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Wirtschaftswachstum und Inflation Deutschland: Das kommt irgendwie nicht zusammen

FMW-Redaktion

Von Bankanalysten und so manchem Pressevertreter hörte man gestern recht euphorische Research-Notes bzw. Statements. Denn gestern wurden vom Statistischen Bundesamt nach einer vorigen Schnellmeldung vom 13. Mai die Daten für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das 1. Quartal bestätigt. Demnach wuchs das BIP um 0,7%, wo es im Q4 2015 noch um 0,3% anstieg. Damit steigt das BIP im 7. Quartal in Folge (2. Grafik). Zitat vom Bundesamt zu den Zahlen:

Positive Impulse kamen im Vorquartalsvergleich (preis-, saison- und kalenderbereinigt) vor allem aus dem Inland. Insbesondere die Investitionen zogen zum Jahresbeginn deutlich an: In Ausrüstungen wurde 1,9 % mehr investiert als im vierten Quartal 2015. Die Bauinvestitionen – begünstigt durch die milde Witterung – stiegen sogar um 2,3 %. Zudem steigerten die privaten Haushalte ihre Konsumausgaben (+ 0,4 %), und die staatlichen Konsumausgaben waren um 0,5 % höher als im Vorquartal. Die Nachfrage aus dem Ausland ist ebenfalls gestiegen. Den vorläufigen Berechnungen zufolge wurden insgesamt 1,0 % mehr Waren und Dienstleistungen exportiert als im vierten Quartal 2015 (preis-, saison- und kalenderbereinigt). Allerdings erhöhten sich die Importe im selben Zeitraum etwas stärker (+ 1,4 %). Dadurch dämpfte der Außenbeitrag – also die Differenz aus Exporten und Importen – das Wirtschaftswachstum rechnerisch um – 0,1 Prozentpunkte.

Also kann man sagen: Es geht gut bergauf. Der Staat konsumiert deutlich mehr bzw. gibt deutlich mehr aus vor allem wg. den Flüchtlingsaufwendungen. Die Verbraucher konsumieren mehr, die Unternehmen investieren endlich mehr in Maschinen, Gebäude etc. Die Arbeitslosigkeit ist niedrig. All das resultiert in dem guten BIP-Zuwachs. Und all das müsste nach allgemein gültiger Volkswirtschaftslehre in steigenden Verbraucherpreisen, also Inflation münden. Aber genau das passiert nicht, worauf wir schon mehrfach hingewiesen haben.

Den ganzen Zirkus, den die EZB seit März 2015 veranstaltet mit Geldschwemme + Negativzinsen, macht sie um die Preise zum Ansteigen zu bekommen. Höhere Ausgaben der Verbraucher und der Unternehmen mögen zwar schön sein, aber wenn die Preise selbst nicht steigen, bringt das der EZB nichts. Und genau da ist das Problem. Gerade wg. dem niedrigen Ölpreis versucht ja die EZB als Stimulus alles mit Geld zu fluten, aber das funktioniert für die Inflation immer noch nicht.

Selbst für Deutschland liegen die aktuellsten Inflationsdaten im Bereich der Deflation, also fallende Preise, was gemäß der obigen Jubel-Daten eigentlich gar nicht sein dürfte. Den Faktor des brutalen Preiskriegs im Einzelhandel, auch oder vor allem durch Onlineanbieter verursacht, haben die Statistiker der EZB abgesehen vom Ölpreis wohl nicht berücksichtigt.

BIP

BIP 2



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2 Kommentare

  1. Die Ausgaben der Privathaushalte 0,5% mehr, natürlich wir haben ja auch einen riesen Zuwachs bekommen! Die Bauinvestition hat zugenommen, ja sozoaler Wohnungsbau für den Zuwachs. Alles zusammen Steuergelder!!!!!!!
    Was für ein nachhaltiges Wachstum :-)))

  2. “ … Und all das müsste nach allgemein gültiger Volkswirtschaftslehre in steigenden Verbraucherpreisen, also Inflation münden.“

    Da habe ich die VWL-Aussagen aber ganz anders in Erinnerung.

    Nur ein Beispiel: Vorhandene Überkapazitäten auf der Angebotsseite werden durch den Nachfrageschub endlich mal wieder besser ausgelastet.
    Da is sich ceteris paribus erst mal nix mit Inflation.

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