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Venezuela´s Versuche, volle Öl-Lager und Wetten auf fallende Preise

FMW-Redaktion

Der venezuelanische Ölminister trommelte auch letzte Woche mit voller Kraft für eine Fördemengen-Reduzierung bei der Ölproduktion. Mehrere Länder innerhalb und außerhalb der OPEC seien für ein Treffen bereit um dieses Thema zu besprechen. Aber bisher wie immer Pustekuchen. Gäbe es wirklich konkrete Bestätigungen aus Russland oder aus Riad, dass man eine Absprache mit anderern Förderern für eine Reduzierung treffen könnte (!), wäre der Ölpreis drastisch nach oben gesprungen. Nach wie vor bleibt das Hauptproblem, das offiziell niemand ansprechen will. Nicht der Iran ist das Problem, nicht Russland, nein.

Die USA sind das Hauptproblem. Alle großen Produzenten können, wenn sie denn wollen, ihre Fördermenge zentral staatlich steuern, nur die USA nicht, da die Ölproduktion hier marktwirtschaftlich dezentral durchgeführt wird durch hunderte private Ölproduzenten. Und die agieren schon seit Monaten mehr als irrational. Sie müssten nämlich ihre Fördermenge reduzieren, da sie mit der zusätzlich auf den Markt gekommen Menge an Fracking-Öl der Hauptverursacher für den Ölpreis-Absturz waren.

Aber wie die jüngsten Daten zeigen, pumpen die Amerikaner weiter auf Rekordniveau. So sind die Öl-Lagerbestände in den USA letzte Woche sogar auf über 500 Millionen Barrels gestiegen – damit liegen sie 130 Mio Barrels über dem Durchschnitt der letzten 5 Jahre! Paradoxerweise sind laut aktuellster Daten vom Freitag die rig Counts, also die Anzahl aktiver Öl-Bohrstellen in den USA, um 31 auf 467 gefallen. Damit ist man so tief gefallen, dass man das Niveau vom Beginn des Fracking-Booms in den USA aus 2010 erreicht hat. Dennoch wird weiter auf Rekordniveau produziert und die Lager quellen über. Das heißt: Durch den technischen Forschritt können die Produzenten einzelne Bohrstellen deutlich effektiver ausquetschen als früher.

Die Trader am Terminmarkt scheinen der angeblichen Trendwende auf der Angebotsseite, die Venezuela gerne herbeidichten möchte, immer noch nicht zu trauen. Laut jünsten Daten der CFTC sind letzte Woche die Wetten auf fallende Ölpreise (in Futures + Optionen) an US-Terminmärkten um 17.299 Kontrakte gestiegen, die Wetten auf steigende Kurse aber nur um 12.051 Kontrakte. Per Saldo gibt es immer noch einen Überhang für die Long-Seite, aber wie gesagt, kurzfristig wettet der Terminmarkt-Zocker gerade etwas mehr Richtung fallende Kurse! Und auch ist wichtig zu beachten: Das Tradingvolumen befindet sich derzeit auf Rekordniveau. Der Markt sucht nach eine Entscheidung bzw. verlangt nach einer: Gibt es endlich eine global angestimmte Reduzierung der Fördermenge, oder pumpen sich alle gegenseitig in den Ruin?



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