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1,1 Million offene Stellen in der deutschen Wirtschaft – wahrscheinlich sind es deutlich mehr! Keine Chance für Langzeitarbeitslose?

Im 2. Quartal 2017 gab es bundesweit 1.099.000 offene Stellen auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Damit lag die Zahl um 35.000 über dem bisherigen Höchststand vom 1. Quartal 2017 mit 1.064.000…

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FMW-Redaktion

Im 2. Quartal 2017 gab es bundesweit 1.099.000 offene Stellen auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Damit lag die Zahl um 35.000 über dem bisherigen Höchststand vom 1. Quartal 2017 mit 1.064.000 offenen Stellen. Gegenüber dem 2. Quartal 2016 erhöhte sich die Zahl der offenen Stellen sogar um 114.000. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des „Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung“ (IAB) bei 7.000 Arbeitgebern hervor.

Die IAB als Tochter der Bundesagentur für Arbeit macht wie gesagt eine Umfrage. Die Bundesagentur selbst kommt aber nur auf 750.000 offene Stellen, weil dies die Zahl ist, die die Arbeitgeber von sich aus bei der Agentur melden. Viele Arbeitgeber wissen oder denken wohl, dass sie übers Amt eh keine passenden Bewerber finden, und melden die offenen Stellen dort erst gar nicht.

Daraus kann man die Differenz von gut 350.000 offenen Stellen ableiten zwischen den Angaben der Agentur und der Umfrage bei den Arbeitgebern. Die Umfrage wird dabei deutlich realistischer sein. Aber wie wir vorhin schrieben: Es ist eine Umfrage bei gerade mal 7.000 Arbeitgebern. Rechnet man das hoch auf alle Arbeitgeber in Deutschland, auf welche tatsächliche Zahl offener Stellen kommt man dann? 1,5 oder 2 Millionen?

Unsere Dauerfrage (wir wissen es ja, es nervt langsam): Warum schafft es die Agentur nicht diese Zahl offener Stellen zumindest zu großen Teilen aus dem „Heer“ der vorhandenen 3,5 Mio Arbeitslosen (offiziell nur 2,5) zu decken? Gut, teilweise kann man bestimmte gesuchte Fachkräfte wohl kaum unter den Langzeitarbeitslosen finden, aber wie das IAB heute selbst schreibt, werden von den 1,1 Millionen offenen Stellen nur 124.000 aus dem Verarbeitenden Gewerbe angeboten. 101.000 offene Stellen gibt es auf dem Bau.

Wie die folgende Grafik zeigt, stammt mehr als die Hälfte der offenen Stellen (grau und hellblau) aus den Bereichen „Unternehmensnahe Dienstleistungen“ und „Sonstige Dienstleistungen“. Hierin findet man so ziemlich alles. Werkverträge, Zeitarbeit, Wachschutz, Gastronomie, Hotels und und und. Also alles, was relativ schlecht oder sogar sehr schlecht bezahlt ist, und wofür oft wenig bis gar kein Fachwissen benötigt wird. Warum also gelingt es dem deutschen Staat nicht dieses „Heer“ von Langzeitarbeitslosen in die offenen Stellen hinein zu vermitteln? Es bleibt ein Rätsel…

Wie immer stehen natürlich mögliche Antworten parat: Zu schlecht qualifizierte Bewerber? Oder werden die willigen Bewerber nicht auf die passenden Jobs hingelotst? Dann wäre es in beiden Fällen ein Versagen der Agentur. Oder sind die Langzeitarbeitslosen zu faul? Vielleicht ein kleiner Teil von ihnen, wer weiß… aber herje, 3,5 Millionen Menschen, und dann vielleicht 1 oder 2 Millionen offene Stellen, da stimmt doch was nicht auf dem deutschen Arbeitsmarkt!

Glaubt man der folgenden Grafik der IAB, benötigt man als Bewerber für 20% der offenen Stellen sogar überhaupt gar keinen Schulabschluss. Wieso schafft man es also nicht 200.000 Stellen mit Langzeitarbeitslosen direkt zu besetzen? Genug „Weiterbildungsmaßnahmen“ gibt es ja bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern…

15 Kommentare

15 Comments

  1. Avatar

    rote_pille

    8. August 2017 14:29 at 14:29

    Weil es diesen Leuten nichts bringt zu arbeiten. So können sie chillen und kriegen alles Mögliche bezahlt. Wenn sie arbeiten gehen, müssen sie alles selbst bezahlen und der Staat nimmt ihnen zusätzlich so viel weg, dass die Differenz einfach viel zu klein wird.

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    Dreistein

    8. August 2017 15:02 at 15:02

    Sind das Voll Time Jobs oder 450€ Jobs wie werden diese bezahlt? Mindestlohn ca. 1400€ Brutto? da bleiben dann 1050€ Netto.
    Da kann ich die Harzer verstehen wenn sie nicht wollen, zurzeit leben sie von H4 gesichert, und wenn er oder sie nun Arbeiten geht, geht die ganze Sache doch los. Arbeiten gehen 8Std. jeden Tag und dann noch die Ämter zusätzlich besuchen wegen Wohngeldzuschuss also Aufstockung und da wird nicht viel bei rumkommen. Dazu die Fahrkosten und man hat dann vielleicht 1Jahr einen Job gehabt und rutscht wieder ins Harzer Land ab. Dann hat er / sie ein Jahr gearbeitet und im Grunde nicht viel mehr Geld als mit H4 und dafür jede Menge Rennereien. Ehrlich, ich würde auch lieber liegen bleiben. Lasst die Leute mal anfangen zu arbeiten die dafür ja gekommen sind und so hoch gelobt worden sind, diese Goldstücke!

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    Gast

    8. August 2017 15:03 at 15:03

    „Es bleibt ein Rätsel…“ Es ist für mich ganz und gar kein Rätsel, denn wir haben dieses üble Hartz IV. Menschen, die sich in diesem Hartz IV angesiedelt haben und damit klarkommen (und vielleicht noch mit etwas Schwarzarbeit „aufstocken“), die werden derart mies bezahlte Tätigkeiten nicht aufnehmen wollen. Man hat dann nämlich weniger oder das gleiche Gesamteinkommen wie im Hartz IV, dafür aber ohne jeden Stress.

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    Pillenzerdrücker

    8. August 2017 15:07 at 15:07

    Vielen Dank für die Berichterstattung und die immer wiederkehrende berechtigte Frage!
    Gründe gibt es sicher einige (auch die genannten).,Aus eigener mehrjähriger Erfahrung kann ich bestätigen, dass man von stereotypen Denkweisen u. Vorurteilen der Arbeitgeber einerseits und von einem völligen Versagen „der Agentur“ andererseits ausgehen kann. Null Initiative in Sachen Vermittlung. Reine Verwaltung des Elends und Aufbauen von teils rechtswidrigen Drohszenarien. Habe übrigens nach mehrjähriger Gängelung und Konfrontation mit der geballten Inkompetenz, durch Hartnäckigkeit in den 90ern und auch zuletzt, jeweils wieder in eine bürgerliche Existenz mit Anstellungsverhältnis zurückgefunden – trotz oder gerade wegen der Ignoranz solcher Kommentare (wie dem obigen) meinerseits und trotz der oftmals destruktiven Gängelung durch die Agentur. Mit „Gängelung“ ist für die Nicht -Eingeweihten, die Androhung von Sanktionen (= existenzieller Bedrohung) und die als Lieblings-Instrumentarium gewünschte Vermittlung in sinnentleerte, an den Erfordernissen des Arbeitsmarktes vorbeigehenden Fortbildungsmaßnahmen gemeint.

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    Steve

    8. August 2017 15:13 at 15:13

    Mindestlöhne sind zu niedrig .
    Auch mit der letzten Erhöhung um 30ct !!!

    450€ Jobs ohne Weihnachtsgeld und 20tagen uralub im Jahr << davon brauch man dann mindestens 2 . dazu kommt man aber ein Haufen stress ,jedentag Spass mit den öffis (auto ist da nicht drin)

    ein rundum verkorkstes system .
    Aber für die einfachjobs haben wir ja jetzt Fachkräfte importiert . die fragen nicht nach Mindestlohn . der Staat stockt es dann auf.

    Aber die Firmen sind auch schuld . warum muss ein Minister durch formen tingeln und bittebitte sagen damit mehr ausgebildet wird.?!
    Lehrlinge die nichts können kann man 6 Monate fristlos kündigen . liberaler gehts nicht ..aber das ist wohl auch noch zu teuer

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    Emm wie Meikel

    8. August 2017 16:13 at 16:13

    Warum kommt niemand auf die Idee, daß die Nettogehälter, die für diese freien Stellen bezahlt werden, auf Hartz 4 Niveau (oder sogar noch darunter) und damit viel zu niedrig sind? Entweder müssen die horrenden Steuern und Abgaben deutlich runter, die Löhne deutlich rauf oder beides.

    Besonders lustig wird es, wenn jemand mit entsprechender Qualifikation zu einem Drittel oder der Hälfte des üblichen Lohns bei einer Firma anfängt und dafür ein langjähriger Angestellter, der noch den vollen Lohn bekommt, gehen muss. Vorreiter waren namhafte, deutsche Autohersteller, die einen Großteil ihrer Stammbelegschaft durch Zeitarbeiter ausgetauscht haben.

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    Pillenzerdrücker

    8. August 2017 18:33 at 18:33

    Leute, Ihr geht alle scheinbar davon aus, dass Arbeitslose nicht ernthaft arbeiten wollen?!! Diese Kategorie Arbeitsloser mag es zwar auch geben. Aber diese Verallgemeinungen n einigen der Kommentare, ist nichts anderes als Diskriminierung!!! Ich war zuletzt 3 Jahre Arbeit suchend. 150 wirklich zielgerichtete Bewerbungen auf nahezu zu 100 % passende Jobs sowie eine Vielzahl von Bewerbungen auch auf die im Artikel beschriebenen mies bezahlten Jobs ohne besondere Anforderungen. Ich bin u.a. gut oder hochqualifiziert und ich hatte notgedrungen die Freude 1,5 Jahre von Hartz4 existieren zu müssen. Lasst Euch doch nicht von BILD und ähnlichen Meinungsmachern diesen Mist erzählen, dass es angenehm ist von Hartz4 zu leben. Man verliert alles! Insbesondere auch seine Menschenwürde! Mit diesem Schubladendenken wird letzten Endes dafür gesorgt, dass potentielle Arbeitgeber , sich diesen Vorurteilen (Hartz4 oder Arbeitslos oder Leiharbeiter = Unfähig und faul) „aus Prinzip“ anschließen und die Betroffenen „aus Prinzip“ keine Chance erhalten. Und ja, dass System der angeblich so hilfreichen Arbeitsmarktpolitik sozialdemokratischer Prägung funktioniert hinten und vorne nicht! Es ist ineffizient und kostet Unsummen, weil ein Riesen Apparat an Verwaltungsangestellten der Bundesanstalt unterhalten wird und eine in weiten Teilen ineffiziente Fortbildungsindustrie ebenfalls weitgehend den dort Beschäftigten selbst, von Nutzen ist und weil diese ganze Angelegenheit für die jeweils Regierenden reine Alibifunktion hat.

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      Emm wie Meikel

      8. August 2017 19:41 at 19:41

      Oftmals geht es heutzutage sogar direkt nach dem Studium in eine endlose Anreihung mies oder überhaupt nicht bezahlter Praktika oder gleich in die Arbeitslosigkeit. Manche landen auch als Burgerbrater bei McDonalds oder müssen bis ans andere Ende der Welt ziehen. Ein Studium oder eine gerade abgeschlossene Ausbildung sind längst kein Garant für eine Arbeitsstelle mehr. Der einstige Lebensstandard der Eltern und zum Teil auch der Großeltern ist schon heute für viele Deutsche ein unerreichbarer Traum geworden.

  8. Avatar

    Lutz Winter

    8. August 2017 19:23 at 19:23

    Da wird mal wieder Stimmung gemacht gegen die H4. Das passt zum plotischen System: Arbeitnehmer gegen Arbeitslose, Mann gegen Frau, Christen gegen Moslems usw. Die Politiker wollen mit dieser Masche, dass wir uns gegenseitig anfeinden und keine Einheit bilden. Denn wären wir uns alle einig, gäbe es schon längst wieder DEMOKRATIE in D.

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      Thomas

      8. August 2017 23:46 at 23:46

      Sie sprechen mir aus der Seele.

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      Peter

      9. August 2017 12:43 at 12:43

      Teile und Hersche war schon im alten Rom so.

  9. Avatar

    Peter

    9. August 2017 12:41 at 12:41

    Das totaler „bullshit“ ich bin seit ich 18 bin Arbeitslos/Arbeitssuchende jetzt bin ich 32. Seit ich 18 bin lacht mich das Arbeitsamt aus wenn ich nur IT erwähne und jetzt angäblich durch die Digitalisierung *süß* brauchen sie FACHKRÄFTE *der war gut, haha*. Aber jetzt kommt es noch viel besser die JobCenter Genehmigen mir bis jetzt immer noch keine Weiterbildung. Von daher alles nur lug und Augenwischerei. Die Arbeiterklasse wird mit Absicht so manipuliert das sie auf die angäblich ach so faulen Arbeitslose sauer sind. Leute wacht endlich auf es gibt nicht genug Arbeit/Bildung für alle!!

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      Dieter G.

      9. August 2017 14:25 at 14:25

      Was läuft denn bei Dir schief? Fachkräfte, vor allem in der IT, werden seit Jahrzehnten händeringend gesucht. Die Betonung liegt aber auf „Fachkräfte“. Wer nur einen Rechner ein- u. ausschalten kann, kommt nicht weit.

      Und wieso suchst Du einen Job seit nunmehr gut 14 Jahren? Das gesamte Handwerk ist seit mittlerweile 20 Jahren völlig unterbesetzt. Problem ist natürlich hier: es wird und muss hart gearbeitet werden. Ich kann ein Lied davon singen, bin selbst im Bäcker-u. Konditorenhandwerk aufgewachsen.

      Nur scheinst Du dein Glück in die Hände der öffentlichen Verwaltung zu legen. Mangelnde Disziplin und Arbeitsbereitschaft kann auch ein Jobcenter nicht ersetzen.

      Und wenn Du wirklich in die IT rein willst, bietet MS$ tolle und hochqualifizierte Weiterbildungen an. Musst Du allerdings selbst bezahlen, mein MCSE schlug mit 14 TSD DM in den 90ern gut in die Kasse. Oder eine Zertifizierung für UNIX. Ist zwar nicht billiger, aber hier sind gute Leute gefragt und zudem Mangelware.

      Also, Ar… hoch, und per Eigeninitiative das Ruder in die richtige Richtung drehen.

      Alles Gute…..Dieter

      • Avatar

        Peter

        9. August 2017 19:02 at 19:02

        Wovon soll ein Hartz IV Empfänger ihrer Meinung diese Zertifizierung oder Weiter-/Fortbildung denn bezahlen. Kredit aufnehmen ist nicht mit Hartz IV. Davon ab hat ein Hartz IV Empfänger den angeblich vorhandenen Arbeitsmarkt zu Verfügung zu stehen. Sollte ein Hartz IV sich selbstendig Weiter-/Fortbildung drohen ggf Sanktionen wenn ein Brief von der Arge eintrudelt mit bitte am Tag X zur Maßnahme X oder bei Leibude X vorstellen. Anbei no ich kann Programmieren in Basic, C, C#, desweiteren beschäftige ich mit Reverse Engineering (Programme oder Spiel Hacken/Cracken und Analysieren) mit Diversen Disassemblern, Hex-Editoren. Computer selbst zusammenstellen kann ich ebenfalls. Sowie Video Spiel Konsolen mit Modchips aus China umbauen. Alles selbst beigebracht!

  10. Avatar

    ilse

    2. April 2019 13:19 at 13:19

    früher gab es Journalisten, die recherchiert haben und Dinge hinterfragen konnten.
    Heute kommen die Meldungen Hinsichtlich offener Stellenangebote von den 3-5 großen Nachrichtenanbietern unter anderem REUTERS jeden Monat rein

    interessant sind immer die kommentarbereiche in den Meldungen. Diese spiegeln oft die realität wieder. Dort tummeln sich auch viele Rassisten aber man sollte sich mal fragen, warum die Leute im Osten zu rassisten wurden.

    Heute kostet es fast nix ein Stellenangebot zu schalten. Die in den Jobbörsen können fakes sein, das heisst sie dienen als Werbung, um zu suggerieren WIR WACHSEN UND EXPANDIEREN oder kriminelle Firmen die die Daten abgreifen wollen. Daten können pro Person 0,10-2,00 Euro wert sein. Bei Millionen von arbeitslosen kann sich ja jeder ausrechnen was die kriminellen da verdienen können

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Lockdown: Was läuft falsch bei den Corona-Maßnahmen?

Markus Fugmann

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Heute dürften in Deutschland und Frankreich neue Beschränkungen und Corona-Maßnahmen bis hin zum Lockdown verkündet werden. Im Grunde reagieren die durch die starken Anstiege alarmierten Regierungen in Europa alle ähnlich. Nach Informationen des Informations-Mediums für Intellektuelle, also bild.de, dürfen ab 04.November in Deutschland sich maxiximal zehn Menschen treffen, die wiederum maximal aus zwei Haushalten stammen dürfen.

Lockdown, Corona-Maßnahmen und Anreizkonflikte

Viele Menschen gehen davon aus, dass die Corona-Maßnahmen schon gerechtfertigt seien – auf der anderen Seite gibt es jene, die das Coronavirus und die damit verbundenen Maßnahmen latent verharmlosen – und nicht selten eine Verschwörung der Eliten vermuten zur Entmündigung der Bürger. Symbol dafür ist ihnen der Lockdown.

Nun müssen die Regierungen die Bevölkerung schützen – aber sind die getroffenen Maßnahmen gerechtfertigt? Professor Christian Rieck macht auf zwei zentrale Probleme der Maßnahmen deutlich, die häufig entweder zu „Überreaktionen“ oder zu „Unterreaktionen führen.  Es gebe viele „Anreizkonflikte“, die zu problematischen Reaktionen der Betroffenen führen, so Rieck.

In folgendem Video erklärt er, was er damit meint:

 

Lockdown und Corona-Maßnahmen - sind sie gerechtfertigt?

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Daniel Stelter: Die Zeitbombe tickt für Deutschland! Was jetzt passieren muß

Markus Fugmann

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Daniel Stelter zählt fraglos zu den besten Köpfen in Deutschland: Er zeigt immer wieder, dass das scheinbar so reiche Land in Wirklichkeit gar nicht so reich ist – und vor allem ab dem Jahr 2030, wenn die Babybommer in Rente gehen, die demografischen Probleme faktisch zu einer Unfinanzierbarkeit der Rentenversprechen führen.

Daniel Stelter über die tickende Zeitbombe Deutschlands

Was also tun? Als Pionier das Klima retten, wie Bundesregierung und EU propgaieren durch eine „Klimaplanwirtschaft„? Überall mehr Staat angesichts der massiven Einbrüche der Wirtschaft in der Coronakrise? Daniel Stelter plädiert für das Gegenteil: für einen funktionierenden Kapitalismus – denn die weiter ausgreifenden Versuche des Staates, die Wirtschaft zu lenken, wird die Wirtschaftstätigkeit bremsen statt zu beschleunigen.

Kürzlich hat Thorsten Polleit in seinem Buch  „Der Antikapitalist: Ein Weltverbesserer der keiner ist“ genau darauf aufmerksam gemacht: der Kapitalismus ist nicht unser Problem, sondern die Lösung – wenn man ihn denn funktionieren lassen würde. Aber der Ruf nach staatlicher Lenkung wird gerade in der Coronakrise immer lauter, immer tiefer mischt sich die „Obrigkeit“ in die Wirtschaft ein (etwa indem man die Insolvantragspflicht aussetzt und damit Zombie-Firmen weiter durchschleppt). Man kauft Zeit durch staatliche Rettungsmaßnahmen, ohne diese Zeit für Reformen zu nutzen. Alle reden „vom Verteilen und Besteuern“, statt die Wohlstandmehrung im Fokus zu haben – so formuliert es Daniel Stelter.

Fakt ist: „Die Lasten steigen, während unsere Wirtschaftskraft sinkt“, so der Ökonom. Also müsste die Struktur geändert werden – etwa bei der tickende Zeitbombe, der Rente. Hier schlägt Daniel Stelter einen Staatsfonds im Stile Norwegens vor, bei dem der Staat jedem Bürger unter 65 Jahren 25.000 Euro schenkt, die dann in die Finanzmärkte investiert werden. Auch in der EU müsste sich einiges ändern – und hier hat Stelter einen ungewöhnlichen Vorschlag: Deutschland und die andere Euro-Länder sollten sich auf Kosten der EZB entschulden können!

In folgendem Video fasst Stelter das zusammen, was für Deutschland und die Lösung seiner Probleme jetzt zwingend notwendig wäre:

 

Daniel Stelter über die tickende Zeitbombe in Deutschland

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Der Stimulus kommt garantiert!

Hannes Zipfel

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USA Flagge

Ohne die massiven Geldzuflüsse der letzten Monate an die westlichen Finanzmärkte, allen voran in den USA, wären die Kursstände heute ganz andere. Bricht dieser Zustrom an frischem Geld mangels neuem Stimulus ab oder das Kapital flieht aus Angst vor neuen Lockdowns in Cash, dann folgt der nächste Corona-Crash. Daher wird es einen Stimulus geben. Die Frage ist nur: von wem?

Der Stimulus ist systemrelevant

Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet in seinem jüngsten „World Economic Outloook“ mit einem Rückgang der globalen Wirtschaftsleistung in diesem Jahr in Höhe von 4,4 Prozent (Seite 29). Für die größten acht Industrienationen (G-8) sogar mit einer Kontraktion in Höhe von 5,8 Prozent.

Demgegenüber stehen fiskalische COVID-19-Hilfen in durchschnittlich zweistelliger prozentualer Höhe des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Im Falle Deutschlands würde dies gemäß der aktuellen Schätzung des IWF zum deutschen BIP-Wachstum in 2020 bedeuten, dass ohne finanzpolitische Hilfen unsere Wirtschaft in diesem Jahr um 14,9 Prozent einbrechen würde. Die der USA um 17,5 Prozent und das Bruttoinlandsprodukt Japans würde ohne fiskalische COVID-19 Stimuli gar um -26,4 Prozent kollabieren.

Grafik zeigt Stimulus je nach Land

Sollte es also, wie es sich nun in den weltweiten Statistiken abzeichnet, zu einer erneuten Covod-19-Welle kommen, wären sowohl die Projektionen des IWF hinfällig als auch die exorbitanten Hilfsgelder nicht ausreichend, um eine ökonomische Katastrophe zu verhindern. Dieser Tatsache sind sich die Regierungen aller betroffenen Staaten sicher bewusst. Daher ist entsprechend den wirtschaftlichen Belastungen in Folge erneuter signifikanter Einschränkungen des öffentlichen Lebens mit neuen Finanzhilfen zu rechnen. Es wäre jedenfalls politisch sehr nachteilig für die Verantwortlichen, einen solchen fiskalischen Stimulus abzulehnen. Die ökonomischen und gesellschaftlichen Folgen wären unabsehbar.

Der Ausgang der US-Wahlen ist für den Stimulus nicht entscheidend

Momentan schauen die Marktteilnehmer sehr genau auf die Umfragewerte zu den US-Wahlen am 3. November sowie den Äußerungen der politischen Führer beider Lager (Demokraten und Republikaner) zum Thema neuer Stimulus.

Dabei ist es grundsätzlich für neue Finanzhilfen völlig unerheblich, wer die Wahlen Anfang November gewinnt, sofern es ein Ergebnis gibt. Als im März dieses Jahres der „Coronavirus Aid, Relief, and Economic Security Act“ (CARES) unterzeichnet wurde, gab es weder einen Präsidenten Joseph Biden, auf den viele Marktteilnehmer aktuell in Sachen Stimulus die größeren Hoffnungen setzen, noch einen einheitlich dominierten Kongress. Dennoch initiierten sowohl das Weiße Haus als auch die beiden Kammern des Kongresses, also der republikanisch dominierte Senat, als auch das demokratisch dominierte Abgeordnetenhaus seit dem 3. März insgesamt vier Hilfsprogramme, die bis heute eine Dimension von insgesamt 2,8 Billionen US-Dollar angenommen haben.

Das Staatsdefizit spielte dabei selbst für die größten Gegner staatlicher Verschuldung keine Rolle. Warum sollte das im Falle einer Wiederholung einer solchen ökonomischen Notlage anders sein? Die Finanzierung ist auf jeden Fall über die US-Notenbank Fed sichergestellt.

Die Fed positioniert sich bereits

Sollte es jedoch zu keinem Wahlergebnis kommen bzw. für eine längere Zeit kein Wahlsieger feststehen, könnte immer noch ein Notkompromiss zwischen den Parteien von einer neuerlichen akuten Notlage erzwungen werden. Und selbst wenn aus unbekannten Gründen tatsächlich kein neuer fiskalpolitischer Stimulus kommen sollte, stünde immer noch die Geldpolitik bereit um einzuspringen. Verbal haben sich die US-Notenbanker längst positioniert: Sie fordern permanent neue fiskalpolitische Stimuli und haben sich selbst zusätzlich dem Ziel verschrieben, auch mithilfe der Geldpolitik die soziale Schere in den USA zu schließen.

Auch ganz praktisch war die US-Notenbank Fed in die Stützung der größten Volkswirtschaft der Welt involviert: Seit Beginn der Epidemie im Februar dieses Jahres hat die Fed ihre Bilanz durch den Ankauf von Schuldpapieren um 3 Billionen US-Dollar aufgestockt. Mit in dieser Summe enthalten sind Kreditfazilitäten für größere Unternehmen.

Um eine Kaskade an Insolvenzen zu verhindern, nahm die Fed seit Mitte Juni dieses Jahres Anleihen von Unternehmen mit weniger als 15.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von unter 5 Milliarden US-Dollar mit auf ihre Bilanz. Die eigens hierfür gestartete „Main Street Lending Facility“ ist mit einer Staatsgarantie abgesichert. Damit schließt die Fed eine Finanzierungslücke, kommen doch für staatliche Hilfen aus dem Paycheck Protection Program (PPP) ausschließlich nur Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern in Frage.

Das Besondere an diesen Kreditfazilitäten ist die Tatsache, dass die Fed erstmals direkt als Kreditgeber auftrat, ohne den Umweg über das US-Finanzministerium zu gehen. Zählt man nun diesen Tabubruch, die permanente Forderung nach neuen Stimuli und das selbst gesteckte Ziel der Schließung der sozialen Schere in den USA zusammen, dann ist der Schritt hin zu Finanzhilfen für weite Teile der US-Unternehmen, Selbstständigen und Privathaushalte direkt aus der Notenpresse nicht mehr weit. Zumindest ist es eine Art Rückversicherung für einen Stimulus in den USA im Falle einer nicht handlungsfähigen Regierung. Dies gilt übrigens auch für die anderen großen Notenbanken dieser Welt, die zum Teil mit direkten Aktienkäufen in Sachen Tabubruch in diesem Fall schon weiter sind als die US-Notenbank Fed.

Das Timing-Problem

Selbst im Falle der Entwicklung eines marktreifen Impfstoffs wird es wohl noch bis weit ins Jahr 2021 dauern, bis die Pandemie durch Impfungen und Therapien weltweit eingedämmt werden kann. Bis dahin bleiben aus Sicht der Politik v. a. Präventionsmaßnahmen die einzige effektive Möglichkeit. Dies wiederum bedeutet anhaltende wirtschaftliche Schäden bis hin zum de facto Entzug der Existenzgrundlage für ganze Branchen.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Börsen auch in den USA dies verstehen. Bereits bei der ersten Pandemiewelle fiel der sprichwörtliche Groschen an den US-Märkten recht spät, dann aber sehr schnell und sehr heftig. Erst Ende Februar realisierte die Wallstreet, dass die Pandemie keinen Bogen um Amerika macht.

Ob die Amerikaner im Zuge der aktuellen Datenlage in Sachen COVID-19-Pandemie schneller schalten, ist ungewiss. Daher bleibt für Anleger das Timing-Problem die eigentliche Herausforderung. Auch deshalb, weil der Druck auf die Institutionen einen neuen Stimulus zu liefern erst dann zu Handlungen führt, wenn die Börsenkurse als Krisenbarometer hellrot aufleuchten.

Fazit und Strategieansatz

Nach wie vor ist Timing an der Börse eher eine Kunst als eine Wissenschaft und oft vom Glück begleitet. Wolfgang Müller schrieb dazu vor Kurzem einen interessanten Artikel mit dem Titel: „Aktienmärkte: Buy and Hold – nach wie vor im Vorteil?“.
In Anbetracht der Tatsache, dass ein Stimulus im Falle einer erneuten deutlichen wirtschaftlichen Abschwächung systemrelevant und damit so gut wie sicher ist, besteht wenig Grund, Vermögenswerte zu veräußern, die man mittelfristig halten möchte.

Für Trader bietet sich eine simpel anmutende Strategie an, die bereits im Frühjahr dies Jahres sehr profitabel war: Zunächst jetzt etwas Pulver trocken halten. Kommt es im Zuge sich wieder verschlechternder Konjunktur- und Unternehmenszahlen zu einem nochmaligen heftigen Rücksetzer an den Aktienmärkten, kann man in mehreren Tranchen ab dem Unterschreiten der einfachen gleitenden 200-Tage-Durchschnittslinie, z. B. beim S&P 500, in den Markt einsteigen und abwarten, bis der neue Stimulus kommt und die Märkte wieder nach oben zieht.

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