Folgen Sie uns

Allgemein

2018 – Die Welt am Tropf der Zentralbanken

Die Lage zum Jahresende 2017 scheint extrem widersprüchlich: Die Wirtschaft wächst, die Aktienmärkte verzeichnen Rekordstände, die Arbeitslosenzahlen sinken und die Industrie zeigt ein seit langem nicht gesehenes Maß an Optimismus. Zugleich erstickt die Welt unter der höchsten Schuldenlast ihrer Geschichte, krankt an der größten sozialen Ungleichheit und wird von höheren Risiken als vor der Krise von 2007/2008 bedroht..

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Ein Beitrag von Ernst Wolff

Die Lage zum Jahresende 2017 scheint extrem widersprüchlich: Die Wirtschaft wächst, die Aktienmärkte verzeichnen Rekordstände, die Arbeitslosenzahlen sinken und die Industrie zeigt ein seit langem nicht gesehenes Maß an Optimismus. Zugleich erstickt die Welt unter der höchsten Schuldenlast ihrer Geschichte, krankt an der größten sozialen Ungleichheit und wird von höheren Risiken als vor der Krise von 2007/2008 bedroht.

Wo stehen wir denn nun wirklich? fragen sich die meisten von uns zum Jahreswechsel. Können wir beruhigt in die Zukunft sehen oder drohen historische Gefahren? Gibt es irgendeine Wirtschaftstheorie, die uns diese Fragen klar und deutlich beantworten kann?

Die Wirtschaftstheorien der Vergangenheit helfen nicht mehr weiter

Nein, die gibt es nicht. Und zwar aus einem einfachen Grund: Weil wir in einer Ausnahmesituation leben, die die Welt so noch nicht gesehen hat: Das globale Wirtschafts- und Finanzsystem ist seit 2008 klinisch tot. Es funktioniert nur noch, weil es wie ein Patient auf der Intensivstation künstlich am Leben erhalten wird, und zwar durch die Zentralbanken.

Seit dem Beinahe-Zusammenbruch von 2008 haben die größten Zentralbanken der Welt zwischen 14 und 16 Billionen US-Dollar ins globale Finanzsystem gepumpt und fast siebenhundert Mal die Zinsen gesenkt. Der größte Teil dieses „billigen“ Geldes ist in die Finanzspekulation geflossen und hat so für eine historisch nie dagewesene Verzerrung der Märkte gesorgt.

Konnte man früher davon ausgehen, dass Aktienkurse etwas über die Gesundheit eines Unternehmens aussagen, so ist es damit vorbei: Großkonzerne in aller Welt haben das billige Geld genutzt, um eigene Aktien zurückzukaufen und deren Kurse künstlich in die Höhe zu treiben. Sagten früher die Kosten und Zinserträge von Staatsanleihen etwas über die wirtschaftliche und finanzielle Stärke eines Landes aus, so gehört auch das der Vergangenheit an: Die Zentralbanken haben ganze Länder vor dem Bankrott gerettet, indem sie deren Anleihen zu überhöhten Preisen aufgekauft und durch künstlich geschaffene Nachfrage Märkte erzeugt haben, wo es eigentlich keine mehr gab.

Die Manipulation ist grenzenlos

Doch das ist nicht alles: Inzwischen greifen die Zentralbanken auch direkt in die Aktienmärkte ein und sorgen dafür, dass sogar ins Schlingern geratene Unternehmen über Wasser gehalten und andere weit über ihrem tatsächlichen Wert gehandelt werden. Die Schweizer Nationalbank (SNB) zum Beispiel ist inzwischen Großaktionär bei Apple, Alphabet, Microsoft, Amazon und Facebook und hält zur Jahreswende 2017/2018 US-Aktien im Wert von 91 Milliarden Dollar. Nur zur Erinnerung: Die SNB kann das Geld, mit dem sie Aktien kauft, selber schaffen…

Das alles heißt: Wir leben in einem durch Geldschöpfung und Zinssenkung künstlich angetriebenen und aufgeblähten System. Das aber hat fatale Nebenwirkungen, denn Zentralbanken funktionieren nach denselben Prinzipien wie der Rest unseres Wirtschafts- und Finanzsystems: Das Geld, das sie schöpfen, wird nicht verschenkt, sondern muss zurückgezahlt werden. Es erhöht also stetig den globalen Schuldenberg.

Um die Bedienung dieser Schulden zu erleichtern, gibt es nur ein bewährtes Mittel: das Anheizen der Inflation. Das Ansteigen des allgemeinen Preisniveaus führt dazu, dass die Höhe der Schulden im Verhältnis zu den übrigen Geldwerten sinkt. Doch die Herbeiführung einer solchen Inflation erfordert genau die Mittel, die seit 2008 angewandt wurden: Geldschöpfung und Zinssenkung.

Obwohl die Zentralbanken in aller Welt seit einiger Zeit ankündigen, ihre Geldpolitik nach zehn Jahren des billigen Geldes wieder straffen zu wollen (und – wie die FED – einige sehr zaghafte Versuche in diese Richtung unternommen haben), können sie diesen Weg nicht weiter beschreiten, ohne dass ihnen der größte Schuldenberg in der Geschichte in die Quere kommt. Ihn zu ignorieren, hätte den Bankrott zahlloser Schuldner zur Folge, würde riesige Löcher in die Kassen der Gläubiger reißen und das System in die nächste, möglicherweise noch schwerere Krise als 2007/2008 stürzen.

Es gibt kein Zurück

Die Situation, in der wir stecken, lässt sich also folgendermaßen beschreiben: Die Zentralbanken haben sich auf eine Geldpolitik eingelassen, die an der Oberfläche zwar einige positive Phänomene erzeugt, die sich aber nicht rückgängig machen lässt, ohne das System als Ganzes zum Einsturz zu bringen.

Anders ausgedrückt: Das globale Finanzsystem gleicht einem Suchtkranken, der auf Grund von Drogeninjektionen immer wieder kurze Aufschwungphasen erlebt, dessen Organe aber von Mal zu Mal stärker geschädigt werden und die irgendwann – ohne Vorankündigung – ihren Dienst versagen werden.

Wann das sein wird – ob 2018 oder später – kann niemand voraussagen. Nur eines ist sicher: Die Mittel der Manipulation, die den Zentralbanken zur Verfügung stehen, sind weitgehend ausgereizt. Nach Niedrig- und Nullzinsen bleiben nur noch Negativzinsen – und damit die Zerstörung des klassischen Bankgeschäftes, nämlich der Kreditvergabe – und nach der Flut neu geschaffenen Geldes bleibt nur die Schaffung von noch mehr Geld – und damit der direkte Weg in die Hyperinflation.


Ernst Wolff ist freier Journalist und Autor des Buches „Weltmacht IWF – Chronik eines Raubzugs“, erschienen im Tectum-Verlag, Marburg.

10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    Murat Dundar

    31. Dezember 2017 21:51 at 21:51

    also manchmal meine ich die gurus haben auch ne paradoxe entgegengesetzte wahrnehmung.
    wenn es heißt was ist geld ? dann schreibt man drauf los dass es nicht das papier wert ist auf dem es gedruckt wird weil nullzinsen und die druckermaschine auf hochtouren laufen.
    dann bei staatsausgaben wird argumentiert dass es solche investitionen absurd sind und letztlich der steuerzahler dafür zahlen bzw gerade stehen muss.
    hey leute meiner meinung nach sollen sie soviel drucken und investieren wie möglich solange ja solange es dem volk zu gute kommt.
    ein beispiel. der vielgescholltene erdogan und seine partei haben letzte woche einen bauprojekt auf den weg gebracht. unzwar wird die stadt gemelik in der türkei mit 110 tausend einwohnern 2 km im hinterland neu aufgebaut. die jetzige stadt komplett abgerissen. und die menschen zahlen alle nur einen symbolischen betrag und haben ein haus das wo anders steht und werthaltig ist. und mit der entscheidung ist jeder zufrieden. da kriegst du auch keine opposition zusammen die dagegen wäre.
    das meine ich damit die menschen sind alle froh und das volk in gemerik ist der gewinner.
    da regt sich auch sonst niemand auf in der türkei.
    und nun zur finanzierung ja es wird lira s gedruckt und ja und. dann ist es halt so. wir kriegen hier bei den kleinsten dingen probleme. schon beim aufstellen einer sitzbank und wenn der standort feststeht dann heisst es warum keine regenbogen farben usw. usw usw. naja

    • Avatar

      Wolfgang M.

      1. Januar 2018 09:41 at 09:41

      Murat, sorry aber diese Sicht ist m. E. ziemlich naiv. Wenn es ein Land mit dem Gelddrucken übertreibt, entsteht ziemlich rasch Inflation. Damit werden an den Kapitalmarkt die Zinsen für dieses Land steigen, die Schulden steigen, es wird mehr Geld gedruckt und die Inflation gerät außer Kontrolle. Anfangs profitiert der „kleine Mann“, bis die Kapitalmärkte (und der IWF) dem Land keine Kredite mehr gewähren. Die Folge ist ein Staatsbankrott, wie schon über 300mal in verschiedenen Ländern in den vergangenen 200 Jahren passiert (Griechenland 6-mal, Spanien 8-mal dabei). Zur Zeit in Venezuela oder in Simbabwe zu beobachten. Das Perfide dabei: Die „Reichen“ haben zumeist ihr Kapital rechtzeitig z.T. ins Ausland in anderer Währung (oder durch Gold/Immobilienkäufe) in Sicherheit gebracht – wie z.B. griechische Milliardäre in die Schweiz oder sogar Diktatoren wie Assat. Wenn es im Land mit Hyperinflation zum Währungsschnitt kommt, haben diese Kapitalflüchtlinge bei einem Wiederaufbau bereits wieder einen uneinholbaren Vorsprung. Fazit: In Ländern mit unseriösem Wirtschaftsgebaren zahlen fast immer die „Kleinen“ mit ihren Geldvermögen die Zeche. Vereinfacht ausgedrückt. Die anfänglichen Wohltaten erweisen sich à la longue als Bumerang. Gruß

  2. Avatar

    baeuerin

    1. Januar 2018 08:50 at 08:50

    Nur Idioten zahlen Steuern!
    (auch im neuen Jahr(…) (…)…)
    http://www.geolitico.de/2017/12/31/abgesang-aufs-reiche-deutschland/
    u.a…..DAX 1.1.18, 08:40Uhr (DB-Kurs) 12817

  3. Avatar

    Gelddruckmaschinen-Verkäufer

    1. Januar 2018 11:37 at 11:37

    @Murat Dundar,Hast Du auch schon überlegt,wer das Geschenk der 110 000 glücklichen Einwohner bezahlt???
    In dem Land mit deinem gerühmten Präsidenten gibt es auch Leute die kein schönes Gratishaus bekommen,
    sondern unverschuldet in einer kleinen GRATISZELLE sitzen!!!
    Nachdem mit gedrucktem Geld von den Notenbanken schon Aktien u.Anleihen gekauft wurden ist das eine neue
    Idee , HÄUSER BAUEN MIT GEDRUCKTEM GELD,
    Der Vorteil, die Einstandskosten wären sehr tief,(Gelddruckmaschine +Papier )
    Nachdem die Notenbanken schon fast alles gekauft haben was zu kaufen ist, ist das eine bestechende Idee,
    Europa kann von diesem Land noch einiges lernen .

    • Avatar

      Murat Dundar

      2. Januar 2018 05:11 at 05:11

      @Murat Dundar,Hast Du auch schon überlegt,wer das Geschenk der 110 000 glücklichen Einwohner bezahlt???
      antwort: wir kaufen eine geldruckmaschine bei dir.
      nein spaß bei seite. es ist doch ein kreislauf. das geld kommt doch wieder über steuern und steuers steuern zurück zu papa staat baufirmen, baustoffhändler und arbeitnehmer bekommen das geld und geben es wieder aus.
      where is the problem.
      und man hat für stadt, staat, land und menschen etwas sinnvolles gemacht.

  4. Avatar

    Murat Dundar

    1. Januar 2018 13:33 at 13:33

    @wolfgang,
    Murat, sorry aber diese Sicht ist m. E. ziemlich naiv. Wenn es ein Land mit dem Gelddrucken übertreibt, entsteht ziemlich rasch Inflation.

    da frag ich mich wie japan immernoch bei den mengen an gedrucktem geld keine inflation hat.
    ich frage mich aber auch wie ein land mit soviel erdölaufkommen so arm und eine hyperinflation hat.
    auch nicht einleuchtend für mich.

    ich bin kein anhänger von erdogan, auf jeden fall nicht. ich beurteile politiker nur nach ihren taten.
    und da sehe ich seit 17 jahren ein blühendes land welche ihren bürgern sichere straßen bauen lies und somit schon sehr vielen menschen das leben gerettet hat (im grunde genommen)
    das krankensystem umgestellt. so daß endlich arme nichts mehr für medizin und kh-aufenthalt zahlen brauchen und umgekehrt die reichen jetzt medizin und kh aufenthalt zahlen.
    ich sehe neue gebäude ob einkaufszentren oder krankenhäuser welche aussehen wie als wäre man in urlaub. der eingangsbereich in krankenhäuser, sehenswert. wirklich das ist schon alles lieblicher und luxeriös aufgebaut.
    ein sozialsystem was es früher nicht gab

    pflegesystem – sehr einfach und mit sehr wenig bürokratie. alte leute ab einem bestimmten alter benennen eine pflegekraft und die person erhält jeden monat ihr geld.
    uvm.
    also ehrlich wer diese ganzen positiven veränderungen nicht sieht der muss schon ein lump sein.

    • Avatar

      Murat Dundar

      1. Januar 2018 13:46 at 13:46

      der letzte satz gilt für die in der türkei lebenden. klar

      und das land mit hohen erdölvorkommen un hyperinflation könnt ihr euch natürlich vorstellen, wer gemeint ist.

      sorry, bin nun mal ein tollpatsch.
      war ich schon in der schule. :)

      also in diesem sinne, ein fohes neues jahr

    • Avatar

      Wolfgang M.

      1. Januar 2018 14:30 at 14:30

      @Murat. In Japan gibt es die Sondersituation, nämlich, dass die Schulden von der eigenen Bevölkerung getragen werden und man ausländischen Investoren keine entsprechende Zinsen zahlen muss. In Venezuela gab es unter Chávez eine sozialistische Vettern-Misswirtschaft, die in jüngerer Zeit ohne Beispiel ist. Und Erdogan hat in den letzten Jahre wirklich ein beeindruckendes Wi-Wachstum in Gang gebracht, aber in letzter Zeit verprellt er durch seinen autokratischen Stil viele ausländische Investoren sowie auch Touristen. Ob er mit seiner Politik den Wi-Aufschwung nicht in kurzer Zeit wieder umdreht, wird die Zeit zeigen. Wenn eine Wirtschaft 6 oder 8% wächst, kann man viel finanzieren, bei einem Abschwung, ist dies ruckzuck vorbei. Im Übrigen haben die Ratingagenturen Moody’s und Standard&Poor’s die Kreditwürdigkeit der Türkei auf Ramschniveau herabgestuft. Wie gesagt, wenn die Inflation mal ins Laufen kommt. Gruß

  5. Avatar

    asyoulike

    1. Januar 2018 20:18 at 20:18

    Moin, moin,
    Recht hat der Herr Wolff. So wird es kommen, so muss es kommen. Auswege gibt es nicht, es könnte nur zu einer zeitlichen Verzögerung der Vorgänge kommen, wie sie quasi durch die Notbanken bereits betrieben wird.
    Aber ein Punkt scheint mir aus BRD Sicht wichtig, dass ist die Quasi-Haftung der BRD Bürger mit ihrem Vermögen. Es ist ein Leichtes, dieses über Steuern und Abgaben vom Bürger auf den Staat zu übertragen. Wer meint Eigentum durch Besitzen in Sicherheit zu haben, der täuscht sich m.E. gewaltig. Jeder Staat hat Zugriff auf der Vermögen seiner Bevölkerung. Diese Problematik fehlt im Artikel.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Aussicht für deutsche Exporte verfinstern sich spürbar

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Über den Hamburger Hafen laufen viele Exporte Richtung Übersee

Die Stimmung der deutschen Industrie für ihre Exporte in den nächsten Monaten verfinstert sich gerade spürbar. Denn laut aktueller Veröffentlichung des ifo-Instituts hat sich die Stimmung unter den deutschen Exporteuren merklich verschlechtert. Die ifo Exporterwartungen der Industrie sind im November von plus 7,0 auf minus 2,1 Punkte gefallen. Der Chart zeigt nach der Erholung aus dem „Corona-Tal“ den Absturz bei den Erwartungen an die Exporte. Erstmals seit Juni ist der Erwartungsindex wieder negativ.

Insbesondere die Heftigkeit der zweiten Corona-Welle in vielen europäischen Ländern belastet laut ifo-Institut die Exporte. Einen deutlichen Dämpfer beim künftigen Auslandsgeschäft musste die Automobilbranche verkraften. Der Optimismus der vergangenen Monate ist verflogen. Mit deutlichen Rückgängen beim Export rechnet die Nahrungsmittelindustrie. Der Maschinenbau geht eher von einer konstanten Entwicklung bei den Exportumsätzen aus. Gleiches gilt für die Metallbranche. Weitere Zuwächse erwarten hingegen die Chemische Industrie und die Elektrobranche.

Der Chart vom ifo-Institut zeigt Erwartungen für die deutschen Exporte

weiterlesen

Allgemein

EZB warnt wieder vor Risiken, die sie selbst geschaffen hat!

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

In ihrem heute veröffentlichten Finanzstabilitätsbericht warnt die EZB wieder einmal vor Risiken und dem Platzen einer Blase, die sie letztlich selbst geschaffen hat!

Die EZB zur permanenten Intervention verdammt

So beklagt Europas Notenbank etwa die „Konzentration von Risiken“ in einigen Bereichen – und man sollte doch die Frage stellen, warum es diese Konzentration von Risiken wohl gibt! Die Antwort ist fast schon unterkomplex: wegen der finanziellen Repression, die durch die EZB ausgeübt wird. Wie ließe sich etwa sonst erklären, dass griechische Staatsanleihen mit Laufzeit bis vier Jahren negative Renditen aufweisen  – Anleger also bereits sind, einem de facto bankrotten Staat für den Kauf von Schuldpapieren sogar noch Geld zu bezahlen?

Dazu kommt: die Notenbank beklagt die schwache Profitabilität der Banken der Eurozone,  die ja eben aufgrund der Zinspolitik der EZB mit Negativzinsen schlicht kaum profitabel arbeiten können.

Mit anderen Worten: die EZB betreibt eine massive Manipulation nicht nur der Märkte für Staatsanleihen, sondern zerstört im Grunde die Existenzgrundlage europäischer Banken, die nicht zufällig deutlich schlechter dastehen als die amerikanische Konkurrenz. So entsteht eine Situation, die immer neue Eingriffe verlangt, um die weitgehend selbst verursachten Schieflagen zu korrigieren. Wer die Büchse der Pandora öffent, sollte sich eben nicht wundern, dass ungeahnte Konsequenzen entstehen. Die EZB hat den Limes überschritten – und ist damit zur permanenten Manipulation verdammt, weil die Schulden schneller wachsen als die Wirtschaft, aber die Illusion des ewigen Wohlstands aufrecht erhalten weredn muß! Die Notenbank ist gewissermaßen die Kraft, die stets das Gute will – und das Böse schafft.

Nun hat die Coronakrise letztlich auch die Staaten gezwungen, immer stärker in die Wirtschaft einzugreifen und zu retten. Ein Risiko sieht die europäische Notenbank nun darin, dass diese eigentlich als einmalige Maßnahme gedachten Eingriffe zu früh enden könnten. Die Coronakrise scheint sich als „door opener“ für den staatlich gelenkten Kapitalismus zu erweisen, der Weg zu MMT ist wohl endgültig geebnet!

Für Schmerzbefreite hier die Kurzfassung des Berichts der EZB zur Finanzstabilität im Wortlaut:

 

  • Dispersed economic and financial market impact on countries and sectors could lead to concentration of risks in some areas
  • Policy measures have addressed liquidity challenges but risks can arise from premature or delayed withdrawal of fiscal support
  • Bank profitability prospects remain weak with losses potentially materialising with a lag relative to the recover

Vulnerabilities in the corporate sector are increasing as the pandemic evolves and their unearthing could test the resilience of euro area banks in the future, the European Central Bank (ECB) says in its latest Financial Stability Review (FSR). Current extensive policy support is helping euro area corporates and households to cope with the fallout of the pandemic, but risks can arise either from a premature end to measures or from prolonged support. Premature withdrawal of fiscal support – including government loan guarantees and statutory loan moratoria – could set back the economic recovery, transforming the corporate liquidity challenges observed at the outset of the pandemic turn into solvency issues. The sharp rise in corporate and sovereign indebtedness increases the risks to financial stability from an emerging sovereign-corporate bank nexus in the medium-term, as banks and sovereigns alike are exposed to pandemic-induced risk faced by euro area firms.

“Bank profitability is expected to remain weak. Provisions have increased but look optimistic in some cases, while guarantees and moratoria may have lengthened the time it takes for weak economic performance to translate into loan losses,” said Luis de Guindos, Vice-President of the ECB. “Government support schemes are essential currently but should remain targeted towards pandemic-related economic support and avoid giving rise to debt sustainability concerns in the medium term,” he added.

For euro area banks, which entered the pandemic with stronger balance sheets than at the time of the global financial crisis, a premature end of government guarantees and moratoria could lead to an additional wave of losses. They are also expected to face continued pressures on profitability, including from a weaker outlook for lending and continued structural challenges. Banks’ capital buffers remain comfortable and should remain available to absorb losses and support lending for an extended period. Authorities need to monitor the effectiveness of policies to support buffer use and avert deleveraging. Looking beyond the pandemic, it is important for banks, together with the rest of the financial system, to manage the financial stability risks posed by climate change and support the transition to a greener economy.

A return to risk-taking by non-banks, including investment funds, also increases their vulnerability to outflows and losses should corporate credit risks rise materially. These risks are accentuated by continued gaps in the macroprudential framework for non-bank financial institutions.

Die EZB ist die Kraft, die stets das Gute will - und das Böse schafft

weiterlesen

Allgemein

EZB soll Make-Up-Strategie umsetzen

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Die Zentrale der EZB in Frankfurt

Es ist schon ein makaberes Wortspiel in Zeiten zwangsgeschlossener Kosmetikstudios sowie arbeitsloser Maskenbildner und Visagisten, dessen sich der finnische Zentralbank-Gouverneur und Ratsmitglied der EZB, Olli Rehn, bedient. Auf einer Konferenz in Helsinki forderte Rehn am Dienstag neben einem symmetrischen Inflationsziel die Umsetzung einer Make-Up-Strategie. Was konkret ist damit gemeint und was kommt als Nächstes?

EZB braucht Make-Up

Ohne die Europäische Zentralbank hätte sich das Thema Eurozone längst erledigt. Das will aber die Masse nicht hören und die Zentralbanker nicht sagen. Also werden seit dem Beginn der Weltfinanzkrise und der Eurokrise alle unkonventionellen Maßnahmen mit dem nicht Erreichen des Inflationsziel der Europäischen Zentralbank begründet, da dieses den Kern des EZB-Mandats darstellt.

Da aber mittlerweile jedem Geld- und einigen Fiskalpolitikern dämmert, dass bei einer Gesamtverschuldung der Industrieländer laut Institute for International Finance von knapp 400 Prozent des Bruttoinlandsprodukts dieses Mandat nicht mehr ausreicht, wird es nun angepasst. Dazu gehört auch, dass man das Inflationsziel von zwei Prozent p. a. (Konsumententeuerung) irgendwie umgehen muss. Denn selbst wenn die jetzige Ausnahmerezession vorüber ist, bleiben die hohen und weiter steigenden Schulden. Die EZB kauft einen Großteil davon auf und hält die Zinsen nominal bei null und real im negativen Bereich, um den Schuldendienst erträglich zu machen.

Am Beispiel der USA, wo die US-Notenbank Fed mit dem Versuch in den Boom nach Trumps Steuerreform hinein die Zinsen zu normalisieren, scheiterte, will man bei der EZB nun vorsorgen. Sollte es zu einer wirtschaftlichen Erholung kommen und die Inflation (Konsumententeuerung) über zwei Prozent hinausschießen, will und kann man wegen der extrem hohen privaten und öffentlichen Verbindlichkeiten die Zinsen dennoch unten halten. Ein eventuelles Überschießen des Inflationsziels soll daher via Make-Up überdeckt werden.

Dazu fordert unter anderem und erneut Olli Rehn die Einführung eines flexiblen Inflationsziels. Die Präsidentin der EZB, Madame Lagarde, spricht sich neben anderen Rats-Mitgliedern ebenfalls dafür aus. Um ein Überschießen der Inflation zu überdecken, soll statt des bisherigen asymmetrischen Inflationsziel ein symmetrisches Inflationsziels eingeführt werden. In der Praxis bedeutet dies, dass die Notenbanker statt eines festen Wertes einfach einen Durchschnittswert eines bestimmten Zeitraums der Vergangenheit ausrechnen. Solange dieser Wert sich nicht allzu lange und allzu massiv über zwei Prozent befindet, muss die EZB nicht inflationsbekämpfend eingreifen. Angepeilt wird ein Zeitraum der letzten fünf Jahre zur Durchschnittsbildung der Inflationsrate.

Im Falle der Eurozone bedeutet dies eine durchschnittliche Inflationsrate seit Oktober 2015 in Höhe von knapp einem Prozent p. a. Durch Überdeckung einer zukünftigen höheren Inflation mit statistischem Make-Up könnte die Teuerungsrate für eine lange Zeit über zwei Prozent liegen, ohne dass das symmetrische Inflationsziel der EZB übertroffen wird. Die für die Errechnung des symmetrischen Inflationsziels relevanten Parameter (betrachteter Zeitraum etc.) sollen flexibel gehalten werden. Somit ist gewährleistet, dass selbst bei steigender Konsumententeuerung die EZB ihre ultralaxe Geldpolitik gemäß ihrem Kernmandat der statistischen Preisstabilität (ohne Vermögenspreise) beibehalten kann.

Welche Ziele hat die Zentralbank laut EU-Vertrag?

Doch auch der u. a. von Rehn sowie Lagarde und seit dem virtuellen Notenbanker Treffen in Jackson Hole sogar vom Präsidenten der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, geforderte „Monetary Shift“ könnte nicht ausreichen, um die explodierende Gesamtverschuldung durch das symmetrische Inflationsziel zu managen. Daher gräbt man nun bei der EZB im EU-Vertrag nach weiteren Möglichkeiten des geldpolitischen Make-Ups. Und siehe da, man wurde fündig: Ebenso wie bei der US-Fed gestattet der EU-Vertrag auch zwei Nebenmandate, wie Olli Rehn in Helsinki am Dienstag klarstellte: „Wenn wir unser gesetzliches Mandat respektieren, müssen wir danach streben, Vollbeschäftigung, ausgewogenes Wachstum und eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen“. Das symmetrische Inflationsziel wurde zwar im Nebensatz noch mit erwähnt, aber es wird immer deutlicher, dass die EZB nach einer Legitimation ihrer dauerhaften Krisenpolitik sucht.

Wie weit kann die EZB ihr Mandat auslegen?

Schon seit Längerem hat die EZB das Thema Nachhaltigkeit für sich entdeckt und möchte verstärkt Unternehmen Kredite durch den Ankauf von Firmenanleihen zu sehr vorteilhaften Konditionen (für die Schuldner) vornehmen. Mit Nachhaltigkeit ist dabei gleichwohl nicht die geldpolitische Nachhaltigkeit oder gar die Schuldentragfähigkeit gemeint, sondern der Klimawandel. Die EZB trägt daher bei einigen Ökonomen schon scherzhaft den Beinamen „Grüne EZB“. Anders als Lagardes Vorgänger Draghi, für den der Klimawandel kaum ein Thema war, ist dies ein Lieblingsthema der jetzigen EZB-Chefin Lagarde. Mit dem neuen deutschen EZB-Ratsmitglied Elisabeth Schnabel hat sie eine Gleichgesinnte gefunden, die ebenfalls durch Billigkredite aus der digitalen Notenpresse den Wandel der Wirtschaft hin zur Klimaneutralität unterstützen möchte.

Das gibt der EZB weiteren Spielraum, denn bislang befinden sich Unternehmensanleihen in Höhe von einer viertel Billion Euro im Portfolio der EZB, von denen laut Greenpeace gemäß einer aktuellen Studie vom 3. November 63 Prozent von klimaschädlichen Unternehmen stammen. Um diese Zahl prozentual kosmetisch zu relativieren, könnte man das Portfolio einfach umschichten und mehr „Grüne-Anleihen“ kaufen. Doch das wäre der Todesstoß für unzählige Unternehmen und Arbeitsplätze, was wiederum die anderen Mandate der EZB untergraben würde.

Also geht man den anderen Weg und kauft noch mehr Unternehmensanleihen (vornehmlich Grüne), um die Anzahl der Klimaschädlinge im eigenen Anleiheportfolio zu relativieren. Auch die Mandate Vollbeschäftigung und ausgewogenes Wachstum geben der EZB praktisch einen Freibrief für die Beibehaltung ihrer ultralaxen Geldpolitik.

Fazit und Ausblick

Die Umstellung von einem asymmetrischen auf ein symmetrisches Inflationsziel ist eine weitere „unkonventionelle“ geldpolitische Maßnahme, um die Notfallgeldpolitik zu prolongieren. Richtig spannend wird es am 10. Dezember, wenn die nächste EZB-Ratssitzung mit anschließender Pressekonferenz stattfindet, auf der neue Maßnahmen bekannt gegeben werden sollen – auch kosmetische. Noch spannender wird es dann im Januar 2021, wenn das Thema „Worldwide-Reset“ von den wichtigsten Notenbankern und anderen supranationalen Institutionen erneut besprochen wird. Höflich ausgedrückt ist ein Reset ein Neustart. In der Praxis geht es aber um einen globalen Schuldenschnitt inkl. Währungsreform, also einen Neustart mit Enteignung breiter Bevölkerungsschichten und Sparer.

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage