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10 Jahre nach Lehman – so sieht die Deutsche Bank heute selbst die Lage

In den letzten Tagen haben wir im Zusammenhang mit dem zehnjärhigen Jubiläum der Lehman-Pleite diverse Male über die Finanzkrise und ihre Folgen berichtet. Sehen Sie dazu Artikel von uns hier und hier. Auch dass die Deutsche Bank nicht nur ein passiver Akteur in der Krise war, haben wir gerade erst heute beleuchtet.

Der Risikovorstand

Und was sagt die Deutsche Bank als Hauptakteur in Deutschland selbst zur Lehman-Krise und zu den Entwicklungen der letzten zehn Jahre? Darauf wollen wir an dieser Stelle eingehen. Da wäre zum Beispiel die Aussage des Risikovorstands der Bank Stuart Lewis, dass man nun „eine sichere Bank“ sei. In den vergangenen zehn Jahren habe die Deutsche Bank ihre Bilanz verkürzt und die Risiken darin deutlich reduziert – insbesondere solche Risiken, die während der Finanzkrise vor einem Jahrzehnt einer Reihe von Großbanken zugesetzt hatten. Er könne durchaus sagen, dass die Deutsche Bank eine sichere Bank sei.

Chief Regulatory Officer

Deutsche Bank-Vorstand Sylvie Matherat (Chief Regulatory Officer im Haus) sieht die Finanzwelt zehn Jahre später als deutlich stabiler an. Und auch die Deutsche Bank habe „die größten Rechtsstreitigkeiten aus der Vergangenheit hinter uns gelassen“, so Mathera. Nun sei man weiterhin dabei die internen Kontrollen zu verbessern. Dabei habe man schon recht viel erreicht… na ja, wirklich? Erst gestern gab die BaFin bekannt der DB einen Aufpasser ins Haus zu setzen… wie peinlich! Weiter sagt sie auszugsweise (hier der ganze Text):

Sie glaube nicht, dass sich ein solcher Fall noch einmal wiederholen werde, sagte Matherat im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur und der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. „Wir haben seitdem viel dafür getan, solche Ansteckungseffekte zu stoppen und das Finanzsystem insgesamt zu stärken.“ Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers hatte Mitte September 2008 die Finanzwelt schockiert. Banken trauten sich nicht mehr über den Weg, etliche Institute kamen ins Straucheln. In höchster Not stabilisierten Staaten mit Hilfen in Milliardenhöhe sowie Zentralbanken mit einer Flut billigen Geldes die Lage.

Zu den Ursachen der Krise sagte Matherat, die viele Jahre als Aufseherin tätig war: „In manchen Bereichen haben die Banker zu kurzfristig gedacht. Bilanzierungsregeln, die es erlaubten, kurzfristig zu schnellen Gewinnen zu kommen, boten keine guten Anreize.“ Ihr Vorschlag: „Wir sollten diskutieren, ob die Konzentration auf Quartalsergebnisse möglicherweise zu kurzfristigem Denken verleitet. Wir sollten langfristiger denken und von der kurzfristigen Sicht wegkommen.“ Während Europas Banken manche Altlast der Finanzkrise noch immer nicht bereinigt haben, verdient die US-Konkurrenz wieder prächtig. „Es war eine gute Entscheidung der US-Regierung, die Banken zu verpflichten, Staatshilfe anzunehmen“, konstatierte Matherat. „Sie hat das Richtige getan, als sie sagte: Wir wollen keine Zeit damit verlieren zu überprüfen, ob eine Bank staatliche Hilfen braucht.“ Was die Deutsche Bank angehe, so seien die meisten der großen Rechtsstreitigkeiten aus den Zeiten vor der Finanzkrise 2007/2008 abgearbeitet, bekräftigte Matherat: „Wir haben die größten Rechtsstreitigkeiten aus der Vergangenheit hinter uns gelassen. Nun sind wir weiterhin dabei, unsere internen Kontrollen zu verbessern. Dabei haben wir schon recht viel erreicht.“

Der Analyst

Der in der Branche gut bekannte Jim Reid von Deutsche Bank Research hatte jüngst ein ausführliches Interview gegeben. Vor allem weist er darauf hin, dass es schwer vorauszusagen sei, wann die nächste Krise entritt. Sein ausführliches und sehr interessantes Interview finden Sie hier.

Der Fondsmanager

Die Deutsche Bank verweist aktuell selbst auf ein Interview des DWS-Fondsmanagers Kaldemorgen. Die aktuell größte Bedrohung für die Finanzstabilität wäre eine starke Rezession. Also nicht die eh schon vorhandene höhere Schuldenlast als vor zehn Jahren? Egal. Hier finden Sie das ganze Interview. Hier ein ausgewähltes Zitat:

Die 2008 ausgebrochene Finanzkrise wird nicht die letzte gewesen sein. Was könnte der Auslöser der nächsten Krise sein?

Kaldemorgen: Eine starke Rezession, aus welchem Grund auch immer, dürfte die größte Bedrohung für die Finanzstabilität sein. Gerade in Europa haben viele Staaten kaum Spielraum, ihr Defizit beträchtlich auszuweiten, während die Geldpolitik der EZB weiter im Krisenmodus ist und dadurch keine geldpolitisch positiven Impulse setzen kann.

Deutsche Bank
Foto: Deutsche Bank AG



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