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2018 – Die Welt am Tropf der Zentralbanken

Die Lage zum Jahresende 2017 scheint extrem widersprüchlich: Die Wirtschaft wächst, die Aktienmärkte verzeichnen Rekordstände, die Arbeitslosenzahlen sinken und die Industrie zeigt ein seit langem nicht gesehenes Maß an Optimismus. Zugleich erstickt die Welt unter der höchsten Schuldenlast ihrer Geschichte, krankt an der größten sozialen Ungleichheit und wird von höheren Risiken als vor der Krise von 2007/2008 bedroht..

Markus Fugmann

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Ein Beitrag von Ernst Wolff

Die Lage zum Jahresende 2017 scheint extrem widersprüchlich: Die Wirtschaft wächst, die Aktienmärkte verzeichnen Rekordstände, die Arbeitslosenzahlen sinken und die Industrie zeigt ein seit langem nicht gesehenes Maß an Optimismus. Zugleich erstickt die Welt unter der höchsten Schuldenlast ihrer Geschichte, krankt an der größten sozialen Ungleichheit und wird von höheren Risiken als vor der Krise von 2007/2008 bedroht.

Wo stehen wir denn nun wirklich? fragen sich die meisten von uns zum Jahreswechsel. Können wir beruhigt in die Zukunft sehen oder drohen historische Gefahren? Gibt es irgendeine Wirtschaftstheorie, die uns diese Fragen klar und deutlich beantworten kann?

Die Wirtschaftstheorien der Vergangenheit helfen nicht mehr weiter

Nein, die gibt es nicht. Und zwar aus einem einfachen Grund: Weil wir in einer Ausnahmesituation leben, die die Welt so noch nicht gesehen hat: Das globale Wirtschafts- und Finanzsystem ist seit 2008 klinisch tot. Es funktioniert nur noch, weil es wie ein Patient auf der Intensivstation künstlich am Leben erhalten wird, und zwar durch die Zentralbanken.

Seit dem Beinahe-Zusammenbruch von 2008 haben die größten Zentralbanken der Welt zwischen 14 und 16 Billionen US-Dollar ins globale Finanzsystem gepumpt und fast siebenhundert Mal die Zinsen gesenkt. Der größte Teil dieses „billigen“ Geldes ist in die Finanzspekulation geflossen und hat so für eine historisch nie dagewesene Verzerrung der Märkte gesorgt.

Konnte man früher davon ausgehen, dass Aktienkurse etwas über die Gesundheit eines Unternehmens aussagen, so ist es damit vorbei: Großkonzerne in aller Welt haben das billige Geld genutzt, um eigene Aktien zurückzukaufen und deren Kurse künstlich in die Höhe zu treiben. Sagten früher die Kosten und Zinserträge von Staatsanleihen etwas über die wirtschaftliche und finanzielle Stärke eines Landes aus, so gehört auch das der Vergangenheit an: Die Zentralbanken haben ganze Länder vor dem Bankrott gerettet, indem sie deren Anleihen zu überhöhten Preisen aufgekauft und durch künstlich geschaffene Nachfrage Märkte erzeugt haben, wo es eigentlich keine mehr gab.

Die Manipulation ist grenzenlos

Doch das ist nicht alles: Inzwischen greifen die Zentralbanken auch direkt in die Aktienmärkte ein und sorgen dafür, dass sogar ins Schlingern geratene Unternehmen über Wasser gehalten und andere weit über ihrem tatsächlichen Wert gehandelt werden. Die Schweizer Nationalbank (SNB) zum Beispiel ist inzwischen Großaktionär bei Apple, Alphabet, Microsoft, Amazon und Facebook und hält zur Jahreswende 2017/2018 US-Aktien im Wert von 91 Milliarden Dollar. Nur zur Erinnerung: Die SNB kann das Geld, mit dem sie Aktien kauft, selber schaffen…

Das alles heißt: Wir leben in einem durch Geldschöpfung und Zinssenkung künstlich angetriebenen und aufgeblähten System. Das aber hat fatale Nebenwirkungen, denn Zentralbanken funktionieren nach denselben Prinzipien wie der Rest unseres Wirtschafts- und Finanzsystems: Das Geld, das sie schöpfen, wird nicht verschenkt, sondern muss zurückgezahlt werden. Es erhöht also stetig den globalen Schuldenberg.

Um die Bedienung dieser Schulden zu erleichtern, gibt es nur ein bewährtes Mittel: das Anheizen der Inflation. Das Ansteigen des allgemeinen Preisniveaus führt dazu, dass die Höhe der Schulden im Verhältnis zu den übrigen Geldwerten sinkt. Doch die Herbeiführung einer solchen Inflation erfordert genau die Mittel, die seit 2008 angewandt wurden: Geldschöpfung und Zinssenkung.

Obwohl die Zentralbanken in aller Welt seit einiger Zeit ankündigen, ihre Geldpolitik nach zehn Jahren des billigen Geldes wieder straffen zu wollen (und – wie die FED – einige sehr zaghafte Versuche in diese Richtung unternommen haben), können sie diesen Weg nicht weiter beschreiten, ohne dass ihnen der größte Schuldenberg in der Geschichte in die Quere kommt. Ihn zu ignorieren, hätte den Bankrott zahlloser Schuldner zur Folge, würde riesige Löcher in die Kassen der Gläubiger reißen und das System in die nächste, möglicherweise noch schwerere Krise als 2007/2008 stürzen.

Es gibt kein Zurück

Die Situation, in der wir stecken, lässt sich also folgendermaßen beschreiben: Die Zentralbanken haben sich auf eine Geldpolitik eingelassen, die an der Oberfläche zwar einige positive Phänomene erzeugt, die sich aber nicht rückgängig machen lässt, ohne das System als Ganzes zum Einsturz zu bringen.

Anders ausgedrückt: Das globale Finanzsystem gleicht einem Suchtkranken, der auf Grund von Drogeninjektionen immer wieder kurze Aufschwungphasen erlebt, dessen Organe aber von Mal zu Mal stärker geschädigt werden und die irgendwann – ohne Vorankündigung – ihren Dienst versagen werden.

Wann das sein wird – ob 2018 oder später – kann niemand voraussagen. Nur eines ist sicher: Die Mittel der Manipulation, die den Zentralbanken zur Verfügung stehen, sind weitgehend ausgereizt. Nach Niedrig- und Nullzinsen bleiben nur noch Negativzinsen – und damit die Zerstörung des klassischen Bankgeschäftes, nämlich der Kreditvergabe – und nach der Flut neu geschaffenen Geldes bleibt nur die Schaffung von noch mehr Geld – und damit der direkte Weg in die Hyperinflation.


Ernst Wolff ist freier Journalist und Autor des Buches „Weltmacht IWF – Chronik eines Raubzugs“, erschienen im Tectum-Verlag, Marburg.

10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    Murat Dundar

    31. Dezember 2017 21:51 at 21:51

    also manchmal meine ich die gurus haben auch ne paradoxe entgegengesetzte wahrnehmung.
    wenn es heißt was ist geld ? dann schreibt man drauf los dass es nicht das papier wert ist auf dem es gedruckt wird weil nullzinsen und die druckermaschine auf hochtouren laufen.
    dann bei staatsausgaben wird argumentiert dass es solche investitionen absurd sind und letztlich der steuerzahler dafür zahlen bzw gerade stehen muss.
    hey leute meiner meinung nach sollen sie soviel drucken und investieren wie möglich solange ja solange es dem volk zu gute kommt.
    ein beispiel. der vielgescholltene erdogan und seine partei haben letzte woche einen bauprojekt auf den weg gebracht. unzwar wird die stadt gemelik in der türkei mit 110 tausend einwohnern 2 km im hinterland neu aufgebaut. die jetzige stadt komplett abgerissen. und die menschen zahlen alle nur einen symbolischen betrag und haben ein haus das wo anders steht und werthaltig ist. und mit der entscheidung ist jeder zufrieden. da kriegst du auch keine opposition zusammen die dagegen wäre.
    das meine ich damit die menschen sind alle froh und das volk in gemerik ist der gewinner.
    da regt sich auch sonst niemand auf in der türkei.
    und nun zur finanzierung ja es wird lira s gedruckt und ja und. dann ist es halt so. wir kriegen hier bei den kleinsten dingen probleme. schon beim aufstellen einer sitzbank und wenn der standort feststeht dann heisst es warum keine regenbogen farben usw. usw usw. naja

    • Avatar

      Wolfgang M.

      1. Januar 2018 09:41 at 09:41

      Murat, sorry aber diese Sicht ist m. E. ziemlich naiv. Wenn es ein Land mit dem Gelddrucken übertreibt, entsteht ziemlich rasch Inflation. Damit werden an den Kapitalmarkt die Zinsen für dieses Land steigen, die Schulden steigen, es wird mehr Geld gedruckt und die Inflation gerät außer Kontrolle. Anfangs profitiert der „kleine Mann“, bis die Kapitalmärkte (und der IWF) dem Land keine Kredite mehr gewähren. Die Folge ist ein Staatsbankrott, wie schon über 300mal in verschiedenen Ländern in den vergangenen 200 Jahren passiert (Griechenland 6-mal, Spanien 8-mal dabei). Zur Zeit in Venezuela oder in Simbabwe zu beobachten. Das Perfide dabei: Die „Reichen“ haben zumeist ihr Kapital rechtzeitig z.T. ins Ausland in anderer Währung (oder durch Gold/Immobilienkäufe) in Sicherheit gebracht – wie z.B. griechische Milliardäre in die Schweiz oder sogar Diktatoren wie Assat. Wenn es im Land mit Hyperinflation zum Währungsschnitt kommt, haben diese Kapitalflüchtlinge bei einem Wiederaufbau bereits wieder einen uneinholbaren Vorsprung. Fazit: In Ländern mit unseriösem Wirtschaftsgebaren zahlen fast immer die „Kleinen“ mit ihren Geldvermögen die Zeche. Vereinfacht ausgedrückt. Die anfänglichen Wohltaten erweisen sich à la longue als Bumerang. Gruß

  2. Avatar

    baeuerin

    1. Januar 2018 08:50 at 08:50

    Nur Idioten zahlen Steuern!
    (auch im neuen Jahr(…) (…)…)
    http://www.geolitico.de/2017/12/31/abgesang-aufs-reiche-deutschland/
    u.a…..DAX 1.1.18, 08:40Uhr (DB-Kurs) 12817

  3. Avatar

    Gelddruckmaschinen-Verkäufer

    1. Januar 2018 11:37 at 11:37

    @Murat Dundar,Hast Du auch schon überlegt,wer das Geschenk der 110 000 glücklichen Einwohner bezahlt???
    In dem Land mit deinem gerühmten Präsidenten gibt es auch Leute die kein schönes Gratishaus bekommen,
    sondern unverschuldet in einer kleinen GRATISZELLE sitzen!!!
    Nachdem mit gedrucktem Geld von den Notenbanken schon Aktien u.Anleihen gekauft wurden ist das eine neue
    Idee , HÄUSER BAUEN MIT GEDRUCKTEM GELD,
    Der Vorteil, die Einstandskosten wären sehr tief,(Gelddruckmaschine +Papier )
    Nachdem die Notenbanken schon fast alles gekauft haben was zu kaufen ist, ist das eine bestechende Idee,
    Europa kann von diesem Land noch einiges lernen .

    • Avatar

      Murat Dundar

      2. Januar 2018 05:11 at 05:11

      @Murat Dundar,Hast Du auch schon überlegt,wer das Geschenk der 110 000 glücklichen Einwohner bezahlt???
      antwort: wir kaufen eine geldruckmaschine bei dir.
      nein spaß bei seite. es ist doch ein kreislauf. das geld kommt doch wieder über steuern und steuers steuern zurück zu papa staat baufirmen, baustoffhändler und arbeitnehmer bekommen das geld und geben es wieder aus.
      where is the problem.
      und man hat für stadt, staat, land und menschen etwas sinnvolles gemacht.

  4. Avatar

    Murat Dundar

    1. Januar 2018 13:33 at 13:33

    @wolfgang,
    Murat, sorry aber diese Sicht ist m. E. ziemlich naiv. Wenn es ein Land mit dem Gelddrucken übertreibt, entsteht ziemlich rasch Inflation.

    da frag ich mich wie japan immernoch bei den mengen an gedrucktem geld keine inflation hat.
    ich frage mich aber auch wie ein land mit soviel erdölaufkommen so arm und eine hyperinflation hat.
    auch nicht einleuchtend für mich.

    ich bin kein anhänger von erdogan, auf jeden fall nicht. ich beurteile politiker nur nach ihren taten.
    und da sehe ich seit 17 jahren ein blühendes land welche ihren bürgern sichere straßen bauen lies und somit schon sehr vielen menschen das leben gerettet hat (im grunde genommen)
    das krankensystem umgestellt. so daß endlich arme nichts mehr für medizin und kh-aufenthalt zahlen brauchen und umgekehrt die reichen jetzt medizin und kh aufenthalt zahlen.
    ich sehe neue gebäude ob einkaufszentren oder krankenhäuser welche aussehen wie als wäre man in urlaub. der eingangsbereich in krankenhäuser, sehenswert. wirklich das ist schon alles lieblicher und luxeriös aufgebaut.
    ein sozialsystem was es früher nicht gab

    pflegesystem – sehr einfach und mit sehr wenig bürokratie. alte leute ab einem bestimmten alter benennen eine pflegekraft und die person erhält jeden monat ihr geld.
    uvm.
    also ehrlich wer diese ganzen positiven veränderungen nicht sieht der muss schon ein lump sein.

    • Avatar

      Murat Dundar

      1. Januar 2018 13:46 at 13:46

      der letzte satz gilt für die in der türkei lebenden. klar

      und das land mit hohen erdölvorkommen un hyperinflation könnt ihr euch natürlich vorstellen, wer gemeint ist.

      sorry, bin nun mal ein tollpatsch.
      war ich schon in der schule. :)

      also in diesem sinne, ein fohes neues jahr

    • Avatar

      Wolfgang M.

      1. Januar 2018 14:30 at 14:30

      @Murat. In Japan gibt es die Sondersituation, nämlich, dass die Schulden von der eigenen Bevölkerung getragen werden und man ausländischen Investoren keine entsprechende Zinsen zahlen muss. In Venezuela gab es unter Chávez eine sozialistische Vettern-Misswirtschaft, die in jüngerer Zeit ohne Beispiel ist. Und Erdogan hat in den letzten Jahre wirklich ein beeindruckendes Wi-Wachstum in Gang gebracht, aber in letzter Zeit verprellt er durch seinen autokratischen Stil viele ausländische Investoren sowie auch Touristen. Ob er mit seiner Politik den Wi-Aufschwung nicht in kurzer Zeit wieder umdreht, wird die Zeit zeigen. Wenn eine Wirtschaft 6 oder 8% wächst, kann man viel finanzieren, bei einem Abschwung, ist dies ruckzuck vorbei. Im Übrigen haben die Ratingagenturen Moody’s und Standard&Poor’s die Kreditwürdigkeit der Türkei auf Ramschniveau herabgestuft. Wie gesagt, wenn die Inflation mal ins Laufen kommt. Gruß

  5. Avatar

    asyoulike

    1. Januar 2018 20:18 at 20:18

    Moin, moin,
    Recht hat der Herr Wolff. So wird es kommen, so muss es kommen. Auswege gibt es nicht, es könnte nur zu einer zeitlichen Verzögerung der Vorgänge kommen, wie sie quasi durch die Notbanken bereits betrieben wird.
    Aber ein Punkt scheint mir aus BRD Sicht wichtig, dass ist die Quasi-Haftung der BRD Bürger mit ihrem Vermögen. Es ist ein Leichtes, dieses über Steuern und Abgaben vom Bürger auf den Staat zu übertragen. Wer meint Eigentum durch Besitzen in Sicherheit zu haben, der täuscht sich m.E. gewaltig. Jeder Staat hat Zugriff auf der Vermögen seiner Bevölkerung. Diese Problematik fehlt im Artikel.

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Ernst Wolff über das globale Finanzsystem – Geld und Demokratie

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Spätestens die Wirtschaftskrise 2007/2008 ließ an der Seriosität des globalen Finanzsystems zweifeln. Wer seine Zweifel allerdings durch Sachkenntnis untermauern möchte, bekommt schnell ein Problem: Er trifft auf ein Dickicht aus komplizierten und oft widersprüchlichen Informationen, die noch dazu in einer für Laien unverständlichen Fachsprache gehalten sind. Kein Wunder also, dass der Versuch, das Finanzsystem zu verstehen, häufig schon in der Anfangsphase scheitert. Genau hier setzt Ernst Wolff an. Im Folgenden ein Ausschnitt auf der Einleitung meines neuen Buches (hier zu kaufen).

Die zwei großen Fehleinschätzungen unserer Zeit

Es gibt in unserer Gesellschaft zwei Ansichten, die von der überwiegenden Mehrheit der Menschen geteilt und von fast niemandem angezweifelt werden. Sie betreffen zum einen die politischen Strukturen, unter denen wir leben, und zum anderen die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Realität, auf der diese politischen Strukturen basieren. Zusammen bilden beide so etwas wie eine von der breiten Allgemeinheit stillschweigend akzeptierte Übereinkunft. Ansicht Nr. 1 lautet: Bei uns regiert das Volk. Ansicht Nr. 2 lautet: Das Finanzsystem ist nur ein Teilbereich unserer Gesellschaft, den man nicht unbedingt verstehen muss.

Geht man diesen Ansichten auf den Grund, dann stellt man allerdings fest, dass sie nicht etwa auf intellektueller Einsicht oder auf Erfahrungswerten basieren, sondern den Menschen zunächst von Elternhaus, Schulen, Ausbildungsbetrieben und Universitäten mit auf den Weg gegeben und später ein Leben lang von Medien, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft eingetrichtert werden – mit dem Ergebnis, dass ihr Wahrheitsgehalt kaum jemals in Frage gestellt wird.

Schaut man genauer hin, stellt man fest, dass sich hinter diesen Ansichten ganz handfeste Interessen verbergen, deren Durchsetzung nur einem kleinen Teil der Bevölkerung nützt. Im Grunde handelt es sich also um zwei vorsätzlich herbeigeführte Fehleinschätzungen, die weitreichende Konsequenzen haben. Sie tragen nämlich entscheidend dazu bei, die bestehende Ordnung und ihre Machtstrukturen zu festigen und verhindern so, dass die Menschen diese Strukturen durchschauen – mit der Folge, dass sie dadurch unfähig werden, an den bestehenden Verhältnissen etwas zu ändern.

Sehen wir uns beide Fehleinschätzungen deshalb etwas genauer an:

Fehleinschätzung Nr. 1: „Bei uns regiert das Volk“. In einem Obergeschoss des Berliner Hauptbahnhofs hängt ein Schild mit der Aufschrift „400 Meter von hier regiert das Volk“. Der Hinweis gilt dem südlich vom Bahnhof gelegenen Reichstagsgebäude, Sitz des deutschen Parlaments, und soll dem Betrachter ganz offensichtlich eine uns allen bekannte Botschaft vermitteln:

Wir leben in einem Gesellschaftssystem, in dem wir als Volk das Sagen haben. Und da das Volk zu groß ist, um als Ganzes regieren zu können, übergeben wir diese Aufgabe an sogenannte Volksvertreter. Die bestimmen wir, indem wir sie alle vier Jahre wählen. Sollten sie nicht so handeln, wie wir das von ihnen erwarten, dann können wir sie nach dem Ablauf ihrer Amtszeit wieder abwählen und durch andere ersetzen.

Diese Grundsätze der parlamentarischen Demokratie werden uns von Kindesbeinen an mit auf den Weg gegeben und im Verlaufe unseres Lebens durch eine Reihe weiterer Informationen ergänzt und untermauert. So erfahren wir unter anderem: Unsere Wahlen sind frei, gleich, geheim, allgemein und unmittelbar und werden auf der Grundlage einer Verfassung abgehalten, die unsere Würde für unantastbar erklärt und uns körperliche Unversehrtheit garantiert. Wir sind vor dem Gesetz alle gleich und haben das Recht, unsere
Meinung zu äußern und uns mit anderen zum Zwecke gemeinsamer Meinungsäußerung zu versammeln.

Die Formulierungen erwecken in uns den Eindruck, dass es sich bei der parlamentarischen Demokratie um ein zu unser aller Gunsten entwickeltes System handelt, das den Einzelnen schützt, dem Gemeinwohl dient und dessen oberstes Ziel darin besteht, den Willen
der Mehrheit der Bevölkerung in die Tat umzusetzen. Doch ist das tatsächlich so? Wollen wir alle, dass immer weniger Menschen immer größere Vermögen anhäufen, während der Lebensstandard der Masse bestenfalls stagniert, in vielen Fällen sogar sinkt? Dass der Niedriglohnsektor explodiert, dass Arbeits- und Obdachlosigkeit um sich greifen? Dass von Jahr zu Jahr mehr Geld für Rüstung und den Ausbau von Sicherheitsapparaten ausgegeben wird, während am Bildungs- und Gesundheitswesen immer drastischer gespart wird? Sind wir dafür, dass die Umwelt zunehmend zerstört wird? Dass in unserem Namen Kriegseinsätze unterstützt werden? Dass Persönlichkeitsrechte abgebaut und wir alle immer stärker überwacht werden?

Wendet man sich direkt an die Menschen und fragt sie, was sie von dieser Entwicklung halten, dann fällt die Antwort eindeutig aus: Die meisten sind damit nicht einverstanden, viele lehnen sie sogar rundheraus ab. Wie aber kann das sein? Wie kommt es, dass zwischen dem, was die Menschen wollen, und dem, was in ihrem Namen und auf Grund ihrer offensichtlich frei getroffenen Wahlentscheidung umgesetzt wird, ein solch krasses Missverhältnis besteht – in einer Gesellschaft, deren Verfassung doch besagt, dass alle Macht vom Volk ausgeht?

Wir lassen uns täuschen

Die Antwort auf diese Frage lautet: Wir lassen uns täuschen. Wir akzeptieren die wohlklingenden Formulierungen unserer Verfassung, die auf dem Gleichheitsgrundsatz basieren, und schließen daraus, dass wir alle nicht nur gleiche Rechte genießen und gleich behandelt werden, sondern dass wir alle gleich sind. Das aber stimmt nicht. In einer vom Geld beherrschten Gesellschaft wie der unseren können die Menschen auf Grund ihrer Vermögensverhältnisse gar nicht gleich sein. Wer über viel Geld und großen Besitz verfügt, ist nämlich nicht nur wohlhabender, sondern kann sich auf Grund seiner wirtschaftlichen Überlegenheit über diejenigen, die weniger besitzen, erheben, sie von sich abhängig machen und sie im Extremfall sogar vollends beherrschen. Die Vermögensverhältnisse entscheiden also nicht nur darüber, wer reich und wer arm ist, sondern vor allem darüber, wer in welchem Ausmaß Macht ausüben kann und welche gesellschaftlichen Hierarchien sich im Lauf der Zeit bilden.

Diese Aufspaltung der Gesellschaft hat schon lange vor der Einführung des Parlamentarismus und sogar schon lange vor der Einführung des Geldes begonnen. Ihre Anfänge gehen auf die Tauschwirtschaft zurück. Sie ist die Grundlage, auf der sich ein Zustand entwickeln konnte, der die gesamte bisherige Geschichte der Menschheit prägt: die soziale Ungleichheit. Sie hat es den Menschen, die mehr Besitz angehäuft und damit mehr Macht erlangt haben als andere, ermöglicht, Strukturen zu schaffen, die ihren privilegierten Status festigen, die sie einmal erworbene Privilegien auf Dauer beibehalten und diese sogar auf nachfolgende Generationen übertragen lassen.

Im ausgehenden Mittelalter sind die Besitzer großer Vermögen noch einen Schritt weiter gegangen und haben sich das Geldsystem und damit den Blutkreislauf der Gesellschaft unterworfen, indem sie Banken gegründet und sich so das Recht der Geldschöpfung angeeignet haben. Später, nach der Gründung der Nationalstaaten, haben die von ihnen beherrschten Banken sich dieses Recht auf der Grundlage nationaler Währungen mit den Zentralbanken geteilt und damit als „Finanzwesen“ einen ganz eigenen Wirtschaftszweig geschaffen, der mit der Zeit immer einflussreicher wurde. Da dem Rest der Bevölkerung nicht entging, dass auf diese Weise einige Wenige zusehends reicher und mächtiger wurden, hat sich immer stärkerer Widerstand gegen diese Entwicklung gebildet. Als mit der Industrialisierung dann Schulen eingeführt, der Analphabetismus nach und nach überwunden und das allgemeine Bildungsniveau immer weiter angehoben wurde, nahm dieser Widerstand für die Privilegierten zunehmend bedrohlichere Formen an, sodass sie sich gezwungen sahen, Zugeständnisse zu machen.

Ein historisches Zugeständnis

Das historisch wichtigste Zugeständnis – und die zugleich geschickteste Täuschung der Öffentlichkeit – war die Einführung des Parlamentarismus. Indem die Gleichheit der Menschen in einer von Ungleichheit geprägten Welt zum Verfassungsgrundsatz erhoben wurde, entstand mit der parlamentarischen Demokratie eine Fassade, hinter der sich die tatsächlichen Machtstrukturen nicht nur hervorragend verbergen, sondern ungehindert weiter ausbauen ließen. Das Prinzip dieser Täuschung ist im Grunde recht einfach: Man unterschlägt einen fundamental bedeutsamen Mechanismus, der die gesellschaftliche Realität seit Jahrhunderten prägt, und übertüncht ihn mit hochtrabenden Worten. So gibt es bis heute weltweit keine einzige parlamentarische Demokratie, in deren Verfassung die Bedeutung des Geldes für die Entstehung von Machtstrukturen erwähnt oder in der das Prinzip der Geldschöpfung auch nur angesprochen wird. Dafür aber wird in den meisten Verfassungen, verbrämt mit blumigen Formulierungen über die soziale Verpflichtung von Eigentum, der Schutz desselben garantiert – und zwar ohne jede Begrenzung nach oben.

Auf diese Weise ist eine Herrschaftsform entstanden, die sich vordergründig auf den Willen der Mehrheit des Volkes stützt, die aber tatsächlich einer Minderheit nützt und die es darüber hinaus geschafft hat, die soziale Ungleichheit in krassem Widerspruch zum offiziell beteuerten Gleichheitsgrundsatz zu einem akzeptierten und gesetzlich geschützten Dauerzustand werden zu lassen.

Ernst Wolff über das Finanzsystem und die Politik
Der Buchautor Ernst Wolff

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Das sind die Informationsquellen der Profis – Werbung

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Lieber Börsianer,

gelegentlich werde ich als Börsenanalyst oder Vermögensberater gefragt, woher ich meine Informationen beziehe? Oder anders gefragt: Wie recherchiert ein Profi eine Aktie? Zunächst möchte ich mein Berufsbild etwas entmystifizieren. Auch Profis kochen nur mit Wasser und stützen ihre Entscheidungen wesentlich auf öffentlich zugängliche Informationen. Am Anfang steht also immer die Lektüre des Geschäftsberichts und die harte Analyse der Geschäftszahlen.

Dann beginnt die Arbeit des Analysten erst richtig. Aktienanalyse ist People´s Business. Zu Deutsch: Wir müssen mit den handelnden und verantwortlichen Personen des Unternehmens in Kontakt kommen. Als Vermögensverwalter lässt man durchblicken, dass man umfassende Investitionen im Unternehmen beabsichtigt. Damit haben Sie schon einmal das Ohr Ihres Gesprächspartners.

Zunächst werden Sie abgespeist mit professionellem Werbeversprechen. Etwa so: Wir setzen voll auf die Elektro-Mobilität und expandieren derzeit proaktiv im chinesischen Wachstumsmarkt.

Das ist eine absolute Null-Information. Als Analyst haken Sie jetzt konkret nach. Zum Beispiel: Mit welchen Produkten geht das Unternehmen nach China? Wer sind die Konkurrenten? Was ist der Wettbewerbsvorteil des Unternehmens? Warum soll der Kunde ausgerechnet ihre Zylinderdichtung (beispielhaft) kaufen? Wie funktioniert der Vertrieb?

Es gibt nun zwei Möglichkeiten: Ihr Gesprächspartner bleibt hartnäckig im Ungefähren. Dann sind die Expansionspläne wohl noch nicht weit gediehen. Die Aktie ist also eher kein Kauf. Oder aber: Ihr Gegenüber packt…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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US-Wahl egal für die US-Märkte? Experte Andre Stagge mit ausführlicher Erklärung

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Ande Stagge über die aktuelle Lage im S&P 500 und zur US-Wahl

Ist der Ausgang der US-Wahl letztlich egal für die US-Aktienmärkte? Das denken manche Beobachter. Der Börsenexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht dieses Thema im folgenden aktuellen Video im Detail. Ausführlich geht er auf die einzelnen Standpunkte von Joe Biden und Donald Trump ein. Zum Beispiel seien die Steuerideen von Joe Biden eindeutig schlecht für die Wirtschaft. Natürlich muss man fair sein und erwähnen, dass die US-Unternehmen durch die große Steuersenkung von Donald Trump im Jahr 2017 massiv profitiert hatten. Andre Stagge glaubt an einen Wahlsieg von Joe Biden, und dass dies letztlich nicht gut für die Märkte wäre – auch wegen der Idee von Joe Biden den Mindestlohn in den USA drastisch anzuheben. Wichtig werde auch die Phase direkt nach der Wahl, und ob Donald Trump bei einer möglichen knappen Wahlniederlage Probleme machen wird.



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