Folgen Sie uns

Allgemein

Großes Dilemma in Moskau: Rubel fällt weiter nach russischer Zinsentscheidung

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Die russische Zentralbank steckt in einem echten Dilemma. Allgemein erwartet man von ihr die weitere Senkung der Zinsen um die Wirtschaft anzukurbeln, andererseits ist die Inflation hoch und der Rubel fällt immer weiter. Nach ihrer Entscheidung vom Freitag fällt der Rubel jetzt noch weiter.

Elwira Nabiullina Rubel Russland
Elwira Nabiullina, Präsidentin der russischen Zentralbank. Foto: Kremlin.ru / Wikipedia (CC-BY 4.0)

Dilemma ist das passende Wort. Vor genau einem Jahr stieg der US-Dollar gegen den Rubel auf über 78, und die russische Zentralbank erhöhte den Leitzins drastisch auf 17% um den Rubel zu stützen. Er ist inzwischen wieder auf 11% gesenkt worden und für einen US-Dollar musste man im Mai diesen Jahres nur noch 48 Rubel bezahlen. Doch das ist vorbei. Der Rubel fiel seitdem immer weiter. Grund dafür ist neben der Verunsicherung rund um die Ukraine und die westlichen Sanktionen vor allem der Ölpreis-Verfall. Jetzt kommt noch hinzu, dass die USA wohl diese Woche ihren eigenen Leitzins anheben werden, was den Dollar gegen den Rubel weiter stärken dürfte.

Gleichzeitig muss die russische Zentralbank im Auge behalten, dass die Inflation in Russland immer noch bei über 15% liegt. Senkt man jetzt den Leitzins, könnte sie wieder angeheizt werden. Aber genau so spürt die Zentralbank den Druck des Kremls die Zinsen weiter zu senken um mit billigerem Geld die Wirtschaft anzukurbeln – die entwickelt sich aber laut Nabiullina derzeit besser als erwartet. Also, egal was man macht, man macht es eigentlich falsch! Und genau das ist das Problem. Zentralbank-Präsidentin Nabiullina tat daher wohl das in diesem Moment einzig Richtige aus ihrer Sicht, nämlich einfach gar nichts. Der Leitzins bleibt erst einmal weiter bei 11%.

Die Zentralbank sieht das BIP in Russland in 2016 um ca. 0,5-1% sinken, wenn ein positives Szenario eintritt. Ein einem schlechteren Umfld rechnet sie mit einem Rückgang von 2-3%. Laut offiziellem Statement sieht die Zentralbank die Inflation gerade in 2016 drastisch zurückgehen, Zitat:

„We expect a sharp deceleration of the annual inflation up to 7.5-8% in 2016 Q1. One of the underlying reasons will be the base effect. We believe the process of adjustment to foreign trade restrictions Russia imposed against Turkey will have a tiny impact on inflation in general – it will be within 0.2-0.4 percentage points in the next few months. Relatively tough monetary conditions and poor consumer demand dynamics will be those key factors that will slow down the annual price growth up to 5.5-6.5% at the end of 2016. We need to reduce inflation expectations of the population and producers to achieve a steady inflation slowdown. I would like to remind that we expect the annual inflation to be at 7,5 – 8% in 2016 Q1 and lower than 10% in January 2016.“

Die Zentralbank verkündete auch Folgendes:

„I want to stress once again, that the Bank of Russia will resume cutting the key rate at one of the forthcoming meetings of its Board of Directors as inflation slows down according to the forecast and provided that inflation risks weaken.“

Man wird den Leitzins also in 2016 senken, sobald man sieht, dass die Inflation spürbar zurückgeht. Der Drang für eine Senkung ist also da. Man wird den Rubel für eine bessere Wirtschaftsleistung opfern. Die Frage ist, warum der Rubel seit heute früh trotz ausgebliebener Zinssenkung weiter fällt. (USDRUB ist heute früh über 70 gestiegen). Da mag man sich ja fragen, was ab Mittwoch mit dem Rubel passiert, wenn die Fed den Leitzins für die USA erhöht, und wenn Russland Anfang 2016 den Leitzins wirklich weiter senkt. Wo ist der Rubel dann? 75 für einen Dollar? 80, 85?

USD Rubel
US-Dollar vs Rubel seit Mitte November. Heute wieder höher über 70.



Quelle: Central Bank of Russia

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Demokrat

    14. Dezember 2015 15:02 at 15:02

    …sagte ich ja bereits „STRONG LONG“ auf VODKA!!! Bald Öl unter 30$ und die Krise mit Türkei weitet sich noch mehr aus, weil die Türkei ab Frühling 2016 kein russisches Gas mehr kaufen wird (30 Milliarden $ Einnahmen futsch!). Syrien- und Türkei-Krise wird wahrscheinlich Putins Ende einleiten. Anstatt seine Muskeln spielen zulassen, sollte Putin sein Hirn einschalten, falls der noch welche hat oder von Vodka nicht ganz betäubt ist.

  2. Avatar

    Dirk Schwann

    14. Dezember 2015 17:11 at 17:11

    Russisch-Amerikanischer Deal ?
    Konkurrenzprinzip alleine zieht nicht. Sollte klar sein.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Battery Day und Tesla: Live-Kommentar zum Event

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Elon Musk hatte den „Battery Day“ im Vorfeld als „einer der aufregendsten Tage der Tesla-Geschichte“ bezeichnet, gestern jedoch die Erwartungen in einem Tweet deutlich gedämpft – die Tesla-Aktie daher heute mit 5% im Minus.

David Jones, chief market strategist bei capital.com, kommentiert den Battery Day live ab 22.15Uhr

:

Live-Kommentar zum lange erwarteten Battery Day von Tesla

weiterlesen

Allgemein

Gabor Steingart: „Ausbeutung einer Zukunft, die es noch gar nicht gibt“

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Gabor Steingart redet Klartext im folgenden aktuellen Video-Interview mit Mission Money. Er spricht von der Ausbeutung einer Zukunft, die es noch gar nicht gibt, von einer Zinsknechtschaft von noch Ungeborenen. Die heutige Politik erkaufe sich mit der Druckerpresse Ruhe in der Bevölkerung, so lautet eine der Hauptthesen von Gabor Steingart (hier geht es zu Steingarts Morning Briefing).

Gemeint ist damit, dass (so wollen wir es formulieren) Notenbanken und Regierungen derzeit ohne Ende neues Geld drucken und die Staatsverschuldung hochschrauben. Damit werden Rettungspakete bezahlt, die zukünftige Generationen als Schuldenlast erben, und dann abbezahlen müssen. Mit diesem jetzt frisch erschaffenen Geld würden alte Industrien gerettet. Und das nun zwei Jahre laufende Kurzarbeitergeld sei de facto ein Bedingungsloses Grundeinkommen, so drückt es Gabor Steingart aus.

Gabor Steingart plädiert für Abkehr von alten Industrien, und für Aufbruch in die Zukunft

Im geht es im Interview hauptsächlich darum, dass es einen Art Aufbruch in Politik und Gesellschaft geben müsse. Denn derzeit rette Deutschland seine Industrie aus dem letzten Jahrhundert. Man müsse aber in Zukunftstechnologien investieren. So plädiert Gabor Steingart unter anderem dafür die Bildungsausgaben zu verfielfachen. Anfangen könne man zum Beispiel bei deutlich mehr Ausgaben für die Digitalisierung der Schulden. In diesem Zusammenhang erwähnt er, dass die Lufthansa vom Staat gerade 2 1/2 Mal so viel Rettungsgeld bekommen habe als die Schulen in Deutschland für die Digitalisierung.

Die Aussagen von Gabor Steingart sind hochinteressant! Sie sollten sich die 30 Minuten Zeit nehmen. Auch werden im späteren Verlauf des Interviews andere interessante Themen angesprochen, und auch der „Wandel von Journalisten hin zu Aktivisten“. Aber hauptsächlich widmet man sich der bislang verspielten Chance, jetzt massiv in die Zukunft zu investieren. Dabei gibt er sich betont optimistisch, dass Deutschland diese Herausforderung bewältigen könne – man müsse nur endlich mal losgehen, jemand müsse den Startschuss geben.

Gabor Steingart
Gabor Steingart, Ausschnitt aus Originalfoto. Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

weiterlesen

Allgemein

Coronakrise: Die Deutschen entdecken plötzlich Aktien!

Avatar

Veröffentlicht

am

Ziemlich genau ein halbes Jahr ist vergangen, seitdem die Coronakrise die Aktien auf ihren tiefsten Stand drückten. Anschließend folgte mit einem Lockdown ein einmaliger Stillstand im Berufs- und Alltagsleben der Menschen in Deutschland. Die Konsumenten gaben zwangsläufig weniger aus als vor der Coronakrise, auch unter Berücksichtigung des geringeren Einkommens seit dieser Zeit. Was sie mit ihrem Geld anstellten, ergab eine Umfrage im Auftrag der Postbank – mit teilweise überraschenden Erkenntnissen.

Coronakrise: Die Zurückhaltung der Konsumenten

Wie veränderte die Coronakrise das Konsumverhalten der Deutschen? Dieser Frage ging das Marktforschungsunternehmen Kantar im Auftrag der Postbank nach. Die Ergebnisse:

Drei Viertel der Bundesbürger gaben weniger aus als zuvor, am meisten – 82,4 Prozent die 20 bis 29-Jährigen, die geringste Zurückhaltung bei den über 60-Jährigen mit 64,2 Prozent.
Da aber insgesamt die Einkommenseinbußen im Lande aufgrund von Zuschüssen, Kurzarbeitergeld u.a. moderat ausfielen, muss Geld gespart worden sein. Und zwar bei diesen Ausgaben:

  • Urlaub 46,2 Prozent
  • Gaststättenbesuche 39,6 Prozent
  • Hobby 31,7 Prozent
  • Mode 28,1 Prozent …..

Am geringsten waren die Sparmaßnahmen bei:

  • Genussmitteln (Alkohol, Zigaretten) 14,1 Prozent
  • Lebensmitteln 7,2 Prozent
  • Altersvorsorge 6,5 Prozent

Damit verbleibt ein Viertel der Bevölkerung, welches keine Ausgabenänderungen durchgeführt haben.

Wohin floss das Eingesparte?

Bei der Betrachtung der Sparziele treten doch einige Tugenden der Deutschen zu Tage – auch und gerade während der Coronakrise. Bei den Sparzielen nannten die Befragten:

  • Rücklagen für unerwartete Ausgaben 39,5 Prozent
  • Altersvorsorge 36,6 Prozent
  • Persönliche Muße 31,6 Prozent
  • Rücklagen für Krisenzeiten 28,9 Prozent
  • Erwerb von Wohneigentum 12,5 Prozent
  • Renovierungen 12,0 Prozent
  • Autokauf 11,6 Prozent
  • Rücklagen für Kinder 10 Prozent
  • Fast 13 Prozent konnten oder wollten überhaupt nichts zurücklegen.

Die Überraschung: Engagement in Aktien

Um diese Ziele wie Altersvorsorge und Weiteres zu erreichen, haben viele Sparer ausgerechnet in der Coronakrise mit all den Katastrophe-Nachrichten ihr Engagement in Aktien verstärkt. 3,2 Prozent tätigten zum ersten Mal eine Anlage in Aktien, 7,2 Prozent verstärkten ihre Wertpapierkäufe. Wie bereits schon öfters berichtet, macht 2020 das Sparplanprinzip in Deutschland die Runde. Mit 62 Prozent war die Anlage in Aktien seit dem Ausbruch der Coronakrise das bevorzugte Investment, gefolgt von ETFs (39,8 Prozent), Investmentfonds (22,2 Prozent), Zertifikate (13,9 Prozent), ganz am Ende Anleihen und Optionsscheine. Sollten deutsche Anleger tatsächlich einmal antizyklisch ins Geschäft mit Aktien eingestiegen sein?

Fazit

Auch wenn das gesamte Finanzsystem in einer sehr angespannten Lage ist und man jederzeit mit heftigen Korrekturen rechnen muss (vor allem in den kommenden Jahren) ist die Fokussierung auf Aktien von neuen Anlegern vermutliche keine schlechte Entscheidung. Die finanzielle Repression läuft – und die Zinsen haben nach vier Jahrzehnten ihren Nullpunkt erreicht. Eine (Leit-)Zinsanhebung ist aus faktischen Gründen auf lange Zeit obsolet und Zinsanlagen ergeben (gewollt) keine Rendite.

Aber die Wirtschaft muss weiter laufen, wie nach jeder Krise – und viele Aktien werden ihren Wert behalten, viele Anleihen dagegen nicht. Keiner hat eine Glaskugel. Aber ohne Wirtschaft, keine Einkommen, keine Steuereinnahmen, kein funktionierender Staat und ……kein Aktienmarkt. Banal aber wahr.

In der Coronakrise entdecken die Deutschen plötzlich Aktien

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen