass die Coronakrise in einigen Bereichen Entwicklungen der kommenden Jahre vorweg genommen hat. So konnten die Aktien von BionTech, Zoom Video usw. im vergangenen Jahr exorbitant anspringen. Im Jahr 2021 wird sich zeigen, welche Entwicklungen tatsächlich beschleunigt wurden, und welche lediglich eine Sonderkonjunktur erfuhren.

Dax: Jahresausblick 2021

Bereits seit sechs Jahren führe ich die Jahresumfrage unter Lesern des Handelsblatts durch. Im Sinne der Sentiment-Theorie interpretiere ich die Mehrheitsmeinung dahingehend, dass es unwahrscheinlich ist, dass genau diese Erwartung eintritt. Vielmehr haben Untersuchungen gezeigt, dass an den Finanzmärkten in der Regel das Unerwartete passiert.

Das Ergebnis meiner Analyse der Jahresumfrage vor einem Jahr war die Erwartung, dass der DAX frühzeitig im Jahr 2020 ausverkauft würde, um dann bis in den November hinein stark anzusteigen. Den Jahresschlusskurs hatte ich sodann auf knapp unter das Jahreshoch taxiert. Optisch betrachtet habe ich damit ziemlich gut gelegen.

Wenn wir jedoch die Beschriftung der X-Achse zufügen, könnte ich nicht schlechter gelegen haben: Das Tief hatte ich auf über 12.000 festgelegt und als Jahreshoch hielt ich die 15.000 Punkte für möglich.

Nun könnte man sagen, die Corona-Pandemie hat ohnehin alles auf den Kopf gestellt. Doch gerade solche unvorhersehbaren Ereignisse sollen ja mit Hilfe technischer Instrumente, wie beispielsweise dieser Jahresumfrage, berücksichtigt werden. Dennoch würde ich sagen, dass wir den Verlauf recht gut prognostiziert haben, wenngleich die Intensität durch Corona nach unten verstärkt wurde. Heute werden wir untersuchen, ob der Lauf in Richtung 15.000 nur um ein Jahr verschoben wurde, oder ob sich nach Corona eine vollständig neue Situation ergibt.

Bei unserer Jahresumfrage vor einem Jahr wurde die Anlage in Immobilien als beste Investmentchance bezeichnet, gefolgt von Aktien und Edelmetallen. Industriemetalle (bspw. Kupfer) und Nahrungsmittel (bspw. Getreide) wurden als mäßig attraktiv betrachtet.

Tatsächlich haben gerade Industriemetalle (+26%) und Nahrungsmittel (+16%) im abgelaufenen Jahr eine gute Performance gezeigt. Der DAX konnte sich auf Jahressicht knapp ins Plus retten (+3,5%).

Immobilien muss man für das Jahr 2020 detailliert betrachten: Bauland zeigt mit +13% den stärksten Wertzuwachs, gefolgt von Wohnimmobilien mit +8%. Gewerbeimmobilien litten stark unter der Corona-Pandemie, wobei Büroimmobilien Einbußen erlitten, während Flächen für logistische Nutzung gefragt waren.

Wenngleich der Wertzuwachs bei Wohnimmobilien nicht mit Industriemetallen und Nahrungsmitteln mithalten konnte, so ändert sich das Bild wenn wir berücksichtigen, dass Immobilien in der Regel zu einem großen Teil finanziert werden. Die Wertentwicklung des Eigenkapitals ist, auch nach Abzug der derzeit niedrigen Zinsen, deutlich höher anzusetzen.

Hier die Jahresperformance:

· Kupfer +26%

· Getreide +16%

· Gold +12%

· Immobilien 8%

· DAX +3,5%

· Anleihen +0,5%

· Öl -25%

· Dow Jones +6%

· Nikkei +16%

· Shanghai A-Aktien +12%

In einem Punkt haben die Umfrageteilnehmer vor einem Jahr gut gelegen: Der Median der Umfrageerwartung von vor einem Jahr erwartete einen DAX-Jahresschluss 2020 bei 13.750 Punkten, was einem Plus von 3,8% entsprochen hätte. Mit dem tatsächlichen Jahresschlusskurs von 13.719 (+3,5%) wurde dieser Median ziemlich gut getroffen.

In den vergangenen 50 Jahren hat der DAX nur fünfmal mit einem so kleinen Plus (kleiner 5%) geschlossen.

Nun hat die Corona-Pandemie zu einem durchweg überraschenden und untypischen Börsenjahr geführt, sowohl im Ergebnis als auch im Verlauf. Ich wäre daher vorsichtig, unseren Umfrageteilnehmern vorschnell eine hohe Trefferquote zuzusprechen: Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn.

Gedämpfte Erwartungen für Aktien im Jahr 2021

Für das Jahr 2021 erwarten Anleger nicht viel vom Aktienmarkt: zum Jahresende dürfte sich der DAX in etwa erneut auf dem aktuellen Kursniveau bewegen, wenn unsere Umfrageteilnehmer Recht haben.

Wo steht der Dax Ende 2021?
Abbildung 1: Jahresumfrage Handelsblatt: Jahresschlusskurs DAX

Die meisten gehen von einem Jahresschlusskurs im Bereich von 13.600 bis 13.900 aus, was im Mittel einem Jahresplus von mageren 0,2% entspräche. Wenn wir die durchschnittliche Erwartung unter Einbeziehung aller Antworten errechnen, ergibt sich sogar nur ein Wert von 13.726 Punkten, also +0,1%.

Interessant dabei ist, dass die Streuung der Erwartungen sehr gering ist: 60% aller Teilnehmer erwarten einen Jahresschlusskurs zwischen 13.500 und 14.400 Punkten. Werte außerhalb dieses Bereiches wurden nur vereinzelt ausgewählt. Einen Schlusskurs unter 13.000 befürchtet fast keiner mehr. Nach oben gibt es vereinzelte Stimmen, die sogar einen DAX bis 16.000 Punkte erwarten.

Wo wird der Höchststand beim Dax 2021 sein?
Abbildung 2: Jahresumfrage Handelsblatt: Jahreshoch im DAX

Das Jahreshoch wird gemäß der Erwartung unserer Umfrageteilnehmer mindestens über 13.950 Punkten liegen, im Mittel wird ein Jahreshoch bei 14.250 (+3,9%) Punkten erwartet. Berechnen wir den Durchschnitt aller Erwartungen, so erhalten wir einen Wert von 14.385 Punkten (+4,9%). Ein Jahreshoch über 14.850 Punkte (+8,2%) hält kaum jemand für möglich.

Wo wird das Tief beim Dax sein?
Abbildung 3: Jahresumfrage Handelsblatt: Jahrestief im DAX

Auch beim Jahrestief sind die Erwartungen etwas pessimistischer: Unter 12.750 Punkte (-7,1%) sollte der DAX nach der Erwartung unserer Umfrageteilnehmer mindestens nochmals rutschen. Im Mittel wird sogar ein zwischenzeitliches Abrutschen bis auf 12.150 Punkte (-11,4%) befürchtet. Das durchschnittlich erwartete Tief im Jahr 2021 liegt bei 11.910 Punkten (-13,2%). Immerhin fürchtet kaum jemand ein erneutes Abrutschen unter 11.250 Punkte (-18%).

Ich finde dieses Ergebnis merkwürdig: Im Jahr 2019 sprang der DAX um 25% an. Im Corona-Jahr 2020 betrug die Schwankungsbreite im DAX über 60%! Für das Jahr 2021 gehen Anleger jedoch nur von einer maximalen Schwankungsbreite von 24% aus, die meisten erwarten eine Schwankungsbreite von nur 17%. Es wäre schön, wenn’s so kommt.

Für den DAX erwarten die meisten Anleger das Jahreshoch im Mai. „Sell in May and go away…” heißt eine Börsenweisheit, die sich offensichtlich in den Köpfen der Anleger festgesetzt hat. Doch in den vergangenen Jahren galt diese Regel kaum.

Das Jahrestief wird im August erwartet, ebenfalls entsprechend der obigen Börsenregel: „… and always remember to come back in September”.

Bis zum Jahresschluss würde der DAX dann wieder in Richtung seiner Höchststände marschieren, wenn wir der Erwartung unserer Umfrageteilnehmer glauben. Soweit wird hier eine durchaus typische Jahresentwicklung erwartet.

Untypisch ist jedoch die Befürchtung eines unmittelbar anstehenden Ausverkaufs zum Jahresbeginn: Verhältnismäßig viele Anleger befürchten, dass wir bereits im Februar das Jahrestief sehen können. Daraus können wir zwei Schlussfolgerungen ziehen:

Zum einen wird der Markt aktuell als überhitzt wahrgenommen, so dass kurzfristig keine weiteren Kurssteigerungen erwartet werden. Nach dem Jahresschlussspurt wird nun eine Konsolidierung bis hin zu einer Korrektur erwartet.

Zum anderen spiegelt die Erwartung der Kurstiefs bereits so früh im Jahr die optimistische Erwartung der Anleger wider, dass die Kurse im Jahr 2021 überwiegend steigen werden.

Diese Erwartung widerspricht offensichtlich der weiter oben formulierten Erwartung der geringen Sprunghöhe im DAX: Wenn der DAX schon in den kommenden Wochen sein Tief sieht und dann für den Rest des Jahres steigt, dann erscheint das Kursziel bis zum Jahresende bei durchschnittlich 13.726 Punkten (+0,1%) sehr konservativ. Einzige Erklärungsmöglichkeit wäre ein heftiger Ausverkauf in den kommenden Wochen, so dass der DAX von tiefem Niveau aus dann das ganze Jahr steigen kann, ohne über die 14.000 Punkte zu springen.

Das wäre eine Entwicklung, die der DAX-Entwicklung aus dem Pandemie-Jahr 2020 entspräche. Ich halte das für sehr unwahrscheinlich.

Umfragen zum Dax im Jahr 2021

 

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Finanznews

Aktienmärkte: Warum fallen sie denn? Marktgeflüster (Video)

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Ja warum fallen sie denn, die Aktienmärkte? Dass die so verwöhnte Wall Street (und auch der Dax) heute unter Druck kommt, hat mehrere Gründe: erstens Zweifel, ob Biden wirklich sein Stimulus-Programm verwirklichen kann. Dann, zweitens, wieder schwache US-Einzelhandelsumsätze – und schließlich die Nachricht, dass Pfizer deutlich weniger Impfstoff in den nächsten Wochen für die EU liefern wird. Im Grunde sind angesichts der absehbaren Verschärfungen der Lockdowns in Europa die Prognosen für ein starkes wirtschaftliches Jahr 2021 schon jetzt obsolet. Aber ein Rücksetzer der Aktienmärkte war ohnehin überfällig, zuletzt fehlte es deutlich an Dynamik auf der Oberseite. Vielleicht spielt auch die Unruhe vor der Amtsübernahme von Biden schon eine Rolle, man fürchtet erneute Ausschreitungen..

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Gold/Silber

Rüdiger Born: Charttechnik bei Dow, Nasdaq und Silber

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Ganz so einfach ist die Lage bei Dow Jones, Nasdaq und Silber derzeit nicht. Schauen wir genauer auf die Charts im folgenden Video.

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