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Das Paradoxon der sinkenden Öl-Fördermenge: Die Fracker werden alles kaputt machen

Redaktion

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FMW-Redaktion

Gestern gab es die große Enttäuschung. Saudis und Russen einigen sich auf eine Deckelung der Öl-Fördermenge. Spötter nennen es auch eine Absprache weiter auf Rekordniveau zu fördern, aber egal, es fühlt sich ja fast so an wie eine Begrenzung der Öl-Fördermenge. Aber am Markt ist diese laue Maßnahme brutal verpufft, der Ölpreis (WTI und Brent) fiel danach bis jetzt um mehr als zwei Dollar.

Fracking-in-Wyoming-USA Öl-Fördermenge
Fracking in Wyoming, USA. Foto gemeinfrei.

Auch wenn man heute den Irak und den Iran mit ins Boot holten sollte für eine Deckelung (unwahrscheinlich), bleibt das Hauptproblem für eine tatsächliche Senkung der Öl-Fördermenge. Die USA als Staat kann man dafür nicht mal eben so gewinnen.

Die Öl-Förderung in den USA wird im laufenden Jahr aller Voraussicht nach spürbar fallen, aber nicht weil die Fracking-Firmen verstanden haben, dass sie die Öl-Fördermenge reduzieren müssen für einen Anstieg im Preis, sondern weil viele pleite gehen oder kurz davor sind pleite zu gehen. Mehr als 70 Öl-Förderer in den USA haben derzeit ernsthafte Probleme mit ihrer regulären Schuldentilgung. Alleine letzte Woche wurden 28 Öl-Bohrstellen in den USA dicht gemacht, was die „Oil Rigs“ auf nur noch 439 runtergebracht hat – vor einem Jahr waren es noch 1.056. Das ist der niedrigste Stand der Rigs seit 6 Jahren, wo der Fracking-Boom in den USA so richtig begann. Die Produktion in North Dakota und Texas in den Haupt-Fracking-Feldern wie Bakken und Eagle Ford war letztes Jahr erstmals rückläufig. Auch die staatliche Energieagentur IEA erwartet für das laufende Jahr einen Rückgang der US-Produktion um 740.000 Barrels pro Tag auf 8,7 Millionen. Aber das reicht noch lange nicht, es ist nur ein erster Tropfen auf den heißen Stein.

Einige Produzenten wie auch Trader in Chicago lassen durchblicken: Steigt der amerikanische Ölpreis WTI Richtung 50 Dollar, werden die Fracking-Firmen ihre Produktion wieder drastisch hochfahren, was sie innerhalb von ca. 2 Monaten schaffen sollten. Damit klärt sich automatisch auch die Frage, wo denn im Schnitt (!) der Break Even der Fracker in den USA liegt, bei ca. 50 Dollar. Aber man muss betonen, je nach Fördergebiet, technischem Know How der einzelnen Firma, Größe der Firma und Höhe der Finanzierungskosten fördert der eine vielleicht mit einem Break Even von 30, der andere bei 60 Dollar.

Man darf davon ausgehen: Steigt der Ölpreis in diese Region um die 50 Dollar, werden sie alle schnell wieder da sein: Die Fracking-Firmen und die Banker mit ihren Anleihe-Finanzierungsmodellen – und die Gläubiger von kaputten Zombie-Frackingbuden werden hoffen, dass diese beim schnellen Hochfahren der Produktion wieder ein paar Dollar verdienen um ihre Altschulden abzahlen zu können, was bei jetzigen Ölpreisen kaum noch möglich ist.

Aber wie wir in den letzten Monaten schon mehrmals angedeutet haben: Mit diesem schnellen „Wieder Hochfahren“ der Ölproduktion in den USA, zu der es aller Voraussicht nach kommen würde, sägen die Fracker an dem dünnen Ast, auf dem sie alle zusammen sitzen. Saudis, Russen und Co werden kein zweites Mal zuschauen, wie die Fracker ihnen ihre Marktanteile streitig machen. Sie würden dann sofort auch ihre Öl-Fördermenge raufschrauben, und die totale Überflutung des weltweiten Ölmarktes wäre wieder hergestellt. Die Folge: Der Ölpreis bricht erneut ein.

Es ist ein Paradoxon: Alle, wirklich alle Öl-Förderer möchten gerne höhere Ölpreise haben, alle brauchen sie dringend. Aber nur die amerikansichen Fracking-Firmen scheinen nicht zu verstehen, dass sie ihre Öl-Fördermenge für längere Zeit nicht wieder hochfahren können. Das Problem liegt in der Struktur der Förderung in den USA, die anders als im Iran, in Saudi-Arabien, Russland oder Venezuela nicht zentral durch den Staat gesteuert wird. Hunderte kleine und große Fracking-Firmen wurschteln alleine vor sich hin, ohne staatlichen Eingriff, auch ohne Abstimmung in einem Dachverband. So ist es unmöglich eine abgestimmte Förderpolitik hinzubekommen, die einen nachhaltigen Mengeneffekt für die weltweite Öl-Fördermenge hat. Es wird so kommen: Steigt der Ölpreis, jubeln die Fracker und fahren ihre Produktion wieder hoch, ohne groß nachzudenken, was das letztlich bedeutet.


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