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Bedingungsloses Grundeinkommen: Ein plumpes Rechenbeispiel und das Problem der Finanzierbarkeit

Redaktion

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FMW-Redaktion

Wir hatten gestern einen Artikel zum hochkontroversen Thema Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) veröffentlicht. Neben einigen Kommentaren erhielten wir auch diverse Mails von Lesern. Deshalb möchten wir an dieser Stelle eine kurze und einfache Kalkulation durchführen, wie einen Finanzierung dieses Modells aussehen könnte. Natürlich erhebt dieses Modell keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit – es soll als Grundlage für weitere Diskussionen mit den Lesern dienen. Lassen wir mal den ganzen VWL-Firlefanz bei Seite und rechnen ganz einfach.

Bedingungsloses Grundeinkommen 1

1.000 Euro als Bedingungsloses Grundeinkommen für ALLE Bürger pauschal stehen als runde Summe in Deutschland oft in der Diskussion. Daher wollen wir einfach mal davon ausgehen, dass Deutschland (wenn es denn eines Tages so weit kommen sollte) jedem Bürger im arbeitsfähigen Alter ohne Bedingung pro Monat 1.000 Euro auszahlt.

43 Mio Arbeitende + 3 Mio Arbeitslose = 46 Mio Personen x 1.000 Euro BGE X 12 Monate = 552 Milliarden Euro BGE-Kosten pro Jahr.

Der derzeitige Bundeshaushalt für 2016 beläuft sich auf 317 Milliarden Euro. 127 Milliarden Euro davon gehen in das Ressort „Arbeit & Soziales“, also bisher auch Hartz 4 ! Ganz simplifiziert und grob gerechnet stehen also bisherige Sozialausgaben von 127 Milliarden Euro zur Verfügung, woraus zukünftig bei 1.000 Euro pauschales BGE 552 Milliarden Euro pro Jahr werden würden. Das ist das 4,3 fache. Sicher, durch dieses mehr vorhandene Geld im Umlauf würde mehr konsumiert, mehr Güter nachgefragt und produziert, wodurch das direkte und indirekte Steueraufkommen drastisch steigen würde. Aber würde es um 425 Milliarden Euro pro Jahr steigen? Wohl nicht mal ansatzweise! 425 Milliarden Euro ist nämlich die Differenz zwischen dem aktuellen Sozial-Etat und den oben vorgerechneten zukünftigen BGE-Kosten. Selbst der klügste Ökonom kann nicht durchkalkulieren, wie viele Steuermehreinnahmen durch das zusätzliche BGE-Geld für den Staat entstehen. Nehmen wir mal an die Steuern steigen um 100 Milliarden Euro. Wie treibt der Staat die fehlenden 325 Milliarden Euro ein? Richtig, er müsste die Steuern drastisch erhöhen. Holt er sie ganz einfach nur von den Spitzenverdienern? Dann müsste der Spitzensteuersatz wohl deutlich über 50% steigen. Aber dazu gleich mehr.

Verdient ein Niedriglohnempfänger bisher z.B. nur 900 Euro Netto im Monat, würde er mit BGE auf 1.900 Euro Netto kommen. Eine tolle Sache. Um das BGE zu finanzieren, müssten aber alle Steuerzahler drastische Steuererhöhungen in Kauf nehmen. Nehmen wir mal an dieser Geringverdiener würde mit mtl. 500 Euro zusätzlich belastet, dann hätte er mit 1.400 Euro Netto immer noch 500 Euro mehr als vorher. Tun wir einfach mal so als würde der Staat von den 43 Mio arbeitenden Menschen in Deutschland die 20 Mio mit den geringsten Einkommen mit „nur“ 500 Euro pro Monat mehr belasten um das BGE zu finanzieren. Das wären hochgerechnet 120 Milliarden Euro im Jahr. Aber eine Regierung, die das BGE einführt, würde den Geringverdienern wohl kaum die Hälfte des BGE´s durch Steuern gleich wieder wegnehmen.

Die mittleren oder wohl eher die oberen Einkommensgruppen müssten folglich den Großteil der BGE-Mehrkosten (200, 250 oder vielleicht 300 Milliarden Euro?) schultern mit drastisch steigenden Steuern. Folglich würde das BGE letztlich zu großen Teilen durch die Besserverdiener bezahlt – es würde sich somit letztlich gesehen um eine drastische Steuererhöhung für Spitzenverdiener handeln. Eigentlich doch genau das, was Linke, Grüne und Sozialdemokraten schon lange fordern.

Nur gibt es da in der Praxis einige Probleme: Belgien grenzt direkt an NRW, und die Schweiz + Österreich südlich an Baden-Württemberg und Bayern. Wenn Sie gutes Geld verdienen, und sollen zukünftig 60, 65 oder 70% ihres Einkommens als Einkommensteuer zahlen, wäre das für Sie noch eine gerechte bzw. erträgliche Relation? Würde ein Top-Verdiener z.B. aus München seinen Wohnsitz nicht kurz hinter die Grenze verlegen? Falls es so mancher vergessen hat: Zahlreiche vom deutschen Publikum hochbejubelte TV-Stars haben in den letzten Jahrzehnten schon ihren Wohnsitz von NRW direkt hinter die Grenze nach Belgien verlegt und pendeln täglich die paar Kilometer nach Köln. Somit fehlen deren Gelder um in Deutschland Lehrer und Polizisten zu bezahlen. Diese Entwicklung dürfte sich bei explodierenden Steuersätzen für Spitzenverdiener beschleunigen, und letztlich hätte der Staat auf der Einnahmeseite ein riesiges Problem.

Aber nimmt man an, dass diese Sorge vor Steuerflucht nur reine Einbildung ist, bleibt noch das rechtliche Problem. Das Bundesverfassungsgericht hatte im Jahr 2006 geurteilt, dass die Einkommens- und Gewerbesteuerlast mehr als die Hälfte der Erträge eines Steuerpflichtigen umfassen darf. Aus dem Eigentumsgrundrecht ließe sich keine allgemein verbindliche absolute Obergrenze von z.B. 50% Maximalsteuerlast ableiten. Vorher gab es beim obersten deutschen Gericht aber andere grundsätzliche Ansichten. Und das kann sich jederzeit wieder ändern bei Neubesetzungen des Gerichts. Auch wenn dies nicht passiert: Kann ein Bundesverfassungsgericht noch von einer gesunden Relation von Steuerbelastung und verbleibendem Nachsteuereinkommen sprechen, wenn dem Steuerbürger noch 30% übrig bleiben? Es wäre mehr als zweifelhaft, dass eine solche Einkommensteuerbelastung gerichtlich Bestand haben sollte. Aber das ist alles Zukunftsmusik.

Langfristig könnte wie gestern beschrieben eine neue Arbeitswelt mit zu wenig Arbeitsplatzangebot für zu viele Menschen dazu führen, dass sich die Gesellschaft auf irgendeine neue Art der Grundfinanzierung des Lebensunterhalts einigen muss.


9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    joah

    2. Februar 2016 16:58 at 16:58

    Sozialismus hat noch nie funktioniert: weder finanziell noch gesellschaftlich.

  2. Avatar

    Hans

    2. Februar 2016 17:09 at 17:09

    Das könnte funktionieren. (Nicht ganz ernst gemeint, aber interessant drüber nachzudenken. Vor allem, wenn man nicht damit ausgelastet ist für 50 Millionen + GR une Flüchtlinge das Geld zu erarbeiten)
    Stichwort Georg Schramm und sozialverträgliches Frühableben.

    Viel Vergnügen

  3. Avatar

    Nachtgeschirr

    2. Februar 2016 18:10 at 18:10

    Die Subventionen für Wirtschaft und Rüstung wären auch sehr hilfreich.

    Gegrüßt

  4. Avatar

    Jörg

    2. Februar 2016 18:31 at 18:31

    In geradezu feiger Weise umgeht der hier gemachte Vorschlag die Besteuerung der industriellen Firmen (Hersteller und Dienstleister). Ein „Olaf Henkel“ könnte diesen Vorschlag in einen dieser unsäglichen Talkshows gemacht haben!
    Aber der Fortschritt in der Automation wird doch gerade von der Industrie genutzt! Und es ist doch gerade dieser technologische Fortschritt, der zu höheren Profiten (und mehr Entlassungen) führt. Deswegen muß eine höhere Besteuerung muß doch auch gerade dort, bei der Industrie – Hersteller und Dienstleister (z. B. Banken) – ansetzen, und nicht bei ‚besserverdienenden‘ Bürgern!
    Hinzukommt, daß der technologische Fortschritt eine Leistung der staatlichen Gemeinschaft aller Bürger ist – und nicht der von Korporationen und stinkreichen (zumeist. ausländischen) Oligarchen, die diesen nutzen und die nach Vorschlag des Autors insoweit steuerliche völlig frei gestellt werden sollen. Warum will der Auto („FMW-Redaktion“) die Industrie nicht nur nicht steuerlich heranziehen, sondern ihr sogar noch die wirtschaftlichen Vorteile des laufenden technologischen Fortschritts (der allein eine gesellschaftliche Leistung seit vielen tausend Jahren ist – und uns Bürgern gehört!) völlig steuerfrei schenken??!!

    In meinem Gegenvorschlag „Welche Staatswirtschaft? (pdf-Datei: http://www.imagenetz.de/fc006578c/Welche-Staatswirtschaft_2.2.pdf.html ) hatte ich ausgeführt:
    4.4) Das ‚ABSCHÖPFEN‘ des dem Staat gehörenden technologischen Fortschritts
    4.4.1)… würde über eine „Marktnutzungssteuer“ erfolgen. Diese würde die unsinnige Mehrwertsteuer (warum soll die Schaffung eines „Mehrwertes“ steuerlich bestraft werden?) ersetzen und darauf abstellen, daß ein Verkäufer den nationalen (oder transnationalen -EWG) Markt für den Verkauf nutzen will. Ganz ähnlich wie man auch auf dem Wochenmarkt seine Stand erst aufbauen darf, wenn man die „Marktgebühr“ bezahlt hat. Da der Markt den Bürgern gehört, haben sie auch das Recht (durch ihren Staat) eine Vergütung einzuholen.
    … Dafür würde aber das Geld an die Bürger verteilt werden und sie hätten trotz der höheren Preise sogar deutlich mehr Geld übrig als heutzutage. Etwa so ähnlich wie im Schweden Olof Palmes: Die Schweden zahlten zwar erheblich höhere Steuern als alle anderen Europäer. Dennoch blieb ihnen nach den Steuern mehr im Portemonnaie zurück als allen anderen Europäern
    „.

    Auch löst der Autor („FMW-Redaktion“) das Problem nicht, daß „Starbucks“ die deutsche Steuerkasse umgeht, indem es in Luxemburg (niedrigst) versteuert. „Ikea“ versteuert (niedrigst) in den Niederlanden. Andere verlegen ihren Firmensitz nach Irland, um (fast) keine Steuer zu zahlen. ABER IHRE GESCHÄFTE MACHEN SIE HIER!
    Mit der „Marktnutzungsabgabe“ bekäme man das in den Griff: Da wo der „Markt“ genutzt wird, ist auch die Steuer zu zahlen, und fertig!

    Der Vorschlag des Autors („FMW-Redaktion“) verkennt auch, daß wir Bedarf an unzähligen Arbeitkräften haben. Arbeitskräfte, die eben nicht nur für lau ein BGE bekommen, sondern die auch arbeiten sollen. Es sind dies die Arbeitplätze, die unsere Regierungen bisher gnadenlos weggestrichen haben, weil „gespart“ werden müsse:
    1.) Wir brauchen für unsere Schulen eine riesige Zahl an weiteren, neuen Lehrern. Denn an unseren Schulen sieht es fürchterlich aus, weil schon seit Jahren ein Unzahl an Unterrichtsstunden wegen Mangels an Lehrern ausfällt (höre u. a. auch dazu Volker Pispers auf https://www.youtube.com/watch?v=WqW0sfm0Dbg ).
    2.) Wir brauchen viel mehr Hochschullehrer,
    3.) Wir brauchen unendlich viel mehr Polizisten, Geschäftstellenmitarbeiter in der Justiz, viel mehr (anständig bezahlte) Krankenpfleger, mehr Schuldnerberater, mehr Sozialarbeiter usw.

    Um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: Der vom Autor gemachte Vorschlag, der die geldscheffelnden Großkonzerne, Banken, Versicherungen, Oligarchen steuerlich praktisch völlig verschonen will, ist mir sehr verdächtig. OLAF HENNKEL – SIND SIE DAS?? Hauen Sie endlich ab!

    • Avatar

      Stephan Hezel

      7. September 2017 13:40 at 13:40

      Es gibt doch ein ganz einfaches MIttel, die nötigen Gelder aufzutreiben. Das haben Volker Pispers und Hagen Rether schon mehrfach erwähnt:
      Eine Finanztransaktionssteuer. Diese würde, weltweit umgesetzt, der Welt einen ordentlichen Schub an finanzieller Liquidität bringen. Von jeder Finanztransaktion (Überweisung, Aktienkauf bzw Verkauf, … usw) je 0,001Euro an den jeweiligen Staat überwiesen, in dem sie ausgeführt wird. Ich hab leider keine Zahlen, wieviele Transaktionen das sind pro Tag, aber übers Jahr sollte da schon eine erklägliche Summe zusammen kommen.

  5. Avatar

    Thomas

    3. Februar 2016 07:58 at 07:58

    Ich hatte ja in einem Kommentar zu einem vorherigen Beitrag zu einem BGE schon gepostet, dass es ein Grundeinkommen schon gibt in Deutschland, nämlich Hartz IV.
    Es ist aber richtig, es handelt sich nämlich nicht um ein bedingungsloses Grundeinkommen, einige Bedingungen sind zu erfüllen. Diese sind aber teilweise so gering oder werden nicht (richtig) durchgesetzt, dass es meiner Meinung nach durchaus wieder bedingungslos genannt werden kann.

    Außerdem möchte ich noch etwas hinzufügen.
    Auch hier auf FMW wurde ein Beitrag von der Schere zwischen arm und reich gepostet, die immer weiter auseinander geht. Ich will jetzt nicht behaupten, dass ein BGE dem entgegenwirken würde oder könnte. Es ist aber durchaus zu überlegen, ob eine höhere Besteuerung der Reichen (Einzelpersonen, Firmen, mir egal) früher oder später nicht sein muss, damit der soziale Frieden gewahrt bleibt.

  6. Avatar

    Helmut Josef Weber

    3. Februar 2016 08:52 at 08:52

    Wenn ca. 85% der Deutschen die Parteien wählen, die dafür gesorgt haben, dass ein Deutscher Rentner, der 45 Jahre im Schnitt 2.000,00 Euro im Monat verdient hat (etwa 40% der Bevölkerung) nur noch eine Rente erhält, die unter der Grundsicherung liegt, dann kann ich nur noch sagen: Selber schuld.
    Ich denke, zu ändern wäre etwas in Deutschland, wenn jeder Deutsche, der zur Wahl gehen möchte, nachweisen muss, dass er den Test bestanden hat, den ein Ausländer bestehen muss, wenn er Deutscher werden will.
    Aber das werden die Politiker, die den Menschen in Deutschland immer mehr den Hals abwürgen, niemals zulassen.
    Nach 4 Jahren der Zwangsberieselung durch das Regierungsfernsehen, ab zur Wahl.
    Dort kann der berieselte Bürger seine Stimme dann im wahrsten Sinne des Wortes „abgeben“ und sie verschwindet in einer „Urne“.
    Danach bestimmen die Anderen über die Menschen ohne Stimme.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  7. Avatar

    Martin Finger

    3. Februar 2016 18:09 at 18:09

    Ich habe einen anderen Vorschlag. Statt über eine Finanzierung zu sprechen, fragen Sie doch mal in welcher Welt die Menschen leben wollen und ob die Güter welche über ein Grundeinkommen verfügbar gemacht werden nicht ohnehin bereits vorhanden sind.

    Dann können wir darüber sprechen, wie wir den Zugang regeln wollen. Soll der Zugang dadurch geregelt legitimiert werden, dass jemand mindesten 40h pro Woche irgendetwas macht, dabei Ressourcen verbraucht und die Umwelt schädigt, um am Monatsende ein paar Zahlen auf ein Konto zu bekommen, damit er dann Lebensmittel, Kleidung, Wohnung und andere Dinge bezahlen kann?

    Ich sehe es sehr pragmatisch und verfolge die Idee eines freiwilligen Grundeinkommens unter Verwendung einer Komplementärwährung. Wer gerne mehr darüber wissen möchte, findet meine Vorträge unter den Suchworten Credere und Grundeinkommen.

  8. Avatar

    Dieter G.

    7. September 2017 14:14 at 14:14

    Immer wieder super zu lesen:

    Alle schreien (nebst FMW-Redaktion): „…es muss sich was ändern…“

    Ändert sich dann etwas bzw. kommen diskussionsfähige Themen auf den Tisch, dann:

    Schreien Alle: „…Weltuntergang…crash…wie soll das gehen…blabla…blabla….blabla…Tesla ist doof…“

    Am Ende stehen wir dann Alle wieder dort, wo wir angefangen haben. Am Anfang. Ist das nicht eine wunderbare Welt, wo ein lösbares Problem mit einer nicht lösbaren Antwort vom Tisch gefegt wird, um einem anderen lösbaren Problem Platz zu machen?

    Ach übrigens, derzeit behebt Microsoft auf meinem Rechner ein Problem, welches nicht gelöst werden konnte, und mir nun eine Problemlösung per Link anbietet, wo dieses Problem natürlich nicht gelöst, aber zumindest besprochen wird. Schließlich soll ich ja nicht doof sterben. Die haben´s verstanden :-) :-) :-)

    Problematische Grüße

    Dieter

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Autoindustrie: Zulieferer bauen massenweise Stellen ab

Claudio Kummerfeld

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am

Autos am Abstellplatz - Zulieferer der Autoindustrie mit Stellenabbau

Die deutsche Autoindustrie steht vor dem Doppelproblem der Coronakrise sowie des Strukturwandels, hin zu E-Autos und Brennstoffzelle. Die Krise hatte aber schon vor dem Ausbruch des Coronavirus begonnen. Seit Monaten läuft die Welle der Entlassungen in der Autoindustrie. Von der breiten Öffentlichkeit wenig beachtet, sind es vor allem die Zulieferer, die in großem Stil Stellen abbauen. Hier ein paar Beispiele von den ganz Großen der Branche.

Zulieferer der Autoindustrie mit massivem Stellenabbau

Einer der Giganten der Zulieferer für die deutsche Autoindustrie ist Continental. Erst Anfang September verkündete man den Abbau von 30.000 Stellen, 13.000 davon alleine in Deutschland (bislang 59.000 Mitarbeiter in Deutschland). Dazu hier nur ein ganz kurzer Auszug aus der Meldung von Continental:

Die gesamte Autoindustrie hat derzeit gewaltige Herausforderungen zu bewältigen. Keine ihrer Krisen der vergangenen 70 Jahre war größer und schärfer. Sie trifft die Zulieferer besonders hart. Sie verlangt uns kurzfristig schon sehr viel ab und fordert uns auf Jahre bis zum Äußersten. Nach etwa einem Jahrzehnt des schnellen, profitablen Wachstums und Beschäftigungsaufbaus entlang des bisherigen Wachstumsmodells der Autoindustrie richten wir uns jetzt auf eine neue Art des Wachstums mit Zukunftstechnologien aus.

ZF Friedrichshafen

Das Unternehmen ZF Friedrichshafen ist ebenfalls einer der ganz großen Zulieferer in der Autoindustrie. Auch hier werden laut Meldung des Unternehmens Stellen abgebaut. Aber das Anbieten von Abfindungen, Altersteilzeit etc klingt doch besser als Entlassung? Zitat vom Unternehmen:

In Deutschland hat das Unternehmen dazu den „Tarifvertrag Transformation“ mit der Arbeitnehmervertretung und den Gewerkschaften geschlossen. Er sieht vor, dass ZF bis Ende 2022 keine betriebsbedingten Kündigungen ausspricht und keine Standorte in Deutschland schließt. Im Gegenzug erhält das Unternehmen die Möglichkeit, die Arbeitszeiten von Tarifmitarbeitern um bis zu 20 Prozent zu reduzieren und gezielt Abfindungs- und Altersteilzeitpakete in Deutschland anzubieten. Seit Mitte des vergangenen Jahres hat ZF weltweit 5.300 Stellen abgebaut, davon allein 3.800 seit Jahresbeginn.

Mahle

Erst gestern hat der Autozulieferer Mahle verkündet 7.600 Stellen streichen zu wollen, 2.000 davon in Deutschland. Man habe seine Geschäftseinheiten, Regionen und Standorte eingehend bewertet und globale Überkapazitäten von 7.600 Stellen ermittelt, so drückt man es aus. Aus den folgenden Worten des Unternehmens kann man entnehmen, dass die Lage in der deutschen Autoindustrie wohl doch dramatischer ist, als man es annehmen möchte. Zitat Mahle:

Bereits im letzten Jahr hatte MAHLE vor dem Hintergrund des technologischen Wandels in der Automobilindustrie und eines anspruchsvollen Marktumfeldes umfassende Kostenspar- und Restrukturierungsprogramme eingeleitet. Durch die massiven Einbrüche der internationalen Märkte und die anhaltend niedrigen Kundenabrufe als Folge der Corona-Pandemie hat sich der Handlungsdruck nochmals deutlich verschärft. MAHLE prognostiziert eine Rückkehr der Fahrzeugmärkte zum Vorkrisen-Niveau erst in mehreren Jahren. Zugleich bleibt das Vorantreiben der technologischen Transformation unerlässlich.

Schaeffler

Auch Schaeffler ist ein Großer der Branche. Bis Ende 2020 will man weitere 4.400 Stellen in Deutschland und Europa abbauen. Betroffen sind der Stammsitz in Herzogenaurach, sowie elf weitere Standorte in Deutschland und zwei im Ausland. Für die Standorte Wuppertal und Clausthal-Zellerfeld wird eine Komplettschließung nicht mehr ausgeschlossen, so Schaeffler in seiner Mitteilung vom 9. September. Neben Mahle erkennt man auch in den Aussagen von Schaeffler klar, dass die Krise der Autoindustrie und ihrer Zulieferer schon lange vor der Coronakrise begann. Zitat:

Der weltweit tätige Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler hatte bereits im Jahr 2018 angesichts der sich abzeichnenden technologischen und regulatorischen Veränderungen sowie geänderter Kundenanforderungen begonnen, seinen europäischen Werkeverbund anzupassen, die Organisation zu verschlanken und stärker auf die Bedürfnisse der Sparten auszurichten. Vor diesem Hintergrund wurde im November 2018 die Präsenz in Großbritannien um drei Standorte reduziert. Zudem wurde im Frühjahr 2019 in der Sparte Automotive OEM das Effizienzprogramm RACE etabliert, dem im Verlauf desselben Jahres die Spartenprogramme GRIP (Automotive Aftermarket) und FIT (Industrie) folgten. Im Rahmen von RACE wurden seitdem unter anderem die drei Automotive-Standorte Hamm, Unna und Kaltennordheim verkauft. Ferner wurde im September 2019 noch vor Ausbruch der Coronakrise ein zusätzliches Freiwilligenprogramm aufgelegt, das sich aktuell in der Umsetzung befindet. Die Zahl der Beschäftigten der Schaeffler Gruppe hat sich seit Ende 2018 um rund 8.250 Stellen von 92.478 auf 84.223 per Ende Juni 2020 verringert, was einem Rückgang um knapp 9 Prozent entspricht. Die genannten Maßnahmen sind dabei bisher nur teilweise in den Beschäftigtenzahlen reflektiert.

Bosch

Auch bei dem Giganten der Branche Bosch tut sich in Sachen Stellenabbau und Werksschließungen so einiges. Wir verweisen an dieser Stelle auf folgende Berichte der FAZ sowie auf regionale Berichte (hier und hier).

Transformation und neue Jobs in der Autoindustrie?

Es fallen also hunderttausende Stellen in der Autoindustrie weg, was offenbar die Zulieferer richtig hart trifft. Glaubt man den Unternehmen, dann ist es Teil der großen Transformation hin zu E-Mobilität etc, wo einfach weniger Beschäftigte in der Produktion benötigt werden (vereinfacht ausgedrückt). Dazu kommt derzeit noch die Auto-Krise, die offenbar schon 2018 begann, sich 2019 verschlimmerte, und in welcher die Coronakrise als Brandbeschleuniger fungierte. Da stehen nun Mengen an qualifizierten Facharbeitern. Wohin mit ihnen, wenn sie offenkundig auf Sicht von Jahren in der Autoindustrie keinen neuen Job mehr finden werden? Das ist wohl die wichtigste Frage. Da bei solchen Stellenstreichungen erstmal verhandelt wird, Sozialpläne erstellt werden etc, sehen wir die meisten dieser Entlassenen wohl jetzt noch nicht in den Arbeitslosenstatistiken. Werden sie in einer Nach-Corona-Welt neue Betätigungsfelder in neuen Industrien finden können? Wird die Industrie stark und innovativ genug sein, um neue Stellen zu schaffen? Denn trotz aller „Zukunftsprogramme“, sollte man sich nun wirklich nicht auf die Politik als Schaffer neuer Arbeitsplätze oder neuer Industrien verlassen!

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Zombieunternehmen: Steuergeld für ein Fass ohne Boden? Hier ein mögliches Beispiel

Claudio Kummerfeld

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am

Was sind Zombieunternehmen? Wir beschäftigen uns öfters mit diesem Themenkomplex, siehe beispielsweise hier oder hier. Nun, der eine sagt dies sind Unternehmen, die so wenig Gewinne machen, dass sie nicht mal ihre Zinskosten aus ihren Gewinnen begleichen können, und dass sie die letzten Jahre nur deswegen überlebt haben, weil die EZB die Zinsen abgeschafft hat, und so ziemlich jedes Unternehmen extrem günstig an Geld kommt. Der andere sagt, dass Zombieunternehmen so zu definieren sind, dass sie jahrelang konstant nur Verluste erwirtschaften, und dass auch keine Aussicht auf Besserung besteht – und dass diese Unternehmen sich gerade in Corona-Zeiten mit Kurzarbeitergeld, Aussetzung des Insolvenzantragspflicht und sonstigen Hilfsmaßnahmen noch mal weiter Zeit erkaufen, um nicht dicht machen zu müssen.

Nur Verluste

Ob das folgende Unternehmen tatsächlich ein Zombieunternehmen ist? Schon mal was von dem Unternehmen Outfittery gehört? Bei diesem reinen Internet-Anbieter können sich Männer nach einem kurzen Style-Check persönlich zusammengestellte Kleiderpakete nach Hause schicken lassen. Outfittery wählt aus zahlreichen Modemarken Stücke aus, die nach den Präferenzen der Kunden womöglich am besten zu ihnen passen. Die Preise sollen nicht dramatisch teurer als im Einzelhandel sein. Tja, nun kann man sich fragen, ob die Kundschaft von dem Konzept all zu begeistert ist, und ob die willigen Konsumenten sich nicht zu sehr eingeengt fühlen, wenn ein Anbieter ihnen komplette Outfits per Post schickt. Will man sich nicht lieber selbst einzelne Stücke aussuchen, anstatt quasi bevormundest zu werden von einem Anbieter, der versucht zu erahnen, was einem gefallen könnte? Aber gut, das ist der freie Markt, und niemand wird gezwungen dort Kunde zu werden.

Das „am Leben halten“ von Zombieunternehmen bewirkt letztlich, dass der normale Prozess der freien Marktwirtschaft nicht funktioniert. Das Erstellen und Versenden von Kleiderpaketen ist ein gutes Beispiel. Nehmen genug potenzielle Kunden dauerhaft diesen Service in Anspruch? Falls nicht, verschwindet diese Idee vom Markt, und andere Ideen können sich entfalten. Aber wie jüngste Berichte (zum Beispiel im Manager Magazin) zeigen, hat das vor acht Jahren gegründete Unternehmen Outfittery noch nie Gewinne erwirtschaftet, und seitdem 60 Millionen Euro Verlust angehäuft. Auch der jüngste Umsatzschub sei nur durch eine Fusion mit einem vergleichbaren Anbieter zustande gekommen – der aber ebenfalls defizitär ist. Laut MM kämpft Outfittery ums Überleben.

Outfittery braucht derzeit wohl dringend 10 Millionen Euro. Angeblich sollen wohl Bestandsinvestoren von Outfittery um „HV Holtzbrinck Ventures“ frisches Geld nachschießen. Und dann gebe es ein sogenanntes „Matching“ aus dem Corona-Rettungsfonds der Bundesregierung, welcher von der staatseigenen KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) verwaltet wird. Bis zur Hälfte der von Outfittery erhofften Finanzierung könnte dann vom Staat kommen. Schon die Info-Seite der Bundesregierung sagt es. 2 Milliarden Euro will der Bund „Startups“ und „jungenTechnologieunternehmen“ zukommen lassen.

Zombieunternehmen oder förderungswürdiges „Startup“?

Jetzt ist nur die Frage: Ist Outfittery, ein Unternehmen das acht Jahre am Markt ist und noch nie Gewinne gemacht hat, noch ein junges, dynamisches, hippes und förderungswürdiges „Startup“? Oder handelt es sich um eines von unzähligen Zombieunternehmen? Vielleicht entspricht es nicht der klassischen Definition, weil Gelder bisher von privaten Investoren kamen, die auch bei jahrelangem Verlust die Wachstumsphase pushen wollten? Und wer weiß, vielleicht wird daraus doch noch eine Erfolgsgeschichte? Schließlich produzierte Amazon ja auch eine Ewigkeit nur Verluste – aber dort stimmte die Wachstumsstory.

Aber in diesem speziellen Marktsegment von Outfittery, da darf zumindest die Frage erlaubt sein, ob hier wirklich der Staat mit Steuergeldern einspringen sollte. Für klassische Corona-Hilfen kommt so ein bereits vorher defizitäres Unternehmen nicht in Frage. Aber dann geht es halt um die Frage, ob die KfW dieses „Projekt“ in die Schublade „Startup“ packt, und es als förderungswürdig betrachtet im Sinne des Startup-Fonds.

Beispielfoto einer Outfittery Box - ein Zombieunternehmen?
Foto einer Outfittery Box. Foto: OUTFITTERY

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Fed: Tiefzins und Geldvermehrung ohne Ende – ein Kommentar

Die Fed steht mit ihrer inflationären Geldpolitik nicht allein da. Der „große Gorilla“, der weltweit im Raum steht, hat einen Namen: Geldentwertung!

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Auf seiner zweitägigen Sitzung hat der Rat der US-Zentralbank (Fed) beschlossen, den Leitzins unverändert bei 0,00–0,25 Prozentpunkten zu lassen; diese Entscheidung war im Vorfeld erwartet worden.

Die Fed signalisiert mit ihrer neuen Zinsprognose, dass sie den Leitzins bis Ende 2023auf dem aktuellen Niveau halten wird.

Die Wachstumsraten für das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) sieht die Fed nunmehr etwas optimistischer: Im laufenden Jahr wird es um 3,7% gegenüber dem Vorjahr fallen (Juni-Schätzung: -6,5% J/J); und für 2021 wird ein Wachstum von 4,0% J/J erwartet (Juni-Schätzung: 5,0% J/J).

Die jahresdurchschnittliche Konsumgüterpreisinflation wird auf 1,2% in 2020 und auf 1,7% in 2021 geschätzt (nach 0,8% beziehungsweise 1,6% in der Juni-Schätzung).

Das Aufkaufen von Schulden in großem Stil (also das Ausweiten der US-Dollar-Geldmenge) geht natürlich weiter, ließ die Fed wissen.

Soweit der „Fed-Sprech“.

 

LOCKDOWN-KATASTROPHE

Die US-Wirtschaft ist nach wie vor schwer angeschlagen – auch wenn sie sich aus dem tiefen Absturz herausarbeitet, den der politisch diktierte Lockdown verursacht hat.

So betrugen die Erstanträge für Arbeitslosenhilfe bis zum 4. September 2020 immer noch 884.000 – und waren damit mehr als doppelt so hoch wie im Durchschnitt seit 1967.

Das US-Haushaltsdefizit wird vermutlich 3,3 Billionen US$ in 2020 betragen – das wären schwindelerregende 16 Prozent des US-Bruttoinlandsproduktes.

Um die Haushaltslöcher zu finanzieren, schafft die Fed neue Dollar „aus dem Nichts“. Das erklärt auch, warum die US-Geldmengen derzeit so stark wachsen:

Ende August 2020 betrug die Jahreswachstumsrate der Geldmenge M1 (Bargeld und Sichtguthaben bei Banken) 40,9%, die der Geldmenge M2 24,2%.

Die „Überschussgeldmenge“, die sich dadurch aufbaut, ist gewaltig – denn die US-Produktion ist massiv eingebrochen.

Die Äußerung von Fed-Chef Jerome H. Powell in der Pressekonferenz signalisierten: Eine Abkehr von der extremen Tiefzinspolitik ist nicht in Sicht – und dass wohl nicht nur wegen der Präsidentschaftswahl im November dieses Jahres.

Die Folge ist absehbar: Die Kaufkraft des US-Dollar wird leiden, weil die Konsumgüter- und/oder Vermögenspreisinflation anziehen wird.

Die Fed steht mit ihrer inflationären Geldpolitik nicht allein da. Die Europäische Zentralbank (EZB), die Bank von Japan und Bank von England folgen ihr auf dem Fuße.

Der „große Gorilla“, der weltweit im Raum steht, hat einen Namen: Geldentwertung.

Genau darauf zielen die Zentralbanken ab: das Schuldgeldsystem mit neu geschaffenem Geld vor dem Zusammenbruch zu bewahren, es zu inflationieren.

AUF GOLD UND SILBER SETZEN

Nach der hitzigen Aufwärtsbewegung, die ab etwa Mitte Juli 2020 einsetzte, haben der Gold- und Silberpreis leicht korrigiert; der langfristige Aufwärtstrend ist aber weiter intakt.

Die Aussicht auf weiterhin extrem niedrige Zinsen, stark steigende Geldmengen und ein Anziehen der Teuerungsraten – und zwar für Konsumgüter- und/oder Vermögenspreise – geben den Preisen für Gold und Silber weiter Rückenwind.

Die Fed sorgt für eine Entwertung des Dollars

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