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Das totale Versagen von „Quantitative Easing“ in Zahlen

Redaktion

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FMW-Redaktion

Es ist ein offenes Geheimnis, dass das „Quantitative Easing“ (QE), also die Anleihekaufprogramme der Notenbanken nicht funktionieren, auch wenn diese konstant das Gegenteil behaupten. Ein Schwergewicht der US-Analystenszene hat jetzt Daten veröffentlicht, die aus seiner Sicht das totale „Quantitative Failure“ besser illustrieren sollen…

Alan Greenspan
Alan Greenspan, von 1987 bis 2006 Chef der Federal Reserve, war nach Meinung vieler Beobachter der Auslöser der Zinssenkungsspirale und gilt vielen damit als einer der Hauptverantwortlichen der negativen Folgen. Foto: White House photo by Shealah Craighead – Whitehouse.gov / Gemeinfrei.

„Quantitative Failure“ bedeutet soviel wie Quantitatives Scheitern. Damit soll das totale Scheitern der Politik der weltweiten Notenbank-Community seit der Finanzkrise 2008 ausgedrückt werden. Die (wie zuletzt Mario Draghi) sind felstenfest davon überzeugt, dass ihre Flutung der Kapitalmärkte mit Notenbankengeld funktioniere. Michael Hartnett, Chefstratege der Bank of America Merrill Lynch hat in einem Schreiben an Kunden das aus seiner Sicht brutale Versagen in Zahlen zusammengetragen.

Er sagte es sei egal ob es nun die Geldschwemme an sich sei, oder z.B. die negativen Zinssätze in Europa oder Asien. Die deflationären Tendenzen des „Quantitative Failure“ würden die Finanzmärkte jagen. Eine jahrelange finanzielle Repression würde nun in schwachem Wirtschaftswachstum enden, welches zunehmend dazu führe, dass Anleger gegen das QE an sich aufbegehren würden.

Seit der Implosion von Bear Stearns in März 2008 habe es weltweit insgesamt 637 Zinssenkungen gegeben. Was für eine Zahl! Durch die Anleihekaufprogramme von Notenbanken weltweit seien seitdem insg. 12,3 Billionen US-Dollar in die Märkte geflossen. Durch die sinkenden Zinsen seien bei Anleihen 8,3 Billionen Dollar verloren gegangen. Und, was ja auch kein Geheimnis ist: Die Inflationserwartungen in den USA und in Europa würden jetzt unter das Niveau vor der Finanzkrise 2008 fallen. Eine der besten Wiederbelebungen von Deflation sei es, wenn das nominale BIP-Wachstum von entwickelten Ländern in den letzten 26 Quartalen nur um 11% gestiegen sei.

Gerade bei den Inflationserwartungen mag man sich bei der Zahl von 12,3 Billionen Dollar zusätzlich (!!!) erschaffenem und in den Markt gepumptem Geld schon fragen: Wo ist die Inflation geblieben? Mit so viel Geld muss doch eigentlich Inflation entstehen, mehr Produktion, mehr Konsum usw usw usw? Oder etwa nicht Herr Draghi?

Harnett erwähnt ebenfalls als „Resultat der QE´s“: Jetzt gäbe es einen Bärenmarkt bei Aktien, einen Bärenmarkt bei Rohstoffen, und beispielhaft führt er zum Thema Anleihen die zweijährige schweizerische Staatsanleihe an, mit einer Rendite von -0,93% die am schlechtesten verzinste Staatsanleihe weltweit.

Seit der ersten Zinsanhebung der Fed vor genau zwei Monaten haben die Banken weltweit 686 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung eingebüßt, so Harnett. Der Grund für die Abstürze liege in der engeren Liquidität und den schlechteren Zinskonditionen, die mit höheren Zinsen aufkommen würden. Nach sechs Jahren QE´s und einem Bärenmarkt für Bankaktien könne man schlussfolgern, dass das QE an der Aufgabe die Deflation zu bannen, gescheitert sei.

Er zieht auch eine Parallele zum LTCM-Desaster Ende der 90er-Jahre, wo der Hedgefonds LTCM fast zu einem Finanzkollaps geführt hätte. Genau wie damals sei ein Bullenmarkt und eine ökonomische Erholung durch eine Asienkrise unterbrochen worden. Auch gäbe es die Parallele, dass die Spreads zwischen normalen und Hochzinsanleihen weiter auseinandergehen würden, ein kollabierender Ölpreis und die Tatsache, dass in Unternehmensgewinnen ein Höhepunkt erreicht sei – nicht zu vergessen das deftige Leben der Unternehmen auf pump – kein Wunder so meinen wir, bei dem sesationellen Nullzins-Umfeld für Unternehmen. Wer greift da nicht gerne zu, um z.B. relativ sinnfrei auf Kredit eigene Aktien zurückzukaufen?

Harnett´s Ratschlag an Anleger? Weiterhin viel Cash und Gold halten, und auf Volatilität spekulieren. (Anm.d.Redaktion: Futures, Optionen…). Abschließend kann man sich bei diesen Dimensionen wirklich fragen: Wo ist sie geblieben die Inflation, Herr Draghi, Frau Yellen, Herr Kuroda?

9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    leser

    15. Februar 2016 14:22 at 14:22

    Es ist eine Frage der Perspektive: Aus Sicht der Anleihehalter, denen die EZB eine Abschreibung erspart und bestimmt auch noch einen Kurs über Marktpreis bietet, funktioniert das „Easing“ ganz easy…

  2. Avatar

    winni

    15. Februar 2016 14:23 at 14:23

    Es wäre mal interessant zu erfahren, was „wenn“ gewesen wäre. Wenn das QE nicht betrieben worden und die Notenbanken und Staaten nicht die Banken gerettet hätten. ;-)

    Freundliche Grüße

    • Avatar

      joah

      15. Februar 2016 15:10 at 15:10

      *puff*

      jetzt hingegen: *zisch* und später erst *puff*

  3. Avatar

    Helmut Josef Weber

    15. Februar 2016 17:07 at 17:07

    Naja- in dem Buch über die Regeln der EZB wird wohl genau so viel Blödsinn geschrieben stehen, wie in unserem Grundgesetz, nur damit die Seiten voll werden.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  4. Avatar

    andy

    15. Februar 2016 20:19 at 20:19

    wo die inflation geblieben ist? in den aktienmärkten, wo man den dax nach der krise eben mal wider auf fast das dreifach aufgebläht hat.

  5. Avatar

    Georg Lehle

    15. Februar 2016 22:26 at 22:26

    Die “Financial Times” berichtete 2009, dass eine Studie der US-Zentralbank “FED” zum Ergebnis kam, dass der ideale Zinssatz für die US-Wirtschaft -5% wäre. Grundlage der Einschätzung war die geringe Inflation und die hohe Arbeitslosigkeit. Die Minus-Zinsen wurden anhand der “Taylor Regel” errechnet, die nach dem US-Ökonomen John B. Taylor benannt ist.
    http://friedensblick.de/16512/studie-der-us-zentralbank-fed-wirtschaft-braucht-minus-zinsen-von-5-prozent/
    Durch Minus-Zinsen würden die Schuldner entlastet werden.

    Der Hintergrund der Finanzkrise ist die wachsende ungleiche Vermögensverteilung, aufgrund des Zinses-Zins-Effektes und der Aneignung von Grund und Boden. Es sollte besser von einer Verschuldungskrise gesprochen werden, wo Zins- Pacht-, Mietsklaven vermehrt ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können.

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Klarer Trend: Die Risiken nehmen weltweit zu – Werbung

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Lieber Börsianer,

was ist in dieser Frage eigentlich Ihre Meinung? Wird die Welt, wird unser Lebensumfeld nicht pausenlos gefährlicher? Denken Sie einmal an den Klimawandel oder an die Corona-Pandemie! Oder stellen Sie sich einmal vor, in Deutschland fällt das Internet nur für zwei Stunden aus? Die Konsequenzen für unser digitalisiertes Leben wären verheerend. In den Städten würden die Verkehrsleitsysteme kollabieren, viele Ampelanlagen würden nur noch blinken, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Tatsächlich aber ist unser Leben nicht gefährlicher als früher. Auch zu Kaisers Wilhelms Zeiten kannte die Menschheit schon Naturkatastrophen, Finanzkrisen oder etwa Krieg und auch Terrorismus.

Trotzdem haben wir in den letzten Jahren einen fundamentalen Wandel erlebt, der für uns alle, für Unternehmen und sogar für Staaten eine neue bisher unbekannte Risikodimension bedeutet.

Ein plattes Beispiel: Wenn vor hundert Jahren der Busch in Kalifornien brannte, was er auch damals schon tat, wurden einige Blockhütten vernichtet. Wenn dort heute Waldbrände wüten, sind Städte und große Unternehmensanlagen im Milliardenwert bedroht. Und das ist der springende Punkt: Die Gefahr war immer schon da, nur das Risiko des erheblichen Vermögensverlustes war weit geringer.

Heute sind durch eine Wetterkatastrophe, eine Pandemie oder auch eine Finanzkrise immer gleich Milliardenwerte bedroht. Vor diesem Hintergrund haben sich schon Ende des vergangenen Jahrhunderts Dienstleister oder Unternehmen mit der Risikoanalyse befasst. Ein bekanntes Unternehmen dieser Branche ist etwa der US-Risikoanalyst Moody´s, der sein Geld vorwiegend in der Finanzbranche verdient. Daneben bieten Unternehmen wie SAP, Oracle oder IBM verschiedene punktuelle Risikomodelle für Ihre Unternehmenskunde an.

Alle diese Unternehmen rechnen US-Investoren dem „Global Risk Market“, also dem Markt für Risikoanalyse zu. In Europa ist dieses spannende Segment leider noch wenig bekannt und etwas unterbelichtet. Das ist schade, denn dieses Segment wächst seit Jahren ganz erheblich und vor allem sehr stetig, wie Sie sich sicherlich ausmalen können.

Warum diese Aktie praktisch immer steigt

Mein persönlicher Favorit aus diesem Marktsegment ist ein US-Unternehmen, dass seine Wurzeln ursprünglich in der Versicherungsbranche hat. Damals schlossen sich die großen US-Versicherer und Warren Buffett zusammen, um quasi eine eigene Risikoabteilung zu gründen, da Versicherungsrisiken zunehmend schwieriger zu kalkulieren waren. Das Unternehmen sammelte zunächst Daten und entwickelte schließlich ein einzigartiges Prognosemodell, damit Versicherungsrisiken prognostizierbar wurden.

Heute arbeitet der Risikoanalyst auch für Banken und zählt ausnahmslos alle westlichen Kreditkarten-Unternehmen zu seinen Kunden. Wir alle haben in der Finanzkrise erfahren, was passiert, wenn Finanzdienstleister ihre…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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Tesla: Elon Musk enttäuscht, Aktie fällt – bald schon Schnee von gestern?

Claudio Kummerfeld

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Innenansicht eines E-Autos von Tesla

Gestern gab es neben der Hauptversammlung auch den so groß erwarteten „Battery Day“ bei Tesla (hier dazu der gestrige Video-Kommentar eines Analysten). Kurz gesagt: Es war eine Enttäuschung. Analysten erwarteten für gestern von Tesla die Verkündung einer Batterie, die 10 Jahre oder länger halten könnte. Und es wurden konkrete Ziele für Kostensenkungen erwartet.

Tesla-Chef Elon Musk enttäuscht

Was Elon Musk verkündete, war einmal mehr gut verpackt seine Art von Marketing. Etwas Großes und Wundervolles ankündigen, was sich beim genaueren Hinschauen doch eher als Luftnummer entpuppt, als weit entfernter Traum, der noch gar nicht konkret greifbar ist. Genau so könnten BMW oder VW ihre neuesten noch weit entfernten E-Auto-Pläne hier und heute als Sensation verkaufen. Tesla will nämlich ein E-Auto für 25.000 Dollar bauen. Man versprach in den nächsten Jahren die Batteriekosten mit neuen Technologien und Verfahren um die Hälfte zu reduzieren, und so ein erschwingliches E-Auto anbieten zu können. Aber, so Elon Musk, die Voraussetzung für ein 25.000 Dollar-Auto von Tesla sei nun mal die drastische Kostensenkung bei den Batterien, und das könne man erst in drei Jahren erreichen!

Was für eine Enttäuschung. Die Tesla-Aktie verlor am gestrigen Handelstag 5,6 Prozent, und dann ab 22 Uhr nachbörslich nochmal 6,9 Prozent. Dieses nachbörsliche Minus hat sich abgeschwächt auf aktuell nur noch -4,8 Prozent, und jetzt in der ganz frühen Vorbörse liegt die Aktie bei 403 Dollar.

Tesla-Chef Elon Musk sagte gestern auch, dass es dem Unternehmen in 2020 sehr gut gehe. Man werde trotz schwieriger Umstände wahrscheinlich ein Wachstum zwischen 30-40 Prozent hinlegen. Tesla halte am Jahresziel fest, rund 500.000 E-Autos zu verkaufen. Das wäre eine Steigerung von 36 Prozent im Jahresvergleich. Und das in einer Zeit, wo die „alten“ Autohersteller arg unter der Coronakrise leiden.

Zur großen Tesla-Show gehört wohl auch, dass sich Elon Musk wie gestern geschehen von seinen Fans (die natürlich auch Aktionäre sind) per Hupkonzert abfeiern lässt. Denn HV/Battery Day fanden Corona-bedingt auf einem Open Air-Gelände statt, wo die Anwesenden in ihren Tesla-Autos saßen, und die Tesla-Offiziellen oben auf einer Bühne standen. So eine Show sieht man bei den staubigen Veranstaltungen von Daimler, BMW und Co wohl nicht. Es mag wohl auch dieses hippe, jugendliche Spaß-Image sein, dass Tesla den Erfolg bringt – sei es auch nur ein gefühlter Erfolg.

Blick auf die Aktie

Wird die Tesla-Aktie diesen aktuellen Rückschlag wegstecken? Gut möglich. Denn man schaue auf den folgenden Chart. Man sieht hier den Kursverlauf der Aktie seit Mai – hier wurde der jüngste Aktiensplit schon voll berücksichtigt. Seit Mai gab es einen Anstieg in der Tesla-Aktie von 163 auf über 500 Dollar. Dann der jüngste Rückschlag auf 330 Dollar, wo alle Welt schon an den großen (längst überfälligen?) Crash der Aktie glaubte. Und jetzt sind wir wieder bei 400 Dollar. Man sollte die streng gläubige Gefolgschaft von Elon Musk nicht unterschätzen.

Chart zeigt Kursverlauf der Tesla-Aktie seit Mai

Hier in voller Länge von gestern die Hauptversammlung mit „Battery Day“ von Tesla, die mehr als 270.000 Menschen live verfolgten.

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Markus Koch im Interview mit Dr. Jens Ehrhardt – Markt war überkauft

Redaktion

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Markus Koch spricht im folgenden aktuellen Interview mit Dr. Jens Ehrhardt über die aktuelle Börsenlage. Dr. Ehrhardt ist der Meinung, dass die Börse zuletzt überkauft war, und dass die Kurse deswegen gerade zurückkommen. Das Thema Optionen spielt dabei eine wichtige Rolle. Angesprochen werden im Interview technische wie auch fundamentale Faktoren.

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