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Saudi-Arabien: Staatsfonds schmilzt in Rekordtempo – das geht uns auch was an!

Redaktion

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FMW-Redaktion

Gleich mehr zu der Tatsache, was das mit uns zu tun hat, aber erst mal die harten Fakten. Saudi-Arabien hat neben Norwegen, Katar etc im Lauf der letzten Jahrzehnte ein gigantisches Staatsvermögen angehäuft durch Überschüsse aus dem Verkauf von Öl. Der Ölverkauf ist immer noch hochprofitabel, allerdings reicht er nicht mehr aus um die Staatsausgaben zu decken. Also muss Saudi-Arabien (Norwegen fängt damit auch gerade an) die Lücke im Haushalt schließen durch das Anzapfen der Reserven.

König-Salman Saudi-Arabien
König Salman ibn Abd al-Aziz von Saudi-Arabien muss anfangen zu sparen. Foto: Gemeinfrei

Und das Abschmelzen der Reserven nimmt jüngst dramatisch an Fahrt auf, wie jetzt veröffentlichte Zahlen der Notenbank von Saudi-Arabien zeigen. Von Dezember auf Januar sind die Reserven um 14,4 Milliarden Dollar gefallen auf 594 Milliarden US-Dollar. Das ist ein Minus von 2,36% in nur einem Monat, und es ist damit der dritte Absturz von mehr als 10 Milliarden Dollar pro Monat nacheinander! Von Januar 2015 auf Januar 2016 schmolzen die Reserven um 132 Milliarden Dollar oder 18,2%.

Saudi-Arabien 1
Grafik: Notenbank von Saudi-Arabien SAMA (Beträge in Riyal / USD vs Riyal 3,75).

Und man bedenke: Der Ölpreis verharrt auf einem tiefen Niveau, und die Bemühungen des Königshauses die Staatsausgaben zurückzufahren sind bisher eher ein Tropfen auf den heißen Stein. Und jetzt kommt noch hinzu: Der Iran hat im Februar seine Fördermenge und Exportmenge nach dem Ende der westlichen Sanktionen drastisch ausgeweitet und wird die Expansion fortsetzen, wie es jüngste Statements aus dem Iran bestätigen. Also selbst wenn die Saudis, Russen und Co sich auf eine Reduzierung der Förderung einigen würden um den Preis hochzutreiben: Die Iraner und die amerikanische Fracking-Industrie würden eine Ausbalancierung des Ölmarkts torpedieren. Man kann also sagen: Das Königshaus in Riad hat die Kontrolle über ihren Öl-Krieg verloren, mit dem man eigentlich die Fracking-Industrie zerstören wollte. Die geht zwar den Bach runter, aber man selbst crasht in Rekordzeit auch seine Geldreserven runter.

Sind die aufgebraucht, muss man wie die Industrienationen auch Kredite vom globalen Kapitalmarkt ansaugen. Und wie kreditwürdig wäre ein Land wie Saudi-Arabien ohne produzierendes Gewerbe? Wie solvent wäre Saudi-Arabien als Anleiheschuldner, das in seinem völlig überladenen Staatssektor sein Volk mit Posten versorgt, die gar nicht normal refinanziert werden können? Die saudische Volkswirtschaft basiert nur auf Öleinnahmen. Vielleicht hat man noch zwei drei gute Jahre mit seinem Cash-Berg. Wenn der weg ist, wird es verdammt ungemütlich.

Saudi-Arabien bringt uns einen Reverse QE

So, und was hat das alles mit uns zu tun? Wir könnten uns doch ins Fäustchen lachen. Hahaha, die Saudis, jetzt sind die endlich mal fällig, oder wie? Nein, alles hängt mit allem zusammen. Als Saudi-Arabien noch Überschüsse produzierte basierend auf dem hohen Ölpreis, war das Land Netto-Exporteur von Cash. Das überschüssige Geld musste irgendwo angelegt werden, und da im Nahen Osten nichts zum Anlegen war, pumpten die Saudis zusammen mit ihren Golfnachbarn ihr Cash nach Europa und Nordamerika, vor allem in Aktienbeteiligungen. IdR traten die Golfstaaten als verlässliche und langfristige Kapitalinvestoren auf, was deutsche und US-Konzerne sehr gut fanden! Aber das ist jetzt zunehmend vorbei. Im selben Maß wie die Saudis Kapitalbedarf haben und der Staatsfonds abschmilzt, müssen sie ja folgerichtig vor allem in den USA Anleihe- und Aktieninvestments zu Cash machen. Das dann entstehende Bargeld wird von US-Dollar oder Euro in saudische Riyals zurückkonvertiert und nach Hause überwiesen, wo es die Haushaltslöcher stopfen soll.

Diese Maßnahme wirkt für die USA und Europa wie eine Art „Reverse QE“. Also im Gegenzug zur Geldschwemme der EZB (und vorher auch der Fed) wird jetzt unseren Kapitalmärkten Geld entzogen, was die Wirtschaft tendenziell schwächt und die Aktienmärkte langfristig runterzieht. Im Tagesgeschäft ist das kaum messbar, aber auf Sicht von 1 oder 2 Jahren schon eher. Es ist ein Effekt, der gegen die Geldschwemme der EZB arbeitet. Und es sind ja nicht nur die Saudis. Von anderen Staatsfonds bleiben neue Mittelzuflüsse aus, und sie ziehen wie die Saudis tendenziell auch eher Geld ab. Also ist diese Maßnahme für unsere Börsen und für unsere Realwirtschaft schlecht, weil Geld abfließt, das eigentlich bei uns als Investitionskapital arbeiten sollte.

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Helmut Josef Weber

    1. März 2016 10:02 at 10:02

    Am Ende kaufen die Amis mit ihren grünen Baumwolllappen die Goldreserven der Pleitestaaten auf.
    Viele Grüße
    H. J. Weber

    • Avatar

      Wolfgang Koch

      1. März 2016 13:09 at 13:09

      Falsch.Amis kaufen nichts auf.Mit ihrer schwindsüchtigen Währung sind sie dazu auch nicht in der Lage.Ich denke eher,dass die hinterhältigen Hakennasen irgendwo Massenvernichtungswaffen im Sand verbuddelt haben.Auf sie mit Gebrüll!Und sollte bis dahin noch IM Erika an der Macht sein,sind wir diesmal auch dabei!Gerhard,bitte bitte komm aus dem russischen Exil zurück!

  2. Avatar

    Helmut Josef Weber

    1. März 2016 13:31 at 13:31

    Hallo Wolfgang Koch .
    Seit geraumer Zeit lese ich aber, dass der Dollar immer stärker wird.
    Und mit einem viertel der Dollar, die sie im Jahr an Zinsen zahlen (bzw. drucken) müssen, könnten die Amis schon ihre Goldreserven verdoppeln.
    Viele Grüße
    H. J. Weber

    • Avatar

      Wolfgang Koch

      1. März 2016 16:45 at 16:45

      Herr H.J.W.Das ist natürlich vollkommen korrekt.Es scheint sich dabei aber um das Gleichnis zu handeln:Unter den Blinden ist der Einäugige König!Ist eine einigermassen krieglose Weltordnung,wie zwischen 1950&2010 weiterhin möglich,wenn 10 Weltmächte diese verwalten müssen und die vermeintlich mächtigste eigentlich Pleite ist?Dass die „Pleitestaaten“,dann ihre Goldreserven,falls überhaupt noch vorhanden, ausgerechnet dem 3.höchst verschuldeten Staat der Welt(nach Japan&Griechenland)verkaufen würden?Nein,ich glaube eher an einen weltweiten,alternativlosen,20 %igen Vermögensschnitt.Ich bekämpfe ihn,denke aber,dass ich verliere.Wenn denn dem so sein wird.verfluche ich Angie&Ihre Banditen umso mehr.Wer,wie ich allerdings schon mit der Deutschen Bank zu tun hatte,ist Verlustresistent bis geht nicht mehr!Dass ich die 3Personen jeden Abend in meinem Gute-Nacht-Gebet,Auge um Auge,Zahn um Zahn,zur Hölle wünsche ist ebenso verständlich!

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Rüdiger Born: Was der Markt bei Gold noch benötigt für einen Long-Einstieg

Rüdiger Born

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Coronakrise vorbei? So stark verlieren die „kleinen“ Leute in den USA

Claudio Kummerfeld

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Verrammelte Einzelhandelsgeschäfte

Ist die Coronakrise überstanden? Die ersten Corona-Impfungen könnten schon in den nächsten Tagen erfolgen. Und außerdem, der Dow Jones steht bei 30.000 Punkten, während er vor Ausbruch der Coronakrise noch bei 29.300 Punkten im Januar lag. Auch der S&P 500 Index und vor allem der Nasdaq notieren deutlich höher als im Januar. Klarer kann die Börse doch nicht signalisieren, dass die Krise überwunden ist. Richtig? Nun ja. Schauen wir uns mal folgende Charts an. Sie sind Teil einer Datenbank, welche unter anderem von der Harvard University betrieben wird.

Geringverdiener in den USA verlieren in der Coronakrise brutal, Besserverdiener legen sogar zu

Anhand unzähliger Daten werden möglichst aktuell ökonomische Verläufe in den USA angezeigt, aus denen man den Verlauf der wirtschaftlichen Erholung aus der Coronakrise in diesem Jahr erkennen kann. Da wäre zum einen folgende Grafik interessant, wenn es um die Beschäftigung geht. Sie zeigt die Beschäftigungsquoten in den USA von Januar bis Ende September. Für die Besserverdiener mit mehr als 60.000 Dollar Jahresgehalt ist die Beschäftigungsquote seitdem sogar um 0,2 Prozent gestiegen. Man darf vermuten: Jede Menge neue Jobs für Webseitenprogrammierer, Cloud-Experten uvm. Alles was eben in der Coronakrise vermehrt gefragt ist. Die Beschäftigung in der Mittelschicht (27.000-60.000 Dollar) hat um 4,7 Prozent abgenommen.

Und jetzt kommt´s. Die Geringverdiener mit weniger als 27.000 Dollar Jahresgehalt hat eine um 19,2 Prozent sinkende Beschäftigungsquote in den USA. Es ist klar. Gerade im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gab es für eine große Masse gering- oder gar nicht qualifizierter Menschen (bisher) massenweise Jobs in der Gastronomie oder im Entertainment-Bereich (Restaurants, Bars, Freizeitparks etc). Und gerade diese Bereiche leiden under Lockdowns in der Coronakrise (siehe jüngst Walt Disney mit zehntausenden Entlassungen in Freizeitparks). Die kleinen Leute verlieren in der Coronakrise massiv, die gut Qualifizierten sind unterm Strich die Gewinner. Die drei Linien zeigen die Verläufe der jeweiligen Beschäftigungsquoten seit Januar.

Chart zeigt Beschäftigungsquoten in den USA

Fast 30 Prozent der kleinen Geschäfte seit Januar geschlossen

Die folgende Grafik zeigt zum aktuellsten Stichtag 16. November mit Verlauf über das Jahr hinweg, wie viele kleine Unternehmen im Vergleich zu Januar noch geöffnet sind. Landesweit sind es in den USA derzeit 28,9 Prozent weniger, und die Tendenz ist negativ. Im derzeit zweiten Lockdown gibt es dank der Streitigkeiten zwischen Republikanern und Demokraten in den letzten Monaten keine neuen Hilfspakete. Kann Joe Biden ab dem 20. Januar als neuer US-Präsident einiges bewegen mit neuen Billionen-Hilfsprogrammen? Kann die ehemalige Fed-Chefin Janet Yellen als neue Finanzministerin womöglich bei den Republikanern im US-Kongress etwas herausschlagen für neue Hilfsprogramme? Die sogenannte Unterschicht und kleine Geschäftsinhaber drohen völlig abzustürzen und auch nach der Coronakrise zu den großen Verlierern zu gehören. Langfristig dürfte die Massenarmut in den USA wohl massiv zunehmen.

Chart zeigt Verlauf der geöffneten kleinen Geschäfte in den USA

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Arbeitsmarkt im Corona-Märchenland – weniger Arbeitslose!

Claudio Kummerfeld

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Eingang zu einer Außenstelle der Bundesagentur für Arbeit

Der Arbeitsmarkt zeigt sich weiterhin im Märchenland-Zustand, aber nur auf den ersten Blick. Man kann in der schlimmsten Rezession der letzten Jahrzehnte eine weiterhin sehr geringe Arbeitslosigkeit präsentieren, weil es hierzulande anders als in vielen anderen Ländern das Instrument der Kurzarbeit gibt. Zählt man diesen Ersatz für die Arbeitslosigkeit nicht zur offiziellen Arbeitslosenquote hinzu, dann kommt der deutsche Arbeitsmarkt derzeit ganz wunderbar durch die Coronakrise und den zweiten Lockdown.

Im November ist die offizielle Arbeitslosigkeit gemäß heute veröffentlichten Daten sogar rückläufig. Im Monatsvergleich sinkt sie von 2,76 auf 2,70 Millionen arbeitslose Personen. Die offizielle Arbeitslosenquote sinkt von 6,0 Prozent auf 5,9 Prozent. Gegenüber November 2019 steigt die Arbeitslosigkeit um 519.134 Personen an (Quote damals 4,8 Prozent). Die tatsächliche Arbeitslosigkeit (ohne Kurzarbeit) namens „Unterbeschäftigung“ sinkt von 3,56 auf 3,52 Millionen, oder von 7,6 Prozent auf 7,5 Prozent.

Kurzarbeit steigt

Tja, die zweite Corona-Welle und der „sanfte Lockdown“ beschert dem Arbeitsmarkt auf den ersten Blick keine Verschlechterung, dafür aber der Kurzarbeit. Letztlich in der Realität arbeitslos, werden viele Beschäftigte in Gastronomie und Hotellerie „geparkt“ als Kurzarbeiter. Laut heutiger Aussage der Bundesagentur für Arbeit wurde im Zeitraum vom 1. bis einschließlich 25. November für 537.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt. Der deutliche Anstieg im Vergleich zum Vormonat erklärt sich laut der Bundesagentur mit dem seit Anfang November bestehenden Teil-Lockdown.

Endgültige Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme der Kurzarbeit stehen bis September zur Verfügung. So wurde nach vorläufigen hochgerechneten Daten der Bundesagentur für Arbeit im September für 2,22 Millionen Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Die Inanspruchnahme des Kurzarbeitergelds hat nach dem bisherigen Höchststand im April mit knapp 6 Millionen sukzessive abgenommen. Das ifo-Institut hatte gestern zum Thema Kurzarbeit im November berichtet. Demnach steige die Kurzarbeit spürbar an. Der Anteil der Firmen mit Kurzarbeit ist demnach im November erstmals seit Monaten wieder angestiegen, und zwar von 24,8 Prozent im Oktober auf 28,0 Prozent im November. Die Bundesagentur für Arbeit sagt zu den Zahlen heute im Wortlaut:

Der Arbeitsmarkt hat auf die Einschränkungen im November reagiert – glücklicherweise aber im Moment nicht mit einer Zunahme von Entlassungen. Allerdings sind die Betriebe wieder zurückhaltender bei der Personalsuche und haben im November wieder für deutlich mehr Mitarbeiter Kurzarbeit angezeigt.

Grafik zeigt aktuelle Details aus November zum deutschen Arbeitsmarkt

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